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Musical Fidelity

Transrotor Crescendo – Klang (I)

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Transrotor Crescendo - Klang (I)

Wenn ich eine neue Komponente ausprobiere, höre ich meist erst einmal ein paar Alben, die entweder gerade neu gekauft wurden oder die ich seit ewigen Zeiten nicht mehr gehört habe, um möglichst unvoreingenommen an die Komponente heranzugehen. Sonst erscheint dem Hörer eine Abweichung vom Gewohnten zu B-Side/Cairo Nightsleicht als schlechter. Mehr oder weniger zufällig griff ich zu einer Platte von B-Side, dem Album Cairo Nights aus dem Jahr 1985. Die Synthie-Klänge, Drumcomputer und Basslinien waren auch damals schon nichts weltbewegend Neues, es handelte sich um ein Projekt aus dem Material-Dunstkreis (produziert von Nicky Skopelitis), das offensichtlich an den Erfolg von Grace Jones anknüpfen wollte. Leider hatte der um Laszivität bemühte Gesang von Frau B-Side nicht ansatzweise die erotische Ausstrahlung des Originals, und irgendwie hatte man vor lauter Aufwand bei der Produktion vergessen, dass ein Song auch mal eine interessante Melodie braucht.

Transrotor Crescendo

Der Transrotor Crescendo bringt die guten und schlechten Seiten dieses Albums gleichermaßen zur Geltung. Bill Laswells Bass kommt mit viel Tiefgang und Kontur, die zum Teil stark mit Hall versehenen Drumsounds spielen in einem großen virtuellen Raum, die Synthesizer quietschen so grässlich, wie das bei Elektropop/Funk/Disco aus dieser Zeit nun mal unvermeidlich ist, und die ebenfalls mit ordentlich Hall und Equalizing aufgepeppte Stimme der Sängerin schwebt über dem Ganzen und müht sich redlich. (Wenn Sie bei dieser Beschreibung meinen, es habe schon seinen Grund, dass ich die Platte ewige Zeiten nicht mehr gehört habe, muss ich Ihnen recht geben. Das Werk hat aber auch seine Fans.)

Drei Dinge fallen bei der Wiedergabe der Platte über den Crescendo auf. Die Produktion war über mehrere Studios verteilt, die unterschiedliche Mikrophone oder jedenfalls unterschiedliche Einstellungen bei der Equalization der Stimme hatten; von Titel zu Titel klingt die Sängerin mal mehr, mal weniger subtil anders. Das zeigt der Crescendo wunderbar, auch die unterschiedlichen Halleinstellungen werden sauber aufgelöst. Die Höhen hatte ich bei diesem Album spitzer/störender in Erinnerung, der Crescendo bindet sie ins Klangbild ein und scheint sich mehr für den musikalischen Beitrag als für das letzte bisschen Hochtonauflösung zu interessieren – ob das der „gnädigen“ Nadelverrundung des Tonabnehmers Merlo geschuldet ist? Den meisten Eindruck machen Bass und Bassdrum: Da kommt viel Druck und Schwärze, verbunden mit einem sauber aufgedröselten und angemessen ins Bein gehenden Rhythmus. Die Bassdrum knallt, das Zusammenspiel zwischen Bass und Schlagzeug ist einwandfrei. Guter Einstand für den Crescendo.

Armboard und Tonarm des Transrotors

Weiter geht’s mit einem Album, das ich sehr gerne spiele: Serge Chaloff, Blue Serge. Der leider früh verstorbene Chaloff war ein Baritonsaxophonist, der sich Anfang der 1950er-Jahre an der Schnittstelle zwischen Big-Band-Jazz – Chaloff spielte in Woody Hermans New Herd – und dem sich mehr in kammermusikalischen Quartetten und Quintetten abspielenden BeBop einen Namen machte. Auf Blue Serge spielte er mit Größen wie Sonny Clark, Leroy Vinnegar und Philly Joe Jones. Chaloff hatte auf seinem Serge Chaloff/Blue SergeBaritone-Sax einen unglaublich großen, weichen Ton – ich habe irgendwie immer die Assoziation mit der Stimme von Barry White – und strahlte mit seinem Spiel Großzügigkeit, Gelassenheit und menschliche Wärme aus. Über den Crescendo kann man all dies wahrnehmen. Zugleich hört man die ungeheure Menge Luft, die einen da aus dem Baritonsaxofon heraus anpustet. Eine geradezu physische Wahrnehmung. Sonny Clarks Piano hat in dieser Aufnahme einen großen Dynamikumfang, sowohl bei der linken wie auch bei der rechten Hand. Vinnegars Bass geht abgrundtief herunter, wird mit hervorragender Präzision und geradezu plastischer Sichtbarkeit abgebildet. Okay, das hier ist echtes HighEnd und macht einen Höllenspaß!

Test: Transrotor Crescendo | Plattenspieler

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Genelec 8351