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Nubert

Klang ZU Audio Presence

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Klang ZU Audio Presence

Wer maximales Auflösungsvermögen, besondere Luftigkeit im Hochton oder auch eine holografisch zu nennende Lokalisationsschärfe von seinen Lautsprechern verlangt, wird wohl – ganz allgemein betrachtet – ein paar Probleme mit der ZU Audio Klangphilosophie haben. Nicht, dass diese Dinge so fürchterlich schlecht wären – nein, das ist schon alles okay, aber eben auch nicht weltmeisterlich. Sowohl zur Druid als auch zur Presence gibt’s da bessere Alternativen am Markt, sollten die genannten Parameter ganz oben auf der Wunschliste stehen.

Sean und Adam von ZU Audio
ZU Audio-Chefs: Sean Casey links, Adam Decaria rechts

Der Cocktail der Amis, wenn ich’s mal so nennen darf, besteht in der Hauptsache denn auch aus anderen Zutaten. Zu gleichen Teilen kommen Unmittelbarkeit, maximales Tempo, dynamischer Realismus und tonale Ausgewogenheit ins Glas. Dann wird kräftig geschüttelt, damit keine Zutat auf Kosten der anderen den Geschmack dominiert – und zum Schluss noch ein Schuss „imposante Räumlichkeit“ hinein. Cheers! Etwas flapsig formuliert, ich weis, aber trotzdem: Wem nicht der Sinn danach steht, seinen Raum mit Musik zu füllen, sondern lieber in vier Meter Sicherheitsabstand ein Streichquartett präzise umrissen sitzen haben möchte, und sich dann immer darauf freut, dass bei 2:37 Minuten ein kleines Kolophonium-Wölkchen auf den Boden rieselt … nun ja, der gehört wohl nicht gerade zur Kernzielgruppe der ZU-Mannen.

ZU Audio Presence: oberes Anschlussfeld

Und so enthält auch die ZU Audio Presence alle oben genannten Zutaten, fügt dem allerdings die Geschmacksrichtung „Full-Range“ hinzu – mit beträchtlichen Auswirkungen. Man muss sich das mal vorstellen: Kritische Highender sitzen neugiergetrieben auf meinem Sofa – und fangen an zu lachen. Ein ganz außergewöhnliches Phänomen …;-) Aber zum offensichtlichen Unterschied etwas später, ich fange lieber oben an.

ZU Presence: Hochtöner

Der Hochton der ZU Presence ist offener und deutlicher als der der kleinen Schwester Druid. Für meine Begriffe fügt er sich nahtlos an die Mitten an, und pegelmäßig brauche ich bestimmt nicht mehr. Dass der Hochton klarer rüberkommt als bei der Druid, liegt wohl zum Teil an dem schon erwähnten 3dB-Pegelunterschied, mit dem der Tweeter spielt. Bestimmt aber auch an dem anderen Breitbandtreiber, der in der Presence Verwendung findet – und an dem Umstand, dass dieser (im Gegensatz zur Druid) in einem recht kleinen geschlossenen Volumen arbeitet. Wie auch immer: Aufgelöster dürften sich die oberen Oktaven aber trotzdem geben, schließlich geht es hier um einen plus-10-kEuro-Wandler. Da gibt‘s wesentlich günstigere Lautsprecher, die auf diesem Gebiet mehr leisten. Allein, es stört mich nicht, die ganze Geschichte hört sich, nach „üblichen“ HiFi-Kriterien bemessen, sowieso etwas anders an …

ZU Audio DruidDie Presence klingt insgesamt „heller abgemischt“, die oberen Mitten kommen klarer, frischer und detaillierter als über die ZU Druid (Bild rechts). Ich würde sogar behaupten, sie klingt damit Mainstream-kompatibler in dieser Hinsicht, denn „Heller als die Druid“ heißt nichts anderes als circa Normal Null, wenn man den „Lautsprechermarkt insgesamt“ betrachtet. Die Kehrseite der Medaille ist, dass sie etwas präsent tönt – nomen est omen? – und das kann mir manchmal doch zu viel werden. Zumindest unter den gegebenen Rahmenbedingungen, die dieser Lautsprecher setzt: Extremes Tempo und Dynamik, gerade auch in den Mitten – das ist einfach nur unmittelbar, ich liebe es. Und recht direkt spielt sie auch hinsichtlich der räumlichen Darstellung, es ist schon ein Schritt vor die Grundlinie.

ZU PresenceDas Problemchen lässt sich allerdings in den Griff kriegen, und zwar durch Experimente mit unterschiedlicher Elektronik: Die ZU Presence reagiert im Präsenzbereich empfindlicher auf den vorgeschalteten Verstärker als die kleine Schwester. Man darf das durchaus auch durchlässiger nennen, nicht so „verzeihend“ bzw. neutraler spielend als das kleinere Modell der Amis. Jedenfalls ist die Qualität der Wiedergabe in diesem Bereich gut steuerbar. Die andere Sache ist ‘ne subjektive Geschichte: Ich schätze an der ZU Druid besonders, dass sie den Grundtonbereich voll aufträgt. Da ist anständig Fleisch am Knochen und gleichzeitigt (wichtig!) ist sie dabei superschnell unterwegs – agil, lebendig und sexy kommt das rüber. Musste auch mal wieder gesagt werden. So: Die Presence ist keinen Deut langsamer unterwegs, aber ich müsste mich schon sehr irren, wenn sie nicht so zwischen 80 und 250 Hz relativ schlanker zu Werke geht. Vielleicht liegt es also am nicht so vollen Grundton, dass ich die Presence präsenter empfinde? Könnte sein …

Man kann die beiden letzten Absätze also auch so zusammenfassen: 90% aller Hifiisten würden wahrscheinlich sagen, die Presence klänge tonal neutral – allgemein betrachtet. Jedenfalls neutraler als die ZU Druid, nicht so „holzig“ – was ich dann etwas kleinlaut zugeben müsste, allerdings zu bedenken gäbe, dass Holz ja auch nicht der übelste Werkstoff sei. Kommen wir zum Bass …

Test: ZU Audio Presence | Aktivlautsprecher, Standlautsprecher

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