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Klang Triangle Magellan Cello II (Teil II)

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  1. 3 Klang Triangle Magellan Cello II (Teil II)

Was die räumliche Wiedergabe betrifft, habe ich selten Lautsprecher gehört, die so wenig Eigencharakter besitzen wie die Triangle Cello II. Sie scheinen einfach ziemlich genau das durchzureichen, was die Aufnahme hergibt. Hat der Tontechniker hier auf Effekte gesetzt, etwa zu Beginn des ersten Songs Silver or Lead von Ursula Rucker„Damned If I Do“ auf dem Album Silver or Lead von Ursula Rucker, wo die Sängerin sich quasi wie unter einer akustischen Lupe eine Zigarette anzündet, kommt das unglaublich plastisch rüber. (Über den dann einsetzenden Bass will ich an dieser Stelle nicht schon wieder schwärmen.) Aber die Cello II „machen“ keine Räumlichkeit. Die in dieser Hinsicht eher durchschnittliche Aufnahme Eva Cassidys, Live At Blues Alley, klingt eben auch nicht besonders tief, punktet aber mit ihren dynamischen Qualitäten. Bei der unter dem Aspekt Räumlichkeit deutlich spektakuläreren Platte von Dee Dee Bridgewater, Live At Yoshis, kann ich dagegen förmlich jede Bewegung der Sängerin verfolgen.

Triangle Cello II

Aber auch bei Klassik fallen eher die Unterschiede der Aufnahmen auf als irgendwelche Eigenschaften, die ich den Triangle Cello zuordnen würde. Die (älteren) Aufnahmen auf einem Solti-Sampler, den ich gerne heranziehe Solti der Meisterdirigent(Solti der Meisterdirigent – fürchterlicher Titel), machen im Durchschnitt alle einen großen und tiefen Raum auf, in dem das Orchester zwar differenziert nach einzelnen Instrumenten und Instrumentengruppen aufgelöst dargestellt wird, aber immer noch als komplexer, zusammengehörender Klangkörper wirkt. Eine moderne Aufnahme mit dem Gewandhausorchester Leipzig lässt dagegen wenig vom Aufnahmeraum erfahren. Einzelne Instrumente und Instrumentengruppen erklingen präzise lokalisierbar in einem kaum umrissenen Raum – was es etwas artifiziell macht (Sounds of the 30s/Steffano Bollani, Riccardo CHailly, Gewandhausorchester Leipzig).

Was mich an den Cello wirklich erstaunt, ist, dass sie nahezu mit jeder Aufnahme zurechtkommen. Immer habe ich das Gefühl, dass die Triangle mir genau das erzählen, was die Produktion ausmacht. Bei alten Aufnahmen oft die zwar eingeschränkte Räumlichkeit und Begrenzungen in Bässen und Höhen, dafür aber eine Unmittelbarkeit und Energie, die gute alte Live-Mitschnitte eben auszeichnen. Hier ist zum Beispiel Oscar Peterson 1961 im Kölner Gürzenich anzuführen.

Vier CDsAber auch Aufnahmen mit völlig anderem Charakter verhelfen die Triangle Cello zu ihrem Recht. Rockballaden: Ein Sampler der Scorpions mit den schmalzigsten Balladen hat sich irgendwie in meine CD-Sammlung geschmuggelt: Still Loving You. Und was soll ich sagen? Es ist einfach toll, wie die Cello sofort eine breite Bühne aufreißen, den fetten, eindringlichen und leicht rotzigen Sound der E-Gitarren in voller Breite rüberbringen, sodass ich mich sofort vor einer riesigen Bühne mit irren Showeffekten wähne. Und wo ich gerade auf der Retrowelle bin: Auch Pink Floyd, The Wall, macht mal wieder richtig Spaß. Klassik? Wie Sie wünschen. Karajan und die Berliner Philharmoniker? Sicher, gewohnt klar, aber etwas bombastischer präsentiert sich mir Beethovens Neunte. Kleine Kammerbesetzungen? Aber ja – die Beethoven Sonaten, eingespielt von Isabelle Faust und Alexander Melnikov kommen intim, detailreich, ausdrucksstark. Synthetische Klangwelten mit irrwitzigen Soundeffekten? Locker! Ich kenne wirklich wenige Lautsprecher, die diesen Spagat beherrschen. Wenn der Name „Magellan“ tatsächlich zum Ausdruck bringen soll, dass die Cello den großen Bogen spannen und allen Musikrichtungen gerecht werden können – ist das ganz klar richtig.

Mitteltontreiber der Cello II
Mitteltontreiber der Triangle Triangle Cello II

Sind die Triangle Cello jetzt also die absoluten Lautsprecher? Nein, so etwas gibt es nicht. Und vor allem werden sie nicht jedermanns Sache sein. Was die Cello nämlich nicht können, ist, sich zurücknehmen. Leise Hintergrundberieselung? Können Sie mit den Triangle vergessen. Die Cello erzählen Ihnen, was musikalisch gerade passiert – ob Sie es nun wissen wollen oder nicht. In gewisser Weise erinnern mich diese Lautsprecher an jene Zeitgenossen, mit denen man supergerne einen Abend verbringt, weil sie immer etwas zu erzählen haben, jeder Situation etwas Positives abgewinnen können und schlicht zu allem etwas wirklich Intelligentes zu sagen haben. Diese Menschen machen einen auf Aspekte aufmerksam, auf die man alleine gar nicht gekommen wäre, was eine echte Bereicherung ist. Ob Sie mit so jemanden aber in einen Wellnessurlaub fahren möchten, müssen Sie selbst entscheiden.

Test: Triangle Magellan Cello II | Standlautsprecher

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