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Klang Swans M6F, zweiter Teil

Inhaltsverzeichnis

  1. 4 Klang Swans M6F, zweiter Teil

Swans M6F

Nachdem wir uns oben bei Manfred Krug schon ziemlich am Thema Gesang abgearbeitet haben, können wir „Film Theme“ als Instrumental noch einmal gut heranziehen, um die Tonalitätsskala der M6 von oben nach unten abzugleichen. Das Stück hält ein schleppend gespieltes Schlagzeug mit einer recht tief gestimmten Snare bereit, einige Synthesizerflächen, recht sämig-flächige und verzerrte E-Gitarren, sowie als Soloinstrument ebenfalls einen Synthesizer mit changierenden, mäandernden Klangfarben. Auch hier fällt wieder der absolut blitzsaubere, hochauflösende, aber trotzdem nicht ins überpräsente lappende Hochtonbereich auf. Swans M6Ähnliches gilt für den Mitteltonbereich, der fein darstellt, wie die Synthesizerstimme sich im Verlauf des Songs wandelt, hier und da Obertöne hinzugewinnt, um später auch wieder dumpfer zu werden. Die Anbindung an den Tieftonbereich erscheint mir bruchlos, allerdings spielt die M6 trotz der durchaus wuchtigen Optik der Tieftontreiber nicht betont „bassig“ auf.

Ähnlich wie bei der vor kurzem getesteten Abacus-Kombination APC24-23/C mit Bass-Sockel höre ich eher einen gefühlten linealglatten Frequenzgang als eine Oberbassbetonung oder gar eine Vehemenz in den tiefsten Lagen. Damit kann konstatiert werden: Die Swans M6 spielt für mein Empfinden von unten nach oben sauber und glatt durch und legt in Sachen Feinauflösung einen Fokus im Mittel- und Hochtonbereich. Im absoluten Basskeller – den „Film Theme“ mit seiner angedickten, von Synthesizern verstärkten Bassgitarre durchaus auslotet – findet sich die Swans M6 durchaus zurecht, zeigt sich aber insofern dezent, als dass sie tonal zwar „mitkommt“ und auch wirklich „tief runter“ kann, dies aber mit einer gewissen dynamischen Weichheit.

Linton Kwesi JohnsonsSchauen wir uns die Dynamik mal genauer an: Linton Kwesi Johnsons Album LKJ in Dub ist ein ganz guter Prüfstein für diese Disziplinen: Dub-Reggae mit allerlei ulkigen Klangeffekten, scharf abgemischten Drums mit Delay bis zum Abwinken und ordentlich tiefen Bässen. Und da muss man jetzt mal feststellen: Es gibt Lautsprecher vergleichbarer Kragenweite, die mehr zulangen. Allen voran die von mir im letzten Jahr als Gast beherbergte PSB Synchrony One, die die Bässe geradezu mit Saft und Kraft in den Raum schob. Die Swans M6 wirkt da schon ‘nen Zacken dezenter, dies betrifft zum einen die tonale Seite: Im Oberbass, wo die Synchrony One eine kleine Schippe drauflegte, zeichnet die M6 glatter durch. Zum anderen: Sie hat eher einen gemütlichen Antritt, als einen bretthart-federnden. Bei Dub-Reggae, bei dem Geschwindigkeitsexzesse ja nicht gerade stilprägend sind, passt das für meinen Geschmack ganz gut. Wenn es etwas härter zur Sache geht – so zum Beispiel beim neuen Nada-Surf-Album The Stars are indifferent to Astronomy, hier sei die Singleauskopplung „Teenage Dreams“ erwähnt – könnte ein dem heftigeren Rock und Roll zugeneigter Mensch gegenüber anderen Vertretern der Lautsprecher-Zunft ein wenig Tempo vermissen.

Nada Surf

Nicht, dass die M6 im Bass flügellahm wäre, aber sie ist eben auch keinesfalls in die Kategorie „oberzackig“ einzuteilen. Das, was die Musik von Nada Surf ausmacht, nämlich eine hohe rhythmische „Tightness“ im Zusammenspiel, auch bei sehr schnellen Stücken, wirkt über die M6 leicht gebremst, hier habe ich beispielsweise auch Nuberts nuVero 10 im Tieftonbereich als etwas flinker in Erinnerung.

Zu guter Letzt noch ein Ausflug in die Klassik: Da macht die Swans M6 eine sehr gute Figur. Insbesondere kleinere Besetzungen sind schlicht ein Genuss. Gustav Mahlers Klavierquintett in A-Moll, das zwischen elegisch und schwärmerisch-leidenschaftlich hin- und herschwankt, zeigt, Mahlerdass die M6 durchaus auch einen flotten Antritt bieten kann, diesen aber eher im Mittel- und Hochtonbereich ausspielt. Plötzlich angerissene Violinensaiten, „aufschwungartiges“ Geigenspiel, aber auch perlende Klavierläufe, Arpeggien und metallische Fortissimo-Akkorde werden flink und ohne jede Verzögerung in den Hörraum gegeben, was in Verbindung mit der tonal dezenten, trotzdem detailreich auflösenden Wiedergabe einfach mal ganz unwissenschaftlich gesagt vor allem eines macht: Freude! Die oben bei Nada Surf erwähnten kleinen Gemütlichkeiten im Tieftonbereich haben mich bei klassischen Werken zu keiner Sekunde gestört.

Mitteltonkalotte

Ich habe in den letzten Jahren so einige Standlautsprecher in vergleichbaren Preisklassen hier im Haus gehabt. Die bereits erwähnten PSB Synchrony One beziehungsweise Abacus-Kompaktlautsprecher/Bass-Sockel-Kombi, die Nubert nuVero 10 – und als Arbeitsreferenz die Neat Momentum 4i. Sollte ich hiervon einen Lautsprecher benennen, der der Swans M6 am nächsten kommt, ich hätte es nicht leicht. Die PSB spielt körperlicher im Bass, löst aber im Hochtonbereich nicht so gut auf, wie die Swans M6. Die Abacus-Kombi erinnert mit dem dezenteren Tieftonbereich schon eher an die Swans M6, ist aber dort unten etwas flinker unterwegs, kann andererseits der Swans-Hochtonauflösung ebenfalls nicht das Wasser reichen. Die Nubert ist sagenhaft ortungsscharf, sowie knackig und flink im Bass, kann aber im Vergleich zur M6 auch mal ins tonal sehr „cleane“, sezierende abdriften. Und die Neat Momentum 4i hat einen deutlich präsenteren, dabei aber – Hand aufs Herz – nicht wirklich besser auflösenden Hochtonbereich, während ihre stereofone Ortungsschärfe ähnlich der der M6 ist.

Wenn man alle diese doch recht charakteristischen Merkmale zusammensetzt, erhält man aus den Puzzleteilen hinterher ein erstaunlich stimmiges Gesamtbild, nämlich eine Einsatzempfehlung beziehungsweise Folgendes …

Test: Swans M6F | Standlautsprecher

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