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Genereller Aufbau des Esoteric I-03

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Genereller Aufbau des Esoteric I-03

Fernbedienung des Esoteric I-03Nun gehören klischeehaft geführte Glaubenskämpfe ob der technischen Superiorität des jeweils persönlich favorisierten Konzeptes – analog vs. digital, Röhre vs. Transistor, böse Gegenkopplung/gute Gegenkopplung – seit je zur Highend-Szene, und so nimmt es kaum Wunder, dass auch über Class-D-Verstärkung Vorurteile gepflegt werden. Soweit, so normal.

Aber jenseits solcher Diskussionen ist doch kaum der objektive Vorteil der Schaltverstärkung zu leugnen, der darin besteht, einen deutlich höheren Wirkungsgrad zu besitzen. Während übliche Class-A/AB-Konzepte von der eingehenden elektrischen Energie circa 50% bis 80% in Abwärme wandeln, kommen Schaltverstärker hier eher nur auf 10% bis 20%. Wer mit gegebenen Mitteln aber besser haushält, braucht bei definiertem Leistungsziel vorne weniger hineinzustecken, sprich: die Stromversorgung kann kleiner ausfallen. Gleiches gilt natürlich auch für die Kühlkörper eines von Natur aus kühleren Verstärkerkonzeptes. Beide Punkte sind nun aber nicht zu unterschätzende Kostenbestandteile, nicht nur in der Herstellung, sondern auch wegen Größe und Gewicht bei Transport und Logistik. „Leicht“ besitzt Preisvorteile und das sollte – zumindest der Theorie nach – auch das Preisleistungsverhältnis positiv beeinflussen können. Soweit meine kleine Privattheorie zu Class-D. Dann wurde der Esoteric I-03 geliefert. Auf einer Europalette.

Die Japaner scheinen mir da was nicht richtig verstanden zu haben. Allein der Karton, in dem der I-03 steckt, wiegt knapp zehn Kilo – das ist beispielsweise deutlich mehr als das Pärchen Nuforce-Class-D-Monos, welches wir anno 2008 zu Gast hatten, zusammen auf die Waage bringt. Der Integrierte selbst kommt auf 31 kg. Wie kommt der dazu?

Die äußere Schale gibt einen ersten Fingerzeig. Nicht nur, dass der I-03 einen sehr minimalistisch-reduzierten Auftritt pflegt und das die Verarbeitungsqualität schlicht erstklassig ist – man hat mit Material auch nicht eben gegeizt. Die Front ist daumendick, aber durch die Anfasungen oben und unten kommt das nicht dicke-Hose-mäßig rüber. Die Rundteile an den Seiten mindern ebenfalls einen allzu kistigen Eindruck, tragen aber ihr Scherflein zum Gewicht bei. Wie auch die 5-mm-Stahlbodenplatte, die Alu-Seitenteile (7 mm), die dem Esoteric als Kühlfläche dienen, oder der halbzentimeterstarke Deckel mit der Markengravur oben drauf. Der Esoteric I-03 besitzt ein richtig massives Gehäuse. Und wo wir beim Deckel sind: Nimmt man den ab, gibt’s den zweiten Fingerzeig in Sachen Gewicht. Gut, dass ich oben geschrieben hatte, dass die Stromversorgung kleiner ausfallen kann. Kann, ja, muss aber nicht.

Esoteric I-03 - Innenansicht

Das Innere des Esoteric-Verstärkers ist in fünf Kammern unterteilt, die die jeweiligen Funktionsgruppen beherbergen. Die Japaner betonen, dass deren Anordnung sehr interdependent und deshalb keinesfalls dem Zufall überlassen worden sei, sondern vielmehr den Forderungen nach möglichst wenig Wechselwirkung zwischen den Baugruppen und einem kurzen Signalweg Rechnung getragen wurde.

So befindet sich die Vorverstärkersektion im Block 1 direkt an der Rückwand, denn dort sind schließlich die Eingänge, die direkt auf die beiden Platinen führen. Die beiden? Ja, auf dem Foto sieht man freilich nur einen Kanal, verdeckt unter dieser Platine jedoch und durch ein 2-mm-Stahlblech von ihr geschirmt, steckt das zweite, baugleiche Exemplar. Der Esoteric I-03 ist in Doppelmono gehalten, sieht man vom Umstand ab, dass er für beide Kanäle „nur“ einen Trafo beherbergt.

Der große Klotz in der Mitte residiert auf seiner eigenen Stahlbasis, was eventuell auftretende Vibrationen effektiv in die Bodenplatte und von dort über die patentierten Spikefüße nach außen ableiten soll – Kampf der Mikrofonie. Natürlich sitzt auch er in einer eigenen Kammer (Block 2), was Streufeldern den Weg in empfindlichere Gegenden erschweren soll. Direkt hinter der Front und im Innern wiederum durch ein Blech vom Rest abgetrennt (3a) stecken das (dimm- und abschaltbare) Display sowie die komplette Logiksteuerung des Amps. Abgetrennt wurde auch die Stromversorgung (3b) für diesen Bereich, damit sich kein Mikroprozessorrauschen hinterrücks in die Verstärkungswege einschleicht. In den seitlichen Bereichen 4 und 5 schließlich sind die Class-D-Endverstärkungsmodule untergebracht, vertikal montiert, damit der Wärmeabtransport in die Alu-Seitenwangen des Esoteric I-03 problemlos erfolgen kann.

Der große EI-Trafo des Esoteric I-03
Der große EI-Trafo des Esoteric I-03

Kanaltrennung, Rauschvermeidung und Signalwegverkürzung werden aber nicht nur durch die geschickte Anordnung, Trennung und Schirmung der Baugruppen erreicht, dem förderlich sei beispielsweise auch, so Esoteric, dass kein konventionelles Stereopotentiometer Verwendung finde, sondern für jede Vorverstärker-Platine ein eigenes IC mit integriertem Widerstandsnetzwerk den Verstärkungsfaktor steuere. Die Vermeidung eines konventionellen Potis minimiere Übersprechen insbesondere bei höheren Frequenzen und zudem entfalle ein „langer“ Kabelweg von der Platine zum Poti und zurück. Das Audiosignal verlasse die Vorverstärkungspatine nur einmal, nämlich direkt in die Endstufe, so die Japaner.

... und die separate Stormversorgung für Display und die Steuerung
… und die separate Stromversorgung fürs Display und die Steuerung des Verstärkers

Dort angekommen, moduliert ein Chip von International Rectifier das Signal in eine Rechteckwelle von circa 800 kHz, deren unterschiedlich breite An-/Aus-Pulse insgesamt sechs Mosfet-Transistoren (je drei pro Halbwelle, Push-Pull) vom gleichen Hersteller „triggert“. Nach der entsprechenden Tiefpassfilterung – man muss die hochfrequente Trägerfrequenz ja wieder los werden, sonst verwandelt sich die HiFi- in eine Sendeanlage – steht das verstärkte Signal dann an den Lautsprecherklemmen bereit.

Class-D-Modul des Esoteric
Class-D-Modul des Esoteric

Aber zurück auf Anfang, zur Stromversorgung und damit auch wieder zur Gewichtsfrage: Warum kommt hier kein Schaltnetzteil zur Anwendung, sondern ein „konventioneller“ Transformator, darüber hinaus auch noch einer vom EI-Typ, denen unter anderem meist ein schlechterer Wirkungsgrad gegenüber Ringkernen nachgesagt wird? Kurze Antwort aus Japan: „Because we like it.“ Guter Ansatz!

Etwas ausführlicher heißt es dann sinngemäß, dass man zahlreiche Schaltnetzteile ausprobiert habe, welche es zwar ermöglicht hätten, einen wesentlich kräftigeren Verstärker zu bauen, aber allesamt klanglich nicht zufriedenstellen konnten – deshalb das normale „analoge“ Netzteil. Die Entscheidung für den EI-Typ sei dann ebenfalls aus rein klanglichen Gesichtspunkten gefallen. Solche spielten nämlich im Vergleich zu Ringkernen zwar zugegebenermaßen etwas „langsamer“, aber doch auch „smooth“ und angenehm dreidimensional, was im Verbund mit der Charakteristik der Class-D-Endstufen zu einem balancierten Ergebnis führe. Zudem werde ein viereckiges Gehäuseabteil von einem ebenfalls viereckigem Trafo besser ausgenutzt als von notorisch runden Ringkernen; besser im Sinne von „größer, leistungsfähiger“, der 10-kg-Klotz schafft 940 VA – und ein möglichst großer Trafo sei klanglich erstrebenswert.

Funktionsumfang Esoteric I-03

So minimalistisch das Frontplattendesign, so umfangreich die Ausstattung des Esoteric-Vollverstärkers. So richtig fehlen tut da eigentlich nix, aber verlieren Sie bitte die Fernbedienung des Gerätes nicht, sonst kommen Sie an 90% der Funktionen nicht mehr heran.

Rückseite des Esoteric I-03

Fünf Hochpegelinputs gibt es, zwei davon sind symmetrisch ausgeführt. Einer der unsymmetrischen Eingänge, nämlich die Nummer 3, lässt sich wahlweise zum Phonoinput umfunktionieren – sowohl MM- als auch MC-Systeme werden akzeptiert (47 kOhm und 100 Ohm Abschlussimpedanz). RCA-Input 2 kann dagegen optional als Direktzugang zur Endstufe des I-03 genutzt werden, diese „THRU“-Funktion ist vor allem zur Integration des Amps in ein AV-Set nützlich. Natürlich kann das vorverstärkte Signal durch Pre-Out-Buchsen abgegriffen werden, und zwar auf drei Wegen: ON1 – die Endstufe des I-03 ist aktiv, zum Beispiel für Bi-Amping-Wünsche, ON2 – die Endstufe ist ausgeschaltet, der I-03 wird zum reinen Vorverstärker, REC – es steht ein fixer Ausgangspegel für Aufnahmen bereit.

Was kann man sonst noch so machen? Nun, die Eingänge können beliebig benannt und ihnen kann eine individuelle Eingangsempfindlichkeit zugeteilt werden, um unterschiedlich laute Quellen zu nivellieren. Die Balance lässt sich einstellen, ohne dass eine zusätzliche Schaltung „im Weg“ liegt, die Doppelmono-Lautstärkeregelung macht dies möglich – und das Ganze auch eingangsindividuell. Apropos Lautstärke: Es lässt sich aus fünf verschiedenen Volume-Kurven-Presets der persönlich Favorit wählen. Was das denn sei, fragen Sie? Im Grunde die Entscheidung darüber, ob es bei einem Dreh am Regler schneller oder langsamer lauter werden soll. Beziehungsweise zunächst langsam lauter werdend, dann aber immer schneller – oder genau andersherum. Wie konnte man vorher ohne leben?

EsotericEntscheidender scheint mir dennoch zu sein, dass der I-03 einen Kopfhöreranschluss besitzt. Und: Der An-/Ausknopf befindet sich doch tatsächlich auf der Vorderseite! Ich muss also nicht hinters Regal kriechen, um den Powerknopf zu finden? Innovation! Einziger Wehrmutstropfen – zumindest für Freunde des Bi-Wirings – dürfte der Umstand sein, dass es pro Kanal nur ein Paar Lautsprecherklemmen gibt.

Test: Esoteric I-03 | Vollverstärker

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