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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Ehrlicher Genuss
  2. 2 Vincent SV-500MK: Hörtest und Vergleiche
  3. 3 Testfazit: Vincent SV-500MK

Vincent (www.vincent-tac.de) entstand in den 1990er Jahren aus einer Kooperation zwischen deutscher Entwicklung und asiatischer Fertigung. Das Ziel war von Beginn an klar umrissen: solide Technik, überschaubare Preise und eine Anmutung, die sich eher an klassischen HiFi-Werten orientiert als am trendigen Lifestyle. Über die Jahre hat sich daraus ein Programm entwickelt, das vom ambitionierten Einsteiger-Verstärker bis zu ausgewachsenen Vor- und Endstufen reicht. Röhren spielen dabei seit jeher eine zentrale Rolle, meist eingebettet in hybride Konzepte, die klangliche Geschmeidigkeit und robuste Alltagstauglichkeit zusammenführen sollen.

Der Vincent SV-500MK – jetzt mit erweitertem Digitalboard – bewegt sich eher im unteren Segment der Verstärker-Palette; oberhalb warten deutlich aufwendigere Geräte mit höherem Leistungsvermögen und größerem Platzbedarf auf. Der 500er markiert damit eine Art Dreh- und Angelpunkt im Sortiment: klassischer Aufbau, definierte Funktionalität. Weniger Prestigeobjekt als ein Arbeitsgerät für den musikalischen Alltag – und dazu passt das Preisschild: 1.399 Euro werden aufgerufen.

Vollverstärker mit 90er Optik

Ausgepackt, aufgestellt. Erste Assoziation? „So gehört das!“ Gradliniges Design wie aus den 1980er oder 1990er Jahren. Optisch passt der Vincent SV-500MK ideal zu meinen Verstärkerpreziosen von Accuphase, Harman/Kardon oder Sansui dieser Jahrzehnte.

Der Vollverstärker SV-500MK von vorne

Gradliniges Design: Der Vollverstärker SV-500MK arbeitet, typisch für Vincent, in Hybridtechnik, sprich mit Röhren im Vorstufenzweig und Transistoren in der Endstufe – die für 2 x 50 Watt an 8 Ohm gut ist

Die schwarze Frontplatte – alternativ kann das Gerät auch in Silber erworben werden – ist aus gebürstetem Aluminium. Die beiden markanten Drehregler für Quellenwahl (links) und Lautstärke (rechts) sind ebenfalls aus Metall und laufen geschmeidig.

Passend zum schönen Gesamtbild hat man beim Lautstärkeregler auf Bewährtes gesetzt und ein Potentiometer aus dem Hause Alps verbaut. Alps-Potentiometer liefern durch einen guten Gleichlauf der Kanäle, definiertes Drehmoment und geringe Kontaktgeräusche eine solide Lösung für den seriösen Audio-Einsatz. Im Übrigen präsentiert sich der Vincent-Verstärker als No-Nonsens-Amp, lediglich die beiden Regelungsmöglichkeiten für Höhen und Tiefen auf der Front mögen zu Stirnrunzeln bei Puristen führen. Aber mal ganz ehrlich: Nach wie vor ist das die einfachste Option zur Anpassung des Klangs. Beim Vincent SV-500MK wird die Klangregelung durch einen kleinen Knopf an der Front aktiviert oder aus dem Signalweg genommen.

Full-Metal-Schokoriegel

Gradlinig gibt sich auch die Fernbedienung: So groß wie ein Schokoriegel, aber etwas bissfester, denn sie ist aus dem gleichen Material wie die Front des Verstärkers gefertigt und damit erfreulich hochwertig. Zum Vergleich: Mein Musical Fidelity M6si wird mit einer Fernbedienung aus Plastik ausgeliefert. Der Funktionsumfang des Gebers beschränkt sich auf die Quellenwahl und die Lautstärkeregelung, die Druckpunkte der Tasten sind klar und direkt.

Die Fernbedienung des Vincent SV-500MK

Solide Sache: Die Fernbedienung des Vincent SV-500MK

Schnittstellen

Bei der Ausstattung zeigt sich, dass der Vincent SV-500MK auf intelligente Art leichtes Retro-Design mit zeitgemäßer Auslegung verbindet. Wenig überraschend, die beiden Cinch-Hochpegeleingänge und die beiden Ausgänge, einer fix, einer variabel. Das Lautsprecherterminal ist hochwertig ausgefallen und lässt alle Varianten des Abgriffs zu, allerdings nur im Single-Wiring-Betrieb.

Das rückseitige Anschlussfeld des Vincent SV-500MK

Das rückseitige Anschlussfeld des Vincent SV-500MK: Neben zwei Hochpegel-Eingängen gibt es vier digitale: Bluetooth, HDMI ARC, Toslink und S/PDIF koaxial

Der Vincent SV-500MK kann auch digital. Via S/PDIF koaxial und optisch, per Bluetooth und HDMI ARC lässt sich der interne Digital-Analog-Converter (DAC) ansteuern. Die beiden letztgenannten Zuspielwege sind neu. Die HDMI-ARC-Buchse gestattet den Dialog zwischen Verstärker und TV, aus meiner Sicht heutzutage eine fast unverzichtbare Option, denn die Schallwandler aktueller Fernsehgeräte sind in der Regel bestenfalls als „geht so“ zu bezeichnen. „ARC“ steht für „Audio Return Channel“ und kennzeichnet die Funktion zur Rückführung des TV-Tons über das HDMI-Kabel an einen AV-Receiver oder Verstärker. Das ist nicht nur für die Tonqualität von Belang, sondern auch für eine latenzfreie Wiedergabe.

Wie erwähnt, wird das digitale Setup ergänzt durch die ebenfalls neue Bluetooth-Schnittstelle. Funktioniert alles störungsfrei, unterstützt wird Bluetooth 5.0, dafür kommt ein Qualcomm-Bluetooth-Chip (QCC3034) zum Einsatz, der die üblichen Codec-Formate wie SBC, AAC, aptX und aptX HD dekodieren kann.

Die Bluetooth-Antenne des Vincent SV-500MK

Der Vincent SV-500MK versteht sich unter anderem auf Bluetooth aptX und aptX HD

Technisch fällt die neue Digitalbestückung unspektakulärer aus als erwartet. Die wesentlichen Neuerungen habe ich bereits erwähnt: Bluetooth- und HDMI-ARC-Option. An der internen D/A-Wandlung hat sich nicht so viel getan: Der Vincent SV-500MK nutzt denselben Chip zur Konvertierung wie der SV-500, einen PCM5102 von Texas Instruments. Der kann Signale bis 32 Bit/384 kHz verarbeiten, im Betrieb des Vincent-Verstärkers wird er jedoch auf 24 Bit/192 kHz „begrenzt“, denn die S/PDIF-Eingänge limitieren den digitalen Datenfluss. Mehr ginge durch einen USB-Zugang, den der Amp aber nicht besitzt.

Fehlt etwas? Symmetrische Eingänge? Naja, nicht wirklich, wenn wir aufs Preisschild schauen. XLR-Eingänge gelten zwar als audiophile Variante, aber das kommt technisch und klanglich häufig erst bei längeren Kabelverbindungen zum Tragen. Zwei Hochpegeleingänge? Ja, vielleicht nicht übertrieben viel, aber die digitalen Optionen machen das wett. Was mich ein wenig gewundert hat, ist das Fehlen eines Phono-Eingangs. Freilich hat Vincent entsprechende externe Elektronik im Portfolio, namentlich die Phono-Vorverstärker PHO 200, 300, 500 und 701.

Innenansichten

Schauen wir mal in den „Maschinenraum“ des Vincent SV-500MK. Auch hier geht es klassisch zu.

Der Vincent SV-500MK von innen

Der Blick in den „Maschinenraum“ des Vincent SV-500MK

Hinten links sitzt ein beruhigend stattlicher, streufeldarmer 110-VA-Ringkerntransformator, der durch Kühlrippen vom rechten Teil der Platine getrennt wird. Dort befinden sich zwei Kondensatoren, die mit einer Gesamtkapazität von 20.000 µF für die Glättung und Pufferung der Stromversorgung sorgen sollen. Daneben die Bauteile, die den Vincent SV-500MK zu einem Hybrid-Verstärker machen: die Doppeltrioden der Vorstufensektion.

Verbaut wurden eine 12AX7 zur Spannungsstabilisierung und zwei 6N1, die sich um das Audiosignal kümmern. Das Gute daran: Diese Röhrentypen sind weit verbreitet, langlebig und verlässlich, leicht zu beschaffen und kostengünstig. Noch besser: Der Sintron-Vertrieb, Stammhaus der Vincent-Elektronik, hat diese Röhren im Angebot.

Vorstufenröhren des Vincent SV-500MK

Wie es sich gehört: Der Vincent SV-500MK kommt mit drei Röhren, einer 12AX7 zur Spannungsstabilisierung und zwei 6N1 fürs Audiosignal

Der Käufer des Vincent SV-500MK erhält eine fünfjährige Garantie auf den Verstärker, aber nur eine einjährige auf die Doppeltrioden. Wer das für ein Problem hält, der sei beruhigt: Belastung und Verschleiß von Röhren im Vorstufen-Betrieb sind weitaus moderater als in der Leistungsverstärkung. Es ist eher unwahrscheinlich, dass man in die Verlegenheit kommt, die Röhren auswechseln zu müssen. Dann allerdings muss man den Gehäusedeckel entfernen.

Für die eigentliche Leistungsverstärkung zeichnen Transistoren aus dem Hause Toshiba verantwortlich, die im Class-AB-Betrieb arbeiten und 2 x 50 Watt RMS (8 Ω) bzw. 2 x 80 Watt RMS (4 Ω) an die Lautsprecherterminals bringen.

Vincent SV-500MK: Hörtest und Vergleiche

Das Klischee will es so: Verstärker mit Röhren-Vorstufe klingen warm, rund, voll, nicht besonders neutral, erst recht nicht analytisch – dafür unangestrengt und langstreckentauglich. Der akustische Wohlfühlfaktor, so das Klischee, steht bei dieser Gerätegattung im Vordergrund. Aber stimmt das eigentlich? Und falls ja, zu welchem Preis wird dieser vermeintliche Wohlklang erkauft?

Die Front des Vincent SV-500MK, angeschnitten

Der Vincent SV-500MK besitzt Bass- und Treble-Regler, doch die lassen sich per Knopfdruck auch aus dem Signalweg nehmen

Am ehesten wird man das an Stimmen und mittleren Tonlagen eruieren können, also fangen wir damit an. Und ja, tatsächlich, der Vincent SV-500MK macht seiner Spezies alle Ehre: Die Röhren in der Vorstufe sorgen für das typische Obertonspektrum: Ob Frank Sinatras „Autumn in New York“ oder „Sous les Ponts de Paris“ von Juliette Gréco und Melody Gardot – der Vincent liefert ein warmes Timbre und leuchtet die unterschiedlichen Stimmenanteile aus, nicht in scharfen Schlaglichtern, sondern in dezentem Glanz. Das sorgt für Schmelz und Atmosphäre in den mittleren Lagen und bei Stimmen im Speziellen; 100 % neutral geht es dabei naturgemäß nicht zu. Hohe Stimmlagen werden leicht abgerundet, bleiben dadurch aber stets gefällig und driften nie ins Spitze oder Harsche ab.

Besonders schön lässt sich das nachvollziehen an der Hommage à Jodie Devos, einem Album, das der schon mit 35 Jahren verstorbenen Sopranistin gedenken soll: An Verstärkern wie dem Yamaha A-S1200 (circa 2.000 Euro) werden Stimmen und Mitten etwas heller, schärfer dargestellt. Nicht so mit dem Vincent SV-500MK: Der modelliert einen klangschönen, femininen, aber nicht überkultivierten Sopran. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Stimmen, die von vorneherein etwas voll sind, am Vincent noch ein wenig an Volumen zulegen. Da wäre dann der Yamaha A-S1200 „ehrlicher“, ohne Tendenz zur klanglichen „Inflation“. Liegt das nur am Konstruktionsprinzip? Schwer zu sagen, denn mein doppelt so teurer Musical Fidelity M6si (circa 2.800 Euro) tendiert eher in Richtung des Vincent – und beherbergt keine Röhren.

Marcus Trummer From the StartInsgesamt, das lässt sich sagen, färbt der SV-500MK Stimmen und mittlere Lagen ein wenig sonorer ein als auf Neutralität getrimmten Kollegen. Das fällt mir auch bei Stücken auf, die gerade häufig bei mir laufen, bei Marcus Trummer und seinem aktuellen Album From the Start etwa: Die jungenhafte Stimme des talentierten Bluesmusikers wirkt mit dem Vincent-Verstärker etwas reifer, die E-Gitarre etwas dunkler abgestimmt. Falsch? Richtig? Na ja, wie so oft wohl eher Geschmackssache.

James Bond oder der gute (Hoch-)Ton

Der Vincent SV-500MK bleibt seiner tonalen Linie treu und macht eine echte Stärke daraus, denn auch in den hohen Lagen entfalten die Röhren ihre angenehm mäßigende Wirkung.

Der Eingangswahlschalter des Vincent SV-500MK

Der Vincent SV-500MK bietet sechs Quellen Zugang – und treibt nicht nur Lautsprecher, sondern auch Kopfhörer an

Das wirkt sich besonders in der Reproduktion von Orchestermusik aus: Bei John Barrys Titelmelodie „I had a Farm“ zum Filmklassiker „Out of Africa“ kommt das besonders schön zur Geltung. Violinen, die in streng neutralen HiFi-Ketten hart, spitz oder vorlaut klingen können, bettet der Vincent SV-500MK nahezu perfekt in Barrys große Melodiebögen ein und koppelt sie harmonisch an die für ihn so typischen tiefen Streicher und Blasinstrumente an. Das macht er vielleicht nicht besser, aber aus meiner Sicht „schöner“ als der Musical Fidelity oder der Yamaha.

Wer allzu brillante Lagen eher nervig findet, der wird mit dem Vincent SV-500MK also sehr gut zurechtkommen und seine Neigung zur tonalen Integration schätzen. Hier ragt nichts spitz oder erratisch aus dem Klangbild heraus, hier gibt es keinen Anlass abzuregeln, weil es in den Ohren klingelt. Die beiden Drehregler für Höhen und Tiefen machen das zwar möglich, sind aus meiner Sicht aber nur bei wirklichen Problemen mit der Raumakustik erforderlich.

Billie Eilish No Time to dieDer Charakter des Vincent-SV-500MK prädestiniert ihn für ein Genre ganz besonders, für Gesang mit Orchesterbegleitung. Hochschießende Tonlagen werden abgefangen, sehr hohe Stimmanteile in ein warmes Obertonspektrum eingebunden. Ob Billie Eilishs „No Time to die“, Sheena Eastons „For Your Eyes only” oder auch – wir verlassen die Klangwelten von James Bond – Style Councils „Shout to the Top“: Stets werden die (synthetischen) Violinen tonal eingepasst und leicht entschärft; stets werden Stimmen farbig und vital, aber ohne Betonung von Sibilanten und Hochtonfragmenten an die Schallwandler gebracht.

Bei alledem ist der Vincent SV-500MK weder topfig noch betulich. Der Verstärker spielt mit gutem Antritt auf, ohne jeden Anflug von Bräsigkeit. Das kommt den mittleren wie den hohen Lagen zugute und präsentiert sie bei aller tonalen Charakteristik konturiert, kontrastreich und plastisch.

Augen auf bei der Partnerwahl: der Tiefton

Das gilt auch für die tieferen Lagen. An meiner ATC SCM 11 präsentiert der Vincent SV-500MK einen knackigen, sauber definierten und kultivierten Bass. Die Abstimmung offeriert eine gute Balance aus Tempo und Volumen, vor allem bei mittleren Pegeln.

Der Volume-Regler des Vincent SV-500MK

Der Volume-Regler des SV-500MK: Die Lautstärke wird beim Vincent über ein Alps-Potentiometer angepasst

Mein Kabinett an britisch orientierten Schallwandlern – neben der ATC SCM 11 die Neat Iota Acoustics 2 und meine Replik der LS3/5a – beliefert der Vincent-Verstärker durchzugsstark mit lebendigem und realistischem Tiefton. Rabenschwarz in den Tieftonkeller geht es nicht, aber Mittel- und Oberbass werden gleichermaßen mit Druck wie mit Geschwindigkeit in den Hörraum gestellt.

Das gelingt aber nicht mit jedem Lautsprecher: An meiner wählerischen Dynaudio Contour 20 geht dem Vincent SV-500MK ein wenig die Puste aus. Hörbar wird das am etwas fahl und kraftlos wirkenden Tiefton, am Verlust an Farbreichtum und an Einbußen in der Dynamik. Wer sich für diesen Verstärker interessiert, sollte vielleicht einen Test an den anzutreibenden Boxen einplanen, um Enttäuschungen zu vermeiden.

Dynamik

Und da wir schon bei der Dynamik waren, soll es damit weiter gehen. Auch in dieser Disziplin liefert der Vincent SV-500MK ein interessantes Bild. Bauartbedingt – so mein Eindruck – spielt der Verstärker aus Iffezheim seine Stärken besonders in der Feindynamik aus.

Natürlich kommt er nicht an die Abbildungsgenauigkeit des teureren Musical Fidelity M6si heran – der fächert dynamischen Schattierungen und Nuancen feiner auf. Aber dafür bringt der Vincent erneut seine Tendenz zur tonalen Integration ein und präsentiert die feindynamischen Akzente mehr im musikalischen Fluss, als Teil eines Ganzen. Es ist den Entwicklern offenbar nicht um scharf abgegrenzte Dynamikstufen gegangen, sondern mehr um die Wiedergabe von musikalischen Entwicklungslinien.

Der Ringkerntransformator im Vincent SV-500MK

Der Ringkerntransformator im Vincent SV-500MK macht einen amtlichen Eindruck

Im Kleinen. Im Großen sieht es etwas anders aus, denn grobdynamisch glänzt der Vincent SV-500MK durch vornehme Zurückhaltung. Heftige Dynamiksprünge und -eruptionen bei kernigen Pegeln passen nicht recht zu diesem Verstärker. Da macht der Musical Fidelity M6si natürlich die größeren, beherzteren Schritte. Der Verstärker mit britischer Genetik verfügt in dieser Disziplin über größere Kapazitäten und schafft mehr Dynamik mit mehr Substanz. Logisch, liegt ja preislich auch deutlich über dem Vincent-Amp.

Der Vincent dreht also deutlich früher bei. Kein Feuerwerk, eher Lagerfeuer – so ließe sich der Charakter des SV-500MK umschreiben.

Räumlichkeit und Auflösung

Höhe und Breite der virtuellen Bühne, die der Vincent aufzieht, wirken realistisch – aber in der Tiefe geht es ein wenig kompakter zu. Anstatt einzelne Stimmen oder Instrumente in einem Orchester isoliert und tief im Raum zu positionieren, konzentriert sich der SV-500MK auf ein homogenes und konsistentes Klangbild.

Roger Water Amused to DeathJa, nicht zuletzt auch durch die geringere räumliche Tiefenschärfe wirkt die Wiedergabe in sich geschlossen und stimmig; kein Element drängt sich in den Vordergrund. Und während der Vincent Effekte, die weit außerhalb der Lautsprecherbasis liegen – wie bei Roger Waters Amused to Death – weniger herausstellt als andere Verstärker, überzeugt er stattdessen durch sein tonal substanzielles, homogenes Klangbild. Sprich: Der musikalische Gesamtzusammenhang wird hier höher gewichtet als die exakte Ortung kleinster Details.

Es wundert Sie daher sicher nicht, dass auch die Auflösung im strengen Sinne nicht zu den ersten Tugenden des Vincent-Verstärkers gehört, denn auch hier geht Gesamteindruck vor Detailanalyse. Doch niemand wird am Vincent SV-500MK in dieser Hinsicht etwas vermissen, vermute ich, zumal er die musikalischen Feinheiten mit obertonreichen und warm timbrierten Nuancen versieht. Sein Gestus hat wenig mit der fast „pointilistischen“ Darstellung eines Yamaha A-S1200 gemein. Der zeichnet feiner, lokalisiert klarer, löst und separiert stärker. Der Vincent bettet Details dagegen ein, sorgt für tonale und rhythmische Konsistenz und präsentiert das Klangbild etwas flächiger als „analytischer“ ausgelegte Verstärker. Und nur um das Bild hier zu komplettieren: In puncto Auflösung stehen der Magnat MA 900 oder der Musical Fidelity M6si näher am Vincent als am Yamaha.

Pimp my Amp – der D/A-Wandler

Abschließend zur Wandlersektion des Vincent SV-500MK: Wenn es den Entwicklern darum gegangen sein sollte, hochaufgelöste digitale Signale mit dem Charme sonoren Röhrenklangs zu versehen, kann ich nur sagen: Ziel erreicht. Hier leistet der Vincent-Verstärker in vielen Genres und Disziplinen ganze Arbeit.

Die Rückseite des Vincent SV-500MK mit Digital- und Analogeingängen

Trotzdem habe ich den Vergleich gewagt und meinen DAC von Musical Fidelity, den M6sdac (1.500 Euro), eingebunden. Ergebnis? Relativ klar: An Tonalität und dynamischen Qualitäten ändert sich nahezu nichts, aber in Sachen Räumlichkeit und Auflösung legt der deutlich teure Wandler mehr als nur eine Schippe drauf: Die Bühne wirkt wesentlich größer, die Tiefe nimmt nach hinten zu, und auch die Auflösung gewinnt. Nun, das ist keine Kritik am gelungenen Konzept des Vincent SV-500MK – kostet der M6sdac doch mehr als der Vincent als Ganzes! – , zeigt aber, dass dieser Verstärker Aufwertungen durch (Quell-)Geräte zulässt und weiterreicht.

Testfazit: Vincent SV-500MK

Mit dem Vincent SV-500MK stellt sich recht schnell eine Art stilles Einvernehmen ein: Er macht von Beginn an klar, dass er kein Verstärker für die große Show ist – nach längerer Zeit mit ihm bleibt mir weniger eine Liste von besonderen Eigenschaften im Gedächtnis als ein Gefühl dafür, wie dieser Verstärker Musik zusammenhält. Analyse, maximale Durchzeichnung, spektakuläre Raumillusionen stehen auf seiner Prioritätenliste etwas weiter hinten. Er will keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sondern den musikalischen Fluss formen und stabilisieren.

Der Hybrid-Vollverstärker Vincent SV-500MK, Frontansicht

Der Vincent SV-500MK ist kein Verstärker für Pegeljäger und Detailfanatiker – sondern einer für lange Abende voller Musik, für Stimmen, für orchestrale Bögen und sonore Klangfarben

Damit ist der Vincent SV-500MK ein Verstärker für Menschen, die Musik hören und sich dabei entspannen möchten – nicht für jene, die jede Aufnahme philologisch auf Schwächen abklopfen. Er eignet sich für lange Abende, für Stimmen, für orchestrale Bögen, für Klangfarben und Übergänge. Er eignet sich weniger für Pegeljäger und Detailfanatiker.

Wer diese Handschrift schätzt, findet im Vincent-Verstärker einen verlässlichen, „musikalisch denkenden“ Spielpartner. Und genau darin liegt seine Ehrlichkeit.

Steckbrief Vincent SV-500MK:

  • Mittelton und Stimmen profitieren von Substanz, von Farbe, von einem leichten Hang zur Wärme. Jugendlichkeit wird gezähmt, Schärfe geglättet, Nervosität eingefangen. Das gelingt oft ausgesprochen schön, gelegentlich fast zu gut: Bei ohnehin vollen Stimmen wächst das Volumen weiter.
  • Im Hochton zeigt der SV-500MK denselben Gestus. Er integriert, verbindet, moderiert, gibt sich etwas milder. Brillanz wird eingebunden, nicht exponiert.
  • Obacht bei der Partnerwahl: Mit den richtigen Lautsprechern spielt der Vincent im Tiefton rhythmisch, kontrolliert und erstaunlich lebendig. Anspruchsvollere Lasten fordern ihn naturgemäß stärker, dann verliert der Bass an Farbigkeit und Selbstverständlichkeit, weniger an Ordnung als an Nachdruck.
  • Dynamisch überzeugt der SV-500MK vor allem im Kleinen. Feindynamik, Übergänge, innere Spannungsverläufe gelingen ihm sehr stimmig. Grobdynamische Ausbrüche behandelt er mit dezenter Zurückhaltung.
  • Räumlich baut der Vincent-Verstärker eine saubere, stabile Bühne auf, mit klarer Breite und realistischer Höhe. Die Tiefenstaffelung bleibt überschaubar. Die Abbildung einzelner Klänge wirkt organisch eingebettet, nicht wie ausgestellt.
  • Die Auflösung dient dem musikalischen Zusammenhang, nicht der Einzelanalyse. Wer akustische Effekte sezieren möchte, braucht andere Konzepte.
  • Die Digitalsektion fügt sich nahtlos in dieses Bild ein. Der interne DAC klingt stimmig, unaufgeregt und tonal passend. Externe Wandler anderer Preisklassen erweitern Raum und Detailtiefe, verändern den tonalen Charakter jedoch kaum. Die neu hinzugekommenen Schnittstellen Bluetooth und HDMI ARC erweitern das Einsatzspektrum.

Fakten:

  • Modell: Vincent SV-500MK
  • Konzept: Hybridvollverstärker mit Röhrenvorstufe und Transistorendstufe
  • Preis: 1.399 Euro
  • Maße & Gewicht: 430 x 118 x 375 mm (BxHxT), 10 kg
  • Farbe: Schwarz, Silber
  • Eingänge: 2 x Analog-Hochpegel (Cinch), Digital 1 x Toslink, 1 x S/PDIF koaxial, 1 x HDMI ARC, Bluetooth (SBC, AAC, aptX und aptX HD)
  • Ausgänge: 1 x Pre Out, 1 x Rec Out, ein Lautsprecherterminal und ein Kopfhörerausgang (Klinke)
  • Leistung: 2 x 50 Watt an 8 Ohm
  • Garantie: 5 Jahre für registrierte Geräte
  • Weitere Informationen auf der Webseite des Herstellers

Vertrieb:

Sintron Distribution GmbH
Südring 14 | 76473 Iffezheim
Telefon: +49 (0)7229–182931
E-Mail: info@sintron.de
Web: https://www.vincent-tac.de/

Billboard
IOTAVX SA3, PA3 und NP3

Test: Vincent SV-500MK | Vollverstärker

  1. 1 Ehrlicher Genuss
  2. 2 Vincent SV-500MK: Hörtest und Vergleiche
  3. 3 Testfazit: Vincent SV-500MK

Über die Autorin / den Autor

Equipment

Digitale Quellen: D/A-Wandler: Musical Fidelity M6sdac CD-Player: Musical Fidelity M6cd, Sony CDP XA 5 ES, Sony CDP XA 7 ES, Sony SCD 555 ES Streamer: WiiM Ultra

Vollverstärker: Musical Fidelity M6si, Akai AM 75, harman/kardon HK 1400 und PM 665 Vxi, Sansui AU 919, Accuphase E 207

Lautsprecher: ATC SCM 11, Dynaudio Contour 20, Harwood Acoustics LS3/5a, Neat Acoustics Iota 2

Kabel: Lautsprecherkabel: Reson LSC NF-Kabel: Kimber PBJ WBT-147, Audioquest Z1, Oehlbach NF 14 Master X Digitalkabel: Audioquest Cinnamon RJ/E Ethernet, Oehlbach NF 113 D Netzkabel: Oehlbach Powercord C13 Netzleiste: Oehlbach Powersocket 907 MKII

Zubehör: Stromfilter: Dynavox HiFi-Netzfilter X4100S Sonstiges: Doppelsteckdose Furutech FP-SWS-D (Wandeinbau)

Sonstiges: Lautsprecher-Ständer von Musical Fidelity

Größe des Hörraumes: Grundfläche: 32 Quadratmeter Höhe: 3,80 Meter

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