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Teufel Ultima 40 Aktiv: Klangeindruck

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Teufel Ultima 40 Aktiv: Klangeindruck

Zum „Dienst“ mussten die Berliner Aktivsäulen dann nun auch antreten und sie taten dies ohne sonderlich lange Vorwärmphase, sprich: Einspielzeit. Laut Hersteller waren sie brandneu. Insofern zeigte sich bereits die „Out-of-the-Box“-Performance der Teufelinnen bemerkenswert, wenngleich sie sich im Laufe der Testphase auch noch etwas entwickelten, lockerer, selbstverständlicher und flüssiger aufspielten.

allisonNach etwa einer Woche konnte ich dann ein ungemein entspannt vorgetragenes „Serious“ von Bernard Allison (Album: Chills & Thrills, auf Amazon anhören) genießen, dass sich vor meinem Hörplatz einer gleichmäßig konsistent liquiden Flüssigkeit gleich ausbreitete und meine Ohren samtig-wohlig umfloss. Das hatte einen ganz eigenen Charme, involvierte es mich doch sofort in die Aufnahme, statt mich teilnahmslos davor hocken zu lassen. Dabei war ich erstaunt, wie sauber die Ultima 40 Aktiv die einzelnen Schallereignisse (Schlagzeug, Slidegitarre, Bass, Hammondorgel, Gesang, Backgroundvocals) voneinander separierte und vor mir ausbreitete. Ich hatte zudem das Gefühl eines wohlsortierten und großzügig bemessenen Stereopanoramas, die Musiker auf der virtuellen Bühne standen in Breite und Tiefe in stets nachvollziehbaren und sich „richtig anfühlenden“ Relationen.

Im Hör-Vergleich …

Mein aktiver Vergleichsmaßstab, Nuberts nuPro A-500 – fairerweise muss gesagt werden, dass deren Stückpreis über dem Paarpreis der Teufel liegt! – vermittelte hier indes einen etwas anderen, möglicherweise realistischeren Eindruck des Bühnengeschehens. Die Schwäbin ist vom Charakter eher Monitor und Präzisionsinstrument, liefert daher auch klarer ausgeleuchtete Bühnenränder, die die Teufel eher abschattierend zu den Seiten hin auslaufen lässt. Die Ultima 40 Aktiv gibt sich entspannter, weniger monitorhaft, und dazu gehört dann halt auch, dass sie den Bühnenrandbereich weniger eindeutig abgrenzt und sich auch der vordere Rand, die „Abbildungsgrundlinie“, nicht ganz so exakt heraushören lässt. Die Nubert spielt in etwas kompakteren Bühnendimensionen, aber dafür eindeutiger und klarer, auch was die Abbildung einzelner Klänge angeht – sie hält sich genauer an die Vorgaben.

teufel-ultima-40-aktiv

Tremonti_DustEin Eindruck, der sich durch den gesamten Hörtest verfestigen sollte. Mit absoluter Präzision und Detailverliebtheit hat es die Teufel nicht so, dafür punktet sie mit anspringender Lebendigkeit, kraftvoller Dynamik und verführerisch-verbindlichem Groove. Im Bass reicht sie tief hinab, die tiefen Lagen etwa in Tremontis „Dust“ (Album: Dust, auf Amazon anhören) rollen geradezu unter das Parkett oder den Teppich und kribbeln wohlig an den Fußsohlen, auch die „Megalithic Symphony“ von AWOLNATION entfaltet ihre dunkel-potente Durchschlagskraft. Muskeln zeigen kann die Ultima 40 Aktiv, das ist keine Frage. Laut Hersteller ist sie ja unter anderem auch für Heimkinoanwendungen gedacht, wozu die generelle Abstimmung passt. Eine leichte Bassbetonung lässt sich nicht verleugnen – die sich allerdings mittels der rückwärtig angebrachten Klangregelung auch wieder feinfühlig zurücknehmen lässt. Befand sich der Bassregler in der Nullstellung, erschien mir die Teufel in meiner Hörumgebung in den tiefen Lagen ein wenig zu vorwitzig, eine leichte Absenkung des Basspegels um etwa zwei Dezibel brachte die Klangwaage wieder ins Lot. Trotzdem: Wer es darauf anlegt, ruft mit der Tieftonperformance der Ultima die Nachbarschaft auf den Plan. Und zwar nicht erst dann, wenn der entsprechende Drehregler auf Rechtsanschlag bei + 10 dB steht.

Final strukturiert beziehungsweise präzise werden die tiefen Lagen indes nicht wiedergegeben. Die doppelt so teure Nubert nuPro A-500 zeigt im Vergleich, dass die elektronisch generierten Subfrequenzen in „Megalithic Symphony“ nicht etwa nur aus einer Tonlage, sondern aus mehreren tieffrequenten Schichten bestehen, die einander überlagern. Diese kann man über die Berlinerin erahnen, wirklich aufdröseln kann sie sie nicht. Was man ihr allerdings verzeihen kann bei diesem Preis.

Die Membran des Mitteltonchassis im Detail

Die Membran des Mitteltonchassis im Detail

Die Ultima 40 Aktiv spielt in sich schlüssig und wie aus einem Guss, exemplarisch zu erleben ist das im fließend-groovenden „Lay my body down“ des britischen Senkrechtstarters Rag’n’Bone Man (Album: Human, auf Amazon anhören), welches auf einem solide grummelnden Bassfundament fußt und in den Tonlagen darüber teils effektinduziert facettenreich aufgefächert daherkommt. Der „Move“ dieses Tracks rührt von einer in sich sehr harmonisch-melodiösen Komposition, die die Berliner Boxen mit geschmeidiger Souveränität und einem „anmachenden“ Taktgefühl rüberbringen. Sie verschleppen rein gar nichts, der (elektronische) Beat sitzt auf den Punkt, ihr homogener und ausgeglichener Vortrag bohrt sich in den Gehörgang und bleibt dort haften.

beth_hart-fire-onStop! Vergebe ich hier zu viele Lobhudeleien? Na gut, insgesamt hat die Wiedergabe auch schon etwas „Glattes“. Tonal „flutscht“ die Berlinerin in den Gehörgang wie ein Stück Seife. Sie spielt sich ein wenig an ihren Zuhörer heran, will gefallen und auf keinen Fall wehtun. Womöglich – nein, ich bin sicher – das Geheimnis ihres großen Erfolges. Das merkt man auch im insgesamt lobenswert plastisch-griffigen, zugleich aber auch gerade im Vergleich zur monitoresk-linearen Nubert nuPro A-500 auffallend samtigen Mittenband, in dem Gesangstimmen schon ein wenig wohlig und warm abgerundet klingen. Niemals so, dass man von wirklichen Verfärbungen sprechen könnte – doch Beth Hart singt etwa in „Love is a lie“ (Album: Fire on the Floor, auf Amazon anhören) eigentlich mit mehr Ecken und Kanten in der Stimme, ihr Timbre kommt über die Nubert markanter zu Gehör. Nuancen, die der Teufel durchgehen, die aber nur demjenigen fehlen werden, der den direkten Vergleich anstellen kann.

Tieftöner der Teufel Ultima 40

Tieftöner der Teufel Ultima 40

Nur damit Sie meine vergleichende „Kritik“ nicht falsch verstehen, muss ich an dieser Stelle erneut eine Lanze für die Preisgestaltung der Berlinerin brechen. Ich „jammere“ hier auf hohem Niveau. Es ist nicht vermessen zu sagen, dass die Nubert nuPro A-500 in einer anderen Preisklasse spielt. Und vor diesem Hintergrund sind die von mir geschilderten Unterschiede nicht sooo groß, dass man von Welten sprechen könnte.

Charakterlich erinnert mich die Ultima 40 Aktiv am ehesten an eine Schwester aus eigenem Hause, die aktive Raumfeld Speaker L. Die liegt mit knapp 1.300 Euro Paarpreis ebenfalls über der Ultima, bringt aber auch einen vollwertigen Streamingclient mit. Ich habe die große Raumfeld vor ein paar Jahren getestet und erinnere mich, dass sie klanglich mit ganz ähnlichen Attributen aufwartete: bassstark, um die Mittenlage herum nicht ganz neutral, oben sanft auslaufend und damit gerade für Rock- und Popmusik bestens geeignet. Insofern bewegt sich die Teufel Ultima 40 Aktiv sozusagen im Umfeld eines „Familienklangs“. In ihrer eigenen Preisklasse erinnere ich derzeit wirklich keine ernsthafte Konkurrentin für sie. Soviel als kleiner Exkurs zur Einordnung des Gehörten.

The Winery DogsWas mir mit meiner Testkandidatin richtig Freude bereitete, war, das ein oder andere hitzige Rock´n´Roll-Feuerwerk abzubrennen. Wenn die gestandenen Hardrocker The Winery Dogs ihren Opener „Oblivion“ (Album: Hot Streak, auf Amazon anhören) von der Rampe schieben, der in allerbester Achtzigerjahre-Poser-Manier mit knallenden Drums und dramatischen Gitarrensoli den Winterblues aus den Knochen prügelt, wird das Hörzimmer zur veritablen Sauna. Die Teufel wirft sich derart ins Getümmel, als wäre sie Teil der Band, folgt wach jedem Impuls und feuert ihn mit Attacke ab. Beweglich, agil, schnell und druckvoll sind die Stichworte, die ihren Vortrag auszeichnen. Und in dieser Disziplin ist sie – wer hätte das gedacht? – sogar einer gewohnt ingeniös ausentwickelten Nubert überlegen. Die zeigt sich im Vergleich erwartungsgemäß ernsthafter, sortierter, aber eben auch leicht distanzierter. Solche Attribute wirft die Ultima 40 Aktiv im Eifer des Gefechts über Bord, steht auf dem Gas und will Spaß! Der ungefiltert rüberkommt. Dass sie dabei das ein oder andere Detail links und rechts des Wegs liegen lässt, wen stört das schon? Wer ernsthaft audiophile Ambitionen hegt, wird sowieso von anderen Lautsprechern träumen.

Er müsste dann nämlich auch damit leben können, dass das obere und oberste Frequenzgangende zwar im Grunde alle für ein realistisches Abbild der Aufnahme relevanten Informationen liefert, eine maximale Ausleuchtung der allerfeinsten Verästelungen und Schwebungen jedoch weniger gegeben ist. Was den Pegel betrifft: Auch der Hochtonbereich ist mittels Klangregelwerk um +/- 10 dB einstellbar, im Test befand sich der entsprechende Drehregler in der Nullposition. So justiert, lässt die Teufel die obersten Lagen sanft auslaufen, sodass komprimierte Audiodateien nie in den Ohren kneifen können – was man durchaus als vorteilhafte Alltagstauglichkeit gelten lassen darf. Um den Preis freilich, dass etwa Fans von Blechblasinstrumenten womöglich den letzten Glanz vermissen werden. Gleichwohl: Für die Wiedergabe von Rock- & Pop-Musik ist diese Abstimmung sehr gelungen.

Hochtonkalotte der Ultima 40 Aktiv

Hochtonkalotte der Ultima 40 Aktiv

Für höhere Auflösung gibt es andere Schallwandler, die aber bisweilen auch nur dann „funktionieren“, wenn die „Software“ wirklich gut ist. „Minderwertiges“ klingt dann eben auch so. Das sieht die Berlinerin klar anders: Die Teufel Ultima 40 Aktiv möchte in jeder Hörsituation zuallererst Spaß bereiten, weiß sorgfältige Produktionen aber auch zu würdigen. Es ist keinesfalls so, das sie die düstere, gänsehauterzeugende und intim-eindringliche Atmosphäre von Patti Smiths „Seneca“ (Album: Banga, auf Amazon anhören) nicht zu transportieren wüsste. Das sparsam instrumentierte und sorgfältig abgemischte Stück entfaltet seinen melancholischen Zauber unter anderem über die anklagenden Streicher, die zum Ende des Titels aus dem Hinter- in den Vordergrund treten. Diesen „Schritt“ aus der Gemengelage heraus löst die Teufel beachtlich gut auf. Natürlich geht das noch klarer und noch griffiger, aber wir wollen ja auch gar nicht nach den Sternen greifen. Das würde zu dieser geradlinig-bodenständig konzipierten und angesichts ihrer Performance fair eingepreisten Gute-Laune-Box, bei der man genau das bekommt, was man erwartet, auch einfach nicht passen.

Test: Teufel Ultima 40 Aktiv | Aktivlautsprecher

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