HiFi zum Preis eines guten Wochenendes? Ich weiß, was Sie jetzt denken, und vielleicht haben Sie recht. Aber mit um die 200 Euro lassen sich nicht nur viele nette Dinge am Wochenende machen – lecker essen gehen, sich einen schönen Cognac anschaffen, eine kurze Strecke mit der Deutschen Bahn fahren. Tatsächlich kann der Betrag auch für einen ziemlichen Ohrenschmaus ausreichen. Die spanische Firma Vulkkano (https://vulkkano.com/) bietet eine ganze Reihe von preisgünstigen Audiokomponenten an, und mit den A6 ARC haben wir nun das Flaggschiff der kompakten Aktivlautsprecherserie im Test – für einen Listenpreis von gerade einmal 229 Euro und 99 Cent. Lohnt es sich ernsthaft, dafür auf die Anschaffung einer guten Flasche Cognac zu verzichten?
Schlicht und schön
Um die Antwort vorwegzunehmen: Das ist ein Frage der persönlichen Prioritäten. Dafür spricht, dass das mittlere Lautsprecherpaar der Serie – die Vulkkano A5 ARC – bereits die Gnade des Kollegen Jochen Reinecke gefunden hat. Gelobt wurden die Qualität der stereofonen Abbildung und die Unverfärbtheit des Klangbilds. Die A6 ARC sind wenige Zentimeter höher, breiter und tiefer, vermitteln aber einen ähnlichen ersten Eindruck. Auch optisch ist nichts auszusetzen, die Lautsprecher entsprechen auf angenehme Weise einem klassischen, reduzierten Look. Wenn man die Blenden abnimmt, dominieren der 6,25 Zoll große Tiefmitteltöner (1 Zoll mehr als die A5 hier bietet) und die 1-Zoll-Seidenkalotte das frontseitige Bild. Wie bei der kleineren A5 stammen auch hier die Treiber aus chinesischer Produktion und sind sauber in das seitlich abgerundete MDF-Gehäuse eingelassen.

Die Vulkkano A6 ARC besitzt einen Hochtöner mit 1-Zoll-Seidenkalotte, der ab circa 2000 Hertz das Geschehen verantwortet
Bei genauerem Hinsehen erkennt man freilich, dass es sich nicht um eine High-End-Komponente handelt: Zwischen Staubschutzkappe und Membran fallen beim Tiefmitteltöner Kleberänder ins Auge, und die Übergänge zu den Sicken sind nicht immer ganz gleichmäßig. Von höheren Preisklassen ist man oft auch ein höheres Gewicht gewohnt, und die beiliegenden Kabel, das Schaltnetzteil und die Fernbedienung … nun ja, formulieren wir es so: Solche Komponenten gibt es auch in teuer. Doch das will die Vulkkano ja nicht sein, deshalb geht es in Ordnung.
Zwischen DSP und Drehknopf
Rückseitig bekommt man es unterhalb der Bassreflexöffnung des Master-Lautsprechers mit einem etwas unübersichtlichen Layout des Anschlussterminals zu tun. Auf kleinem Raum müssen hier viele Dinge abgebildet werden, denn die Class-D-Verstärkereinheit, die Frequenzweiche, die ab 2 kHz an den Hochtöner abgibt, und die gesamte Elektronik befinden sich im Master. Zunächst ist der zweite, passive Lautsprecher mit einem fünfpoligem DIN-Stecker anzuklemmen. Über der Stromversorgungsbuchse finden sich dann die Anschlussmöglichkeiten: Quellgeräte lassen sich über Line-in und Toslink mit der Vulkkano verbinden, für ein Fernsehgerät steht die HDMI-ARC-Buchse bereit, für Speichermedien wie Festplatten oder Sticks der USB-Eingang. Vorderseitig ist ein Bluetooth-Empfänger (5.0) zu erkennen, ausgangsseitig kann man einen Subwoofer anschließen.

Ordentlich was los hier: Das Anschlussterminal der Vulkkano A6 ARC bietet auf kleinem Raum so einige Schnittstellen und klangliche Anpassungsmöglichkeiten
Zusätzlich sind auf dem Panel noch eine Reihe von weiteren Features untergebracht. Der Netzschalter ist als kleiner Taster ausgeführt, gleiches gilt für die Eingangswahl, was sich mithilfe der Fernbedienung natürlich deutlich komfortabler erledigen lässt, alldieweil keine Anzeigemöglichkeit der jeweils ausgewählten Quelle existiert. Ein dritter Taster dient der Klangregelung, die sich zwischen drei DSP-Presets umschalten lässt: für Musik, Film oder eine betonte Sprachwiedergabe, beispielsweise für die „Tagesschau“ oder Twitch-Streams. Zusätzlich kann man den Klang manuell durch Pegelsteller für Bass und Höhen beeinflussen, die mittig in Neutralstellung einrasten. Ein dritter Regler dient der Justage der Laustärke, die man natürlich auch per Fernbedienung auf die jeweilige Hörsituation anpassen kann. Per Remote lässt sich zudem ein „Virtual Bass“ zu- beziehungsweise abschalten.
Vom Schreibtisch bis zum Sofa
Insgesamt ergibt sich so ein ziemliches Dickicht aus Einstellungsmöglichkeiten, die sich mitunter überlagern. Als Musikhörer wird man sich damit vielleicht nicht über Gebühr auseinandersetzen wollen, allerdings mag es im Fall von TV- oder Filmwiedergabe mitunter sinnvoll sein, die Bässe reduzieren oder die Sprachverständlichkeit erhöhen zu wollen.
Denn das Schöne ist ja der weitgefasste Einsatzbereich der Vulkkano A6 ARC. Selbst in schierem Wohlklang verpflichteten Haushalten kommt es bisweilen ja vor, dass mal etwas Spotify vom Smartphone gehört wird, YouTube-Videos laufen oder es zu Gaming-Sitzungen kommt. Die A6 ARC lassen sich auch als Desktop-Lautsprecher einsetzen – vorausgesetzt, der Schreibtisch erlaubt die Aufstellung von Kompaktboxen mit 19,5 x 27 Zentimetern Grundfläche.

Die Rückseite der Vulkkano A6 ARC – links das passive Modell, rechts der Masterlautsprecher, der die gesamte Elektronik beherbergt
Auch im Wohnzimmer oder im Hörraum machen die Vulkkano A6 keine schlechte Figur. Bei der Aufstellung ist man allerdings insofern eingeschränkt, als dass zwischen Master- und Slave-Lautsprecher nolens volens ein Verbindungskabel verläuft. Das beiliegende Kabel ermöglicht – abhängig von Gegebenheiten wie der Höhe des Ständers – einen Abstand von etwa zweieinhalb Metern. Einen Ballsaal wird man mit den A6 ARC aber ohnehin nicht zu Tanz und Schwof bringen wollen, kleine oder mittelgroße Räume lassen sich aber durchaus beschallen. Stellt sich angesichts des Preises nur die Frage: Wie gut?
Vulkkano A6 ARC im Hörtest
Beginnen wir mit einer vielleicht nicht ganz alltäglichen Wiedergabesituation: Durch den vielerorts weggefallenen örtlichen Musikalienhandel ist es schwierig geworden, Schlagzeugbecken vor dem Kauf auszuprobieren. Cymbals im Onlineversandhandel zu bestellen, ist wenig empfehlenswert, vor allem bei hochqualitativen Produkten, denn diese werden zumeist in Handarbeit hergestellt, daher können sich verschiedene Exemplare der gleichen Serie im Klang enorm unterscheiden. Der „Memphis Drum Shop“ bietet immerhin die Möglichkeit, verschiedene Becken der gleichen Serie über Produktvideos miteinander zu vergleichen – zum Beispiel Crash-Becken aus der „Constantinople“-Serie der Firma Zildjian. Zum Testzeitpunkt waren unter anderem zwei 16‘‘er Crashes vorrätig – eines mit einem Gewicht von 1014 Gramm, das andere mit 1061 Gramm.
Seide statt Schärfe
Nach erfolgreichem Bluetooth-Pairing vermelden die Vulkkano A6 ARC mit einem freundlichen Signalton ihre Einsatzbereitschaft. Wenn man ganz nah an die Lautsprecher herangeht, vernimmt man ein minimales Grundrauschen, das aber nicht weiter ins Gewicht fällt. Das Rauschen der Becken, den „Wash“, hört man hingegen deutlich: Man erkennt den dunklen Klangcharakter dieser auf „vintage“ gemachten Beckenserie sofort. Über dem Grundton sind einzelne Stockanschläge deutlich herauszuhören, auch wenn das Becken sich bei stärkeren Anschlägen schon aufgeschaukelt hat. Bild und Ton sind nicht immer synchron, was sich über eine Verkabelung eines Laptops per Miniklinkenadapter korrigieren lässt. In Sachen Bluetooth verstehen die Vulkkano A6 nur den einfachen SBC-Codec, der zu Latenzen führen kann.
Das 1061-Gramm-Becken wirkt erwartungsgemäß schwerfälliger und spricht weniger explosiv an. Es hat einen solideren Grundton als das leichtere Becken, das sich allerdings durch einen filigraneren „Wash“ auszeichnet. Überraschenderweise zeichnen die Lautsprecher – bei neutraler Einstellung der Klangregelung – die Höhen nicht zu hell oder gar gleißend. Ihnen mag etwas „Air“ fehlen, aber sie sind gut in das Gesamtgeschehen eingebettet: Die gesamte Schlagzeugaufnahme wirkt natürlich. Das geht auch deutlich anders, gerade im unteren Preissegment sind häufig Abstimmungen zu erleben, die Bässe und Höhen betonen. Auch bei deutlich teureren Aktivsystemen – nehmen wir die nuPro SP-200 von Nubert, die das Drei- bis Vierfache kosten – muss man dann doch mittels Klangregelung manches Mal Überpräsenzen herausdrehen. Die Höhen der Vulkkano wirken auf Anhieb stimmig, fein und leicht dezent.
Mitten statt Drama
Das zeigt sich auch, wenn man die Vulkkano A6 ARC herkömmlichen Hörsituationen aussetzt, zum Beispiel dem Rumours-Album von Fleetwood Mac: Das Klangbild macht einen vollständigen und sortierten Eindruck. Natürlich haben wir Stevie Nicks‘ Stimme auf „Dreams“ schon einmal mit mehr Schmelz und Nuancen wahrgenommen, auch ist sie nicht immer in überbordender Klarheit von den Backings abgesetzt. Aber wir sprechen hier von einem Aktivsystem, das nicht gegen sündteure High-End-Anlagen konkurriert, sondern eher gegen Soundbars aus dem Elektronikmarkt.
Den Mitten verdanken die Vulkkano A6 ARC ihren Charakter, hier liegen ihre Stärken: Sie wirken unverfälscht und tonal ziemlich ausgewogen – und das bleibt auch deutlich oberhalb einer ambitionierten Zimmerlautstärke so. Bis hier die Gitarren unangenehm hervortreten oder Verzerrungen das Klangbild dominieren, muss man den Daumen schon ganz schön lange auf dem Volume-Regler der Fernbedienung halten. In die Gegenrichtung sollte man hingegen nicht allzu lange ermitteln, es sei denn, man befindet sich in einer monitorhaften Abhörsituation im unmittelbaren Nahfeld der Treiber: Beim Immer-leiser-Hören verschwinden zuerst die akustischen Gitarren, dann die oberen Mitten des Schlagzeugs, bis schlussendlich nur noch etwas Gesang übrigbleibt.
Punch statt Tiefkeller
Natürlich sind Abstriche zu machen: Nicht alle Frequenzen werden gleich gut wiedergegeben. So reicht der Frequenzbereich nominell vielleicht tatsächlich hinunter bis zu 30 Hertz, wie die offiziellen Spezifikationen (freilich ohne dB-Angabe) nagelegen. Gut zur Geltung gebracht werden aber eher die Frequenzbereiche, in denen sich die Bass Drum (60 Hertz und darüber) oder tiefe Trommeln wie Stand Toms (80 Hertz und darüber) bewegen. Das sorgt für das Empfinden eines ordentlichen Punchs, die Durchhörbarkeit von elektronischen Klängen, die sich ganz unten im Keller befinden, ist aber nur eingeschränkt möglich. Die „Virtual Bass“-Funktion ist da keine wirkliche Hilfe, sie ändert den Gesamteindruck allerdings recht deutlich: Die Bässe trumpfen dann auf, nehmen den Mitten etwas Spielraum und wirken nicht mehr besonders differenziert. Trotzdem: Einen Subwoofer vermisse ich in meinem 25-qm-Raum nicht, die Vulkkano A6 liefern auch in Neutralstellung genug, um Spaß zu machen. Der Bass reicht zwar nicht so tief hinab, wirkt aber auch nicht schlank oder zu grazil – und er spielt klar umrissen, mumpft und suppt nie. Fürs Geld darf man mehr als zufrieden sein.
Dynamik, Auflösung, Bühne
Die deutlichsten Kompromisse muss man bei diesem Preisschild in Sachen Auflösung und Dynamik machen. Wer gerne komplexe Klangszenarien enträtselt oder sich an den Dynamiksprüngen von Karajan auf Vinyl erfreut, wird dafür aber sicher gerne deutlich mehr Geld investieren wollen. Eine teurere, aber immer noch günstige Alternative können Nahfeldmonitore sein: Im Vergleich zur Vulkkano liefern die Focal Alpha 80 Evo nicht nur einen ausgebauteren und lineareren Bass, sondern mehr Details sowie eine geordnetere Bühne und Tiefenstaffelung. Allerdings kosten sie das Doppelte und haben kaum Konnektivität.
Auch in Sachen Räumlichkeit sind natürlich keine riesigen Projektionen zu erwarten. Aber: Die Vulkkano A6 ARC wirken nicht flach und dimensionslos. Sie spielen leicht nach vorne, was zu einem durchaus plastischen Eindruck führt, und sie schaffen eine Bühne, die in Breite und Höhe nicht zu eng ist, während in der Tiefe eher etwas gröber gestaffelt wird. Aber wer sich auditiv bei „Tristan und Isolde“ auf die Suche nach der Oboe d‘amore im Zentralbereich der Orchesteraufstellung machen möchte, bewegt sich nun einmal in audiophilen Dimensionen und benötigt ein anders gelagertes Abhörinstrumentarium.
Trotz genannter Einschränkungen muss ich zugeben: Im Vergleich zu Monitorboxen oder einer ausgewachsenen HiFi-Anlage zeigt sich mitunter, dass der Charakter der Vulkkano A6 Vorteile haben kann. Der neue Track von Zahide mit dem Namen „Rede“ klingt auf den Vulkkano A6 ARC sogar deutlich besser als über meine Neat-Momentum-Standboxen und den Creek-Evo-Verstärker: Auf der großen Abhöre gehen die Stimmen von Zahide und ihrem Duettpartner Benno im Mix ziemlich unter, und nicht nur wegen der konsequenten Verwendung von Jugendsprache ist am Ende kaum ein Wort zu verstehen. Die Vulkkano A6 ARC zeigen den Track vielleicht nicht hundertprozentig so, wie er gemixt und gemastert wurde – nämlich mit einem ziemlich „ungepflegten“ Tiefbassbereich, der die Mitten verdecken kann –, aber dafür so, wie er wohl gemeint ist.
Testfazit: Vulkkano A6 ARC
Die Vulkkano A6 ARC musizieren trotz des günstigen Preises überraschend erwachsen. Für rund 230 Euro liefern sie ein musikalisches Klangbild, das vollständig und lebendig wirkt, ohne in irgendeinem Bereich übermäßig aufzutragen – die Tonalität ist erstaunlich balanciert, auch wenn die Frequenzextreme, insbesondere das untere, nicht vollständig ausgeleuchtet werden. Ihre größte Stärke ist naturgemäß nicht das letzte Quäntchen Auflösung oder spektakuläre Dynamik, sondern ihre Ausgewogenheit und Vielseitigkeit: Musik, Film, Gaming und Alltagsbeschallung gelingen gleichermaßen überzeugend. Auch eine mittelschwere Party lässt sich mit ihnen anständig befeuern.

Ausgewogenheit und Vielseitigkeit – das sind die beiden wesentlichen Stärken der günstigen Aktivlinge Vulkkano A6 ARC
Für ein kompaktes, aktives All-in-One-System mit HDMI-ARC, Bluetooth und Subwoofer-Option machen die A6 ARC also erstaunlich viel richtig: Sie klingen stimmig, unverfärbt und langzeittauglich, was in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich ist. Ob man dafür auf den guten Cognac verzichten möchte, ist also nicht unbedingt eine Frage der persönlichen Prioritäten: Bei dem Preis muss man sich ja vielleicht nichts vom Munde absparen und gönnt sich einfach beides.
Fakten:
- Produkt: Vulkkano A6 ARC
- Kategorie: Master-Slave-Kompaktlautsprecher
- Preis: 229,99 Euro
- Eingänge: USB-A (Speichermedien), Toslink, HDMI ARC, Bluetooth 5.0, Hochpegel (Cinch)
- Ausgang: Sub-out
- RMS-Leistung: 2 x 60 Watt
- Maße: 19,5 x 35 x 27 cm (BxHxT)
- Farben: Braun, Schwarz
- Gewicht: 10,3 kg (Paar)
- Garantie: 2 Jahre
- Weitere Informationen auf der Webseite des Herstellers
Kontakt:
Vulkkano
Calle Duque de Calabria 5-7
E-46005 Valencia
E-Mail: info@vulkkano.com
Web: https://vulkkano.com/de
Test: Vulkkano A6 ARC | Aktivlautsprecher







