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Klang: Teufel Raumfeld Speaker L (Teil I)

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Klang: Teufel Raumfeld Speaker L (Teil I)

Bereits während der Einspielphase war mir aufgefallen, dass die beiden Teufelinnen zu einer im Bassbereich ziemlich nachdrücklichen Wiedergabe neigen. Ein Charakterzug, der sich auch nach einem „durchdudelten“ Wochenende nicht anders Gossipdarstellte. So brachte etwa Gossips in der Kombination aus hart gezupfter Bassgitarre und ambitioniert bearbeitetem Snarefell kernig-präsent krachendes „Dimestore Diamond“ (Album: Music for Men) meinen Arbeitszimmer-Fußboden ordentlich in Wallung. Anders formuliert, die Berliner Aktivisten „schoben“. Nach Herstellerangaben reichen die Wandler im Tieftonbereich zwar „nur“ bis etwa 40 Hertz hinab, aber schnell wurde klar: Das gute Verhältnis zur Nachbarschaft fördert man so nicht. Sich aufschaukelnde Raummoden versprachen auch keinen Spaßfaktor für mich selbst.

Die Teufel ist mit einem Doppelbass bestückt
Die Teufel ist mit einem Doppelbass bestückt

Wie eingangs erwähnt, feuert das Bassreflexrohr der Speaker L nach unten, auf die Sockelplatte der Box, die wiederum flächig auf dem Boden steht. Manche Böden, in meinem Fall Parkett, können durch eine derartige Ankopplung zum Mitschwingen angeregt werden. Das kann sich akustisch unangenehm durch Dröhnen und Wummern bemerkbar machen. Hier empfiehlt es sich, Spikes oder Pucks unter die Lautsprecher zu montieren, was zu einer kontrollierteren Energieableitung führt und dem Problem entgegen wirkt. Die im Lieferumfang enthaltenen Gumminoppen zum Unterkleben waren für mich nicht das richtige Mittel. Ich habe mir für solche Fälle vor Jahren in einer kleinen Schlosserei sechs (drei für jeden Lautsprecher) etwa daumendicke Aluminiumscheiben mit dem Durchmesser eines Eierbechers drehen lassen, die erstklassig funktionieren.

Der Mitteltontreiber sitzt ganz oben
Der Mitteltontreiber sitzt beim Raumfeld Speaker L ganz oben

So auch in diesem Fall. Nachdem ich die Drahtlos-Boxen sorgfältig auf die Pucks positioniert und mit ihrer Abstrahlrichtung experimentiert hatte, wobei sie mir leicht auf den Hörplatz eingewinkelt am besten gefielen, verschwanden unschöne Dröhntendenzen komplett. Was blieb, ist die auffallend druckvolle Darstellung der tiefen Lagen. Was aber ohne Dröhn- und Wummertendenzen des Raumes eine sehr spaßige Erfahrung ist. Und Lust macht, sich durch seine Party-Playlisten zu klicken.

Trapt (Album: Only through the Pain)Ähnlich wie Beth Dittos Punkpop-Ensemble erfreut auch der Diskokracher „Lady“ von Modjo mit einem knackig-saftigen Bass-Beat, den die weißen Teufel ansatzlos und mit – bei entsprechendem Pegel – unnachgiebiger Wucht in den Hörraum schmettern. Die tiefen Lagen grummeln und rumoren, der computergenerierte Drumbeat pluckert und pulst, dass es eine Freude ist. Was, zugegeben, etwas zu Lasten der Differenzierung in diesem Frequenzbereich geht. Eine Phonar Veritas P4 Next etwa entlockt – einen adäquaten Verstärker vornedran natürlich vorausgesetzt – dem mächtig vorwärtstreibenden E-Bass in „Wasteland“ von Trapt (Album: Only through the Pain) deutlich mehr Struktur, arbeitet ihn greifbarer aus dem Gesamtgeschehen heraus und zeigt, dass er tatsächlich nicht nur in einer Tonlage spielt.

Pegelregler bei der aktiven Teufel-Box
Mittig der Pegelregler der aktiven Teufel-Box

Allerdings darf man auch keine Äpfel mit Birnen vergleichen: Da die Teufel-Systemlösung im Grunde eine Komplettanlage ist, müsste sie fairerweise gegen eine konventionelle Kombination aus Vollverstärker, Quelle und Lautsprechern in derselben Preisklasse antreten, was die beschriebenen klanglichen Differenzen relativieren würde. Da ich eine solche zum Testzeitpunkt nicht zur Verfügung hatte, liefen die Berlinerinnen zur klanglichen Einordnung komponentenbezogen gegen ein Set-up aus Yamaha A-S 1000, Yamaha CD-S 1000, einem Cambridge Audio DACmagic plus und passiven Lautsprechern. Rechnet man das alles zusammen, kommt man – grob kalkuliert – auf etwa das Dreieinhalbfache des Preises, den Teufel für das Raumfeld-Set aufruft. Da darf man zurecht auch mehr erwarten.

Test: Teufel Raumfeld Speaker L |

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