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Neat Motive SE2 – wir wollen hören!

Inhaltsverzeichnis

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Simple Minds / Best ofGenug der Belehrungen, wir wollen hören! Die guten, alten Simple Minds, deren letzte Elaborate bedauerlicherweise als haarsträubender Schleim und Pomp bezeichnet werden müssen, haben bereits anno 2001 ihr bedeutend anspruchsvolleres Frühwerk remastern lassen – und das ist sehr gelungen, wie man auf der Doppel-CD The Best of Simple Minds deutlich hören kann. Von Loudness-War keine Spur, hier wurde beim Remastering schlicht und einfach die mit Fritierfett bedampfte Stoffgardine vor den Lautsprechern entfernt, die Aufnahmen klingen nun detailreich, klar und knackig. Los geht’s mit „Don’t you“, zugegebenermaßen echte Klassensprechermusik, aber ich mag’s immer noch beziehungsweise schon wieder.

Neat Motive SE2Schon bei den ersten Takten reibe ich mir die, ähem, Ohren. Wo um alles in der Welt kommen diese Bässe her? Wir reden hier von echten Standbox-Zwergen, und trotzdem ist der Bass tief, definiert, knackig. Die Bassdrum-Attacken kommen präzis-federnd und das von Milliarden von Schlagzeugschülern wohl meistgeübte Schlagzeugbreak der Welt (03‘42“) fliegt und zischt einem geradezu mit Wonne um die Ohren. Der Track „Waterfront“ befindet sich ebenfalls auf der CD – er beruht im Grunde auf einem stumpfen Bass-Synthesizer-Ostinato, steigert sich durch geschickten Dynamikaufbau dann aber doch auf interessante Weise. Der Bass-Synth kommt mit einer geradezu frechen Ungerührtheit aus der Hüfte, präzise und wiederum unerwartet tief. Weiterhin höre ich offene, transparente, ausdifferenzierte Höhen.

Höhen, die ich auf diese ganz spezielle Weise bisher eher selten gehört habe, es scheint mir gerade so, als hätten die Lautsprecher eine Art „Hochton-Lupe“. Die oberen Lagen sind bei der gerade anliegenden mittleren Abhörlautstärke nicht wirklich lauter als der Rest der Frequenzskala, aber gleichwohl: Es ist, als würde man den Bereich, in dem sich Obertonreiches wie Becken und Konsorten aufhalten, wie beim iPhone oder iPad mit zwei Fingern auf dem Touchscreen größer ziehen, auf dass man jedes Detail genau erkenne. Bei Crashbecken klingt wirklich jeder Anschlag völlig anders, zudem kommt alles luftig, fein und mühelos rüber. Erstaunlich, wirklich.

YelloBleiben wir bei schlagzeugbetonter Musik: Yello – „Tub Dub“. Ein kleiner, böser 2-Minuten-Track, der hauptsächlich von Offbeat-Gitarren, Geräuschen und einem sagenhaft präzisen Schlagzeugspiel lebt. Und natürlich, schließlich ist es Yello, von einer recht „wilden“ Produktion (Snare und Hi-Hat maximal komprimiert, Toms mit brutalen Gate-Reverb und geisteskranken Early Reflections-Einstellungen). Auch hier ist der Klang wieder crisp, knackig, mit durchaus substanziellen Bässen, einem geradlinig durchgezeichneten Mittenbereich und den bis ins letzte Detail ausgeleuchteten Höhen.

Neat Motive SE2

Philip Boa / Diamonds FallWeiter geht’s mit Philip Boas Album Diamonds Fall, für mich nach dem frühen Aristocracy seine beste Platte. Lupenreiner Pop mit Widerhaken-Refrains und klugem Songwriting, absolut süchtig machend (mich jedenfalls). Die Hymne „Jane Wyman“: Geräusche, synthetische Streicher, flirrende Harfen, das an Ghostnotes reiche Schlagzeugspiel von Jaki Liebezeit – und dann Boas leicht kratzige Stimme, die sich schon nach einer kurzen Strophe zu einem geradezu sinfonischen Refrain mit fingerschnippender Lässigkeit aufschwingt, wie man hier unschwer hören kann. Wieder ist die Feinzeichnung ein absoluter Genuss, und was ich an der Gesamtgeschichte nicht recht verstehe ist, wie diese wirklich glasklar funkelnden Höhen sich so gut ins Gesamtbild einfügen können, dass am Ende doch etwas Homogenes, Ganzes herauskommt.

Conor OberstDas funktioniert auch bei akustischer Musik: „Cape Canaveral“ vom Bright-Eyes-Frontmann Conor Oberst klingt nah und intim. Die als Percussionersatz zugleich geklopfte und gespielte akustische Gitarre klingt angenehm holzig, der gedoppelte und damit etwas „dreckig“ wirkende Gesang sauber und nah.

Test: Neat Acoustics Motive SE2 | Standlautsprecher

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