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Sonst noch was?

Inhaltsverzeichnis

  1. 4 Sonst noch was?

Audium Comp 5

Eine weitere Stärke der Audium ist die völlig überzeugende räumliche Präsentation der Musik. Sie bildet sehr frei ab, da bleibt nichts an den Boxen kleben, und sie versteht es nicht nur, eine realistische Bühnenbreite in den Raum zu projizieren, vorn und hinten gibt es auch: Die Tiefenstaffelung gerät mit ihr schon recht beachtlich, ja, angesichts ihres Preises darf man das sogar verdammt gut nennen. Dass sie in Sachen Raumausleuchtung überzeugt, dürfte auch an dem erwähnten Punktschallquellen-Konzept liegen, welches mit dem Einsatz des Breitbänders einhergeht. Und bei der Größe des Audium-Fullrangers kann man das mit den Punkt ja fast schon wörtlich nehmen … Die Comp 5 scheint mir daher insbesondere auch für kleinere Hörabstände und/oder kleinere Räume geeignet zu sein: „Punktschallquelle“ ist ja ein zum Hörabstand relativ zu sehender Begriff, und die 6 cm Membrandurchmesser, die circa 6 1/2 Oktaven übertragen, machen den Nenner dieser Relation einfach auch absolut klein. Okay, ich habe die Audium nicht in einem zweiten, wesentlich kleineren Raum aufgestellt; aber ich habe sie bewusst mal weit in den Raum gestellt – mit unter 2 Metern Hörabstand. Auch so dicht am Hörplatz postiert zerfällt die Bühne nicht.

Cat Power / The GreatestAuch die Abbildung der Einzelstimmen – die Lokalisationsschärfe – gelingt der Comp 5 sehr gut. Es gibt kein Wischiwaschi, jedes Instrument und jede Stimme hat seinen Platz und separiert sich klar vom anderen (natürlich nur, wenn die Aufnahme das auch hergibt). Es ist aber auch nicht so scharf, dass man sich daran schneidet, und das soll nun keine euphemistische Wendung für „eigentlich eher geht so“ sein, sondern, sorry, ein noch stärkeres Lob: Sie tendiert damit nämlich in eine Richtung, die mir persönlich mehr liegt. Statt einer richtiggehend holografischen Raumvermessung, bei der die Klänge messerscharf abgebildet werden, verleiht sie ihnen einen zwar bestimmten, aber auch leicht „runden“ Körper, also etwas Plastisches, was mir natürlicher erscheint. Vielleicht passiert das auf Kosten einer millimetergenauen Akkuratesse, okay, aber dafür gleicht es eben auch einem natürlich-physischen Erlebnis, wenn jemand singt oder eine Saite zupft. Dass solche audiophilen Finessen, für die ich eine Schwäche besitze, von einem 2 kEuro Wandler derart bedient werden, hatte ich nicht unbedingt auf der Rechnung. Feine Sache. Wie auch dieses „Im-Raum-Gefühl“, das bei vielen Aufnahmen rüberkommt: Sei‘s, dass jemand im Studio gesagtZappa / Yellow Shark hat: „Da muss ‘ne Hallfahne rein, sonst iss das so platt“, (z.B. Cat Powers „Jukebox“), sei’s, dass auf der Aufnahme tatsächlich ein realer Aufnahmeraum drauf ist (z.B. Zappas „Yellow Shark“) – die Audium vermittelt nicht einfach „irgendwie hallig“, sondern differenziert das eine klar vom anderen.

Tonal betrachtet, wirkt die Audium Comp 5 sehr ausgeglichen und integriert. Und das, obwohl sie sich eine kleine Oberbassbetonung leistet, die aber – wie oben schon erwähnt – eher ein rhythmischer Pluspunkt als ein mulmiges Minus darstellt. Der Bass macht Laune, er verdeckt keine Töne. Dennoch: Man sollte nicht meinen, dass sie in den alleruntersten Oktaven noch groß etwas zu melden hat – hier fadet sie aus. Bei entsprechendem Musikmaterial wird das recht deutlich, wenn man denn schon mal das gleiche Stück über großkalibrige, basspotente Speaker gehört (und also im Ohr) hat. Da fehlt was. Womit man allerdings besser zurechtkommt, als mit hilflosen Versuchen, auch noch dort „Wind“ zu machen, wo man besser die Segel gestrichen hätte. Die Comp 5 ist kein Vollbereichs-Wandler – und auch kein Poser.

Audium Breitbänder

Mitten und Hochton fügen sich derart nahtlos ineinander, dass ich gar keine Lust verspüre, es verbal wieder aufzudröseln. Neben dem Rhythmusgefühl und den räumlichen Fähigkeiten ist aber genau das die zentrale Stärke der Audium: Balanciertheit. Was vermutlich erstmal leicht öde klingt, sind wir doch ständig auf der Suche noch Spitzenwerten: „besonders voller Grundtonbereich“, „sehr anspringende und lebendige Mitten“, „fantastische Hochtonauflösung“ … Keine dieser Aussagen passt 100%ig, ja, man muss überall einen Gang zurückschalten und dann summieren, um sich dem Klangcharakter der Audium zu nähern. Was 1.) ein Gewinn ist, was sie 2.) für meine Begriffe audiophiler macht, als Kandidaten, die sich mit einzelnen Federn schmücken, und 3.), am wichtigsten von allem: was sie fürs Langzeithören prädestiniert. Die Gefahr ist gering, dass zwei Wochen, nachdem der erste Besitzerstolz abgeklungen ist, heimlich und verzagt gemutmaßt wird: „Manchmal doch wie in einer Waschküche?“, „Vielleicht ein wenig arg präsent?“, „Hochton-Glitzer schön und gut – aber was ist eigentlich weiter unten los?“ … Die Audium tönt stimmig und transparent, sie wird einen nie nerven und ist (trotzdem) kein Kind von Traurigkeit. Mit ihr hört man Musik, keine Testscheiben mit HiFi-Soundeffekten drauf.

Feindynamisch überzeugt die Audium, intimer Gesang wird nicht profanisiert, da sie Nuancen und Schwankungen des Pegels genau nachgeht. Man bleibt dran – und das gilt natürlich auch für entsprechende Instrumentalpassagen. Grobdynamisch bietet sie das, was man von einem Wandler dieser Größe und dieses Preises erwarten darf. Nein, das heißt nicht schlecht, das heißt nur, dass es nicht ihre Kernkompetenz ist. Die Fähigkeit zum großen dramatischen Auftritt bei forcierten Einsätzen stand nicht zu erwarten – und tatsächlich fällt er auch eine Nummer kleiner aus. Zu beachten ist ferner, dass es sich um einen mittelgroßen Lautsprecher handelt, der sich dementsprechend in mittelgroßen Räumen auch am besten entfalten kann. Es spricht zwar nichts dagegen, die Audium Comp 5 in ein 40qm-Zimmer zu stellen, wenn dort auf ihrer Party die Tanzfläche sein soll – nur sollten Sie dann auch tanzen und nicht krampfig im Sweetspot sitzen und die gleichen audiophilen Tugenden von ihr erwarten, die sie bei zivilisierten Lautstärken bietet.

Test: Audium Comp 5 | Standlautsprecher

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