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Fünf. Hundert. Euro. Fünfhundert Euro. Noch mal in Zahlen, damit es sackt: 500 Euro. Für gut 20 Kilo Standlautsprecher. Einen Meter hoch. Dreiwege, Bassreflex. Nicht pro Stück. Pro Paar. Warum ich darauf so herumreite? Na, es handelt sich immerhin um die Eckdaten eines der meistverkauften Lautsprechermodelle Europas. Die Berliner (https://teufel.de/) mit dem großen „T“-Logo haben ihre erfolgreiche Ultima 40 einer Überarbeitung unterzogen und bringen sie nun in vierter Generation als Teufel Ultima 40 MK4 an den Start. Evolution oder Revolution?
Aufgefrischt
Nun, Facelift trifft es eher. Und zwar im Wortsinn. Denn mehr als eine optische Auffrischung war laut Teufel nicht notwendig. Die vormals unabhängig von der Gehäusefarbe stets schwarz lackierte Schallwand sei manchen Kunden ein wenig zu dominant gewesen, daher hebt sie sich nun nicht mehr farblich vom Rest des Gehäuses ab. Was vor allem in Weiß – so wurde unser Testmuster angeliefert – trotz der Höhe von knapp über einem Meter dezent-elegant anmutet. Dazu trägt auch der nach unten nunmehr abgerundet statt kantig auslaufende Korpus bei. Der Sockel wurde ebenfalls überarbeitet.

Teufels Lautsprecherklassiker Ultima 40 ist nun in der MK4-Version zu haben. An der akustischen Abstimmung hat sich nichts geändert, optisch wurde aber nachgeschliffen. Die lichtgraue Stoffbespannung der weißen Version ist nur ein Detail
Die nach wie vor nicht magnetische, sondern steckbare Frontbespannung orientiert sich nun ebenfalls an der Lackierung des Korpus – ist dieser weiß, kommt die Bespannung in lichtem Grau. Ist er schwarz, ist auch die Bespannung schwarz. Marginalien, möchte man meinen. Aber insgesamt wirkt die Ultima 40 MK4 somit optisch aufgeräumter, erwachsener und teurer als sie ist.
Bewährtes
Da sich technisch gegenüber der Vorgängerin tatsächlich „nüschte“ verändert hat, rekapituliere ich hier einmal zur Auffrischung des kollektiven Gedächtnisses die Spezifikationen.
Ganz grundsätzlich handelt es sich bei der Ultima 40 MK4 um eine Drei-Wege-Bassreflex-Standbox klassischer Bauart. Charakteristisch für die Ultima-Baureihe ist und bleibt der gelbrot leuchtende Mitteltöner mit dem glänzenden Alu-Phaseplug in der Mitte. Er durchmisst 17 Zentimeter und besteht aus Kevlar. Darunter haben die Berliner die beiden 18-Zentimeter-Bässe aus Glasfaser montiert. Sie atmen durch zwei großzügig dimensionierte Bassreflexröhren auf der Rückseite der Box aus.
Für die hohen und höchsten Lagen, deren Grenzfrequenz Teufel mit 20 Kilohertz ausweist, zeichnet die bekannte 25-Millimeter Kalotte mit vorgesetztem Diffusor verantwortlich. Anschlussseitig bietet die Bestsellerin in vierter Generation ebenfalls keine Überraschungen – robuste Bi-Wiring-Terminals mit Blechbrücken nehmen Gabelschuhe oder Bananenstecker auf. Man kann sich sicher trefflich darüber streiten, inwiefern sich Klangtuning bei Lautsprechern der 500-Euro-Klasse lohnt, aber: Blechbrücken durch vernünftig konfektionierte Kabelstücke zu ersetzen, kann auf gar keinen Fall schaden und kostet nicht viel.
Das Gehäuse ist, wie in dieser Klasse üblich, aus foliertem MDF gefertigt und herstellertypisch haptisch wie optisch tadellos ausgeführt. Man muss den Berlinern insofern Respekt zollen, als dass diese vergleichsweise sehr günstigen Schallwandler alles andere als billig aussehen. Das können sie gut, und vermutlich ist das auch eines der Geheimnisse hinter dem Verkaufserfolg dieser Baureihe.
Teufel Ultima 40 MK4: Hörtest und Vergleiche
Wir brauchen Bass!
„Was geht Leudde, seid Ihr mit mir down? Das ist der Sound aus Hamburch Ciddy, dem die Leudde vertrau´n“ – die Spaßrapper von Fettes Brot wussten in ihrem Tophit „türlich, türlich“ bereits zur Jahrtausendwende, worauf es ankommt. Teufel in Berlin auch. Und so fehlt es einer Ultima 40, auch in ihrer vierten Generation, am unteren Frequenzende ganz sicher nicht an Pfund. Im Gegenteil: Der Tiefton schiebt mächtig und druckvoll. Das können Sie gern mit einem Fettes Brot-Album testen, das garantiert die Weingläser in der Vitrine genauso zum Beben bringen wird wie die Nerven Ihrer Nachbarn.
Vor einigen Monaten hatte ich die kleine aktive Schwester, Ultima 25 Aktiv, zu Gast, die mit dem bedrohlich wabernden „Bassbett“ in „Quotes of Dishonour“ von Gasp (Album: This Titles Tape) richtig viel Luft in Wallung brachte. „Fast wie eine kleine Standbox“, schrieb ich seinerzeit. Nun, eine solche steht jetzt vor mir und unterfüttert die Luftbewegung erwartungsgemäß mit noch mehr Substanz und Stabilität. Das ist ‘ne Bank und im Tiefgang vergleichbar mit der Theater 500, der 400 Euro teureren Schwester aus gleichem Hause. Die bringt indes mehr Kontur und Straffheit in die tiefen Lagen. Man hört über die Theater 500, dass der Bassbereich nicht nur aus einem „Frequenzpunkt“ besteht, auf dem man herumhüpfen kann, sondern durchaus variabel ist. Die mehr als doppelt so teure Canton GLE 90 (circa 1.100 Euro) verdeutlicht dies noch etwas mehr. Die Hessin arbeitet sogar ein hörbares Relief heraus. Das ist nun nicht „des Teufels Metier“: Der Bass der Ultima 40 MK4 hat richtig Volumen und stellt sich auch bei hohem Pegel als massives Fundament dar. Nur ultimativ präzise ist er halt nicht.

Die Ultima 40 MK4 kommt mit Doppelbass-Bestückung. Die 18-Zentimeter-Woofer besitzen eine Glasfaser-Membran
Nun kommt es selbstverständlich darauf an, für welchen Verwendungszweck man die Lautsprecher einsetzt. Die Teufel Ultima 40 MK4 sind von Haus aus – wie alle Geschwister der Ultima-Serie – keine „reinen Musikanten“, sondern auch für den Betrieb in einer TV- beziehungsweise Multimediaumgebung konzipiert. Nicht ohne Grund bietet Teufel zahlreiche Bundles an, die für verschiedenste Anwendungen zusammengestellt sind. Und im Heimkino- beziehungsweise Multimediabereich ist das Thema Basspräzision nicht ganz so wichtig – viel beeindruckender ist dann das abgrundtief-böse Grollen etwa bei der Titelmusik der unlängst neuverfilmten Serie „Das Boot“. Das können die Teufelinnen so richtig gut. Einen Subwoofer vermisse ich da überhaupt nicht.
Charmante Mitten
Nahm es ihre kleine Aktivschwester Ultima 25 Aktiv in den Mitten mit der Neutralität nicht gar so genau und reicherte Gesangsstimmen mit recht deutlicher Wärme an, geben sich die Ultima 40 MK4 in diesem gehörsensitiven Frequenzband angenehm verfärbungsfrei, ohne es mit Tugendwächterei zu übertreiben. Ganz klar: Als echte Teufel dürfen sie Ben Howard in „Small Things“ (Album: I forget where we were) mit einem Hauch charmantem Schmelz anreichern, der das Hörerlebnis einen Ticken wohliger und einschmeichelnder macht. Auch die Saiten einer Akustikgitarre dürfen minimal voluminöser tönen, als es der reinen audiophilen Lehre entspräche, denn: Es klingt insgesamt doch richtig und stimmig, weil es griffig-plastisch und niemals zu dick aufgetragen wirkt.
Der raubeinige Bariton des Rag ’n’ Bone Man zum Beispiel schiebt sich in „Lightyears“ (Album: Life by Misadventure) mit einem Quäntchen mehr Volumen richtig unter die Haut. Das macht die Schwesterstandbox Theater 500 höchstens ein ganz kleines bisschen neutraler, aber ganz ehrlich: Erwarten Sie von Vertreterinnen der Ultima-Serie vollkommene Neutralität? Ich nicht. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass sie gerade deshalb so ein Verkaufsschlager sind, weil sie sich in fast allen Klangdisziplinen sympathisch-verschmitzt audiophilen Ansätzen entziehen und in erster Linie Spaß machen.
Pragmatische Höhen
Die Berliner haben keine technischen Änderungen an ihrem Bestseller vorgenommen. Ergo steckt dort derselbe Hochtöner wie in allen Modellen der Serie in der Schallwand. Und auch hier lassen sich die Höhenlagen als praxistauglich und verbindlich beschreiben. Bissig oder spitz werden sie in keiner Situation, sodass auch weniger sorgfältig gemastertes Musikmaterial nie stresst. „Kein Stress“ bedeutet weniger Ermüdung, man kann dem Vortrag der Berlinerinnen lange zuhören.
Dennoch gelingt es ihnen, ein ziemlich vollständiges Hochtonspektrum zu Gehör zu bringen. Klar, wer es darauf anlegt und Vergleiche ziehen möchte, dem wird auffallen, dass Hochtonwiedergabe noch detailreicher, feiner und vollständiger geht – und er wird feststellen, dass er dafür bemerkenswert mehr bezahlen muss. Etwa für eine Canton GLE 90. Für diese Standboxen wandert eine mehr als doppelt so hohe Ablösesumme über die Ladentheke. Und auch die Canton gefällt sich in den Höhenlagen mehr als detaillierte Informantin denn als hochtransparente „Glitzerliese“, wenngleich sie eben doch in den Höhenlagen im Direktvergleich mehr Informationen liefern kann.
Dynamik? Aber klar doch!
Die Ultima 40 MK4 wären keine echte Teufel, wenn sie eins nicht draufhätten: Dynamik. Herrlich mitreißend, mit welcher Energie sich die Box in „Always on the Run“ der Braunschweiger Alternative-Rock-Formation The Intersphere (Album: Wanderer) hineinwirft. Nach dem Gitarrenintro folgt ein kleiner Break – gefühlt einen Wimpernschlag lang –, bevor die Band mit kompletter, vorwärtstreibender Instrumentierung in den Song einsteigt. Fast ein kleiner Schockmoment, denn man mag es zunächst kaum glauben, mit was für einer Attacke die Berliner Verkaufsschlager hier ans Werk gehen. Selbst bei sehr hoher Lautstärke geht ihnen nicht die Puste aus. Sie rufen förmlich nach „mehr“ – ein grandioser Spaß, der sich bei jeglicher Art von Rock- und Popmusik nach Belieben reproduzieren lässt. „I feel the big beat! The rock of life!“, sang der kürzlich 74 Jahre alt gewordene und immer noch aktive Rick Springfield Anfang der Neunzigerjahre auf seinem gleichnamigen Album. Das versteht die Ultima 40 MK4 als Aufforderung. Und setzt sich damit gleichauf mit ihrer Schwester Theater 500, die das nicht besser kann.
Auf die leisen Töne verstehen sich die Ultima 40 MK4 ebenfalls. Die Reproduktion der dynamischen Bandbreite bleibt auch bei Zimmerlautstärke realistisch. Aber logisch: Eine große Teufel möchte lieber gefordert werden und auch zeigen, dass sie das kann. Ab mindestens Halbgas fühlt sie sich hörbar am wohlsten.
Raumdarstellung
Das Bühnengeschehen bilden die Teufel sehr realistisch und glaubwürdig ab, insbesondere was die Lokalisation von Einzelereignissen und deren Relationen zueinander angeht. Da passt alles. Angesichts der Tatsache, dass wir hier ausgewachsene Standboxen vor uns haben, würde man die Raumabbildung insgesamt vielleicht etwas großzügiger und luftiger erwarten. Die Theater 500 ziehen in Breite und Tiefe eine minimal größere Bühne auf und erzeugen somit ein etwas entspannteres „Hörbild“. Im Nahfeld fällt die etwas kompakte Abbildung im Prinzip nicht auf, bei Rock- und Popmusik und Filmton auch nicht – bei größeren Hörabständen und üppiger instrumentierter Musik könnte der ein oder andere allerdings etwas mehr räumliche Opulenz erwarten. Doch an dieser Stelle verweise ich erneut auf die spitze Kalkulation, angesichts derer sich allzu lautes Meckern verbietet.
Die Auflösung: Gibt es.
So auch beim Umstand, dass sie eingedenk ihres Preises kein „audiophiles Auflösungswunder“ sein kann. Gleichwohl dröselt die Ultima 40 MK4 die verschachtelten Strukturen von „Invincible“ von Tool (Album: Fear Inoculum) so sauber auf, dass sich die musikalische Faszination der kalifornischen Kultband sofort erschließt. Ja, für mehr Geld lassen sich Boxen kaufen, die mehr Details präsentieren und feiner nachzeichnen, aber das ist ja fast schmerzhaft logisch. Die Teufel macht ihren Job fürs Geld sehr anständig.
Test: Teufel Ultima 40 MK4 | Standlautsprecher







