
Dezember 2008 / Victoriah Szirmai
Der Ton, der aus der Kälte kam ... Island – Land zwischen Feuer und Eis, zwischen Gletschern und Geysiren, Land der Rentiere, Schafe, Elfen und anderen Fabelwesen, wie beispielsweise der fragil-eigenwilligen Sängerin Björk, dem Nobelpreis tragenden, Nippespüppchen sammelnden, mit taostischen Themen liebäugelnden Sinnsucher Halldór Laxnes oder auch meinem ehemaligen Philosophiedozenten Logi Gunnarsson, wegen seiner Vorliebe für Seminare zur personalen Identität auch „der Schädelspalter“ genannt. Jaja, sie sind schon eigen, diese Isländer. Das gilt auch für deren Musik. Was wäre die Welt um einige schillernde Gestalten ärmer, müsste sie beispielsweise auf den Jazzbassisten Skúli Sverrisson, die Funk-Fusion-Band Mezzoforte, die sphärischen Melancholiker Sigur Rós oder Elektroniker wie Múm oder GusGus verzichten – oder eben auf Johann Johannsson!

Legt man dessen am 31. Oktober 2008 auf 4ad/Beggar (Indigo) veröffentlichtes Album Fordlandia in den Abspieler, hört man erst einmal – nichts. Ganz allmählich erst enthüllt der Meister der leisen Töne seine fast kammermusikartigen Pretiosen, die sich wie der Soundtrack zu einem Film, der im Ewigen Eis, in Landschaften von traumhafter Unwirtlichkeit spielt, vor dem Hörer auftun: Allein vom Hören wird einem kalt! Allen naheliegenden Analogien zum Trotze ist Fordlandia nach Henry Fords legendärem Experiment in Amazonien, heute eine Geisterstadt in der Nähe von Santarém, benannt. Tropen statt Tiefgekühltes also. Die Weite, die Leere aber bleibt die gleiche; ihr haftet etwas nachgerade Erhabenes an, dem man nur ehrfürchtig und mit Respekt zu begegnen weiß. Dieser Musik wohnt etwas Sakrales inne – unmöglich, sie einfach nebenher laufen zu lassen.


Das Werk als Ganzes entzieht sich weitgehend der Einordnung. Zwar läuft das Album bei der Plattenfirma unter „Ambient“, doch muss man, um dem zuzustimmen, schon über einen sehr weit gefassten Genre-Begriff verfügen. Vielmehr scheint es sich bei Fordlandia um eine Musik zu handeln, die die Grenzen zwischen Klassik und Elektronik verschwimmen lässt; und ähnlich wie bei Steve Reichs Daniel Variations wird es vermutlich sowohl in den Regalen von Liebhabern zeitgenössischer (sogenannter) E-Musik wie auch junger Elektro-Experimentierer zu finden sein.
Auch wenn der aktuelle Claim eines großen Mobiltelefonherstellers die Behauptung aufstellt, „Musik ist Geschmackssache. Sound eine Frage von Qualität“, kann an dieser Stelle nur einmal betont werden, dass Musik in jedem Falle und vorrangig qualitätsabhängig ist (dass auch Sound Geschmackssache sein kann, werden die Herrn Herausgeber zu bezeugen wissen). Nicht zuletzt Fordlandia tritt den Beweis an. Denn es geht nicht um Pop oder Jazz oder HipHop oder Heavy Metal - und schon gar nicht um sogenannte U-Musik oder E-Musik. Es geht einfach um gute oder schlechte Musik. Fordlandia, das ist verdammt gute Musik, jenseits aller Genregrenzen.
Vollverstärker:
Dussun V8
Audiochina GmbH
www.dussunpower.org
UVP: 1.200 EUR
Equipment:
Quelle:
Audiomeca Obsession II
Creek Destiny
Verstärker:
Accuphase E-212
Classic 6.6
Creek A 50i
Lua 4040C
Lautsprecher:
Thiel CS 2.4
ZU Druid mk4
Sehring 703 SE
Spendor S3/5
Sonics Argenta
Kabel:
NF: Straight Wire Virtuoso, Zaolla Reinsilber NF
LS: Ortofon SPK 500, Straight Wire Rhapsody, HMS Al Cinema
wegen seiner vorliebe für seminare zur personalen identität auch „der schädelspalter“ genannt.
tropen statt tiefgekühltes also. die weite, die leere aber bleibt die gleiche.
zwar läuft das album bei der plattenfirma unter „ambient“, doch muss man, um dem zuzustimmen, schon über einen sehr weit gefassten genre-begriff verfügen.