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Audio-Technica ATH-W1000X: Klangliches

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Audio-Technica ATH-W1000X: Klangliches

Die erste Aufnahme, die nach dem Auspacken in den Player wanderte, war etwas Elektronisches. Das letzte Werk von Björk. „Volta“ bietet einerseits eingängige, aufgedickte Beats von Produzent Timbaland und andererseits in vielen Stücken ein Blechbläserorchester. Der W1000X zeigte seine Stärken hier das erste Mal. Er schafft es, die recht voluminösen Bässe zu bändigen und hält den Rhythmus der Musik dank der hohen Impulstreue sehr gut aufrecht. Mit vielen anderen Systemen kann es passieren, dass die Bässe zu einem dicken, einheitlichen Untergrundteppich verwaschen. Andererseits schafft es der Audio-Technica auch, die Blechbläser sehr lebendig zu präsentieren und nicht in einen Discosound zu verfallen, der alles dem pumpenden Bass unterordnet.

Björk Volta

Beides habe ich erhofft beziehungsweise erwartet, da sowohl eine hohe Impulstreue, als auch leichte Betonung in den Höhen (mehr dazu weiter unten) zur typischen Charakteristik der mir bekannten Audio-Technicas gehört. Die Besonderheit des W1000X ist nun, diese Stärken mit einer sehr natürlichen Wiedergabe zu kombinieren – und dies in zweierlei Hinsicht. Einerseits schaffen es fast alle Kopfhörer der W-Serie, im Gegensatz zu einigen geschlossenen Modellen aus der A-Serie von Audio-Technica, keine künstliche Klangfärbung einzubringen, das heißt Instrumente klingen ausgesprochen echt und organisch. Andererseits hat der W1000X in den Mitten das nötige Volumen, um sowohl Instrumenten als auch Stimmen mehr Fundament zu bieten. Hieran scheiterten für mich viele Audio-Technica-Modelle in der Vergangenheit. Frauenstimmen wurden durch die leicht betonte Brillanz in den Höhen ausgesprochen ansprechend und lebendig wiedergegeben – Männern hingegen fehlte der nötige Körper, um wirklich präsent zu sein.

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Den perfekten Test für diesen Aspekt bietet für mich eine gute Opernaufnahme. Ich habe hierfür den „Tannhäuser“ unter Solti gewählt. Nur wenige Stücke verlangen dem Tenor so viel stimmliche Variation ab. Im ersten Aufzug muss Heinrich absolut ebenbürtig zur verfluchenden Venus sein. Fehlt hier die nötige Kraft, dann beeindrucken allein die hohen Spitzen der weiblichen Stimme.

Doch der W1000X schafft es, das Paar ebenbürtig gegeneinander singen zu lassen. Auch die sehr gewaltigen Einsätze des männlichen Pilgerchores bildet der W1000X dank ausreichender Dynamik überzeugend ab. Am Ende des zweiten tannhäuser solti Aufzugs, dem Sängerkrieg auf der Wartburg, geben Solisten und Chor den Gegenpart zu Heinrich ab. Der Audio-Technica kann die Verhältnisse in den Wagner-typisch pompösen Szenen sehr gut darstellen. Besonders Kopfhörer mit kleinen Treibern haben bei derartigen Stellen häufig Probleme und komprimieren den Klang, wodurch die Stimmkraft des Chores reduziert wird. Man hat nicht mehr das Gefühl, dass ein starker Chor mit voller Kraft singt – die durch die Stimmenanzahl geforderte Lautstärke scheint reduziert. Der W1000X jedoch lässt den Chor sehr eindrucksvoll und stark erklingen – genau so, wie es sich auch live verhält.

Der dritte Aufzug schließlich fordert nun die Heldentenorstimme mit viel Pathos und Nachdruck. In der Romreise kann der Tenor seine ganze Variation einfließen lassen. Dies ist für mich nicht die große Stärke des W1000X. Das verstärkte Volumen in den Mitten verbessert – wie gesagt – die überzeugende Darstellung von Männerstimmen enorm. Dennoch behält der W1000X eine Betonung der Bässe und Höhen. Mittenstärkere Kopfhörer wie beispielsweise ein AKG 501 schaffen es besser, die Details der Stimme herauszuarbeiten. Während dies beim AKG mühelos nebenbei gelingt, muss man beim W1000X wirklich darauf achten – jedoch unterschlägt er keine Nuance und zeigt die klangliche Kapazität von Rene Kollo bei dieser Aufnahme.

Hat mich der W1000X also bei Klassik nicht enttäuscht, sollte er sich im Folgenden einer weiteren Herausforderung stellen: Bluesrock. Als Album wählte ich das letzte Studioalbum des US-Amerikaners Ben Harper „White Lies for Dark Times“, welches er mit seiner Band, den Relentless7 einspielte. Die Musik charakterisiertben harper sich in den Mitten durch ihren erdigen und dichten Sound und bietet mit Ben Harper als Sänger eine recht klare und weniger voluminöse Stimme als Gegenpart. Zugegeben: Diese Musik war eine wirkliche Herausforderung für den Audio-Technica, wenn man die leichte Mittenschwäche bedenkt – normalerweise würde ich hier anderen Hörern den Vorzug geben. Perfekter Partner ist für mich ein etwas dunklerer Hörer wie der Sennheiser HD650. Doch enttäuscht war ich nach dem Album nicht. Die Trennung der einzelnen Instrumente gelang ihm ausgezeichnet, ohne dabei die Aufnahme auseinander zu nehmen. Die Stimme Ben Harpers war immer klar und im angenehmen Abstand lokalisiert, während die sehr starke rechts-links Trennung einiger Instrumente unangestrengt in den Hintergrund gestellt wurde.

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Test: Audio-Technica ATH-W1000X | Kopfhörer

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