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Mediaplayer-Vergleich – fangen wir an …

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  1. 2 Mediaplayer-Vergleich - fangen wir an ...

Foobar 1.1.1 läuft schon auf dem Netbook, also fange ich gleich damit an. Antony Hegarty gelingt es ab Takt 1 des ersten Titels zu fesseln. Sein Falsett geht bei diesem Album teils ungewöhnlich tief hinunter, kommt sehr organisch, reif und differenziert. Feinste instrumentale Details im Background lösen sich und bleiben sauber gestaffelt auch über ganze Songs hörbar, egal wie viele Instrumente sich am Geschehen beteiligen. Das Knarzen am Ende von „One Dove“, unangenehm krächzend auf schlechten Wiedergabeketten, steht fast greifbar im Raum und könnte in diesem Moment auch direkt vor mir erzeugt sein.

foobar

Die Tiefe und Breite der Studiobühne lässt alle Akteure gut umrissen erscheinen, nichts verschwindet bei zeitweise lauteren Passagen im Klangbrei. Hier und da bemerke ich die dynamischen Limitierungen und Auflösungsgrenzen des Verstärkers, aber hey: Ich bin gefesselt von all der Spielfreude und dem Groove, ich stecke voll in der Musik. Was will man mehr, alle Beteiligten überzeugen.

Frau Scarpantonis Cello zieht mich förmlich in sich hinein, wenn sie und Lou Reed „Venus In Furs“ zelebrieren. Ihre Bogenführung stellt sich fast plastisch dar, die Luft vibriert, geradezu schmerzverzerrt steigert sie sich in ihr Spiel. Foobar hält sich zurück, hier einzugreifen. Alles präsentiert sich da, wo es hingehört. Genial von Lou, genial von Foobar.

Aber was ist mit dem Windows-Platzhirsch, dem Windows Media Player (WMP, Version 11)? Als solcher richtet er sich natürlich nach den Vorgaben aus Windows’ Soundeinstellungen und spielt gehorsam über des DACs Treiber, „einstellen“ kann man hier nichts. Foobar lässt wenigstens noch die Anpassung der Bittiefe zu, wodurch‘s bei mir mit 24 Bit erstaunlicherweise leichtfüßiger, offener klingt, als mit den 16 Bit, die die Audiotracks ja nur liefern. Warum? Keine Ahnung.

windows media player

Und was bastelt der WMP klanglich so zusammen? Ja, er bastelt die Bits und Bytes zu einem meiner Meinung nach extrem undifferenzierten und leblosen Tonmix zusammen, ohne zu bemerken, dass hier Instrumente zusammenspielen. Keine Spur von sauberer Raumaufteilung. Was auch im Studio oder der Bühne passiert, es klebt förmlich an den Lautsprechern und verschwimmt mit zunehmender Komplexität ineinander, leider besonders im kritischen Bass. Foobar klingt wesentlich breiter, tiefer, luftiger, direkter und differenzierter, kann einfach alles besser.

Und J. Rivers Media Center in seiner Version 16.0? Kollege Jörg Dames mag ihn, obwohl er 50 US-Dollar kostet; Foobar kostet nichts. Installiert war er dann schneller als gedacht, obwohl das Teil funktional und optisch schon ein recht monströses Dickschiff mimt. Selbst Foobar kommt dagegen um einiges transparenter daher, was die Bedienung betrifft – okay, mag auch eine Gewohnheitssache sein. Aber im Vergleich zum WMP ist J. Rivers Werkzeug immer noch „einfach“ bedienbar.

j. river mc

Klanglich meine ich, dass Foobar zwar leicht präziser spielt, dafür aber zu viel Kontrolle über die Darbietung behalten will und leicht an Luftigkeit und ein klein wenig „Charme“ verliert. J. River arbeitet einen Tick „musikalischer“, obwohl es in Sachen Fein- und Grobdynamik minimal abfällt. Das Ganze ist definitiv aber unter der Überschrift „Subtile Geschmacksache“ abzuhandeln: Zwei unterschiedliche CD-Player unterscheiden sich leicht ungleich mehr.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass die erwähnten verschiedenen Dateiformate erwartungsgemäß keinen signifikanten Unterschied hörbar werden lassen. Ich meine, in meiner Kette bietet kein Format nachvollziehbare Klangvorteile. Auch J. Rivers Programmoption, formatunabhängig „direkt aus dem Arbeitsspeicher“ abzuspielen, ändert daran nichts. Foobar und die anderen besitzen diese Option nicht, offenbar zu Recht.

Kommen wir zum kostenlosen Rekordbox 1.5.1 vom bekannten japanischen Elektronikkonzern Pioneer. Das eigentlich für DJs zur Setvorbereitung gedachte Tool erweist sich in Sachen Handhabung sogar als halbwegs praxistauglich, wenngleich auch deutlich umständlicher als die anderen Player, aber ebenfalls mit Playlistenverwaltung und Coverdarstellung. Leider spielt die Box keine FLAC-Dateien, aber immerhin zum Beispiel WAV und AIFF.

rekordbox

Rekordbox bringt das Kunststück fertig, fein- und grobdynamisch einen Hauch mehr Punch in die Darbietungen zu legen, als ich es gewohnt bin. Gerade die Arrangements von Antonys And The Johnsons gehen mit Blick aufs vermittelte Bühnengefühl zwar etwas weniger in die Breite, klingen dafür aber minimal klarer umrissen. Komplexere Passagen, wie während des Backgroundgesangs in Lou Reeds „Dirty Boulevard“ zu hören, wirken ein bisschen transparenter, kontrollierter. Tonal meine ich, dass Rekordbox sehr erdig, etwas grundtonverliebter rüberkommt und dabei Feuer entfacht, mitreißt. Pausen allerdings könnten „gefühlt“ ruhiger ausfallen – natürlich „hört“ man zwar nichts, aber der Hintergrund des musikalischen Geschehens, also das, was sich zwischen und „hinter“ den Musikern abspielt, wirkt etwas weniger ruhig, weniger „schwarz“.

Auch hier gilt erneut: Das Ausmaß des Ganzen bewegt sich auf dem Niveau feiner Details, wahrnehmbar zum Beispiel bei Bassdrum und Gitarrentransienten, aber auch gerade bei prägnanten Stimmen.

Nach vielen Höreindrücken ankere ich zum Schluss der Reise bei iTunes 10.5 im Hafen von Apple: Allseits beliebt, gepflegt vom Hersteller, kostet nichts, leicht bedienbar – das verbinde ich mit iTunes.

iTunes

Obwohl, die Bedienung ist Geschmackssache, Foobar gefällt mir persönlich besser. Auszusetzen ist natürlich, dass ein Format wie FLAC ähnlich wie beim WMP nicht unterstützt wird. Und wie klingt‘s? Räumlich gibt sich iTunes minimal weniger sortiert. Die Bühne ist gedrungener, der Aktionsradius der Akteure, ihr Einflussbereich auf das musikalische Geschehen wirkt enger. Ebenso zwingt mich die dynamische Darbietung nicht gerade dazu, mit dem Fuß zu wippen. Es fehlt etwas. Ja, es fehlt das gewisse „Etwas“. Ich meine, iTunes könnte ruhig etwas enthusiastischer ans Werk gehen, sich mehr in der Musik bewegen, weniger Distanz aufbauen.

Resümierend komme ich zu dem Schluss, dass Foobar2000 ein veritables Allroundwerkzeug darstellt, das klanglich ohne Fehl und Tadel ist. J. River MC, Rekordbox und iTunes sind ebenso sehr brauchbar und können je nach Geschmack hier und da auch mal die bessere Wahl sein. Der Windows Media Player sollte seinen Freunden allerdings zu denken geben: Mit dieser Performance hätte kein ernsthafter HiFi- oder HighEnd-Hersteller klassischer Geräte eine Chance am Markt.

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Test: Mediaplayer (Foobar, J. River MC, iTunes, Windows Media Player, Rekordbox) |

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