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Phonosophie

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Eine Handvoll Giganten
  2. 2 Klangeindruck & -vergleiche

Jetzt führe ich Sie aufs Glatteis, was? Sie fragen sich bestimmt, welches Kraut der Autor geraucht haben muss, diese Handvoll Lautsprecher als „Giganten” zu beschreiben. Keine Sorge, ich bin des Drogenkonsums unverdächtig, trinke beim Schreiben dieser Zeilen sogar ganz artig Apfelschorle. Über den Testzeitraum haben sich die kleinen Französinnen (Preis: 650 Euro, Vertrieb: reichmann-audiosysteme.de) indes mit Tugenden in mein Herz geschlichen, die ich wirklich ziemlich groß finde.

So bringt die Triangle Elara LN01A – so ihr etwas holperiger, vollständiger Name – frisch aus dem Karton bereits alles mit, was es zum Musikhören braucht. Also, ich meine: alles! Denn das angehängte „A” in der Modellbezeichnung weist die gerade einmal vier Kilogramm schwere Kompaktbox als Aktivmodell aus, sie bringt also ihren eigenen Verstärker mit. Es gibt sie auch in einer passiven Version, dann ist sie nochmal günstiger. Aus Platzgründen handelt es sich beim Amp um einen Class-D-Chipsatz, der laut Datenblatt 50 Watt pro Kanal generiert. Was für die meisten Anwendungsfälle völlig ausreichend sein dürfte. Aber damit nicht genug: Die „Master”-Box des handlichen Pärchens – das ist jene, die den Verstärker, die Signalverarbeitungsplatinen und die Stromversorgung beinhaltet – hält ein derart umfassendes Portfolio an Anschlussmöglichkeiten bereit, dass die optisch eher dezent anmutenden Lautsprecher praktisch eine Kompaktanlage darstellen.

Das Anschlussfeld der Triangle Elara LN01A

Das Anschlussfeld der Triangle Elara LN01A

So können konventionelle analoge Quellen via Cinchbuchsen (ein Paar) ebenso kontaktiert werden wie insgesamt drei digitale Zuspieler, jeweils über einen optischen und einen koaxialen Eingang sowie mittels Bluetooth-Funkstrecke inklusive apt-X-Codec in CD-Qualität. Wobei das Pairing von Sender (Smartphone, Tablet, PC) und Empfänger innerhalb von Sekunden erledigt und die Funkstrecke stabil ist. On Top gibt es noch einen Phonoanschluss (MM) für den Plattenspieler. Das nenne ich komplett, wenngleich der Hersteller auf einen USB-Port verzichtet hat. Das wär’s jetzt noch gewesen, aber ich will auch nicht unfair sein. Die zweite Box des Stereo-Paares wird in sogenannter „Slave”-Anordnung mittels handelsüblichem Lautsprecherkabel angebunden, es handelt sich dabei um einen rein passiven Schallwandler. Bedient werden die Triangle Elara LN01A über einen handlichen Infrarotgeber, der nicht nur die Lautstärke, sondern auch alle Klangeinstellungen regelt und die Eingänge umschaltet.

Das Triangle-Duo besteht aus einer Master-Box, die die Elektronik enthält, und einem passiven Lautsprecher

Das Triangle-Duo besteht aus einer Master-Box, die die Elektronik enthält, und einem passiven Lautsprecher

Auf ein Display zur Anzeige der jeweiligen Modi hat Triangle verzichtet, was in der Praxis einen kleinen Wermutstropfen darstellt. Der jeweils gewählte Eingang kennzeichnet sich durch die Lichtfarbe der in die Frontplatte eingelassenen LED, wobei einige Eingänge identische Farben aufweisen, was die Unterscheidung natürlich erschwert. Möchte man die Klangeinstellungen verändern, teilt sich dem Nutzer zudem nicht mit, wo sich die Neutralposition befindet. Entweder vertraut man hier auf sein Gehör oder man muss einen Reset aller Einstellungen durchführen – eine entsprechende Taste findet sich auf der Fernbedienung –, der die Klangregelung „nullt“. Das ist etwas eigensinnig.

Jetzt könnte man ja denken, dass ein Hersteller eine solche Ausstattungsvielfalt bei einem gleichzeitig so scharf kalkulierten Preis irgendwo „rausholen” muss, im Zweifel bei der Verarbeitung oder der Materialauswahl. Davon lässt sich die smarte Triangle Elara LN01A aber nichts anmerken. Das Gehäuse ist mit seinen leicht abgerundeten Kanten und der tadellosen Lackierung sehr wertig gefertigt, die Lautsprecherchassis, die Bassreflexrohre sowie das Elektronikboard der Masterbox sind passgenau eingelassen. Hier gibt es keinen Anlass zur Kritik. Die Elara sind intern zusätzlich versteift, Gehäuseresonanzen sollen so minimiert werden. Im Hauptlautsprecher verteilt sich die Elektronik gar fein säuberlich getrennt auf drei „Funktionsetagen”: Spannungsversorgung, Signalaufbereitung und Verstärkung bewohnen jeweils eine eigene Kammer, um auch elektronische Interferenzen im Zaum zu halten. Da sind die Franzosen selbst in ihrer Einsteigerklasse konsequent.

Triangle Elara LN01A

Darüber hinaus kämen die Chassis auch für die günstige Elara-Serie aus eigener Entwicklung und nicht von der Stange, so der Hersteller. Auf den elaborierten Druckkammer-Tweeter der teureren Serien – etwa der Toprange „Magellan“ – müssen die Triangle Elara LN01A aus Kostengründen zwar allesamt verzichten, aber auch deren 25-Millimeter-Seidenkalotte zeichnet sich durch eine besondere Schallführung aus, die man bei Triangle als „doppelten Waveguide” bezeichnet und die unter anderem für den außergewöhnlich breiten Abstrahlwinkel des Hochtöners verantwortlich ist. Dem steht der 13 Zentimeter durchmessende Tiefmitteltöner nicht nach. Er besteht aus Papier und wird von einer breiten Gummisicke geführt, die beachtliche Membranauslenkungen zulässt. Auch hier lag ein Entwicklungsziel in einem möglichst breiten Abstrahlverhalten, sodass der „Sweet Spot” im Stereodreieck nicht unbedingt entscheidend für das Klangergebnis ist. Die Rechnung geht auf: Auch abaxial sitzend bekommt man das Geschehen noch recht kohärent serviert, die ideale Hörposition ist das aber freilich trotzdem nicht.

Ganz kurz will ich noch auf die Güte der technischen Ausstattung eingehen, die ebenfalls keinen allzu dicken Rotstiftstrich erkennen lässt: Der DAC-Chip von Cirrus Logic verarbeitet Eingangssignale bis zu einer Samplingrate von 192 Kilohertz und einer Wortbreite von 24 Bit, die Klangregelung wird ebenfalls auf digitaler Ebene von einem DSP-Modul des Zulieferers Princeton gemanagt. Also durchaus nicht von schlechten Eltern.

Triangle Elara LN01A

Klangeindruck & -vergleiche

Lassen Sie mich mit dem Phonoeingang beginnen. Ich will ihn nicht abschätzig beurteilen, halte ihn aber auch nicht für das hauptsächliche Kaufargument zugunsten der Triangle Elara LN01A. Kurz gesagt: Für Gelegenheits-Schallplattenhörer ist die Performance des MM-Einganges als absolut ausreichend zu beschreiben. Im positiven Sinn. Niemand wird hier ernsthaft einen so hochwertigen Dreher (Technics SL-1200GR mit Shelter 201) anschließen, wie ich es im Test tat. Und selbst dieser musste sich an der günstigen Box nicht quälen, sondern bereitete schwungvolle Spielfreude mit einem druckvollen Charakter und warm-runder Tonalität. Das machte Laune, wenngleich auch vollkommen klar wurde, dass es der integrierten Phonoplatine gegenüber hochwertigen externen Preamps dann doch an Auflösungsvermögen und Feinsinn mangelt. Hier geht es vorrangig um einen sehr homogenen und flüssig-groovenden Duktus, was dann angesichts des Preises doch beachtlich ist. Der Phonoeingang ist also mehr als ein Marketinggag, ambitionierte Vinylhörer werden damit aber auf Dauer nicht zufrieden sein. Oberklasse-HiFi darf man hier dann aber auch einfach nicht erwarten.

Bass, Mitten und Dynamik

fever-rayDarüber hinaus lieferte der Vinylcheck aber schon einen recht guten Eindruck vom tonalen Grundcharakter der gerade einmal knapp 30 Zentimeter hohen Triangle Elara LN01A. Denn die Attribute „warm“, „rund“ und „homogen“ begleiteten mich durch den kompletten Hörparcours. Egal, über welchen Eingang (digital oder analog) und mit welcher Musikrichtung die handlichen Französinnen von mir versorgt wurden. Besonders auffällig ist, dass die Triangle in Sachen Tiefgang ihr doch eher begrenztes Gehäusevolumen fast schon Lügen straft. Was der 13-Zentimeter-Konus an Bassdruck und Tiefe erzeugt, erstaunt. Der pumpende Elektrobeat in „Keep the Streets empty for me“ von Fever Ray (Album: Fever Ray, auf Amazon anhören) bohrt sich bei entsprechendem Pegel geradewegs ins Zwerchfell, kommt mit Nachdruck und Attacke. Der Tiefmitteltontreiber arbeitet dabei sichtbar in den Gummisicken, was der Basspräzision jedoch keinesfalls abträglich ist. Ganz im Gegensatz zu den passiven Kompaktlautsprechern RP-M 160 des US-Herstellers Klipsch, die preislich leicht über den Triangles angesiedelt sind und mit größerer Membranfläche und mehr Gehäusevolumen zunächst beeindruckender erscheinen. Es aber nicht sind, denn der elektronisch generierte Bass in „Keep the Streets empty for me“ schwimmt über die Amerikanerinnen auf und beginnt unangenehm zu wummern.

Teho Teardo & Blixa BargeldDer Gegencheck mit dem getragenen „A Quiet Life“ von Teho Teardo & Blixa Bargeld (Album: Still Smiling, auf Amazon anhören), das von einem sanft grummelnden Bassfundament getragen wird, bestätigt den ersten Eindruck: Über die passive Klipsch tragen die tiefen Lagen so dick auf, dass sie beinahe schon den Gesang beeinträchtigen, bei der Triangle Elara bleibt alles im Lot. Das untere Frequenzende ist stets präsent und wird auch entsprechend wahrgenommen, drängt sich aber nicht in den Vordergrund. Ich erinnere mich an einen ähnlich akkuraten Bass bei der aktiven X300A von KEF, die ich vor einiger Zeit testete. Wobei „ähnlich“ der kleinen Britin nicht ganz gerecht wird: Gemäß ihrer intelligent konstruierten „UniQ“-Punktschallquelle entspricht die Performance der KEF in allen Tonlagen eher einer präzisen Rasierklinge. Sie kostet aber mit knapp 1.000 Euro Paarpreis deutlich mehr als die Triangle Elara LN01A, darf also auch neidlos etwas „bässer“ – was noch strukturierter und abbildungsschärfer, aber nicht tiefer meint – sein.

Agnes ObelZum sanft-fließenden Duktus der Triangle passt, dass die Übergänge zwischen den Frequenzlagen nahezu perfekt – so gut, wie man das in dieser Preisklasse eben hinbekommen kann – ineinandergreifen und so auch das Mittenband mit zwar deutlich warm-runder Tendenz, jedoch niemals wattig-schwabbelig wiedergegeben wird. Sowohl Sprache, etwa bei Hörbüchern oder dem „Radio-Tatort“, als auch Gesangsstimmen haben mir mit ihrem sanften Schmelz sogar ausnehmend gut gefallen. Zumal der sanft-seidige „Überzug“ keine Verfärbung bedeutet. Agnes Obel singt ihr „Familiar“ (Album: Citizen of Glass, auf Amazon anhören) über die Triangle Elara LN01A lediglich einen Hauch weniger sachlich, aber nicht weniger klar und schon gar nicht weniger eindringlich als etwa über eine passive Teufel Theater 500S, die mir seit kurzer Zeit gehört und deren Domäne das Mittenband ist. Ich wage sogar zu behaupten: Für 450 Euro Paarpreis habe ich nie zuvor so exakte, sauber konturierte und neutrale Mitten gehört wie über die Berlinerin, das ist wirklich ganz erstaunlich.

Aber sie ist hier nicht das Objekt der Besprechung, sondern ihre aktive Kollegin aus Frankreich – die Stimmen und natürliche Instrumente wie akustische Gitarren, Kontrabässe und Klaviere eben auch richtig gut „kann“, aber leicht anwärmt. So wenig, dass es nicht stört, sondern gerade so, dass man es auch durchaus angenehm anschmeichelnd empfinden kann. Zumal, um kurz zu Frau Obel zurückzukehren, hier keine Kalamitäten in Sachen Körperhaftigkeit zu befürchten sind. Gesang wird ansprechend dreidimensional abgelöst in den Raum projiziert, wobei die Kantenschärfe und die Größenverhältnisse tadellos sind.

Triangle Elara LN01A

Jetzt habe ich so ausführlich über „warm“, „rund“ und „fließend“ philosophiert, dass der ein oder andere möglicherweise denkt, dass die Triangle Elara LN01A in dynamischer Hinsicht eher nicht so gut aufgestellt ist. Diesen Eindruck muss ich auffangen. Gut, zu ihrem sehr flüssigen und in sich geschlossenen Vortrag passen keine wahrhaft explosiven Ausbrüche, es gibt Wettbewerber – wie etwa die bereits erwähnte Klipsch RP-M 160 –, die grobdynamische Attacken unmittelbarer und härter austeilen und über die rasche Abfolgen von sehr leisen und sehr lauten Passagen „überraschender“ und ein wenig souveräner wirken. Was aber nicht heißt, dass sich die kleine Triangle im Rahmen ihrer Möglichkeiten schlecht schlägt. Feindynamisch gibt sie sich eh keine Blöße, bereits bei recht geringen Lautstärken kommt ihr Klangbild vollständig rüber.

Bühnenaufbau

Das trifft auch auf die Bühnenabbildung und die Ortbarkeit der Französin zu. Beides darf man als realistisch beschreiben, zu Übertreibungen neigt die Triangle Elara LN01A nie. Die Relationen in Breite und Tiefe des Geschehens lassen glaubhafte Rückschlüsse auf die Realität – so man sie denn kennt – zu. Von der Bühnengrundlinie aus gemessen, tritt das Geschehen eher einen halben Schritt auf das Auditorium zu, die Abbildung wirkt also tendenziell eher involvierend als distanziert, was ich der handlichen Aktivistin durchaus als sympathischen Pluspunkt gutschreiben möchte. Es wirkt charmant, nicht aufdringlich. Erwähnen sollte man indes, dass der Hörabstand zu den Triangles nicht zu groß gewählt werden sollte, alldieweil das Gesagte über die räumlichen Beziehungen und Talente in diesem Fall zu zerfasern droht. Ich spreche da über Raumgrößen über 20 Quadratmeter und Hörabstände von deutlich mehr als zwei Meter. Das sind dann Anforderungen, denen die kompakte Box nicht mehr wirklich genügen kann. Dafür ist sie aber auch nicht gedacht.

Triangle Elara LN01A

Höhenlagen & Auflösung

Das obere Frequenzende reiht sich in den gutmütigen Charakter der Gesamtabstimmung ein. Glitzernde, gläserne oder gar bissig-artifizielle Sibilanten kennt die Triangle nicht. Oder sie softet sie so charmant ab, dass sie nicht mehr nerven. Ihre große Kunst besteht dabei darin, keine wirklich relevanten Informationen, die der Hörer für einen ganzheitlichen Eindruck der Aufnahme benötigt, zu unterschlagen. Sie schafft es sogar, den crisp und klar ausschwingenden Saiten einer Akustikgitarre so nachzuspüren, dass man eigentlich nicht danach fragt, ob da nicht auch „noch mehr“ ginge.

Triangle Elara LN01A

Doch! Geht! Fragen Sie mal eine KEF X300A: Sie wird dieser Ausschwingphase so akribisch folgen, bis „gefühlt“ nichts Hörbares mehr da ist. Sie wird Ihnen auch generell ein reicheres und feineres Obertonspektrum servieren, auch wird sie tiefer in eine Aufnahme hineinhorchen und Einzelereignisse deutlicher auflösen können als die Triangle Elara LN01A, was je nach bevorzugter Musikrichtung sicher vorteilhafter ist. Aber ich wiederhole mich: Sehen Sie die preislich günstigere Triangle als das an, was sie ist: ein wunderbar homogen und in sich schlüssig und flüssig aufspielender „Gebrauchslautsprecher“ für den Alltag. Rock- und Popmusik liegen ihr gut. Auch nicht ganz so hochwertigen Produktionen trotzt sie knackige Lebendigkeit ab und vermittelt auf ihre unprätentiöse Art viel Hörspaß. Highend-Ambitionen hegt sie nicht. Das gaukelt sie aber auch nie vor.

Triangle Elara LN01A

Test: Triangle Elara LN01A | Aktivlautsprecher

  1. 1 Eine Handvoll Giganten
  2. 2 Klangeindruck & -vergleiche
Billboard
Transrotor

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