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VPI Scout – Klangliches

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  1. 3 VPI Scout - Klangliches

Stellt man sich einen Test-Hörparcours als Bewerbungsverfahren vor, so hätte ich diesem Kandidaten nach dem ersten Hand-Shake direkt den Vertrag reichen können. Wozu jetzt ’ne halbe Stunde Smalltalk führen? Der erste Eindruck stimmt: Selbstbewusst, lässig und sympathisch kommt er rüber und statt Manierismen besitzt er gute Manieren. Exzentrische Macken, sei’s tonaler, dynamischer oder bühnentechnischer Natur, scheinen ihm jedenfalls fremd zu sein. Der VPI besitzt gewinnenden Charme, ohne dass ich spontan genau sagen könnte, woran das nun liegt …

VPI Scout

Der andere Kandidat ist der eher breitschultrige Typ mit langen Armen – okay, lassen wir die dummen Metaphern: Der Acoustic Solid MPX – bestückt mit dem SME M2 12-Zöller – diente mir bei den Quervergleichen als Referenz. (Als Alternativen kamen auf dem MPX ein Jelko 9-Zoll S-Tonarm sowie der Arm des VPI Scouts selbst zum Einsatz.)

Acoustic Solid MPX mit VPI-Arm
Der VPI-Tonarm auf dem Acoustic Solid Laufwerk …

Als Tonabnehmer fungierten: Denon DL-103, das von ZU Audio getunte 103er, besagtes Ortofon MC Rondo und als MM-Systeme Shures 201er und der Musik Maker III von The Cartridgeman. Phonopre-seitig wurde das interne MC-Modul des Vorverstärkers Octave HP300 und das Aqvox-Modell verwendet.

Prinzipiell besitzt der VPI Scout ein ausgeglichenes und balanciertes Naturell, und dies gilt auch tonal. Okay, da gibt es ein minimales Pölsterchen im Grundton und dies macht die Musik ein klein wenig saftiger als 100%ig neutral. Angenehmerweise! „Lieber eine Spur zu sexy angezogen als mausgrau“, sagt er sich und dem kann ich zustimmen. Im direkten Vergleich zum Schwaben-Dreher zeigt sich die einzige tonale Schwäche – wobei das schon hart formuliert ist – eher ein paar Stockwerke weiter unten: Der Bassbereich gerät zwar alles andere als schmal gebaut, aber finale Wucht, Masse und abgründiger Tiefgang sind auch nicht die ersten Attribute, die mir einfallen. Freilich bleibt das Genannte eher leichte Tendenz als echter Schnitzer und summarisch betrachtet kann dem VPI daher mit Recht eine ausgewogene VPI Scoutund harmonische Tonalität bescheinigt werden. Kein Frequenzbereich drängelt sich vor oder überlappt/verdeckt andere klangliche Gefilde. Der Scout weiß Klänge und Klangfarben fein zu differenzieren.

Schon mal nicht schlecht. Was nun die räumlichen Fähigkeiten des VPIs angeht, so hängt er meinen eigenen Dreher deutlich ab, und zwar in allen Parametern, sei’s in Sachen Bühnen-Dimension, der Lokalisationsschärfe oder auch der Körperlichkeit von Klängen. Im Grunde gefällt mir das überhaupt nicht, aber so schaut’s aus.

Die Breite und die Tiefe der Abbildung geraten dem Scout wahrlich üppig, aber der Effekt resultiert nicht daraus, dass nun einfach alle Instrumente gleichmäßig aufgepumpt und so vielleicht interessante, aber unnatürliche Ausmaße vorgespielt werden würden – vielmehr nimmt der Platz/die Luft um die Instrumente zu beziehungsweise der Raum, der die Musik umgibt, wird größer. Ein sehr frei wirkendes, völlig unbeengtes Spiel auf dieser imaginären Bühne ist die Folge. Der VPI Scout erzeugt das genaue Gegenteil einer kompakten Abbildung. Da auch die Lokalisationsschärfe sehr hoch ist, vor allem aber der „Anfassfaktor“, also das Gefühl der Plastizität/Körperlichkeit der Klänge, bemerkenswert gut gelingt, werden „Räumlichkeits-Freaks“ unter den HighEndern voll auf ihre Kosten kommen. Für den aufgerufenen Preis weiß ich nicht, was man noch mehr erwarten sollte. Das ist erstklassig.

Test: VPI Scout | Plattenspieler

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