fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

Test: Cyrus 6 DAC und Cyrus CD 6 SE | Verstärker (inkl. DAC) und CD-Player | Preis: 1.380 Euro und 1.080 Euro

Blockparty?

Cyrus CD6 SE₂ und Cyrus 6 DAC

Februar 2013 / Tobias Zoporowski

Vermutlich bin ich der hundertste Journalist, der Cyrus-Komponenten mit Briketts vergleicht. Aber: Sorry, Leute – sie sehen halt so aus. Das sorgt zumindest für ein Alleinstellungsmerkmal in der HiFi-Szene, aber auch dafür, dass man die ambitionierten Briten schnell unterschätzt. Der Vergleich mit einem Kompaktsystem – etwa einer „Pianocraft“-Komplettanlage von Yamaha –, die seit Jahren in meinem Wohnzimmer als Allround- und Hintergrundbeschallung ihren treuen Dienst tut, drängt sich rasch auf. Größer sind die Testgeräte von Cyrus, der Vollverstärker 6 DAC – wie der Name vermuten lässt, bringt er ein Digitalboard mit – und der CD-Spieler CD 6 SE₂ schließlich nicht.

Sie passen sogar nebeneinander auf einen Rackboden. Beschäftigt man sich näher mit ihnen, wird indes sehr schnell klar, dass ihr sowohl kompaktes, wie auch recht schlicht gehaltenes Outfit fast schon auf die Spitze getriebenes Understatement bedeutet. Die Minis von der Insel (deutscher Vertrieb: www.sunaudio.de) finden ihre wirklichen Wettbewerber denn auch nicht im kompakten Segment. Sie nehmen es mit „den Großen“ auf.

 Cyrus 6 DAC

Einen offenkundigen Hinweis darauf, dass man es bei den komplett im englischen Cambridge gefertigten Komponenten mit anspruchsvollen Produkten zu tun bekommt, liefern schon die nahezu tresorähnlich verarbeiteten Gehäuse. Die cyrustypischen Gusschassis verleihen den Geräten bei aller optischen Zurückhaltung eine enorme Stabilität. Der Klopftest mit dem Fingerknöchel – keine audiophile Messmethode, aber immer wieder gern angewendet – erzeugt ein trockenes „Pock!“, was ich mit zufriedenem Schmunzeln registriere. Die Lackierung, vor allem die vom Hersteller mutig als „Silber“ titulierte lichtgraue, erinnert mich an Hammerite-Lack – nicht besonders schön, aber Garant für eine auch über viele Jahre robuste und fast „unverkratzbare“ Oberfläche. Merke: Was für Gartenzäune gut ist, muss für HiFi-Geräte nicht falsch sein ...

 Cyrus 6 DAC

Ein weiterer Vorteil der kompakten Bauweise: Für bedientechnischen Firlefanz ist kein Platz auf den nur 21,5 Zentimeter breiten (das entspricht exakt der halben Normbreite) Frontplatten. Sie präsentieren sich angenehm übersichtlich und dank eines Zentraldisplays, das für meinen Geschmack gern noch etwas kontrastreicher anzeigen dürfte, ausreichend informativ. Eine erste Inbetriebnahme ohne Lektüre der Bedienungsanleitung dürfte jedem gelingen, der mit einem handelsüblichen Toaster zurechtkommt, zumal es noch nicht einmal unbedingt der beigelegten Systemfernbedienung – die offenbar für die gesamte Cyrus'sche Produktpalette gedacht, aber dennoch logisch aufgebaut ist – bedarf.

CD6 SE₂ und Cyrus 6 DAC Der CD-Spieler Cyrus CD 6 SE wartet mit einem Slot-in-Laufwerk auf, wie man es von Autoradios kennt. Diese waren bis vor einigen Jahren in der HiFi-Branche nicht unumstritten, da sie doch zu sehr an – eben – Car-HiFi- oder Computerlaufwerke erinnerten und von der Kundschaft deshalb mit Skepsis bedacht wurden, sind inzwischen allerdings klassenübergreifend etabliert. Und auch das Laufwerk des Cyrus-Players gehört mit seinem fast unhörbaren Arbeitsgeräusch und ausreichend flotten Einlese- und Zugriffszeiten zu den positiven Vertretern seiner Gattung. Einzig: Es beherrscht ausschließlich Audio-CDs und CD-Rs. MP3- oder gar SACD-Wiedergabe unterstützt es nicht. Ich kann mir indes kaum vorstellen, dass dies ein Killerkriterium gegen den Kauf dieses Players ist.

CD6 SE₂

Vor allem dann nicht, wenn man ihn gleich im Paket mit dem 2 x 40 Watt an 8 Ohm leistenden Vollverstärker Cyrus 6 DAC erwirbt, der mit seinen insgesamt fünf digitalen Eingängen mannigfache Möglichkeiten bietet, Musikdaten – ob mehr oder weniger komprimiert vorliegend – zu Gehör zu bringen. In der Tat kann auf der Rückseite des kompakten Briten via S/PDIF entweder mittels zweier RCA-Buchsen oder Lichtwellenleiter (Toslink) angedockt werden, dabei kann Datenmaterial bis zu einer Auflösung von 24 Bit/192 kHz verarbeitet werden. Zusätzlich steht für eine Direktverbindung zum PC oder Mac eine USB-B-Schnittstelle bereit, die bis maximal 16 Bit/48 kHz verdaut – und zwar im adaptiven Modus. Für die konvertierende Aufgabe zeichnet ein „Burr-Brown“-Prozessor zuständig.

Auch auf der analogen Seite lässt sich der 6 DAC nicht lumpen: Insgesamt sechs Hochpegeleingänge gibt's. Ein Phono-Vorverstärker ist nicht darunter, aber angesichts der gebotenen Vielfalt, die den Spitznamen „Datenhafen“ verdient, will ich mal nicht jammern. Denn: Wie man das von den findigen Cyrus-Entwicklern bereits gewohnt ist, sind auch die Komponenten der „6er“-Reihe, die gleichsam den Einstieg in die Produktpalette darstellen, stets upgradefähig. Ob man etwa die Preamp-Outputs des Vollverstärkers dazu nutzen möchte, elegant eine schlagkräftige Bi-Amping-Lösung zu realisieren oder ob man auf die nächsthöhere Serie „8“ aufrüsten möchte, in der dann generell eine Leistungsspritze für den Vollverstärker enthalten ist – vieles ist möglich und kann im Fachhandel oder beim deutschen Vertrieb erfragt werden.

Cyrus 6 DAC
Der 6 DAC von innen - beide Geräte werden über den Gehäuseboden geöffnet

Einzig auf das beliebte Stromtuning mit dem optional erhältlichen Netzteil „PSX-R“ muss der 6 DAC ab Werk verzichten, ihm fehlt die dafür notwendige Schnittstelle. Es sei denn, man macht ihn vorher zum 8 DAC ...

Cyrus 6 DAC Bereits ab Auslieferungszustand kann der 6 DAC mit entsprechenden Lautsprechern im Bi-Wiring-Betrieb verbunden werden, wobei je Kanal die Basstreiber und der Mittel-Hochton-Bereich getrennt angesteuert werden. Die Lautsprecherterminals sind je Kanal doppelt vorhanden, was nicht im herkömmlichen Sinne eine Aufteilung in „Speakers A“ und „Speakers B“ meint, also nicht dem Parallelbetrieb von zwei Lautsprecherpaaren dient. Wobei ich an dieser Stelle eines deutlich sagen möchte: Ich habe kein Verständnis für die britische Schrulle, für den Anschluss der Lautsprecher BFA-Terminals zu verwenden! Ich möchte in dieser Klasse nicht extra an meinen Lautsprecherkabeln herumfummeln, um vorhandene Gabelschuhe oder Bananas gegen passende Stecker, die Cyrus immerhin beilegt, austauschen zu müssen. Oder aber mit meinem mit Hohlbananas konfektionierten Leiter so vorsichtig und exakt hantieren, dass ich beim Anschluss weder das Terminal noch die Stecker meines hochwertigen Kabels beschädige.

Cyrus 6 DAC

 

 

 

 

Im Test:

Vollverstärker und
CD-Player:
Cyrus 6 DAC und
Cyrus CD 6 SE₂

UVP:
1.380 Euro (1.080 Euro ohne DAC) und 1.080 Euro

Vertrieb:
Sun Audio Vertriebs GmbH

eMail: info@sunaudio.de
Web: www.sunaudio.de
Telefon: 089 / 479443


 

Equipment:

Quelle:

analog:
Transrotor Insigne mit Tonarm Rega RB 300 und Abnehmer Goldring 1042 GX, Phono-Pre: Lehmann Audio Black Cube Statement, Tuner: Sansui T-80 (modifiziert)

digital:
CD-Spieler Lua Appassionato und Yamaha CD-S 1000, iPod-Station: Advance Acoustic MiP-Station (modifiziert)
Musical Fidelity vDAC
Naim DAC

Verstärker:

Symphonic Line RG 9 MK IV
Yamaha A-S 1000

Lautsprecher:

Magnat Quantum 905
Nubert nuVero 14
Klipsch RF-82 II

Kabel:

LS- und NF-Kabel durchgängig in-akustik, alternativ Eagle Cable, WireWorld

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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