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Einschalten: Klang Glockenklang Bugatti 300 SE

Inhaltsverzeichnis

  1. 4 Einschalten: Klang Glockenklang Bugatti 300 SE

glockenklang

Mit HiFi Komponenten ist‘s ja so, wie mit allen anderen Dingen grundsätzlich auch: Zu manchen fällt einem recht schnell was ein, zu anderen bisweilen eher gar nix. Aber wie dem auch sei – eines der ersten Wörter, das mir beim allerersten Hören mit dem Glockenklang Bugatti 300 SE nach kurzer Zeit recht unvermittelt durch den Kopf schoss, war „Geschmeidigkeit“.

Nun ist Geschmeidigkeit zwar ein ebenso häufig zitiertes wie allgemein geschätztes Wörtchen, wenn’s um guten Klang geht, aber nach meinen Erfahrungen auch eines, das – je nach subjektivem Empfinden – mit ganz unterschiedlichen Dingen verbunden wird:

Ja, manch einer mag zum Beispiel alleine den Umstand, dass eine Komponente mit einem zurückgenommenen oder glockenklnag verstärkerbesonders zarten oder wattierten Hochtonbereich daherkommt als geschmeidig empfinden. Oder die Tatsache, dass es in Sachen Auflösungsvermögen etwas laxer zur Sache geht – man spricht dann mitunter wohlwollend von einem nicht-analytischen, musikalischem Klangbild, obwohl Analytik und Auflösungsvermögen meiner Meinung nach auf keinen Fall in einen Topf geworfen werden sollten – ich komme darauf aber gleich noch einmal zurück.

Nein, mit solchen Dingen hat Glockenklangs Bugatti 300 SE nichts am Hut – ausgemacht lauschig, zart oder zurückhaltend geht`s im Hochtonbereich jedenfalls nicht zu:

Ob das feine Zischeln der Becken in Oystein Sevags Hanging Gardens (obwohl Zischeln im Zusammenhang mit Becken eigentlich ein völlig unangebrachter oystein sevagBegriff ist, ich finde deren Klang hochkomplex und viele HiFi-Komponenten haben große Probleme mit der richtigen Darstellung), die Sibilanten in Peter Gabriels Sledgehammer oder die synthetische, recht vordergründige Perkussion gleich zu Anfang in Radioheads 15 Step: Betont gülden-charmant oder soft gibt sich der Bugatti jeweils nicht, noch neigt er dazu, oben rum (als auch anderswo) irgendetwas zu unterschlagen. Es gerät von der tonalen Balance und der Durchsetzungskraft der Höhen vielmehr genau so, wie ich’s auch sonst von (neutralen) Transistorverstärkern gewohnt bin.

In puncto Auflösung lässt der Bugatti 300 SE aber ebenfalls nichts anbrennen. Ganz im Gegenteil, er weist durchweg Feinsinn auf und wird zweifellos auch Hörer zufriedenstellen, die ein Faible für’s Detail beziehungsweise Transparenz haben.

Gefahr analytisch zu klingen läuft der Glockenklang dabei aber eben nicht. Und an dieser Stelle möchte ich noch einmal erläutern, warum aus meiner Sicht hohe Auflösung nicht unbedingt etwas mit Analytik zu tun hat. Ausführlicheres dazu hatte ich beispielsweise bereits im Bericht über den Fonel Simplicité beschrieben – was ich an dieser Stelle noch einmal aufgreifen möchte:

„Es geht eben nicht nur darum, dass eine HiFi-Komponente in der Lage ist, jedes einzelne auf dem Tonträger befindliche Klangereignis zu entblößen bzw. bei jedem Fitzelchen hektisch mitzuteilen „da ist was“, glockenklangsondern ebenso darum, sich die Zeit zu nehmen, den jeweiligen Ton bzw. das „was“ dann auch sauber mit allen Facetten (inklusive des „Kitts“ zwischen den Tönen) aufzubereiten. Schafft es eine Komponente zwar, kleinste Kleinigkeiten der Musik hörbar zu machen (was eigentlich nur gut ist), raubt diesen aber dabei gleichzeitig deren ureigene (teilweise nur unterschwellig wahrnehmbare) Subtilität, deren „Drumherum“ und damit deren Substanz – dann bezeichnet man eine solche Komponente häufig als analytisch.“

Und die besondere Stärke des Glockenklanglers ist es nun gerade, dass er bei aller Feinauflösung nicht analytisch von Klangereignis zu Klangereignis springt oder fast besser gesagt: stottert, sondern sein Augenmerk darauf legt, die Substanz, das Sustain von Tönen und damit auch deren bindende Elemente auszuarbeiten – was nach meinem Dafürhalten nicht nur vergleichsweise geschmeidig, sondern insgesamt auch angenehm satt und farbig klingt.

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Während beispielsweise die vom Kollegen Ralph geschätzten, hochtransparenten und deutlich teureren SAC il piccolo Monos sich eher darauf konzentrieren, den Vorgang beim Anreißen von Saiten (z.B. im Song Afro-Left von Leftfield) in den Vordergrund zu stellen, gerät das Nachschwingen bzw. die komplette Fülle des Saitenklangs über den Glockenklang Bugatti 300 SE schon merklich ausgearbeiteter, was es hörbar organischer und dichter wirken lässt.

Ähnliches gilt beim Vergleich mit dem Myryad MXA 2150 Endverstärker (ein Gerät, welches ich als Arbeitsmittel aufgrund seiner „Schnelligkeit“ und Kontrolliertheit schätze): Die vielschichtig und zart-luftig (nach)schwingenden Becken-Gespinste in Oytein Sevags Hanging Gardens werden über den MXA 2150 – im Vergleich zum Bugatti-Amp – kompakter und, ja, irgendwie „grauer“ abgebildet.

Aber selbst, wenn’s sich um weniger feinstoffliche Sachen dreht, wie z.B. dem künstlichen Nachhall eines sich durch das Stück I`Good, I`m Gone (Lykke Li, Album: Youth Novels) ziehenden Beats, macht der Glockenklang auf sich aufmerksam: Statt den Nachhall einfach nonchalant zu unterschlagen wird auch hier sorgsam nachgezeichnet.

Stimmen (und freilich der Mittenbereich allgemein) profitieren ebenfalls von lykke li den genannten Fähigkeiten, zumal diese durch einen angenehm austarierten Grundtonbereich unterfüttert werden: Die Stimme von Lykke Ly (übrigens eine junge, schwedische Sängerin, die 2008 mit Youth Novels ihr hörenswertes Erstlingswerk herausgebracht hat) kann – gerade, wenn’s lautsprecherseitig über meine Thiel CS 2.4 geht – mit so manch vorgeschalteter Elektronik tendenziell etwas gläsern tönen. Nicht so über Glockenklangs Bugatti – vergleichsweise angenehm voll und entspannt gerät’s mit diesem vielmehr.

Aber natürlich besitzt der Bugatti 300 SE noch weitere Charakterzüge, die ich für erwähnenswert halte: Wer sich eine Endstufe zulegen möchte, um schraubstockartige Kontrolle und einen hart zuschlagenden, ausnehmend druckvollen Tiefbassbereich zu Ohren zu bekommen, wird bei Glockenklang sicherlich nicht ganz hundertprozentig bedient. In Sachen Lokalisationsschärfe geht unser Proband nun keinesfalls als ausgemachte Schluderbacke durch, dennoch wird estbeispielsweise das zunehmend wilder werdende und schlussendlich zum dichten Treiben ausartende Zusammenspiel von Piano, Schlagzeug und Kontrabass in ESTs Premonition über manch anderen Verstärker sicherlich bühnentechnisch stabiler und in sich verortbarer in den Hörraum transportiert. Die in diesem Song immer wieder mal vernehmbaren Tiefbasskicks stellt der Bugatti zudem einen Tick zurückhaltender dar, ebenso wie der dieses Stück einleitende Kontrabass-Lauf zwar keinesfalls leidenschaftslos gerät – nicht zuletzt aufgrund des angenehmen Grundtonbereichs -, in Sachen Druck aber auch nicht unbedingt das letzte Wörtchen ist.

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Lautsprecherklemmen von Innen.

Test: Glockenklang Bugatti 300 SE | Endstufe

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