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Phonosophie-Philosophie: Technik & Konzept

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Phonosophie-Philosophie: Technik & Konzept

phonosophie verstärker

Fangen wir dabei einfach mal von hinten an, sprich werfen unseren Blick auf die Rückseite unseres Kandidaten: Ausgerechnet die Anschlussart, die den meisten Hörern wahrscheinlich die „vertrauteste“ sein wird, fehlt bei unserem Bi-Amp 1-4: Herr Hansen steht, was Hochpegeleingänge betrifft, in guter alter Naim-Tradition auf DIN-Buchsen und sieht Cinch-Anschlüsse – ebenso wie XLR-Anschlüsse und die symmetrische Signalführung generell – als die signifikant schlechter klingenden Alternativen an. Was dazu führt – sofern man sich nicht auf irgendwelche Kompromisse mit Adapteraufsätzen einlassen möchte -, dass mit einem neuen Phonosophie-Amp in der Regel wohl auch neue NF-Kabel fällig werden.

phonosophie
Nicht verwendete Eingänge werden mit den beiliegenden Blindsteckern versehen

Entsprechende Cinch/DIN-Strippen gehören jedenfalls nicht mit zum Standardzubehör des Bi-Amps, hierfür sind vielmehr noch einmal 250 Euro in die Hand zu nehmen, aber ein bisschen Verhandlungsmasse sollte bei einem Verstärker in dieser Preisklasse ja eventuell auch noch drin sein … Entscheidet man sich für ein optional buchbares Phonoteil (ab 400 Euro), hat‘s als weitere Schnittstelle dann übrigens noch eine BNC-Buchse – die ebenfalls einen entsprechenden Stecker am NF-Binder oder wiederum einen Adapter erfordert.

kabelbaum ausgang

Der Bi-Amp 1-4 verfügt über zwei separate Stereo-Kanäle beziehungsweise ist für den Bi-Amping-Betrieb ausgelegt (was acht Lautsprecherbuchsen zur Folge hat)

Auffällig ist zudem das (lediglich für Bananas zugängliche) vierkanalige Lautsprecherterminal. Ja, in unserem Probanden – der nicht ohne Grund Bi-Amp 1-4 heißt wohnen zwei „Motoren“, das heißt jeder der beiden Stereo-Lautsprecherabgriffe wird über einen eigenen Endverstärker angesteuert. Bi-Amping Freunde werden dies als interessantes Feature sehen – wer sich aber ausschließlich auf die „normale“ Single-Ansteuerung fokussieren will beziehungsweise einen Stereo-Kanal für hinreichend hält, kann 900 Euro sparen und für 4.900 Euro den ansonsten gleich aufgebauten Bi-Amp 1-2 wählen.

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Auffallend akkurat und „klassisch“ gebaut gibt sich das Innere des Phonosophie Bi-Amp Verstärkers. Die ausschließlich (wenn auch sehr solide) mit der Platine verankerten, ohne zusätzliche mechanische Entlastung auskommenden Phono-BNC-Buchsen kann man bekritteln.

Bevor wir uns den inneren Werten des Hamburgers zuwenden, noch kurz ein paar „oberflächliche“ Bemerkungen: Das Gehäuse des Bi-Amps wirkt auf den ersten Blick recht unspektakulär. Sowohl auf den zweiten Blick als auch haptisch macht das vier Millimeter starke Aluminium Kleid aber einen wertigen, sehr sauber verarbeiteten Eindruck und gibt sich beim Klopftest angenehm „unblechern“. Bei Phonosophie ist man den Überzeugung, dass opulent ausgeführte, schwere Verstärker-Konstruktionen mit Blick auf das Schwingungsverhalten klanglich eher nachteilig sind – mit 8,5 Kilogramm gehört der Bi-Amp denn auch sicherlich zu den, na sagen wir mal, portableren Vertretern seiner Preisklasse, als Paradeexempel eindrucksheischender Materialschlacht geht er insgesamt eher weniger durch.

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Nach alter Väter Sitte: Ein ausschließlich direkt per Hand zu bedienender Eingangswahlschalter inklusive Tape-Monitor sowie zwei Drehregler für Balance und Laustärke (beides Alps-Potis) bevölkern die Front des Bi-Amps. Die Eingangswahl erfolgt im Inneren über einen nahe den DIN-Eingängen angeordneten mechanischen Schalter

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Wenig eindrucksheischend geben sich zudem die pro Stereo-Kanal erzielbaren 2 x 45/70 Watt (4/8 Ohm) – bereitgestellt von einem 250VA Ringkerntrafo und flankiert von 30.000 µF Siebkapazität. Allerdings basieren diese Daten Phonosophie zufolge nicht auf falscher Bescheidenheit, sondern auf dem Umstand, dass es – bei von Phonosophie nicht geleugneter grundsätzlicher Vorteilhaftigkeit hoher Potenz – insbesondere auf die Stromlieferfähigkeit eines Verstärkers ankäme: Der Bi-Amp liefere Impulsströme von bis zu 20 Ampere und käme dabei in der Spitze auf 570 Watt Aber wie auch immer: Wir werden die zugehörigen Themen Dynamik, Spielfreude und Pegelfestigkeit im Klangteil dieses Berichtes logischerweise eh noch einmal aufs Tapet bringen.

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Sehr wohlwollend werden die meisten Hörer wohl die 18 Watt Leistungsaufnahme zur Kenntnis nehmen, die ich beim Phonosophie Bi-Amp im Leerlauf maß – auch für ein Class-AB Konzept, wie unser Proband eines ist, ein als äußerst genügsam einzustufender Wert.

Mit pro Kanal zwei bipolaren Leistungstransistoren in der Ausgangstufe – jeweils ein Transistor übernimmt dabei arbeitsanteilig die Verstärkung einer Signalhalbwelle – hat sich das Phonosophie Team für die Minimal-Lösung einer Push-Pull-Schaltung entscheiden, was einerseits gegenüber Konzepten mit mehreren Transistoren potenziell verzerrungsminimierend wirken kann (alleine aufgrund von Bauteiletoleranzen arbeiten mehrere, gemeinsam eine Halbwelle verstärkende Transistoren in praxi niemals perfekt synchron zusammen), andererseits technisch aber logischerweise die maximal realisierbare Leistungsfähigkeit eines Verstärkers deckelt.

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Mit Blick auf die Platinen-Technik geht es bei Phonosophie generell eher „old school“ zu: Ein Freund von SMD Technik (Surface Mounted Device, der eigentlich modernere Ansatz, bei welchem die Bauteile ohne „Drahtbeinchen“ auskommend direkt mittels spezieller Lötflächen auf die Platine gebracht werden und dem man nicht zuletzt Vorteile in puncto HF-Eigenschaften oder geringeren Induktivitäten nachsagt) ist man bei Phonosophie offensichtlich nicht, sondern setzt durchweg auf die traditionellere Durchsteckmethode:

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Bei der althergebrachten Durchsteckmethode werden die „Beinchen“ der Bauteile durch die Platine beziehungsweise vorgesehene Löcher gesteckt und dann von unten verlötet. Mit Ausnahme der Bi-Butt-Platine sind im Bi-Amp alle Lötpunkte durchkontaktiert.

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Die nicht durchkontaktierte Bi-Butt-Platine

In Verbindung mit der Verwendung von durchkontaktierten Platinen – bei denen typischerweise sowohl auf der Ober- als auch Unterseite Leiterbahneben verlaufen, welche im Bi-Amp an allen Lötpunkten elektrisch verbunden („durchkontaktiert“) sind – verspricht sich Phonosophie einerseits bessere/sicherere Lötstellen, da sich die Durchkontaktierungen – und somit alle „Platinen-Löcher“, in welchen die Bauteilbeinchen stecken – komplett mit Lot füllen. Zum anderen kommt das Platinenlayout durch entsprechende Abstimmungen der oberen und unteren Leiterbahnsysteme gänzlich ohne Drahtbrücken aus. Den möglichst ungehinderten Stromfluss weitergehend unterstützend, weisen die Leiterbahnen eine Schichtstärke von 105 µm Metern auf – was, um einen Anhaltspunkt zu geben, dem Dreifachen des Industriestandards entspricht.

Wir bleiben weiter beim Thema „Leiterplatte“: 750 Euro Aufpreis kostet die unserem Testmodell innewohnende Bi-Butt-Platine – eine recht interessante Phonosophie-Besonderheit. Diesem Feature kommen gleich zwei Aufgaben zu: Zum einen – entscheidend beim erwähnten Bi-Amping-Betrieb – lassen sich mittels Schraubenzieher die Pegel der vier Kanäle auf Bruchteile eines Dezibels genau justieren, was der „richtigen“ oder einfach der dem eigenen Hörgeschmack entsprechenden Verhältnissetzung von Hochmittelton- und Tieftonanteil zugutekommt.

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Diese kleinen Schräubchen auf der Bi-Butt-Platine dienen zum Pegelabgleich der vier Kanäle

Die der Bi-Butt Platine innwohnende und mit 18 dB Flankensteilheit agierende Butterworth-Filterung erfülle Phonosophie zufolge zum anderen den Zweck, die grundsätzlich innerhalb einer Bandbreite von 5 – 65.000 Hz arbeitende Verstärkung des Bi-Butt Amps (als ausnehmend „schneller“ Amp geht der Bi-Butt vom Datenblatt also nicht durch) von nicht hörrelevanten, aber die Verstärkung belastenden Frequenzanteilen sowie nicht zuletzt hochfrequentem Signalmüll zu befreien. Bei einer Trennfrequenz von 14 Hz erfahren die Lautsprecherausgänge 1 und 2 nach unten hin eine Bassfilterung, ab 30.000 Hz die Ausgänge 3 und 4 eine Hochtonfilterung. Fährt man den Bi-Amp 1-4 im Single-Amping Betrieb (was ich während meiner Hörrunden – auch meinen lediglich mit Single-Wiring Terminal ausgestattetem Thiel CS 3.7 und Sehring S703SE geschuldet – vornehmlich tat), empfiehlt Phonosophie übrigens die Verwendung der Kanäle 3 und 4. Entsprechend kommt die bereits erwähnte rein zweikanalige Bi-Amp 1-2 Version ausschließlich mit hochtonseitiger Butterworth-Filterung daher.

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Die mitgelieferte Fernbedienung. Steuern ließ sich mit dieser allerdings ausschließlich der Lautstärkepegel. Auch in den Stand-By-Betrieb ließ sich nicht wechseln, bei gemessenen 18 Watt Leerlauf-Leistungsaufnahme geht das aber als verschmerzlich durch

Test: Phonosophie Bi-Amp 1-4 | Vollverstärker

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