Inhaltsverzeichnis
Mehr Tiefton? Mehr ätherischer Glitzer? Klar: Auch die vergleichsweise kompakt bauenden und ohne exotische Hochtönertechnik daherkommenden Wilson Sabrina V markieren hier nicht das Ende der Fahnenstange. Und das wollen sie auch gar nicht. Ihre Mission lautet, als erwachsener Standlautsprecher zu dienen, der in handelsüblichen Wohnräumen von grob 20 bis 40 Quadratmetern weder die Raumoptik noch die Raumakustik überfordert – und auch die Nachbarn nicht zu stark antriggert. Ich empfinde die physische wie akustische Dimensionierung der Sabrina V mit Blick auf dieses Einsatzfeld als nahezu perfekt. Aber logo: Das bekommt manch preisgünstiger Lautsprecher auch hin.
Die eigentliche Superkraft der Wilson Sabrina V ist vielmehr, dass sie ihre Kräfte – oder sagen wir besser: Talente – so gleichmäßig, so homogen auf höchstem Niveau verteilt. Ich war seinerzeit nach dem Test der SabrinaX so fasziniert, dass ich sie mir kaufte – und bin bis heute hochzufrieden. Die Sabrina V kommen mit ganz ähnlichen Genen wie die X: Es sind keine „neuen Lautsprecher“, gleichwohl tönen sie über das gesamte akustische Spektrum definierter, ja: wie blankgeputzter. Überdies sind sie nach oben wie nach unten leicht, aber hörbar bandbreitenerweiterte Versionen ihrer Vorgänger. Unterm Strich muten sie noch monitoresker an als die insgesamt einen Tick romantischer wirkenden, im Bass zudem etwas leichteren X, ohne allerdings an Langzeittauglichkeit oder Musikalität zu verlieren (das tun gute Monitore übrigens auch nicht).
Kurzum: Ich empfinde die Wilson Sabrina V als die akustisch ausgewogensten Lautsprecher, die ich preisklassenübergreifend bisher intensiver hören durfte. In der Leichtathletik wären sie Zehnkämpfer, die bei großen Wettbewerben stets zu den Goldfavoriten zählten, in der Gewissheit, dass es immer Spezialisten geben mag, die in Einzeldisziplinen hier und da noch ein paar Körner drauflegen.
Zu guter Letzt noch zwei wichtige Tipps: Meine Testexemplare der Wilson Sabrina V hatten offenbar schon einige Tests und Auftritte auf der Uhr, benötigten aber noch gut 100 weitere Stunden, um wirklich kohärent und eingängig zu tönen – letzte Härten waren noch vernehmbar. Zudem lohnt es klanglich sehr, die Schrauben der Treiber feinfühlig (!) nachzuziehen (fingerfest reicht; keine wirkliche Kraft aufwenden). Wilson verschraubt die Treiber ab Werk mit 3,95 Nm (Mittel- und Tieftöner) beziehungsweise 2,82 Nm (Hochtöner). So fest muss es aber nicht zwingend sein.
Meine SabrinaX kamen damals übrigens nagelneu zu mir und benötigten gut 400 Stunden, in denen wechselnde Ungereimtheiten auftraten, bis sie wirklich zeigen konnten, was sie draufhaben. Aber nun ja: Feine Weine danken die Zeit an der Luft in besonderem Maße.
Die Wilson Audio Sabrina V zeichnen sich aus durch …
- eine ebenso hohe wie homogene Ausprägung an Qualitäten über alle Disziplinen hinweg. Die Sabrina hat’s nicht so mit Inselbegabungen; sie ist eher der Zehnkämpfer in der Highend-Arena.
- eine geradezu vorbildliche Balance von Komplexität/Präzision auf der einen und Fluss/Musikalität auf der anderen Seite.
- wenn auch nicht auffällig ätherische, so doch tadellos angenehm offene, ausnehmend realistisch definierte Höhen: hochtransparent, aber kein Hochglanz.
- an gute Studiomonitore erinnernde Mitten: sehr durchhörbar, schön griffig, mit realistischen Klangfarben, auch durch die generell hohe Klangreinheit bedingt. Keine Schönfärberei, keine artifizielle Wärme, aber auch keine ostentative Präzision oder gar künstliche Analytik. Mitten und Höhen sind vom gleichen Schlag und wirken wie ein einheitliches Ganzes.
- einen qualitativ vorbildlichen – weder weichen noch betont brettharten – Bassbereich, der unmittelbar am Gas der Musikvorlage hängt und sich nicht zuletzt durch das überragende Timing wie selbstverständlich in das wie aus einem Guss wirkende Klangbild integriert. In puncto Druck und Tiefgang geht bei teuren Standlautsprechern freilich noch mehr, aber das gehört nicht zum Konzept dieser Schallwandler.
- Topwerte im Hinblick auf Ortungsschärfe und Plastizität im Standlautsprecherbereich. Tadellose Ablösung des Klangbildes von den Lautsprechern, auch die räumliche Dimensionierung gerät, wie sie sein soll. Lediglich die Bühnenhöhe mag gerade bei manch größeren Standlautsprechern noch ausgedehnter ausfallen.
- extrem hohe Akkuratesse in Sachen Fein- und Grobdynamik. Sehr schnell, aber nicht knallig: Die Sabrina V achten nicht nur auf eine unmittelbare Attack, sondern ebenso aufs Sustain, was trotz hoher Agilität zum angenehmen, organisch wirkenden Fluss des Gehörten beiträgt.
- tolle Verarbeitung, sehr hochwertige Anmutung, die auch gegenüber dem Vorgänger noch etwas an Wertigkeit zulegt. Und die Lackqualität ist (und war) bei Wilson Audio ja schon sprichwörtlich gut. Lange Einspielzeit.
- weitere technische Informationen auf der Website des deutschen Vertriebs
Fakten:
- Modell: Wilson Audio Sabrina V
- Konzept: passiver Dreiwege-Standlautsprecher (Bassreflexsystem)
- Preis: ab 36.800 Euro, Testausführung Quarz: 36.800 Euro
- Maße (mit Spikes) & Gewicht: 98,98 × 30,48 × 39,07 (HxBxT ohne Spikes), 55,79 kg/Stück
- Standardausführungen: Carbon, Galaxy Gray, GT Silver, Quarz; weitere „Upgrade Colors“ optional und mit Aufpreis verfügbar
- Wirkungsgrad: 87 dB/1 W/1 m
- Nennimpedanz: 4 Ohm (Minimum: 2,23 Ohm bei 121 Hz)
- Garantie: 5 Jahre bei Registrierung
Vertrieb:
Audio Reference GmbH
Alsterkrugchaussee 435 | 22335 Hamburg
Telefon: +49 (0)40-533 203 59
E-Mail: info@audio-reference.de
Web: https://www.audio-reference.de/
Test: Wilson Audio Sabrina V | Standlautsprecher


