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Test Hifi Mono-Endstufe Bryston 28 B SST – Klang – Test-Bericht Stereo-Verstärker

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  1. 4 Test Hifi Mono-Endstufe Bryston 28 B SST - Klang - Test-Bericht Stereo-Verstärker

Klang:

Bryston Mono-Endstufen 28B-SST: Rückseite

Direkt vom Start weg gab’s jedenfalls keinen Zweifel: Hier passiert klanglich Großes. Und natürlich, klar war sofort – dies ist ein GROSSER Verstärker. Diese Monos strahlen geradezu vor Selbstvertrauen, sie besitzen diese unheimliche Leichtigkeit, die aus dem Bewusstsein der eigenen Stärke resultiert. Sie ließen mich umgehend wissen, dass sie wirklich alles ohne irgendein Wimpernzucken betreiben würden. Ich finde, man kann dies nicht von allen (sehr) leistungsfähigen Verstärkern sagen.

Canary 300B AmpIm Gegenteil, in der Regel muss man doch die Lautstärke recht hoch drehen, damit sie ihr wahres Vermögen offenbaren. Und schlimmer noch: Manche zeigen’s gar nicht. Zumindest dann nicht, wenn sie an hocheffektiven Lautsprechern betrieben werden – oder man bei „zu gemäßigtem“ Pegel hört. Ich kann es gar nicht genug betonen: Dies ist NICHT der Fall mit den Bryston 28B-SSTs. Sie klingen absolut wunderbar vom ersten Watt an. Ja, ein Werbespruch – ich weiß -, aber eben auch die Wahrheit. Ich habe sie intensiv über meine Horning Perikles gehört, einem Wandler, der mit 96 dB/W/m spezifiziert wird. Die Brystons klangen hieran einfach hervorragend. Ja, vielleicht wirkt es etwas aberwitzig, aber ich habe die 28B-SSTs mit Mactone 300Bs und meinen eigenen Canary CA-330 verglichen. Beide Amps verwenden die 300B-Röhre in Push/Pull-Anordnung. Beide zeichnen sich durch eine einfühlsame und geradezu leuchtende Mittenwiedergabe aus – und durch hohe Transparenz. Gut, auf diesem Gebiet konnten die Brystons den 300Bs nicht ganz den Rang ablaufen. Aber ernsthaft: So viel fehlte wirklich nicht! Müsste ich spontan eine Zahl ausspucken – ich würd‘ sagen, die 28B-SSTs erreichten 95% der 300B-Magie.

Ich verstehe es selbst nicht ganz. Nie hätte ich geglaubt, dies einmal über einen 200-Watt-Transistor-Amp zu schreiben – ganz zu schweigen von einem 1.000-Watt Boliden. Die Brystons sind schon fast zu gut, verwirrend gut. Für den ganzen Mittenbereich gilt: Sie gehören zu den am wärmsten und weichsten klingenden Verstärkern, die ich je anhören durfte. Ende der Durchsage. Wenn Ihnen zu „Transistor“ umgehend die Worte „kalt“ und „steril“ einfallen – dann wird es Zeit, dass Sie ihre Vorurteile ad acta legen. Für diese Begriffe gibt es einfach keine Verwendung, soll’s um die Klangbeschreibung der 28B-SSTs gehen.

Das sind schlechte Nachrichten für die Röhrenamps. Ja, es war tatsächlich sogar so, dass mir über die Brystons die oberen Mitten weicher und flüssiger vorkamen, verglich ich sie etwa mit der Performance meiner Canarys. Einfach weniger eckig – und nie fehlte mir etwas dabei, nie kam das Gefühl auf, es würde etwas unterschlagen. Ich bekam alle Details geliefert, Töne zeigten sich mit reichlich Textur und sehr transparent – und zudem verstanden die Bryston es, die Musik integrierter und „ganzheitlicher“ klingen zu lassen. Alle drei genannten Verstärker zeigten sich bei den Lautsprechern, die mir zur Verfügung standen, im Hochtonbereich ausgewogen und neutral. Es gab nicht den kleinsten Verdacht auf ungebührliche Härte bei den 28B-SSTs – nichts Raues oder Grobkörniges ließ sich ausmachen. Und gleichzeitig verschleierten sie nichts. Deutlich und klar, aber nie aseptisch oder trocken-spröde klingend: einfach richtig gut.

Der Bass? Nun, genau so, wie Sie sich das von einem 1.000 Watt-Muskelmann in dieser Liga vorstellen. Meine Tidal Pianos gehen nicht ganz runter bis 20 Hz – aber worauf sie sich schon verstehen, ist, wie man einen Raum klanglich füllt. Zunächst hörte ich die Bryston 28B-SSTs allerdings an den Mark & Daniel Apollo II Wandlern – und was sie dort vollbrachten, ließ mich fürchten, sie könnten an den Tidals etwas zu viel des Guten liefern. Ich vermutete, an ihnen könnte ein weiteres Plus an Bass die tonale Balance kippen lassen; dass sich die Darstellung dann etwas verstrickt-undurchsichtig präsentieren würde und Tempo und Timinggefühl insgesamt darunter leiden könnten.

So kann man sich also irren – nichts davon war zu vernehmen. Ja durchaus, die Brystons lieferten mehr Bass. Aber sie taten dies in einer sehr erwachsenen Art und Weise, Halbstarken-Attitüden liegen ihnen jedenfalls äußerst fern. Sie schnappten sich den Stier bei den Hörnern, wenn man so will. Mehr Bass: Ja. Aber mit einer eisernen Faust geführt, trocken und verdammt sauber. Und ich dachte, da wären in den unteren Lagen gar keine Unsauberkeiten gewesen … Was die Raum/Lautsprecher-Balance angeht: Hier geriet nichts aus dem Ruder, mein Hörraum verwandelte sich keinesfalls in eine „Dröhnbox“.

Test: Bryston 28B-SST | Endstufe

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