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Mastersound 220 230 DueVenti DueTrenta – Röhren – Verstärker – Testbericht – fairaudio

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Mastersound 220 230 DueVenti DueTrenta - Röhren - Verstärker - Testbericht - fairaudio

Klang:

ECC82Um noch ein bisschen bei den Ähnlichkeiten zu bleiben – schweigen können beide, sprich, hier brummt nichts, nix raschelt oder knistert. Einen Wandler hohen Wirkungsgrades dran geschnallt, das Lautstärkepoti auf Anschlag und … nix. Na, vielleicht ein bisschen, wenn das Ohr fünf Zentimeter vorm Chassis klebt. Und es draußen windstill ist. Schon mal gut.

Eine weitere Gemeinsamkeit: Ob Venti oder Trenta, antreiben konnten sie die Lautsprecher, die ich an sie anschloss (Elac, Volent, WLM, ZU), alle beide. Gut, alles keine mörderischen Stromsäufer, mag man einwenden – aber wieso sollte ich auch einen solchen suchen? Wenn der Wirkungsgrad so gen 90 dB/W/m spielt, nicht gleich 10 Chassis befeuert werden müssen und auch der Impedanzverlauf keinen Höllenritt vermuten lässt … dann macht man bestimmt nichts verkehrt. Jedenfalls kam bei mir, den Pegelsteller auf High Noon, in allen Fällen schon anständig was rüber. Und wenn ich „anständig“ sage, dann heißt’s, dass man nicht ständig so laut hört (bzw. hören sollte).

MastersounD DueTrenta von unten

Kommen wir zum Hauptteil, den Klangeindrücken. Und hier hört die enge Verwandtschaft dann so langsam auf, mögen sie auch aus dem gleichen Hause stammen und noch so ähnlich ausschauen. In fast allen Belangen sind Unterschiede auszumachen – nicht immer Welten, aber doch deutliche Nuancen. Das beginnt schon bei der „Basis“, dem Grundtonbereich. Hier liebt der KT88-Amp den satten Auftrag, vielleicht sogar den leicht fülligen. Nicht, dass der 220 S.E. / DueVenti dagegen mager klänge, beileibe nicht, sein Level ist auch eher über Normalnull angesiedelt. Was ihm kein Stück schadet. Aber der Kollege legt noch mal ’ne Schippe drauf. Das ginge mit einem Augenzwinkern auch problemlos durch, allerdings muss doch konstatiert werden, dass der Vortrag sich insgesamt eher elegant geschwungen ausnimmt, möchte man das Wort rund vermeiden. Kontrastreicher und durchgezeichneter gibt sich jedenfalls der EL34-Italiener.

MastersounD DueTrenta von innen

Deutlicher noch zeigt sich diese Neigung im Untergeschoss, wobei es zugegebenermaßen, vom 230er zum 220er wechselnd, zunächst den Anschein hat, als sei im Bass etwas verloren gegangen. Nun, das täuscht, es ist eher die „Wärmeregion“ überm Bass, die ein paar Grad verliert. Denn unten herum zeigt sich auch der DueVenti sattelfest, ja, richtig kombiniert mit dem passenden Lautsprecher (mein bestes Match: WLM La Scala) sogar ganz erstaunlich sattelfest. Bei „Midnight Boom“ jedenfalls, der neuen Platte der Band „The Kills“, wundere ich mich über die gesamte Länge, wie schwarz-federnd, präzise und tief die Drummaschine ihre Runden dreht. Ist doch ’ne Röhre und gar keine Röhrenmusik! Naja, geht aber, verdammt gut sogar.

The Kills / Midnight Boom

Freilich macht die Platte auch mit dem DueTrenta Spaß, aber er gestaltet die Geschichte doch eher „wie zu erwarten“: flächig, voll, saturiert statt zackig und mit viel Kontur. Das muss nicht schlechter sein, insbesondere dann nicht, wenn schlank abgestimmte Wandler ein wenig Traubenzucker vertragen könnten. Oder wenn man’s so nun mal mag … Mir gefällt aber, offen gesagt, der DueVenti besser. Schneller geht er zu Werk, definierter und trockener – und dabei ganz und gar nicht mager. Auch ein vergleichsweise angeschlossener Lua 4040C kommt im Bass zwar vom Grundvolumen her, aber nicht in Sachen Kontur und Sitz an den MastersounD 220 S.E / DueVenti heran. Und das Tempo hat er schon gar nicht. Der Magnat RV-1 hingegen, so meine mich zu erinnern, besaß zwar Tempo und Definition, dafür aber nicht diesen Punch. Spaß macht er und Klasse besitzt er, der Bassbereich des DueVenti.

MastersounD: Schaltung der Eingänge
Eingangswahl „vor Ort“ – gut so.

Auch im Mittelfeld unterscheiden sich die beiden MastersounDs voneinander. So ist der DueTrenta der wohl gefälliger spielende, während der „kleine“ Bruder ein anspringendes Naturell zu erkennen gibt; auch ist’s bei ihm so, das Solostimmen etwas betonter vorgetragen werden, leicht präsenter. Neigen die heimischen Wandler ins Helle, latent Frontale, so kann der KT88-Amp mildernd wirken. Allerdings ist man mit ihm nicht mehr „ganz so nah dran“ wie mit dem EL34-Gefährten, der schiebt das Mikro näher zum Sänger, mehr Details und Feinheiten werden offenbart. Zudem modelliert der DueVenti Stimmen greifbarer, körperlicher – aber, wie gesagt, er betont sie auch mehr, inszeniert ein klein wenig. Mir gefällt’s. Ähnliches zeigt sich beim Klavier. Keith Jarrett spielt sein Köln Concert, und während der DueTrenta „Klavierlauf“ sagt, wirft der DueVenti ein „Aber auch Klavier-Anschlag!“ dazwischen. Nicht, dass er den Fluss vergessen würde, aber Impulse werden klar herausgearbeitet.

In den oberen Lagen gibt sich der 220 S.E. / DueVenti offen, frei und deutlich. Auch der 230 S.E. unterschlägt nichts, aber er entführt einen auch nicht in die luftigsten Höhen. Sein Klangbild gibt sich insgesamt integriert, voll und eher schmeichelnd. Mit der EL34 geht’s gradliniger zu Werk, für meine Begriffe herrscht an beiden Frequenzextremen mehr Durchzeichnung und Deutlichkeit – und so eben auch im Hochton. Kann sein, dass dies, in Kombination mit der leicht präsenteren Darstellung im Mittenband, dem ein oder anderen zu viel wird – jene werden mit dem größeren Bruder besser zurecht kommen. Geschmackssache.

Beiden MastersounD-Verstärkern gemein ist, dass sie eine große Bühne entwerfen. Dabei zeigt sich die des DueTrenta – seinem tonalen Charakter gemäß – „erdverbundener“, solide fundiert. Der EL34-Kamerad geht keinesfalls flatterhaft-nervös vor (eher ist er präziser bei der Abbildung einzelner Stimmen), vielmehr wirkt er luftiger als sein Kumpan, zwischen den Lautsprechern spannt sich eine „Kuppel“ auf, die so mit dem 230 S.E. nicht auszumachen ist. Auch die Art und Weise, mit der die Tiefenstaffelung erfolgt, ist recht unterschiedlich: Durch die präzise Abbildung des 220 S.E. geraten einzelne Klangereignisse definiert und abgegrenzt. Daraus ergibt sich, dass zwischen den Stimmen/Klängen „nichts“ ist, und durch diese „Lücken“ lässt sich prima nach hinten schauen. Die Durchsicht im klassischen Sinne ist mit ihm eine höhere. Der DueTrenta geht anders vor: Wahrlich nicht wischi-waschi, aber doch eher „auratisch“, die Einzelstimmen haben ihren Ort, werden aber weniger randscharf gezeichnet, sondern innerhalb der voluminösen Bühne arrangiert. Das hat auch was für sich, ja, mancher wird es organischer und natürlicher nennen. Interessant dabei ist, dass sich die Tiefenstaffelung entsprechend anders darbietet. Sie gleicht eher einer Schichtung einzelner Soundfolien mit latent weichen Übergängen, als der mehr geometrischen Vermessung des Raums, welche der DueVenti exerziert. Letzterer kommt – wenn man so will – audiophilen Tugenden näher, während sich der KT88-bestückte mehr künstlerische Freiheiten gönnt. Was besser gefällt, liegt wiederum im Ohr des Hörers.

Test: MastersounD 220 S.E. und 230 S.E. DueTrenta | Vollverstärker

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