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Max Raabe | Meike Köster | Regina Spektor | Joan As Police Woman | Cosmonautix | Slagr | Cassandra Wilson

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Max Raabe | Meike Köster | Regina Spektor | Joan As Police Woman | Cosmonautix | Slagr | Cassandra Wilson
  2. 2 Regina Spektor / Live in London

    Regina Spektor / Live in London

    Irgendwo zwischen Indie und Folk zu Hause ist auch die Sängerin und Pianistin Regina Spektor, der mit ihrem - immerhin schon dritten - Album Soviet Kitsch 2004 der Durchbruch gelang. Seitdem spielte sie im Vorprogramm der Strokes oder der Kings of Leon; und regelmäßig reißen sich die Produzenten von Erfolgsfernsehserien wie Grey‘s Anatomy darum, ihre Songs verwenden zu dürfen. Sie dürfen mit ausdrücklicher Billigung der Künstlerin, denn die Lieder von Spektor sind nicht bloßer Soundtrack, sondern verbinden sich mit der Storyline - und das, obwohl selbst ihre Schöpferin manchmal erst Jahre später weiß, worum es in den mysteriösen Texten eigentlich geht.

    Nach zwei weiteren Alben wurde Regina Spektor nun die Ehre zuteil, sich in die illustre Riege derjenigen einzureihen, die ein Live-Album im legendären Londoner Hammersmith Apollo aufnehmen durften. Live in London, das auch als Filmmitschnitt auf DVD erschienen ist, enthält zweiundzwanzig Songs, die Regina Spektor am Flügel zeigen, begleitet nur von Drums und Streichquartett. Zwar stammen die sorgfältig ausgewählten Stücke größtenteils von ihren letzten beiden Alben Begin To Hope (2006) und Far (2009), aber auch Soviet Kitsch ist mit Titeln wie Us, Ode To Divorce oder dem großartigen Sailor Song, dessen Refrain aus der trunkenen Wiederholung der Textzeile „Mary-Anne’s a bitch“ besteht und der allein die Anschaffung dieses Albums rechtfertigt, vertreten. Weitere Lieblingslieder sind That Time und Machine.

    Regina Spektor

    Live in London macht mehr aus Spektors Songs: ob nun ein Mehr an Druck oder ein Mehr an Zärtlichkeit, in jedem Falle ein Mehr an Intensität. Die Live-Atmosphäre lässt Raum für den einen oder anderen spontanen Soundeffekt, der so im Studio nie entstanden wäre. Drei neue Songs gibt es auch, einer davon Love, You’re A Whore, der in bester Countryshuffle-Line Dance-Manier à la Cotton Eye Joe das Konzert furios und wild fiedelnd mit einer großen Portion Humor abschließt.

    Für alle, die bisher aus unerklärlichen Gründen noch keine nähere Bekanntschaft mit der wundersamen Welt Regina Spektors gemacht haben, ein idealer Einstieg. Nicht zuletzt wurde Live in London zur posthumen Hommage an Spektors Cellisten Daniel Cho, der einen Tag vor seinem Auftritt mit Spektor beim Montreux Jazz Festival im Genfersee ertrank. Hier ist er noch einmal in Höchstform zu erleben.

    Joan As Police Woman / The Deep Field

Victoriah Szirmai / März 2011

Diese Ausgabe unserer Musik-Kolumne enthält sieben neue Platten von folgenden Künstlern: Max Raabe | Meike Koester | Regina Spektor | Joan As Police Woman | Cosmonautix | Slagr | Cassandra Wilson

Max Raabe / Küssen kann man nicht alleine

Max Raabe / Küssen kann man nicht alleine

Treue Leser dieser Kolumne erinnern sich vielleicht noch an die Besprechung von Max Raabes Übers Meer, einer bezaubernd schlichten Platte, für die der Sänger erstmals sein Palast Orchester zu Hause ließ, um sie in aller Stille mit dem Pianisten Christoph Israel einzuspielen. Und so wandelte Raabe mit Übers Meer vor einem Jahr erstmals auf Solopfaden, aber es gefiel ihm nicht. Traurig und allein saß er am Straßenrand und stellte resigniert fest, dass man alleine nun mal nicht küssen kann. Da kam ein großer Hund vorbei, der trug dasselbe wie der Sänger: nämlich schwarz-weiß. Er durfte mit aufs Foto, und Max Raabe war nicht mehr so allein. Allerdings kann man auch mit Hunden nicht besonders gut küssen, es sei denn, man ist immun gegen den Sabber. Nein, da fehlt ganz einfach noch jemand, befand Max Raabe.

Dieser Jemand findet sich in Gestalt von Ich+Ich-Schöpferin Annette Humpe, die aus heiterem Himmel bei Raabe anruft. Ihr sei gerade eine Textzeile eingefallen, die nach Zwanzigerjahre-Chanson, kurz: nach Max Raabe klänge. Aus dieser einzelnen Zeile ist mittlerweile ein ganzes Album entstanden, mit zwölf von Raabe und Humpe geschriebenen Songs. Und wieder ist das eine Premiere für den Chansonnier, denn obgleich er zwar schon durchaus eigene Lieder komponiert hat, reichte es bislang noch nie zu einer ganzen Platte voller Eigenkompositionen. Alte Bekannte dürfen bei diesem Experiment aber nicht fehlen: Natürlich reicht Pianist und Arrangeur Christoph Israel auch hier seine helfende Hand, während 2Raumwohnung, und damit Annettes jüngere Schwester Inga Humpe, mit dem Remix der ersten Singleauskopplung beauftragt wurden, was Max Raabe endgültig in der urbanen Elektro-Pop-Welt ankommen lässt.

Max Raabe mit Frau Humpe

Jedes der Lieder auf Küssen kann man nicht alleine erzählt eine kleine Geschichte, mal zeitlos von Zwischenmenschlichem, mal ganz aktuell von Günther Jauch und Eisbär Knut (Bin nur wegen Dir hier). Gern stilisiert sich der „Lausbub im Frack“ da zum Agenten (In geheimer Mission), fühlt sich aber schon im nächsten Atemzug auch mal als Wurm (Täglich besser). Oder bedarf als ICE-Fahrgast ob der erotischen Ausstrahlung der Schaffnerin dringend ärztlicher Hilfe. Seine genaue Beobachtungsgabe, die das Ungewöhnliche im Alltäglichen und das Allgemeingültige im Besonderen mittels feinster Ironie sichtbar werden lässt, hat der Sänger mit Humpe gemein. Raabe und Humpe teilen eine Weltsicht, die man als „heitere Melancholie“ bezeichnen könnte – und dazu sind nun einmal ein paar Lebensjahre mehr nötig. Du weißt nichts von Liebe könnte hier getrost als genrekonstituierend angesehen werden.

Mein persönliches Lieblingslied auf Küssen kann man nicht alleine aber ist – neben dem sehr sehr lustigen Doktor, Doktor, das ganz Raabe-untypisch groovt wie Hund – Ich hab dich zum Weinen gebracht, dessen Melodie mich an Rosamunde (ja, genau: Rosamunde, schenk mir Dein Herz und Dein „Ja“) erinnert. Da diese schöne tschechische Polka von 1927 hierzulande vor allem in der Schlagerversion von Dennie Christian bekannt ist, musste ich zwar erst einmal all meine Schlagerressentiments abwerfen, aber dann! Dann entpuppt sich Ich hab dich zum Weinen gebracht als echter Ohrwurm. Auch Krank vor Liebe erinnert mich an einen anderen Klassiker: die Benny Goodman-Nummer The Glory Of Love von 1936. Vielleicht fühlt man sich mit Küssen kann man nicht allein auch deshalb so wohl, weil einem viele der Lieder von fern bekannt vorkommen. Küssen kann man nicht alleine gibt es auch auf Vinyl.

Meike Koester / Seefahrerherz

Meike Köster / Seefahrerherz

Waren ihre EP Angel (1996) sowie die Alben Soap for Dirty Girls (2002) und Live Love Travel Free (2006) noch englischsprachig und irgendwie plüschiger, hat Meike Koester auf ihrem neuen Album Seefahrerherz nicht nur zu ihrer Muttersprache zurück, sondern auch zu ihrem ureigenen Ton gefunden. Das macht sich umso mehr dort bemerkbar, wo der Fluss von Seefahrerherz nach drei deutschen Songs vom englisch-sprachigen Titel Under My Blanket unterbrochen wird, der so gar nicht so der bis dahin kreierten Atmosphäre passen will. Schließlich startete die Braunschweiger Sängerin/Songwriterin eher bluesig in die Platte. Wer Meike Koester bisher nicht kannte, erwartet aufgrund des Auftaktes dann auch ein Organ irgendwo zwischen Cassandra Wilson und Marla Glen – findet sich dann aber mit Koesters Engelsstimme konfrontiert, die erst beim zweiten Hinhören einen sexy rauhen Hauch hat und eben doch gut zum Blues passt. Das ist bei der englischen Unterbrechung alles vergessen: nicht nur wird die Musik gitarrenschrammeliger, auch Koesters Stimme klingt höher, weniger geerdet.

Meike Köster mit Koffer

Aber schon mit Track fünf (Unterwegs) geht die Reise weiter; passend zum Sujet des Unterwegsseins, ohne Halt zu Hause aber das Ziel noch nicht in Sicht, rumpelt er rotzig vor sich hin. Dann wieder klingt Meike Koester poppig wie die Louisan (Du startest das Jahr) – vielleicht, weil es beide Künstlerinnen verstehen, eine innige, ja intime Atmosphäre mit einer ganz dicht am Mikro aufgenommenen und dann ebenso dicht ins Ohr des Hörers kriechenden Stimme zu schaffen. Nur, dass Koester nicht mit dem Lolita-Image kokettiert wie ihre Landsmännin. Ebensowenig reiht Koester sich in die Reihe der vielen musikmachenden Fräuleins ein. Im Gegenteil: Seefahrerherz ist eine sehr erwachsene Platte, im durchweg positiven Sinne, mit allen Zweifeln, die das Erwachsensein oder -werden so mit sich bringt. Nicht umsonst ist das große Thema des Albums die See, das Fernweh, das Weggehen, das sich auf ein Ankommen freuen, wenngleich angekommen auf Seefahrerherz eher nicht wird. Die Platte ist eher Suchen denn Finden.

Meike koester mit Gitarre

Perfekt dazu passt Meike Koesters Musik, die irgendwo mal als „PopRockCountryFolk“ beschrieben wurde. Auf Wenn die Liebe stirbt manifestieren sich dezent im Hintergrund orientalische Klänge, während Zeig mir den Sinn eine ziemlich klassische Gitarrenrocknummer ist, die mir persönlich allerdings etwas zu spirituell anmutet. Auf Brief an deine Mutter wiederum gelingt das Kunststück, das tragische Thema trotz des butterweichen Streicherintros gänzlich kitschfrei anzugehen. Wenn sich dann noch Nils Wograms Posaune dazugesellt, fühlt man sich seltsam getröstet. Zum Heulen ist es dennoch. Insofern: Hören Sie dieses Lied nicht, wenn Sie in den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren oder in einem Mehrpersonenbüro sitzen. Glücklicherweise schiebt Koester gleich eine beatgetriebene, textlich eher belanglose und vor allem positive Nummer (Schein) hinterher, die mich ein bisschen an die Band Königwerq erinnert. Am besten aber gefällt mir Müde und sehnsüchtig. Beim Hören selbst hatte ich den Song nicht groß beachtet, doch später musste ich feststellen, dass er sich wochenlang in meinem Kopf festgesetzt hat.

Regina Spektor / Live in London

Regina Spektor / Live in London

Irgendwo zwischen Indie und Folk zu Hause ist auch die Sängerin und Pianistin Regina Spektor, der mit ihrem – immerhin schon dritten – Album Soviet Kitsch 2004 der Durchbruch gelang. Seitdem spielte sie im Vorprogramm der Strokes oder der Kings of Leon; und regelmäßig reißen sich die Produzenten von Erfolgsfernsehserien wie Grey‘s Anatomy darum, ihre Songs verwenden zu dürfen. Sie dürfen mit ausdrücklicher Billigung der Künstlerin, denn die Lieder von Spektor sind nicht bloßer Soundtrack, sondern verbinden sich mit der Storyline – und das, obwohl selbst ihre Schöpferin manchmal erst Jahre später weiß, worum es in den mysteriösen Texten eigentlich geht.

Nach zwei weiteren Alben wurde Regina Spektor nun die Ehre zuteil, sich in die illustre Riege derjenigen einzureihen, die ein Live-Album im legendären Londoner Hammersmith Apollo aufnehmen durften. Live in London, das auch als Filmmitschnitt auf DVD erschienen ist, enthält zweiundzwanzig Songs, die Regina Spektor am Flügel zeigen, begleitet nur von Drums und Streichquartett. Zwar stammen die sorgfältig ausgewählten Stücke größtenteils von ihren letzten beiden Alben Begin To Hope (2006) und Far (2009), aber auch Soviet Kitsch ist mit Titeln wie Us, Ode To Divorce oder dem großartigen Sailor Song, dessen Refrain aus der trunkenen Wiederholung der Textzeile „Mary-Anne’s a bitch“ besteht und der allein die Anschaffung dieses Albums rechtfertigt, vertreten. Weitere Lieblingslieder sind That Time und Machine.

Regina Spektor

Live in London macht mehr aus Spektors Songs: ob nun ein Mehr an Druck oder ein Mehr an Zärtlichkeit, in jedem Falle ein Mehr an Intensität. Die Live-Atmosphäre lässt Raum für den einen oder anderen spontanen Soundeffekt, der so im Studio nie entstanden wäre. Drei neue Songs gibt es auch, einer davon Love, You’re A Whore, der in bester Countryshuffle-Line Dance-Manier à la Cotton Eye Joe das Konzert furios und wild fiedelnd mit einer großen Portion Humor abschließt.

Für alle, die bisher aus unerklärlichen Gründen noch keine nähere Bekanntschaft mit der wundersamen Welt Regina Spektors gemacht haben, ein idealer Einstieg. Nicht zuletzt wurde Live in London zur posthumen Hommage an Spektors Cellisten Daniel Cho, der einen Tag vor seinem Auftritt mit Spektor beim Montreux Jazz Festival im Genfersee ertrank. Hier ist er noch einmal in Höchstform zu erleben.

Joan As Police Woman / The Deep Field

Joan As Police Woman / The Deep Field

Ebensowenig wie Regina Spektor mangelt es auch Joan Wasser, besser bekannt als Joan As Police Woman, an Vergleichen mit den Grandes Dames der (Anti-)Folk- beziehungsweise Indie-Szene wie Ani DiFranco, Tori Amos oder Kate Bush. Anscheinend wird jede, die Klavier spielt, singt und dabei eigenwillige Musik und eine versponnene, anspielungsreiche Lyrik produziert, damit überschüttet. Und als eigenwillig kann jemand, der sein drittes Solo-Album nach einem Bild des Weltraumteleskops Hubble The Deep Field nennt, wohl zweifelsohne gelten. Dabei ist die Musik von Joan Wasser bedeutend eingängiger als die von Regina Spektor und Konsorten, weniger sperrig, eher ausgeprägt melodiös. So ein Geigenstudium lässt sich dann eben doch nicht so leicht verleugnen.

Joan Wassers untrügliches Gespür für große Melodiebögen – wie beispielsweise auf Flash, fast eher Gebet als Song – paart sich mit stilsicherem, puren Pop, während die Grooves das Ganze in Richtung Soul lenken. Wohl nicht umsonst bezeichnet Wasser ihre Musik als „American Soul“. Da nudelt die Wurlitzer, und Rhodes, Clavinet sowie Moog Gitarre und Bass vervollständigen den Retroinstrumentenzoo. Mit Retro-Soul oder gar NuSoul und R&B hat The Deep Field dennoch eher wenig gemein. Zwar gibt es den einen oder anderen Track, beispielsweise Magic, den man getrost für eine Destiny’s Child- oder Toni Braxton-Nummer halten könnte, aber es als „siebziger Style Solo Album“ (Rolling Stone) abzutun, wäre grundfalsch. The Deep Field ist eher zeitlos denn nostalgisch (und wenn schon, ginge es um die Sechziger). Ja, man möchte sich fragen, ob das nicht sogar eine moderne Bluesplatte ist, die Joan Wasser da aufgenommen hat.

Joan as a police woman

Fakt ist, dass noch keine Joan As Police Woman-Platte so sehr zugunsten des Souls um ihre Indie Rock-Anteile reduziert wurde. Gleichzeitig meint Soul hier nicht jenes Hochglanzprodukt, welches wir heutzutage – leider – mit dem Genre gleichsetzen. Vielmehr geht es hier um die ursprüngliche Bedeutung des Soul: um ganz viel Seele. Das heißt dann auch schon mal, sein Innerstes nach außen zu kehren und sich angreifbar zu machen. Das mag nicht in unsere Zeiten passen, wo ein jeder darauf bedacht ist, seine persönliche Achillesferse bestmöglich zu verbergen und vielmehr die der anderen zu treffen. Wasser wagt – und gewinnt. Herausgekommen sind zehn höchst intime Songs, die durchströmt sind von Seele. Dies gelang, um nun doch einen Vergleich zu bemühen, bislang höchstens PJ Harvey. Feist oder Cat Power wären auch noch ähnliche Namen, den die „große Pop-Verführerin” (Tagesspiegel) spätestens jetzt in nichts mehr nachsteht.

Plattenkritik: Max Raabe | Meike Köster | Regina Spektor | Joan As Police Woman | Cosmonautix | Slagr | Cassandra Wilson

  1. 1 Max Raabe | Meike Köster | Regina Spektor | Joan As Police Woman | Cosmonautix | Slagr | Cassandra Wilson
  2. 2 Regina Spektor / Live in London

    Regina Spektor / Live in London

    Irgendwo zwischen Indie und Folk zu Hause ist auch die Sängerin und Pianistin Regina Spektor, der mit ihrem - immerhin schon dritten - Album Soviet Kitsch 2004 der Durchbruch gelang. Seitdem spielte sie im Vorprogramm der Strokes oder der Kings of Leon; und regelmäßig reißen sich die Produzenten von Erfolgsfernsehserien wie Grey‘s Anatomy darum, ihre Songs verwenden zu dürfen. Sie dürfen mit ausdrücklicher Billigung der Künstlerin, denn die Lieder von Spektor sind nicht bloßer Soundtrack, sondern verbinden sich mit der Storyline - und das, obwohl selbst ihre Schöpferin manchmal erst Jahre später weiß, worum es in den mysteriösen Texten eigentlich geht.

    Nach zwei weiteren Alben wurde Regina Spektor nun die Ehre zuteil, sich in die illustre Riege derjenigen einzureihen, die ein Live-Album im legendären Londoner Hammersmith Apollo aufnehmen durften. Live in London, das auch als Filmmitschnitt auf DVD erschienen ist, enthält zweiundzwanzig Songs, die Regina Spektor am Flügel zeigen, begleitet nur von Drums und Streichquartett. Zwar stammen die sorgfältig ausgewählten Stücke größtenteils von ihren letzten beiden Alben Begin To Hope (2006) und Far (2009), aber auch Soviet Kitsch ist mit Titeln wie Us, Ode To Divorce oder dem großartigen Sailor Song, dessen Refrain aus der trunkenen Wiederholung der Textzeile „Mary-Anne’s a bitch“ besteht und der allein die Anschaffung dieses Albums rechtfertigt, vertreten. Weitere Lieblingslieder sind That Time und Machine.

    Regina Spektor

    Live in London macht mehr aus Spektors Songs: ob nun ein Mehr an Druck oder ein Mehr an Zärtlichkeit, in jedem Falle ein Mehr an Intensität. Die Live-Atmosphäre lässt Raum für den einen oder anderen spontanen Soundeffekt, der so im Studio nie entstanden wäre. Drei neue Songs gibt es auch, einer davon Love, You’re A Whore, der in bester Countryshuffle-Line Dance-Manier à la Cotton Eye Joe das Konzert furios und wild fiedelnd mit einer großen Portion Humor abschließt.

    Für alle, die bisher aus unerklärlichen Gründen noch keine nähere Bekanntschaft mit der wundersamen Welt Regina Spektors gemacht haben, ein idealer Einstieg. Nicht zuletzt wurde Live in London zur posthumen Hommage an Spektors Cellisten Daniel Cho, der einen Tag vor seinem Auftritt mit Spektor beim Montreux Jazz Festival im Genfersee ertrank. Hier ist er noch einmal in Höchstform zu erleben.

    Joan As Police Woman / The Deep Field

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