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Klangliches zum Plinius 9200

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Klangliches zum Plinius 9200

Sexy vor sich hingroovend, dabei fest und bestimmt im Bass – so klingt die Musik der Neo-Soul-Künstlerin Erykah Badu, und welch‘ perfekte Koinzidenz ist’s doch, dass dies auch auf den Plinius 9200 zutrifft. Die erste Platte, die ich mit ihm höre, und schon ein Volltreffer.

Plinius 9200 im Rack

Häufiger als man meinen sollte ist der erste Eindruck, den man von einer HiFi-Komponenten bekommt, haltbar – oder anders: der wesentliche. Vielleicht liegt‘s daran, dass man zu Beginn einer Testsession naturgemäß noch keine akustische Vorstellung hat und deshalb ganz unverstellt zuhört?! Aber lassen wir die Testpsychologie einfach beiseite, mein erster Eindruck vom Plinus: verdammt rhythmisch, exzellentes Timing – und was für ein schön stoisch durchgezogener, konturierter und hochdynamischer Bassbereich! Das ist nichts für Muttersöhnchen.

Erykah Badu / Mama's Gun

Passenderweise heißt die CD, die im Luxman dreht, Mama’s Gun .. Wenn man Songs wie „Bag Lady“ oder „Time’s A Wastin“ ansteuert und mit weniger guten Amps hört, kann einem alles Mögliche passieren: Entweder es fehlt die Kraft, Synthibässen und Bassbeats Nachdruck zu verleihen – oder aber der Grip, die Fähigkeit des Amps zur Kontrolle der Basschassis, sodass es eine regelrechte Dröhnsuppe werden kann, die häufig dann auch die mittleren Frequenzbereiche verdeckt, verschmiert, übertüncht. Und manchmal ist sogar beides der Fall.

Allerdings nicht mit dem Plinius: Beat darf hier zu Recht mit Schlag übersetzt werden, das ist was Physisches. Eigentlich sollte man sogar von schnell gestochenen Geraden sprechen: die sitzen und sind schneller wieder weg als man sie kommen sah. Hier schlabbert garnix. Und da nicht nur kurze Impulse, sondern auch länger anhaltende Klänge im Frequenzuntergeschoss mit viel Struktur und Definition dargeboten werden – wunderbar, wie der E-Bass bei Bag Lady knurrt und schnurrt – hat der Plinius 9200 bei aller Kraft etwas sehr Klares an sich; die unteren Oktaven verbergen nichts. Klasse.

Detail Plinius 9200-Platine

Die Basswiedergabe des Plinius 9200 ist also durchaus auffällig. Allerdings nicht in tonaler Hinsicht – ein „Mehr-als-nötig“ kann ich nicht feststellen -, sondern aufgrund des für meine Ohren weit überdurchschnittlich dynamisch-rhythmischen Verhaltens. Tonal gibt sich der Plinius ziemlich neutral. Ja, wenn man unbedingt ein Tendenzchen heraushören möchte, so lässt sich sagen, dass er eher der leicht crisp-klaren denn der bewusst voll-sonoren oder gar bulligen Seite zuneigt. Wohlgemerkt: ein „Tendenzchen“. Richtiggehende Tendenzen ihrer Raumakustik und des Rests der HiFi-Anlage wird dies nicht konterkarieren.

Für mich war es interessant, den Plinius 9200 mit dem Fonel Emotion zu vergleichen, nicht nur, weil der Deutsch-Ukrainer ungefähr in der gleichen Preisklasse (4.700 Euro) spielt und uns schon länger als Arbeitsgerät und Referenzpunkt dient, sondern weil dessen tonale Neigungen in die entgegengesetzte Richtung weisen. Aber bitte beim Folgenden nicht ins Schwarz/Weiß-Denken verfallen, auch wenn ich kontrastiere – es handelt sich eher um Grauwertabstufungen von einer gedachten neutralen Grundlinie aus, die beiden Vollverstärker zu eigen ist.

Fonel Emotion
Fonels Vollverstärker Emotion

Gleichwohl kommt mir der Fonel eine Spur saftiger im Oberbass vor, während der Plinius im gesamten Untergeschoss härter, schneller, beweglicher agiert, was meiner Meinung nach insbesondere bei rhythmischer Kost Vorteile mit sich bringt; ein gestrichener Kontrabass kann dagegen über den Fonel eine Nuance runder, mit mehr Volumen und daher gefälliger tönen. Mit dem Plinius tönt es ein wenig „näher an der Saite“. Und Rhythmusarbeit von Drum & E-Bass ist mit ihm meist mehr auf den Punkt.

Plinius 9200

Auch im Mittenband unterscheiden sich die beiden Integrierten: Während der Fonel einen etwas kräftigeren, sonoreren Vortrag verfolgt, spielt der Plinius 9200 eher drahtig und im Direktvergleich gehört schlanker und direkter, ohne dabei aber knöchern zu geraten. Die Umschreibung „heller als normal“ ist fast schon zu stark – auf „nicht wärmer als neutral“ könnte ich mich einlassen. In den oberen bis obersten Oktaven besitzt der Neuseeländer Strahlkraft, Glanz und Luftigkeit – für meine Ohren ist der Hochtonpegel perfekt auf dem Pfad der Tugend, nicht zu viel, nicht zu wenig. Vielleicht noch wichtiger: Die Höhenlagen werden gut aufgelöst – wenngleich natürlich Steigerungsmöglichkeiten bleiben – und artefaktefrei dargeboten. Die Folgen dessen?

Test: Plinius 9200 | Vollverstärker

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