Testfazit: Tom Evans Linear A
Das hier ist ja fast schon ein klassischer Geheimtipp: Tom Evans kennt nicht jeder – und die, die die Marke auf dem Schirm haben, denken wohl eher an Phonovorstufen. Doch die Linear A ist eine Röhren-Endstufe. Eine, die schon über zwanzig Jahre „still und heimlich“ im Programm ist und kontinuierlich weiter gepflegt wird. Audiophile mit hohen Designansprüchen werden trotzdem wohl an ihr vorbeiziehen – und Besitzer von Lautsprechern, deren Kennschalldruck knapp über 80 dB lugt und die impedanzseitig Berg und Tal fahren, werden nicht zur engeren Zielgruppe zählen. Dito jene, die sagen: „Wenn Röhre, dann muss es auch schön warm klingen.“

Nein, wer Klangklischees sucht, wird hier nicht fündig, und deshalb ist die Tom Evans Linear A wahrscheinlich eher etwas für den High-Ender, der schon eine gewisse Reise hinter sich hat. Der Röhren schätzt ob ihrer flüssig-transparenten und feindynamisch-flotten Gangart, nicht weil sie so sonor aufspielen. Der Neutralität nicht mit Nüchternheit verwechselt, sondern als Basis ehrlicher Klangfarbenreproduktion in Ehren hält. Der die bisweilen skulpturalen Klangbilder mancher Single-Ended-Triode faszinierend findet, auf die Dauer aber auch ein wenig too much – und der vor allem nicht mit den Begrenzungen solcher Konzepte an den Frequenzgangenden leben möchte.

Wenn Sie sich hier wiederfinden: Es gibt da eine Lösung, und die kommt aus Wales. Und auch wenn es kein Spielgeld ist, was für die Tom Evans Linear A aufgerufen wird: Angesichts dieser seltenen Kombination klanglicher Tugenden und des Blicks aufs Konkurrenzumfeld scheint mir der Preis sehr realistisch zu sein. Mit dieser Röhre könnte ich leben.
Steckbrief Tom Evans Linear A:
- Insgesamt tonal linear und erstaunlich breitbandig – im Hochton komplett da, im Bassbereich wird‘s in den tiefsten Tiefen natürlich schwächer. Angesichts des Konzepts und der Leistungsausbeute erstaunt aber auch der absolute Tiefgang.
- Federnder, schneller und agiler Bass, der sehr unmittelbar wirkt. Klasse statt Masse. Das ist auch deshalb so toll, weil es für ein synchrones Timing quer übers Frequenzband hinweg sorgt.
- Mitten und Höhen bieten eine sehr gute Auflösung.
- Frappierende Grobdynamik angesichts des Konzepts – doch in der Preisklasse lässt sich natürlich noch mehr Slam und Schlagkraft erleben.
- Fantastische Feindynamik – hier spielt dann wohl tatsächlich „Röhrenmagie“ mit hinein. Jedenfalls wirkt das Klangbild hochlebendig und authentisch, noch kleinste Schattierungen und Abstufungen werden ganz natürlich nachgezeichnet. Das macht insbesondere die Stimmwiedergabe und gut eingefangene akustische Instrumente zur (Live-)Show.
- Realistische Raumdarstellung, weder kompakt noch ausnehmend weitläufig, in Breite wie Tiefe. Die Bühne beginnt gerne etwas vor der Stereobasis.
- Die Abbildung einzelner Klange gerät ein wenig üppiger – und nimmt leichte Anleihen beim „Single-Ended-Triode-Charme“, sprich „Bloom“ und „Aura“ um Stimmen und Instrumente sind da, aber wohldosiert, nicht übertrieben. Es wirkt plastisch und organisch-natürlich. Schönheit ohne Schwulst.
- Tom Evans gibt an, dass die Lautsprecher eine Minimalimpedanz von 4,8 Ohm nicht unterschreiten sollten – so streng würde ich das nicht sehen, im Test lief die Linear A an einem 4-Ohm-Lautsprecher hervorragend. Ein guter Wirkungsgrad kann freilich nicht schaden.
- Die Verarbeitung ist solide, die Optik aber wohl eher als „britisch-schrullig“ zu bezeichnen. Eigenwillig, aber nicht unsympathisch.
Fakten:
- Konzept: Stereo-Röhren-Endverstärker
- Preis: 10.700 Euro
- Maße und Gewicht: 48 x 32,5 x 26,5 cm (BxTxH), circa 22 kg
- Farben: Schwarz
- Eingänge: 1 x RCA
- Ausgänge: 1 x Stereo-Lautsprecherterminal
- Leistung: 2 x 25 Watt an 8 Ohm
- Sonstiges: Einstellbare Gegenkopplung 0-3 dB
- Garantie: 5 Jahre
- Weitere Informationen auf der Website des Vertriebs
Vertrieb:
HiFi-Studio Wittmann
Brucknerstraße 17 | 70195 Stuttgart
Telefon: +49(0)711 – 69 67 74
E-Mail: kontakt@wittmann-hifi.de
Web: https://www.wittmann-hifi.de/
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