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Klang Teufel Definion 3 (Teil 2)

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Klang Teufel Definion 3 (Teil 2)

FoalsDarüber hinaus ist rhythmusbetonte und dynamische Musik ohnehin eine Domäne der schlanken Klangsäule. Die von Elektro-Elementen beeinflusste Indierockband Foals aus dem englischen Oxford lebt von mitunter komplex arrangierten, aber immer sehr „groovigen“ und „ins Ohr gehenden“ Hooklines, die vor allem über den Faktor Zeit funktionieren. Die Rhythmusgruppe in „Inhaler“ vom aktuellen Album Holy Fire darf noch nicht einmal ein Quäntchen verschleppt beim Hörer ankommen, weil sonst das gesamte „Traggerüst“ des Songs und auch seine Atmosphäre zerstört würden. „Timing“ ist also das Gebot der Stunde! Für die Teufel – so scheint’s – kein Auftrag. Mit unglaublich präzisem Taktgefühl bildet sie „Inhaler“ ab und hat auch mit starken John Butler TrioPegelsprüngen (laut-leise-laut) überhaupt kein Problem. Urplötzlich einsetzende „Elektrogewitter“ setzt sie so unmittelbar zackig und mit bedrohlichem Duktus in Szene, wie sich die Briten das vermutlich gedacht haben. Auch die Musik des neuseeländischen John Butler Trio lebt vor allem auf seinem Debütalbum Sunrise over Sea von exaktem Timing – der mitreißende Groove, der hier in erster Linie durch den dicht abgenommenen Kontrabass vorgegeben wird, gewinnt durch die zackig-lebendige Wiedergabe der Teufel nochmals an Spannung.

Teufel Definion 3Eine große Stärke von Koaxialchassis im Mittelhochtonbereich ist deren Eigenschaft, Stimmen sehr räumlich und konturenscharf abbilden zu können. Der britische Hersteller KEF hat da mit seinem „UniQ“-Chassis in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren eine Entwicklung durchlaufen, die ganz erstaunlich ist. Ich möchte fast sagen: lebendiger, natürlicher und im besten Sinn unmittelbarer stellt kaum ein anderer Lautsprecher in der Preisklasse bis 2.000 Euro den für das Gehör so sensiblen mittleren Frequenzbereich dar wie eine KEF R500. Diesen Eindruck muss ich heute revidieren. Teufels „SCA“-Koax ist verdammt nah dran – setzt allerdings leicht andere Akzente. Während etwa Marcus Wiebuschs dicht und warm tönendes Organ über die KEF frappierend natürlich und plastisch – geradezu vor einem tiefschwarzen Hintergrund – erklingt, interpretiert die Teufel den Kontrast zwischen Gesang und virtuellem „Hintergrund“ einMarcus Wiebusch ganz klein wenig weicher, sagen wir: Der Fond ist nicht tiefschwarz, sondern dunkelgrau. Sie schält Stimmen also nicht so „gnadenlos“ aus ihrer Umgebung heraus und setzt sie dem Zuhörer „nackt“ auf den Schoß, sondern belässt sie in ihrer musikalischen Umgebung eingebettet. Ohne aber – und das ist das Verblüffende – Abstriche in Sachen Plastizität und Natürlichkeit zu erzeugen.

Einen Hang zu Verfärbungen oder tonalen Ungenauigkeiten kennt der Hightech-Treiber aus Berlin – so kommt es mir vor – nicht. Die laut Hersteller über zweieinhalbjährige Entwicklungszeit, die man allein dem Koax gewidmet haben will, kommt auch dem sehr detailreichen und fein nuancierten Hochtonspektrum zugute. Unabhängig vom gehörten Musikmaterial scheint das obere Frequenzende weit hinauszulaufen, wirkt keinesfalls künstlich zurückgenommen. Alle wichtigen Informationen über Raum und feine Schwingungen kann die Definion 3 übertragen (je nach Güte der Aufnahme natürlich mal mehr und mal weniger reichhaltig). Mit überzogener Brillanz, die schnell – vor allem bei komprimierter Musik – nerven könnte, behelligt sie ihr Auditorium aber nicht. Eine Gratwanderung, zumal in dieser Preisklasse. Im Vergleich kann eine graduell noch direkter abbildende und nach oben heraus tendenziell „heller“ abgestimmte KEF R500 auch schon Teufel Definion 3einmal dazu verleiten, die Abhörlautstärke zu dämpfen oder den – unter Puristen natürlich verpönten – Höhenregler ein Quäntchen nach links zu bewegen. Derlei Ambitionen entwickelte ich während des Teufel-Hörtests zu keinem Zeitpunkt.

Die Teufel wird eine breite Kundenschicht zufriedenstellen müssen. Der harte Rocker, der mit fliegenden Haaren Luftgitarre spielt, will ebenso seinen Spaß wie der audiophile Connaisseur, der seine „Blue Note“- oder „Deutsche Grammophon“-Vinylpreziosen auflegt. Hohe Ansprüche an ein neues Produkt. Aber die Berlinerin wird ihnen gerecht. Von der ebenfalls schön ausbalanciert aufspielenden KEF R500 unterscheidet sich die Teufel Definion 3 „untenrum“. Im Bass wirkt sie satter, massiver und souveräner. Die KEF reicht nicht ganz so tief hinab, vermittelt bei aller Homogenität damit insgesamt einen frischeren und noch anspringenderen Charakter, den man indes mögen muss. Die Britin ist ein „Wirbelwind“, immer auf Zack spürt sie jedem Impuls wie ein Wiesel hinterher. Die Teufel Definion 3 strahlt trotz ihrer Agilität und dynamischen Flexibilität mehr Gelassenheit aus, tönt abgeklärter. Was man nun „besser“ findet, ist dem individuellen Geschmack überlassen. Persönlich halte ich die Teufel Definion 3 jedenfalls für die „musikalisch flexiblere“, sprich: allroundtauglichere Box.

Test: Teufel Definion 3 | Standlautsprecher

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