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Vovox textura: Soundcheck

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Vovox textura: Soundcheck
Blick auf die Hohlbananas des Vovox-textura-Lautsprecherkabels

Blick auf die Hohlbananas des Vovox-textura-Lautsprecherkabels

Ein bezüglich der Auswahl an gelieferten Verbindungskabeln recht üppig bestücktes Paket aus der Schweiz animiert dazu, sich großzügig zu bedienen und die Kette sofort und komplett mit Textura-Kabeln aus Ebikon zu verdrahten, während ich sonst ja eher dazu neige, die Kabel sukzessiv auszutauschen. Zum Einsatz kommen dabei ein Phonokabel, NF-Kabel in symmetrischer und unsymmetrischer Ausführung, das geschirmte Cinchkabel textura IC protect in der erwähnten Sonderlänge und natürlich die Lautsprecherverbindungen Textura LS.

Erstaunlicherweise spielt die mit den Textura verkabelte Kette gänzlich anders als erwartet. Ich hatte mit einem leichtfüßigen, vielleicht sogar etwas ausgedünnten Klangbild, dass die Betonung mehr auf Speed und Dynamik legt, gerechnet. Was mir jetzt aber aus Clockworks Monitorlautsprechern Event Horizon und anschließend aus den Hornlautsprechern Marvel des griechischen Herstellers Tune Audio (Testbericht in Vorbereitung) entgegenschallt, ist weder „light“ und auch sonst nicht besonders kalorienbewusst. Mit den Schweizer Kabeln tönt es ausgesprochen farbenfroh, ja sogar einen Schuss wohliger Wärme scheint man ihnen antrainiert zu haben. Freilich so dosiert, dass weder Einbußen beim Auflösungsvermögen noch bei der Impulsschnelligkeit zu verzeichnen sind.

Renaud-Garcia-FonsAusnahmebassist Reynaud Garcia Fons nutzt auf Solo (auf Amazon anhören) Samples und schichtet Basslinien Layer für Layer übereinander, bis eine fast orchestral anmutende Klangdichte erreicht ist. Dass sein Bass dabei nicht nur im gewohnten unteren Frequenzbereich agiert, sondern auch in deutlich höherem Terrain zu wildern scheint, sei nur am Rande erwähnt. Den Textura bereitet es jedenfalls keine Schwierigkeiten, die dicht gewobenen Klangschichten zu entwirren. Sie reproduzieren die diversen Basslinien bestens verfolgbar und differenzieren das von Garcia-Fons gern zelebrierte Klopfen und Hämmern auf dem Korpus seines Instruments sehr präzise und impulsgenau. Beim Vergleich mit dem von mir wegen seines günstigen Preises geschätzten Silent-Wire-LS8-Lautsprecherkabel (unkonfektionierter laufender Meter ab circa 30 Euro), welches kurzzeitig sein Textura-Pendant ersetzen darf, wird aus der fast geometrisch strengen Architektur der über und ineinander verwobenen Samples ein ziemlich wilder Ritt, ohne die Klangschichten eindeutig aufzudröseln, was im Sinne einer „Wall of Sound“ nicht ohne Reiz ist, doch wird die Einsicht in des Künstlers Intention dabei, sagen wir mal, ein wenig verstellt.

Carmen Suite von Classic RecordsNäher an die musikalische Wahrheit kommt man, so scheint es, eindeutig mit den Vovox textura. Analog zum früheren Slogan eines bekannten dänischen Lautsprecherherstellers könnte man sogar bemerken: „Schweizer lügen nicht.“ Zumal es die Eidgenossen auch mit der dynamischen Wahrheit ziemlich ernst nehmen. Mein 45er-Umschnitt (von ursprünglich 33 1/3) der Carmen Suite von Classic Records in der Limited Edition auf transparentem Vinyl (LSC 2449-45) ist ein gern eingesetzter Prüfstein bezüglich der Fähigkeit zu dynamischer Attacke analoger Wiedergabeketten. Bremst ein Baustein in der Anlage das Signal aus, ist es vorbei mit der atemberaubenden Tour de Force, die das Royal Opera House Orchestra unter seinem Dirigenten Alexander Gibson hier entfesseln kann. Ich habe die Carmen Suite komplett durchgehört und kann diesbezüglich Entwarnung geben. Die Vovox-Klangleiter vermögen auch heftige Impulse ohne Verluste zu übertragen. Die standesgemäße Wiedergabe massierter Orchestertutti überfordern sie selbst im lautesten Fortissimo nicht. Mehr noch, man merkt ihnen die Nähe zum Profisport, pardon, Profilager deutlich an. Die Textura reproduzieren jederzeit zuverlässig und mitteilsam, wobei sich auch bei heftigen Impulsgewittern keine hörbaren Verrundungen ausmachen lassen.

Vovox textura XLR-Kabel

Vovox textura XLR-Kabel

Farbauftrag: Vergleich mit anderen Kabeln

Wie erwähnt steht den Textura dabei eine reiche Palette an Klangfarben zur Verfügung und ich mache keinen Hehl daraus, dass mir dieser Punkt bei Kabeln besonders wichtig ist. Leider lassen sich unter den noch gut bezahlbaren Exemplaren nicht wenige ausmachen, die bei sonst anständiger Performance doch etwas zu gräulich oder unterkühlt zu Werke gehen. Muss der Liebhaber halbwegs lebensecht temperierter Klänge also zwangläufig tief ins Portemonnaie greifen, um in dieser Hinsicht Erfüllung zu finden? Muss er nicht, denn die Kabel aus Ebikon erinnern mich mit ihrer vitalen Farbigkeit nicht ohne Grund an die Tellurium Q Black Diamond. Die sind seit dem Testbericht 2015 eine echte Benchmark, wenn es um Klangfarben geht. Ja, die im Schnitt knapp 50 Prozent teureren Briten besitzen einen satteren Farbauftrag und halten noch mehr Schattierungen in petto, doch die Vovox textura kommen ihnen da näher als etwa Nordosts Heimdall II oder die Evolution II von Furutech, welche beide in der Preisklasse der Schweizer liegen. Darüber hinaus zeigten sich die Tellurium Black Diamond bei aller Farbpracht von einer exquisiten Ausgewogenheit, die ihren Ausnahmestatus zusätzlich zu untermauern schien. Den Vovox gelingt das nicht ganz so perfekt, zeigen sie doch eine kitzkleine Vorliebe für den Mittenbereich. Sicherlich schmeichelt das der Stimmwiedergabe und wird daher auch so manchen Fürsprecher finden, zumal die sprichwörtliche Gründlichkeit der Schweizer dafür bürgt, dass sich die Frequenzenden nicht über Gebühr vernachlässigt fühlen müssen. Dennoch werden pedantisch das letzte glitzernde Bling im Hochton Suchende sich wohl ebenso für andere Kabel entscheiden müssen, wie die Fraktion derer, denen der Bass nicht tief und unnachgiebig genug sein kann.

Brooke MillersDass solche Kabel auch in der Preisrange der Texturas zu finden sind, zeigen mir die zur Verfügung stehenden Testmuster der HMS Armonias auf. Doch mit Brooke Millers Pianoversion von „Familiar“ (auf Amazon anhören) wird auch deutlich, worauf man dafür zu verzichten hat: Volumen und Ausklingen des Klaviers wirken im direkten Vergleich etwas reduziert, was mir die Imagination eines echten Instrumentes erschwert. Mit den Vovox im Signalweg scheint der Ton nach dem Anschlag länger zu stehen und man meint fast körperlich zu spüren, wie sich die Resonanz des Flügels im Raum ausbreitet.

E.S.T.Es wäre übrigens ein krasser Fehler, aus dem Gesagten auf einen möglicherweise zu unterbelichteten Bassbereich der Vovox-Kabel zu schließen. Der ist nämlich, was Tiefe und Schwärze angeht, durchaus respektabel, auch wenn hier tief nicht unbedingt mit subsonisch gleichzusetzen ist. Dafür aber wird dem Hörer noch allerhand Feinstoffliches über die Qualität der Bässe mitgeteilt, weshalb es auch nicht allzu sehr schmerzt, dass die HMS Armonia in Bezug auf den reinen Tiefgang noch ein Quäntchen mehr zu bieten haben. Der Basslinie auf E.S.T.s „Gagarins Point of View“ (Retrospective: The very best of E.S.T., auf Amazon anhören) fehlt es jedenfalls auch so nie am nötigen Durchsetzungsvermögen, wobei ich eine Einstufung als medium-dry grundsätzlich bejahen würde, denn die Bässe werden nicht zur Gänze sehnig-straff präsentiert, sondern bewahren sich noch ein wenig Fleisch auf den Knochen. Das Dry verdienen sie sich, weil die Schweizer Tieffrequentes zwar durchaus kraftvoll, aber eben nie zu wuchtig oder voluminös gen Zwerchfell schicken. Gut so, denn zuviel, häufig auch noch schlecht kontrollierte Basspotenz kann ja leicht kontraproduktiv sein, wenn sie, was nicht selten geschieht, zum Verschleppen und Verlangsamen des Klangbildes beiträgt.

Vovox textura Cinchkabel

Vovox textura Cinchkabel

Höhenlagen & Raumdarstellung

Widmung Ebenfalls mit Bedacht, so scheint es, haben sie in Ebikon auch darauf verzichtet, das letzte Superhochtonzischeln ins Scheinwerferlicht zu zerren. Umso natürlicher wirkt die Höhenabstimmung der Textura-Kabel, was diesmal von Sergei Nakariakov recht eindrücklich unter Beweis gestellt wird. Der russische Trompeter hat unlängst Haydns Trompetenkonzert in der heimischen Philharmonie geblasen. Kaum wieder daheim, landete die nach dem Konzert erworbene und vom Solisten signierte CD Widmung (auf Amazon anhören) im Ensemble Dirondo CD-Laufwerk. Nakariakovs Trompete klingt über die Druckkammertreiber der Hochtonhörner von Tune Audios Marvel mit nahezu der gleichen Zartheit ihres Gold schimmernden Tons, der mich bereits im Konzertsaal faszinieren konnte. Aber auch die kleine Prise metallischer Strenge, welche Trompeten häufig zu eigen ist, lässt sich unschwer wiedererkennen. Das muss den eidgenössischen Strippen (und den Lautsprecher natürlich auch, aber das ist eine andere Geschichte) erst einmal jemand nachmachen. Und wenn es denn unbedingt neben einer solch frappierenden Natürlichkeit noch ein weiterer Stempel sein soll, dann der einer ausgesprochenen Langzeithörtauglichkeit.

Verblüffend ausufernde Räumlichkeit, wie sie vielleicht das eine oder andere Top-Kabel zustande bringt, wird man mit den Vovox textura eher nicht erleben. Soll es unbedingt mehr Raum sein, muss man wohl versuchen, die Lautsprecher bis zum gewünschten Ergebnis zu verrücken, die eidgenössischen Leiter lassen sich hierfür jedenfalls nicht missbrauchen. Wer allerdings das hören will, was auf den Tonträgern verewigt ist, wird sich mit ihnen rasch anfreunden können.

Eine gewisse Nähe zu Nordosts Heimdall 2 tut sich da schon auf, wobei ich aus der Erinnerung heraus den Heimdalls eine etwas breitere Bühne zugestehen würde. Tellurium Qs Black Diamond öffnen den Raum weiter nach hinten, Furutechs Evolution 2 eher etwas weniger. Die Tiefenstaffelung ist erneut der Performance der Nordost-Kabel ähnlich, was sicherlich nicht von Nachteil ist. Dabei reihen sich die Streicher des Royal Opera House Orchestra wie im Konzertsaal üblich artig hintereinander auf, was den Gegebenheiten dort sehr nahe kommt, aber auch bedeutet, nicht wirklich jeden der Musiker einzeln abzählen zu können. Ich habe es im Konzert mal versucht und bin prompt gescheitert.

Vovox textura XLR-Kabel

Vovox textura XLR-Kabel

Ganz oder gar nicht?

Die Vovox texturas eignen sich, was vermutlich keine große Überraschung darstellt, ausgezeichnet zur Komplettverkabelung. Dafür wurden sie schließlich konzipiert und auch ganz allgemein lassen sich ja häufig Ähnlichkeiten und Synergien innerhalb der Kabelserien eines Herstellers feststellen. Bei Jürg Vogts Kreationen vielleicht noch einen Tick mehr als bei anderen, weshalb es auch im Nachhinein sinnvoll erscheint, die klangliche Exploration der Kabel vordringlich in ihrer Gesamtheit durchgeführt zu haben.

Tatsächlich lässt sich bei wirklich jedem der verwendeten Kabel die beschriebene typische klangliche Signatur der Textura-Serie wiederfinden. Damit stellt sich natürlich die Frage, ob und wie sich einzelne Kabelsätze der Schweizer in eine bestehende Anlage integrieren lassen. Oder heißt es am Ende etwa „ganz oder gar nicht?“ Nun, NF- wie Lautsprecherkabel fügen sich sehr harmonisch in meine vorhandene, gut doppelt so teure Verkabelung von Analog-Tools ein, ohne das Signal merklich „zu verwässern“. Bezüglich Feinzeichnung und Auflösung nehmen sie den Analog-Tools aus der Reference Serie sicher nicht die Butter vom Brot. Brooke Millers Flügel offenbart mit ihnen noch mehr Details vom Anschlag und dem metallischen Surren der getroffenen Saiten. Dennoch fällt der Verlust wegen der nahezu auf Augenhöhe angesiedelten Natürlichkeit und sehr guten Tonalität der Schweizer Signalleiter deutlich weniger ins Gewicht, als es der Preisunterschied vermuten ließe. Deshalb auch ein weiteres anerkennendes Lob an die Adresse der Schweizer Solid-Core-Kabel.

Vovox textura Phonokabel

Vovox textura Phonokabel

Wie vom Hersteller vorhergesehen, kann das Phonokabel von seiner Schirmung profitieren, da die versuchsweise angeschlossene ungeschirmte NF-Variante mit einer recht lästigen Brummeinstreuung zu kämpfen hat. Trotzdem ist es ratsam, auch das ungeschirmte Textura IC direkt als Phonokabel ausprobieren, sofern man keinen SME-Stecker benötigt. Wenn es in einer Anlagenkonfiguration das leise Phonosignal brummfrei überträgt, wäre es meine erste Wahl. Rein klanglich hat die ungeschirmte Ausführung der NF-Leiter nämlich die Nase vorn, liefert sie doch ein Quäntchen zusätzlicher Details und verleiht dem Klangbild darüber hinaus einen Hauch mehr Griffigkeit. Am Konzept „mehr Information durch Reduktion“ scheint durchaus etwas dran zu sein. Auch bei Vovox favorisiert man daher die schirmlose Variante des NF-Kabels, wann immer es Länge und Anwendungszweck zulassen.

Abschließend gilt es, etwaige Unterschiede zwischen symmetrischen und unsymmetrischen Textura-NF-Verbindern aufzuspüren. In der Vergangenheit haben mir symmetrische Kabel, die ja theoretisch den Vorteil einer geringeren Anfälligkeit für Störsignale mit sich bringen, meist auch das reinere, weniger „verwaschene“ Signal geliefert. Nicht so im Falle der Vovox textura, wo sich in meiner Kette diesmal keine wirklich fassbaren klanglichen Vorteile für die symmetrische Ausführung ausmachen lassen. Beide Kabel klingen schlichtweg gleich.

Test: Vovox textura | Lautsprecher- und NF-Kabel

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