Billboard
ks-distribution

Klang Swans M6F, erster Teil

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Klang Swans M6F, erster Teil

Swans im Hörraum

Fangen wir mit dem Einfachsten an – mit dem, was schnell augen- beziehungsweise ohrenfällig wird. Die M6 ist keine Box zum dezidierten Leisehören. Ihr gesamter Auftritt und ihr gesamtes Format zielen darauf, ein gewisses Mindestmaß an Leistung zur Verfügung gestellt zu bekommen, denn nur dann kann die M6 ihre Talente, und davon gibt es einige, wirklich ausspielen. Bei niedrigen – und damit meine ich unterhalb Zimmerlautstärke – Abhörlautstärken gibt es ganz klar andere Vertreter der Zunft, die ein kompletteres Klangbild abliefern, und zwar in tonaler Hinsicht an den Frequenzgangenden und auch in Form von mehr an Antritt, sprich Grob- wie Feindynamik. Als Einsatzempfehlung ausgedrückt: Wenn Sie einen kleinen Hörraum haben (< 16 m²) und aufgrund Ihrer Wohnsituation nicht richtig aufdrehen können, wollen oder dürfen - dann suchen Sie lieber einen anderen Lautsprecher. Bei mittleren und großen Wohnräumen (und/oder ab Zimmerlautstärke aufwärts) hingegen kann die M6 mit ihren besonderen Fähigkeiten punkten.

Swans M6F

Ich habe die M6 zwei Monate lang ausführlich testen können. Und was mir in dieser Zeit geradezu ans Herz gewachsen ist, das ist der Mittel-/Hochtonbereich. Letzteren möchte ich sogar als superb bezeichnen. Was die M6 gnadenlos gut kann, ist Feinauflösung und Feinzeichnung dieser Lagen, gepaart mit der Fähigkeit, zu keiner Zeit zu blenden oder gar zu überzeichnen. Oft holt man sich ja mit einer überdurchschnittlichen Auflösung gerade des Hochtonbereichs auch eine insgesamt „crispe“ oder etwas spitze Grundtonalität der gesamten Box ins Haus. Bei der M6 hingegen werden durch die Kombination aus Magnetostat-Hochtöner und Kalotte im Mittel- und im Hochtonbereich wirklich allerfeinste Details hörbar gemacht, trotzdem würde ich den Lautsprecher insgesamt vom Grundcharakter sogar eher sanftmütig als präsent im Obertonbereich bezeichnen wollen. Das müsste sich eigentlich widersprechen, finden Sie? Ja, fand ich auch. Ist aber so!

Manfred Krugs Alben Ein Hauch von Frühling und Das war nur ein Moment

Als Beispiel hörte ich in Manfred Krugs Alben Ein Hauch von Frühling und Das war nur ein Moment. Krug? War das nicht der bärbeißige, Wackelpudding essende „Liebling Kreuzberg“-Darsteller? Ja, das war er – aber er war und ist für mich vor allem ein hervorragender Sänger mit einer ausgesprochen wandlungsfähigen Stimme. Die beiden Alben, in den 70er-Jahren in der damaligen DDR produziert und erschienen, sind heute vereint auf einer einzigen CD. Den Hörer erwarten hochkarätige Musik und Texte im Vierländereck aus Chanson, Soul, Philly-Sound (ja!) und Schlager. Die vertrackten und humorvollen Arrangements von Günther Fischer treffen auf eine extrem spielfreudige Band mit einem geradezu höllisch groovenden Drummer – und eben auf einen Manfred Krug, der je nach Lust und Laune säuselt, croont, dröhnt oder rockt. Hinzu kommt, dass die kreative tontechnische Produktionsqualität trotz des fortgeschrittenen Alters der Aufnahme auch heute noch wahnsinnig viel Druck, Spaß und Abwechslung bringt. Der Mix ist spritzig, druckvoll – und auf Exciter oder Dynamikkompression wurde gnadenlos verzichtet. Oh, mir fällt gerade ein, das ist ja gar keine Musik-, sondern eine Lautsprecherrezension. Wo war ich stehen geblieben?

Die M6 zeigt mir – wie noch kaum ein anderer Lautsprecher, der bisher bei mir zu Gast war – den Facettenreichtum der Krug’schen Stimme. Wirklich beeindruckend, wie differenziert die Swans hier aufspielt, wie sie jede Nuance und jedes Detail in den Hörraum bringt. All dies aber stets mit einer großen Leichtigkeit und eben nicht Überbetonung der jeweiligen Lagen. Im Song „Sonntag“ setzt Krug beispielsweise seine Stimme in einer Solo-Passage als eine Art von Tenorsaxofon ein. Im Jazz würde man das Scatgesang nennen – aber das, was Krug da macht, als Scat zu bezeichnen wäre eine Frechheit, denn damit verbinde ich üblicherweise ein extrem zickiges und unnötiges Herumgestammel von Musikern, dies sich gern mal ganz besonders jazzig fühlen wollen. Ganz anders Krug: „Wop Wop Wopdeewop […]“, so singt er 16 Takte lang sein Solo und lässt das Gesangsorgan dabei röhren wie ein waidwunder Hirsch.

Swans-Mitteltöner

Dass Krug dabei während der Aufnahme die Gesangsspur der Bandmaschine auch mal in die Sättigung beziehungsweise leichte Verzerrung getrieben hat, stört hier nicht, sondern gibt dem ganzen noch eine knisternde Prise Extra-Würze. Das bringt über die M6 reichlich Spaß und Fetz. Krugs voluminöser Bariton hat Tiefe, Wucht und Schmackes. Ganz anders hingegen der Track „Baden gehen“, mit einem textlich wie musikalisch geradezu dadaistischen Charakter. Hier singt Krug in Kopfstimme, was sanftmütig und schmeichelnd klingt. Wiederum zeigt die M6 feinste Lautstärke- und Tonalitätsnuancen des sehr differenzierten, nämlich nicht im Studio dynamikkomprimierten Gesangs, sie gibt Sibilanten originalgetreu wieder – und bindet die Stimme dabei perfekt ins Gesamtgeschehen ein, ohne sie jemals überzubetonen oder in den Vordergrund zu rücken. Generell erscheint mir die differenzierteSwans M6F Stimmwiedergabe als eine absolute Stärke der M6. Ich empfehle jedem, die Swans M6 mal in Verbindung mit einer durchaus schon älteren und damit hoffentlich unkomprimierten Gesangsaufnahme zu hören – der Detailreichtum des Gebotenen ist wirklich frappierend.

Ebenfalls sehr gut gefällt mir, und damit mal ein erstes Wort zur Raumdarstellung, dass das eingangs beschriebene Konzept der breiten Abstrahlwinkel anscheinend aufgegangen ist. Das ist mir witzigerweise gleich am ersten Tag aufgefallen, an dem die M6 bei mir zu Gast war, und zwar bei einer der vielen Monopoly-Sessions mit meiner Tochter. Wir sitzen hierzu gern auf dem Fußboden im Wohnzimmer, und auch hier hören wir häufig parallel zum Spielen das besagte Manfred-Krug-Album. Meist ergibt es sich, dass ich bei dieser Gelegenheit mehr oder weniger direkt vor dem linken Lautsprecher sitze. Trotzdem gelingt es der M6 noch, ein erstaunliches Maß von Räumlichkeit zu mobilisieren, obwohl der rechte Lautsprecher drei Meter weiter weg steht und an mir vorbei in den Raum bläst. Die auf dem Manfred Krug-Album großzügig im Stereopanorama verteilten Instrumente wie Gitarren, Bläser, Streicher und Klavier, insbesondere aber die weiblichen Chorgesänge, die sich mal hier, mal da heimlich ins Geschehen einschleichen – sie werden trotz der genannten, wirklich ungünstigen Hörposition doch noch sehr raumfüllend wiedergegeben. Klar: Auch die M6 hat natürlich einen Sweet Spot – aber sie erteilt doch auch Aufenthaltsgenehmigungen für den Rest des Hörraums, was ich sehr sympathisch finde und was nicht zuletzt auch erheblich zur Alltagstauglichkeit des Lautsprechers beiträgt.

KEvlarmembran im Detail

Doch wir sind mit dem Thema Räumlichkeit noch nicht durch, denn bei der Swans M6 ist mir noch eine andere Sache aufgefallen, die ich so von anderen Lautsprechern bisher noch nicht kannte. Üblicherweise erlebe ich es so, dass die meisten Lautsprecher die Präzision ihrer räumlichen Darstellung beziehungsweise die Verortung der Schallquellen am besten dann ausspielen, wenn der seitliche Abstand der Lautsprecher gleich groß oder kleiner ist als der Abstand zwischen Hörer und Lautsprechern. Dazu gibt es ja das berühmte gleichschenklige Dreieck aus Lautsprecher 1, Lautsprecher 2 und Hörer.

Bei der M6 hingegen durfte ich feststellen, dass es keinesfalls schadet, die Lautsprecher weiter auseinander zu stellen als der Abstand zwischen Hörer und Box beträgt. Im Gegenteil sogar: Ich habe die beste Erfahrung gemacht bei einem Hörabstand von 2 Metern und einem Seitenabstand der Lautsprecher von 2,40 Metern. Nicht, dass es sonst schlecht geklungen hätte, aber bei dieser Aufstellung rastete die Räumlichkeit noch einmal richtig Simple Minds/Reel to Reel Cacophonygut ein. Als Beispiel hier das Instrumental „Film Theme“ aus dem Frühwerk der Simple Minds, vom Album Reel to Reel Cacophony. Bei richtiger Aufstellung löst sich beispielsweise die Hi-Hat komplett von den Boxen und platziert sich einen „gefühlten“ halben Meter seitwärts vom rechten Lautsprecher (zur Rechten versteht sich), während ähnliches linksseitig mit dem Crashbecken geschieht. Bei einer engeren Aufstellung bleiben diese Schallquellen „innerhalb“ des Dreiecks aus Hörer und Lautsprechern. Was man lieber mag, ist Geschmackssache – hier soll jedoch betont werden, dass es trotz der oben genannten Basisverbreiterung keinen Verlust an Präzision der Raumstaffelung gibt. Deshalb hat mir die „breite“ Version der Aufstellung sehr gefallen.

Test: Swans M6F | Standlautsprecher

  1. 3 Klang Swans M6F, erster Teil
Billboard
Nubert