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Der Phonosophie Bi-Amp im Hörraum

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  1. 3 Der Phonosophie Bi-Amp im Hörraum

klang phonosophie verstärker

Auch wenn ich mich nicht zu den unbedingten Anhängern der These „viel Watt hilft viel“ zähle: Die erwähnten zwomal fünfundvierzig Watt an acht Ohm lassen die Watt-pro-Euro Ratio des Bi-Amp – zumindest was den Bereich von Class-AB-Transistorverstärkern angeht – in der Tat schon etwas mickrig aussehen.

Allerdings – um das gleich vorweg zu nehmen – wirkt der Phonosophie Amp im Hörraum überraschenderweise alles andere als schmalbrüstig. Aber steigen wir doch gleich mal hemdsärmelig in die Praxis ein und ziehen Extremmusik vom Schlage Skinny Puppy (Album: Mind: The Perpetual Intercourse, 1986) zurate, sprich servieren den opulent-sperrig-krachigen Titel Dig It über meine Thiel CS 3.7 bei einem Lautstärkepegel, skinny puppyder bei manch sensiblen Hörer sicherlich schon Fluchtgedanken auslösen könnte. Und wenn wir es hier freilich auch nicht mit monströsen Monoendstufen zu tun haben – das, was Phonosphies Bi-Amp an rhythmisch-kontrollierter Spielfreude zutage fördert, ist erstaunlich: Die vertrackt-eckige, fast schon als antirhythmisch zu bezeichnende Gangart des Songs kommt anmachend impulsiv, konturiert und federnd, die ebenso bretthart wie abrupt einsetzenden E-Gitarren-Samples so ansatzlos und unmittelbar, dass es mich – ja, keine Frage – schon ziemlich begeistert. Jegliche Befürchtung, die nominal begrenzten Reserven könnten sich in irgendeiner Form als spielverderbend erweisen, war jedenfalls im wahrsten Sinne des Wortes wie weggeblasen.

Und natürlich macht sich das energetisch-dynamische Auftreten des Ingo Hansen Zöglings auch bei der Wiedergabe akustischer Instrumenten bezahlt. potico quartetVorbildlich wie unverschmiert das fast schon die Aufgabe eines Sequenzers übernehmende Daueranschlagen des Pianos im Titel Dawn Patrol der Londoner Jazz-Combo Portico Quartet gerät (Album: Isla, 2009 – ein unbedingter Tipp übrigens, hören Sie mal selbst). Eindrucksvoll wie holzig-schnalzend und explosiv – im Kontrast zur Ruhe und Gleichmäßigkeit, die zu Beginn des Titels von Piano und Chimes ausgehen – die abrupt inszenierten Kontrabassanreißer auf den Plan treten.

Und da wir damit eigentlich auch schon mit einem Auge aufs Thema Bass schielen: Die substanzreichen Tieftonwelten auf Kasper Bjørkes 2010er Album Standing On Top Of Utopia werden, wie ich nach einem ausgedehnteren AB-Vergleich in meinen Notizen festhielt, über den Bi-Amp sogar einen Deut satter/schwärzer sowie konturierter/knackiger gereicht als über meinen eigentlich ausnehmend durchzugsstark agierenden zweimal-Zweihundert-Watt-Verstärker Fonel Emotion. Schon erstaunlich …

Aber nicht nur die Tieftonabteilung macht positiv auf sich aufmerksam: Die im Track You Again zu hörende „Gast-Stimme“ des ebenfalls dänischen Musikerkollegen Jacob Bellens gefällt aufgrund ihrer plastischen, sonoren und gänzlich unbelegten Darstellungsweise, was den vornehmlich elektronisch inszenierten Rest der – übrigens in ziemlich guter kasper bjorkeAufnahmequalität eingefangenen – Musik eine angenehm organische Zusatznote verleiht. Dazu passt auch, dass eine solche Kleinigkeit wie die kurz vorm Refrain einsetzende Violine nicht einfach als irgendein weiterer Klangbaustein in der dichten Soundwelt des Stücks untergeht, sondern – obwohl eben gerade nicht sehr vordergründig eingespielt – die gesamte Musik merklich um eine weitere natürliche beziehungswiese nichtelektronische Facette erweitert. Hm, möglicherweise fragen Sie sich nun, was der Autor mit den letzten Zeilen denn eigentlich genau vermitteln möchte. Okay, um mal auf den Punkt zu kommen: Klangfarben vorbildlich differenziert-unterscheidbar und gänzlich ohne artifiziell-technischen Beigeschmack wiederzugeben, zählt zu den weiteren signifikant ins Ohr fallenden Stärken unseres Phonosophie-Verstärkers.

Tonal befindet sich das Gebotene dabei eher auf der satt-vollen denn betont luftig-leichten Seite, zudem – Stichwort Auflösung – werden Klang-Texturen tendenziell mit einem eher leicht ins kräftigere gehenden als ausnehmend hochfeinen Pinselstrich nachgezeichnet:

Wofür wohl nicht zuletzt die Hochtonwiedergabe des Hamburgers verantwortlich zeichnet: Mozarts Violinkonzerte 3-5, in hervorragender Aufnahmequalität eingespielt von den Trondheim Solistene und Marianne Thorsen (2007) zählt zwar weniger zu meinen Leib- und Magen-Scheiben, eignet sich aber hervorragend als Arbeits-Musik (sorry, eigentlich ein fürchterliches Wort, aber so ist’s nun mal …). Und die auf mozartdieser Aufnahme überraschenderweise zu hörenden Streicher (die unser Proband übrigens abermals auffallend federnd-rhythmisch in Szene zu setzen weiß) weisen über den Bi-Amp eher eine kräftig-kernige, denn betont luftig-offene Note auf. Ja, in Sachen Hochton läuft unser Prüfling – dies ist die eine Seite der Medaille – zu keiner Zeit Gefahr, Spitzen auszufahren oder Härten in die Musik zu bringen. Wie – ich hatte es noch gar erwähnt – er insgesamt für eine äußerst grauschleier- und grizzlefreie Darstellungsweise ausdrücklich zu loben ist – dem Klischee des unangenehme Artefakte in die Musik tragenden Class-AB-Transistorverstärkers entspricht unser Kandidat nun gar nicht.

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Test: Phonosophie Bi-Amp 1-4 | Vollverstärker

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Adam Audio / Hoerzone