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NAD M2 Verstärker: Technik & Konzept

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 NAD M2 Verstärker: Technik & Konzept

nad m2 technik

Der NAD M2 gehört zur letzteren und damit selteneren Art der beiden beschriebenen Class-D Verstärkertypen – die interne Signalverarbeitung erfolgt bei ihm bis in die Endstufe hinein (an deren Lautsprecherausgängen nach Filterung der Schaltfrequenz freilich ein rein analoges Signal rekonstruiert wird) auf digitaler Ebene – der M2 ist also ein echter Digitalo, wenn man so will.

NAD (www.nad.de) sieht in dieser Lösung den Vorteil, dass „bei der Vorverstärkung und Signalverarbeitung (Lautstärke- und Klangeinstellung) alle analogen Beeinflussungen wie Rauschen, Brummen und Verzerrungen konsequent vermieden“ werden und umschreibt den M2 auch als „prinzipiell überdimensionalen D/A-Wandler“ (nebenbei: mit 2 x 200 Watt/8 Ohm ist der M2 allerdings auch für einen Vollverstärker sehr ordentlich dimensioniert), was praktische Konsequenzen nach sich zieht:

nad m2 anschlüsse

Zum einen schreit ein solches Konzept förmlich nach digitaler Einspeisung und damit einhergehend einer gewissen Vielfalt an digitalen Schnittstellen – eingangsseitig hat’s derer fünf am M2: 2 x RCA/Coax, 2 x optisch und 1 x AES/EBU, wobei sich unser Proband sowohl mit 44,1kHz/16Bit als auch hochauflösend bis zu 192kHz/24 Bit füttern lässt. Digitaler Ausgang wird ebenfalls gewährt – sowohl via RCA als auch optisch.

Zum anderen ist dem M2 eingangsseitig zwar auch anlog beizukommen – möglich entweder mittels Cinch– oder symmetrischer nad m2 XLR-Verbindung -, allerdings werden diese Signale zur weiteren Verarbeitung ohne groß Federlesens von einem Texas Instruments PCM4222 AD-gewandelt und auf wahlweise 48,96 oder 192 kHz sowie pauschal 24 Bit Wortbreite resampled. Ergo bekommt das analog zugeführte Musiksignal einen zusätzlichen – wenn auch über einen hochwertigen Baustein erfolgenden – Verarbeitungsschritt aufgebrummt. NAD zufolge sind die digitalen Eingänge den analogen dann aus klanglicher Sicht auch vorzuziehen. Und logischerweise habe ich selbst in dieser Hinsicht ebenfalls Vergleiche angestellt, im Klangteil werden wir noch einmal kurz darauf zurückkommen.

Sind digital zugeführte Musik-Daten bis 24 Bit verarbeitbar beziehungsweise werden analoge Signale gleich nach Eingang pauschal auf 24 Bit digitalisiert, so ist seitens NAD dennoch von einer großzügig dimensionierten 35 Bit-Signalverarbeitung die Rede – was im ersten Moment etwas unverständlich anmuten mag.

Seine Ursache hat diese Großzügigkeit in einem gewollten „Headroom“ bei der weiteren Datenverarbeitung/-aufbereitung: Rechenschritte lassen sich so rundungsärmer und damit verlustfreier durchführen. Um den Sinn des Ganzen ganz plakativ zu veranschaulichen, kann man sich einfach einen (recht großen (-;) Taschenrechner vor Augen halten: Werden in diesen 24stellige Zahlenwerte eingegeben und anschließend Rechenschritte vollzogen, so kann das Resultat leicht mehr als 24 Stellen aufweisen – ein Rechner, der in der Lage ist, auf 35 Stellen genau anzuzeigen, vermag dabei eben exaktere Ergebnisse zu liefern als ein 24stelliger Taschenrechner.

nad m2 technik innen-ansicht

Diese einheitliche interne 35 Bit Rechenbasis ist nicht zuletzt auch Grundlage für einen Kniff, auf den das NAD‘sche Entwicklungsteam besonders stolz zu sein scheint – nämlich die digitale Rückkopplung (DDFA™: Direct Digital Feedback Amplifier), welche vor dem Lautsprecherausgang eine weitere Rechenoperation anstellig werden lässt. Zusammen mit dem in der Nähe von Manchester beheimateten Halbleiter-Spezialisten Zetex wurde eine Schaltungstopologie entwickelt, die NAD zufolge jede „noch so kleine Abweichung von der erzeugten Pulsform als Fehler indiziert“. Das Ausgangs-PWM-Signal wird dabei mit einem zusätzlichen, im M2 eigens als Referenz generierten PWM-Digitalsignal abgeglichen; etwaige zu eliminierende Fehler können sich dabei auf die Amplitude des Pulses (beispielsweise verbliebender Ripple vom Netzteil), dessen Weite oder Verrundungen an den Kanten beziehen – allessamt Missstände, die ansonsten unmittelbare Auswirkung auf das Musiksignal hätten.

nad m2

Eine nicht gerade untypische Problemstelle für Class-D Verstärker stellt ja insbesondere der Hochtonbereich dar, nicht zuletzt weil das die Schaltfrequenz (beim NAD recht hohe, auflösungsförderliche 108 MHz) aussiebende Ausgangsfilter auch von der Impedanz der anhängigen Lautsprecher beeinflusst wird, was wiederum Auswirkungen auf den Pegelverlauf des Hochtons nehmen kann. Um diesem zu begegnen, hält NADs M2 ein spezielles Digitalfilter zur Impedanz-Anpassung an die Lautsprecher bereit, welches problemlos auch während des laufenden Musikbetriebes justiert (dies geschieht im relevanten Menüpunkt mit dem Lautstärkerad; einstellbare Ohm Werte: 2,4,5,6,7,8,>8) und damit quasi „live“ ausprobiert werden kann. Was ich selbst freilich ebenfalls getan habe, im Klangteil des Berichts kommen wir darauf kurz zu sprechen.

nad m2 lautsprecherklemmen

Und da wir gerade bei der Bedienung unseres Probanden sind: Neben dem eigentlich obligatorischen NAD’schen Soft Clipping (hier auf digitaler Ebene arbeitend und auf der Rückseite des Gerätes „scharf“ zu stellen) und der Option, die Signalphase zu invertieren, besteht für die analogen Eingänge zudem die Möglichkeit, deren Empfindlichkeit zu justieren: Vierstufig von -9 bis 0 dB lässt sich’s regeln, zudem ist – als fünfte Stufe – eine fixed-Einstellung wählbar. Zu letzterem eigentlich sehr willkommenen Feature heißt es in der Bedienungsanleitung: „Diese Einstellung sollte gewählt werden, wenn der M2 am Ausgang eines Vorverstärkers angeschlossen und primär als Endverstärker verwendet wird. Der Ausgangspegel ist fixiert und der Lautstärkeregler des M2 wird umgangen.“

nad m2

Was freilich dazu führt – will man bei laufender Musik zwischen 0-9dB probieren und dreht versehentlich einen Zacken zu weit -, dass das Quellsignal volle Lotte verstärkt, sprich an die Lausprecher weitergereicht wird: Ein kurzer Augenblick höllischer Lärm, das Wörtchen „Shortcut“ (wohl den erhöhten Gleichstromanteilen im Clippingbereich geschuldet) im M2-Display und dann plötzliche Stille – die Sicherungsschaltung des NAD, ähem, arbeitete zuverlässig -, so lassen sich die durchlebten Ereignisse in meinem Hörraum beschreiben, begleitet von einem so mittelmäßigen Schreck, ich hatte zu diesem Zeitpunkt auch noch keinen Blick ins Manual geworfen. Nee, liebes NAD-Team, das Bedienkonzept ist ansonsten eigentlich ein klares Lob wert, aber so ganz easy, ohne Warnmeldung oder zweiten Tastendruck mir nichts dir nichts durchschleifen, finde ich, dezent ausgedrückt, eher second-best …

nad m2

Bevor wir uns dem klanglichen Charakter unseres Probanden zuwenden, der Vollständigkeit halber noch zwei praxisrelevante Hinweise: NAD gesteht seinem M2 einen erhöhten Einschaltstrom zu, der theoretisch das Ansprechen von Haus-Sicherungen provozieren kann – meine 16A Schmelzsicherungen machten in dieser Richtung allerdings keinerlei Anstalten. Zudem heißt es seitens NAD: „Aufgrund seiner besonderen Technologien und Hochfrequenz-Abschirmungen muss der M2 an eine ‚geerdete Steckdose‘ angeschlossen werden, das heißt der Masseanschluss der Steckdose muss real mit Erde verbunden sein.“ Ein Problem sollte dies im Rahmen der meisten Anwendungsbereiche aber freilich nicht aufwerfen.

nad m2

Der M2 hat ein schickes Display – einen Tick schicker wär’s allerdings noch, wäre die Schrift einen Deut größer geraten, um auch vom Sofa aus ohne Augenkneifen ablesen zu können

Test: NAD M2 | Vollverstärker

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