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Messebericht: Klangbilder 2015 in Wien

Lokal & global

Dezember 2015 / Frank Hakopians

Herbstzeit ist Messezeit und im November haben die Klangbilder (www.klangbilder.eu) in Wien ihren angestammten Platz im Kalender. Ort der Zusammenkunft, die diesmal vom 27. bis 29. November stattfindet, ist seit dem vorigen Jahr das gegenüber der sogenannten Uno-City gelegene Vier-Sterne-Hotel „Arcotel Kaiserwasser“. Anders als die Hotelmessen hierzulande waren und sind die Wiener Klangbilder immer auch Treffpunkt für Musiker unterschiedlicher Genres, die in sachkundig geführten Gesprächsrunden über neueste Projekte Auskunft geben und mit der einen oder anderen Musikeinlage zur Unterhaltung des Messepublikums beitragen. Zum besonderen Charme der Klangbilder gehört auch, dass Instrumentenbauer und Musikhäuser hier ebenfalls ihren Platz finden.

Wiener Hofburg
Wiener Hofburg - einst Zentrum des Habsburgerreiches, heute Museum

Eine Neuerung gibt es allerdings zu vermelden: Initiator Dr. Flich hat die Klangbilder offiziell zu einer Verkaufsmesse erklärt. Das mag das Weihnachtgeschäft der vertretenen Händler ankurbeln und dem Konsumenten zu dem einen oder anderen Schnäppchen unter dem Deckmantel eines Messepreises verhelfen. Und noch etwas ist anders, denn die früher gepflegte Tradition, die mannigfaltigen Eindrücke auch kulinarisch abzurunden, scheint in diesem Jahr irgendwie abhanden gekommen zu sein, wenn man von den hoteleigenen Angeboten zur Messeverpflegung absieht.

Dagmar Postel und Dr. Filch
Organisationstalente: Dagmar Postel und Dr. Ludwig Flich

Egal, das Frühstück war gut und reichlich, es sollte also für einen Messerundgang reichen, zumal die Quantität der Aussteller im Vergleich zu den deutschen Pendants, wie beispielsweise den Messen in Hamburg und Bonn, überschaubarer zu sein scheint. Doch ist es ja gerade die Spezialität der Klangbilder, den größeren Konkurrenten mit Qualität und lokalem Kolorit energisch entgegenzutreten.

blue danube records

Zu diesem Kolorit gehört ohne Zweifel auch Christian Bierbaumer, der Eigentümer von Blue Danube Records (www.bluedanube.at), über den ich bereits im Foyer des Arcotels stolpere. Im Angebot des Tullner Plattenhändlers finden sich nur wenige neue Schallplatten. Christian Bierbaumers Plattenregale durchstöbert man hauptsächlich und überwiegend auf der Suche nach den originalen Plattenpressungen, deren Besitz trotz Verfügbarkeit ausgezeichneter Nachpressungen und Remaster einen ganz besonderen Reiz hat. Überdies hat Bierbaumer vor über sechzehn Jahren mit seinem liebevoll „Waschbär“ titulierten Schallplattenwaschautomaten den Anstoß für die seitdem unaufhaltsam voranschreitende Entwicklung guter und günstiger Schallplattenreinigungsmaschinen gegeben.

walter kircher
Nicht nur für Putzteufel: Chisto

Passende Reinigungsmittel hat der umtriebige Walter Kircher von Walter Kircher Hifi (www.walterkircher.com) aus Graz mitgebracht. Die von ihm vertriebene Marke Chisto hat eine ganze Reihe hochwertige und auf den speziellen Anwendungsfall zugeschnittene Mittelchen parat, die die alten und auch neuen Scheiben auf Vordermann bringen sollen. Das funktioniert sogar per Hand und Mikrofasertuch. Die Möglichkeit für jene, die sich eine Maschine zum Plattenreinigen nicht leisten möchten, aber auf sauberes Vinyl dennoch nicht verzichten mögen. Wegen ihrer edlen Verpackungen und der mannigfaltigen, speziellen Einsatzbereiche erinnern mich Chistos Easy Groove Reiniger ein wenig an die Produktpalette eines Schweizer Herstellers gewisser exklusiver Autowachse. Doch während ein Döschen Canubawachs schon mal locker die 100 Euromarke durchbricht, bleiben die Reiniger von Chisto mit knapp unter vierzig Euro noch erschwinglich.

walter kircher
Blumenhofer Genuin FS2 an Elekronik von Accustics Arts

Natürlich ist auch Musik in Kirchers Refugium zu hören, der den österreichischen Vertrieb der Blumenhofer Lautsprecher verantwortet. Hier spielt die Genuin FS2. Klangfarblich kräftig, präzise fokussierend und wunderbar raumfüllend kann sich der zweitgrößte Schallwandler aus der Genuin-Serie von Blumenhofer sofort eindrucksvoll in Szene setzen. Elektronik von Accustics Arts sorgt dafür, dass den im Grundsatz recht genügsamen FS2 nicht die Puste ausgeht und bei Dynamikfans kein Auge trocken bleibt.

Nola Lautsprecher

Gleich nebenan gibt es den wahrscheinlich kostspieligsten Passivlautsprecher der Messe zu erleben. Die 84.000 Euro teure Nola Baby Grand Reference ist ein eindrucksvoller Schallwandler, dessen tiefschwarzer Klavierlack unmissverständlich die Ernsthaftigkeit ausdrückt, mit der hier Musik reproduziert wird. Wäre ein großer Konzertflügel zwischen den Nolas gestanden, er hätte nicht lebensechter klingen können, als das, was im Verein mit dem integrierten Röhrenverstärker VAC Sigma 1601 SE (16.000 Euro) dem Hörer geboten wurde. Speziell für Nola entwickelte Bändchenhochtöner, die interne Verkabelung mit teuren Strippen von Nordost, ein ausgeklügeltes System zur Resonanzableitung und weitere nicht so offensichtliche „Zutaten“ führen zu einem beeindruckend klangvollen Ergebnis. Dass es lediglich eines Röhrenvollverstärkers bedarf, um die Nolas zu dieser souveränen Leistung zu bewegen, darf man gerne mit ein wenig Erstaunen zur Kenntnis nehmen. Na gut, der VAC kostet immerhin 16.000 Euro, was die Sache etwas relativiert. Zu sehen gibt es im Arcotel auch einige der kostengünstigeren Entwicklungen aus dem Hause Nola, die, laut dem in Frankfurt ansässigen Vertrieb Mythical Audio International Gold (www.mythical-audio.com), ebenfalls ganz hervorragende Performer sein sollen.

„And now for something completely different“, heißt es bei Monty Python so schön und tatsächlich meint der Besucher einem der berüchtigten Kalauer der britischen Anarchokomödianten aufgesessen zu sein, denn man steht ein paar Meter weiter unvermittelt im Pop-up-Store eines Großsortimenters. Ach nein, das gehört ja wohl zu dem veränderten Konzept. Direkt von der Palette lassen sich Fernseher, Kühlschränke und diverse Soundsysteme erwerben.

paltauf
Wolfgang Paltauf mit der Paltauf Nr.2

In einem anderen Saal des Erdgeschosses bemüht sich Wolfgang Paltauf die Fahne des guten Klanges weiter hochzuhalten. Die etwas gedrungenen Lautsprecher Paltauf Nr.2 (www.paltauf.com) zu 8.200 Euro das Paar, die im Übrigen viel feiner spielen als es die Optik suggeriert, werden von den neuen hauseigenen Monovollverstärkern in Hybridtechnik unter Dampf gesetzt. Tatsächlich beinhaltet jedes der Gehäuse einen kompletten Verstärkerzug. Nur die Steuerung der Amps, die 15.000 Euro kosten werden, wurde aus Komfortgründen in eine zentrale Einheit verlegt. Wir hören John Coltrane und sind letztlich überzeugt, dass sein Saxofon genau so zu klingen hat. Richtig druckvoll und dynamisch wirken Paltaufs Kreationen auf die Trommelfelle ein. Höchst plastisch wird Coltrane dabei zwischen den Schallwandlern ausmodelliert. Für Jazz und Rockfans dürfte eine solche Kette ein wirklich lohnender Tipp sein. Dank der Vollverstärkermonos auch noch einer, der mit einem individuellen Konzept aufwarten kann. Deutschlandvertrieb? Bisher Fehlanzeige. Doch keine Sorge, Wolfgang Paltauf hat sicher keine Berührungsängste.

Nubert
Nubert-Verkaufsleiter Armin Siegle mit den Nubert nuPro A-500 in Aktion

Jetzt muss ich aber weiter, denn am Ende des Foyers wartet eine Vorführung von Nubert (www.nubert.de). Deren Boxen waren ja schon ab und an ein Thema bei uns. Wobei den schwäbischen Produkten meist ein erfreuliches Preis-Leistungs-Verhältnis bescheinigt werden konnte. Im gut besuchten Saal Vis stellt Nubert-Verkaufsleiter Armin Siegle dem interessierten Publikum gerade die neue vollaktive, mit DSPs gesteuerte Standbox nuPro A-500 aus Nuberts nuPro-Serie vor.

Der schlanke, 102 cm hohe Schallwandler verfügt über eine 25-mm-Seidenkalotte und vier 120-mm-Polypropylen-Langhubchassis, wobei eines für den Mittelton und die drei verbleibenden für die tiefen Frequenzen verantwortlich sind. Laut Siegle liegt der -3 dB Punkt der relativ zierlichen Säule bei nur 36 Hz, was die A-500 im Verein mit kräftigen integrierten Digitalverstärkern in die Lage versetzt, den großen Vorführraum unerwartet souverän zu beschallen. Digitale Eingänge (USB, S/PDIF-Toslink und -Cinch), ein USB-Versorgungsausgang zum Anschluss von Wireless-Adaptern und ein analoger Cincheingang versprechen größtmögliche Flexibilität bei der Anwendung, während der Stückpreis von 895 Euro für verblüffte Gesichter unter den Anwesenden sorgt.

backes müller

Vollaktiv geht es logischerweise auch bei Backes & Müller (www.backesmueller.de) zu. Allerdings werden hier die highendigeren Geschmäcker mit entsprechend größerem Budget angesprochen. Sprint-Service-Chef Hans Gülker, der den Vertrieb der Saarbrücker Aktivlautsprecher verantwortet, hat von der BM Prime 8 (8.990 Euro/Paar) bis zur großen BM Line 35 (74.990 Euro/Paar) als Vertreterin der kürzlich aktualisierten BM-Line-Serie eine ansprechende Auswahl an Schallwandlern mit nach Wien gebracht. Neben der gewohnt souveränen Performance sorgt hier das ausgesprochen elegante Erscheinungsbild der neuen BM Line für Aufsehen. So sollte deren Ausnahmestatus, nicht zuletzt auch wegen der offensichtlich nochmals gesteigerten extremen Verarbeitungsqualität, weiterhin gesichert sein.

Audio research
Audio Research Reference 75 SE

Unter den Dutzenden von Marken, die Audio Tuning in Österreich repräsentiert, befinden sich auch die Verstärkerschwergewichte von Audio Research (Vertrieb in Deutschland: www.audio-reference.de). Nachdem die GS-Serie mit einem neuen Design für reichlich Aufsehen gesorgt hat, darf der ARC Reference 75 SE weiterhin die traditionelle Formensprache der Amps aus Minnesota vertreten und ist allein daher ein Foto wert. Unter dem Gehäusedeckel werkeln in der neuen SE-Version anstelle der Röhren vom Typ KT 120 nun wie im GS 150 die KT-150-Tetroden. Wie man hört, soll das der inzwischen 12.500 Euro teuren Stereoendstufe insbesondere im Bassabteil gut getan haben.

sonus faber
Sonus faber Venere Signature

Eine weitere starke Marke bei Audio Tuning ist Sonus faber (Vertrieb in Deutschland: www.audio-reference.de). Der italienische Hersteller hat mit seinen Spitzenmodellen Aida und Lilium in den letzten Jahren ausgesprochen hochpreisige Statements abgegeben. Die Venere-Serie zielt auf das gemäßigte Budget und wird außerhalb Italiens gefertigt. Das senkt den Kostendruck. Nun bekommt die Venere-Serie mit der Signature ein neues Spitzenmodell. Bereits ab 5.500 Euro pro Paar kann man sich den schicken Standlautsprecher ins heimische Wohnzimmer stellen. Optische Anleihen von den großen Sonus-Faber-Lautsprechern sind nicht zu übersehen. Anders als die kleineren Modelle der Venere Serie, wurde die Signature vollständig am italienischen Standort in Arcugnano entwickelt und gefertigt.

Inzwischen ist es an der Zeit, der fünften Etage einen Besuch abzustatten. Auch kleinere Hersteller und einige österreichische HiFi-Händler, die gleichzeitig als Vertrieb fungieren, haben hier Quartier bezogen.

Im Test:

Vollverstärker:
Dussun V8

Audiochina GmbH
www.dussunpower.org

UVP: 1.200 EUR


 

Equipment:

Quelle:

Audiomeca Obsession II
Creek Destiny

Verstärker:

Accuphase E-212
Classic 6.6
Creek A 50i
Lua 4040C

Lautsprecher:

Thiel CS 2.4
ZU Druid mk4
Sehring 703 SE
Spendor S3/5
Sonics Argenta

Kabel:

NF: Straight Wire Virtuoso, Zaolla Reinsilber NF

LS: Ortofon SPK 500, Straight Wire Rhapsody, HMS Al Cinema

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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