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Technik Thiel SCS-4

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thiel scs4

Dieses Markenzeichen hat natürlich einen technischen – und wie wir hoffentlich noch sehen werden – auch einen klanglichen Hintergrund, haben Weichen mit einer Flankensteilheit von 6dB pro Oktave (Filter erster Ordnung) doch grundsätzlich den Ruf inne, für eine bessere Phasenlinearität zu sorgen – im Vergleich zu steilflankigeren Filtern zweiter, thiel scs4dritter und vierter Ordnung (12dB, 18dB, 24dB). Als nachteilig sind dagegen die sich ausweitenden Arbeits- und Überlappungsbereiche der beteiligten Chassis ins Feld zu führen, was zum einen jedem einzelnen Treiber logischerweise mehr Arbeitsbelastung aufbürdet, zum anderen klangschädlichen Interferenzen förderlich sein kann.

Interessant mag’s sein, in diesem Zusammenhang mal etwas Grundsätzliches zu erwähnen: Termini wie „xy dB Flankensteilheit“ oder thiel scs4„Phasenlinearität“ hören sich im ersten Moment zwar nach etwas Handfestem an, sagen aber oftmals eher wenig bis rein gar nichts aus. Die Gewissheit, dass eine elektrisch mit xy dB trennende Weiche zum Einsatz gelangt beziehungsweise man über einen elektrisch phasentreu („zeitrichtig“) spielenden Wandler verfügt, ist wenig wert, wenn am Ende – nämlich akustisch – etwas ganz anderes herauskommt. Die deklarierten Angaben lassen aber häufig das entscheidend einflussnehmende Zusammenspiel zwischen Weiche und Chassis beziehungsweise das Einmischen der Treiber außen vor.

„Klar“ ist also: 6dB (akustisch) und 6dB (elektrisch) müssen nicht unbedingt das Gleiche sein. Eine Feststellung, auf die man bei Thiel großen Wert legt: Wahrhaft phasenkohärente, „zeitrichtige“ Wiedergabe (deren Vorteilhaftigkeit ja, nebenbei bemerkt, ebenfalls Gegenstand vieler kontrovers geführter Diskussionen ist) sei nämlich ausschließlich mittels „echter“ akustischer 6dB Trennung realisierbar, so die Grundüberzeugung der Amerikaner.

Nun, unabhängig davon, ob eine derartige Filterung tatsächlich der einzige Weg nach Rom ist: Fest steht, dass Thiel-Wandler in Sachen Sprung- und Impulsantwort regelmäßig hervorragende Messergebnisse liefern.

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Um sich dem Ideal der zeitrichtigen Punktschallquelle so weit wie möglich zu nähern, was durch eine räumlich versetzte Treiberanordnung ja automatisch konterkariert werden würde, setzt Thiel aber noch auf ein weiteres „Markenzeichen“: Den Koaxtreiber. Und während bei den größeren Thiel-Modellen der Bassbereich durch zusätzliche Treiber verantwortet wird, setzt man bei den als Zwei-Wege-Wandler konzipierten Thiel SCS4 sogar ausschließlich auf ein Koax-Konzept.

Der 25mm-Hochtöner dieses Koaxtreibers leitet sich dabei vom Thiel`schen Spitzenmodell – der 13.800 Euro kostenden CS 3.7 – ab und ist mit einer Aluminium-Magnesium-Membran sowie einer Naturgummisicke ausgestattet. Aufgrund der flachen Filterung und des damit verbundenen größeren Anteils an mittleren Frequenzlagen, die es zu verdauen gilt, muss sich dieser im Zweifelsfall recht „lang“ machen können: Für einen Hochtöner nicht unerhebliche 1,5mm Hub stehen daher auf dem Datenblatt.

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Getrennt wird ab 2,5kHz – für die unteren Lagen zeichnet ein 16cm-Konustreiber verantwortlich, dessen Sandwich-Membran zum einen wiederum aus einem Alu-Magnesium-Gemisch, zum anderen aus einem resonanzbedämpfenden Polystrol-Schaum besteht und dabei insgesamt gerade mal 5 Gramm auf die Waage bringt (inklusive Schwingspule 9 Gramm). Durch die Sandwichbauweise wird eine recht flach verlaufende Konusbauform ermöglicht, was insofern sinnig ist, als dass der im Zentrum sitzende Hochtöner so möglichst frei von Trichtereffekten agieren kann.

Im Gegensatz zu der Koaxvariante, die zum Beispiel in meiner Thiel CS 2.4 steckt, weist das Systemthiel scs4 bei der SCS4 – wie eigentlich auch „normal“ – zwei unabhängige Antriebe auf. Die jeweils im sogenannten Unterhang arbeiten: Die Schwingspulen sind hierbei deutlich kürzer gefasst als der sie umgebende Spalt des Permanentmagneten. So wird erreicht, dass selbst bei hoher Belastung die Spule zu jeder Zeit vollständig und gleichmäßig im Magnetfeld schwingt, was verzerrungsminimierend wirkt.

Äußerlich auffällig ist die mit zwei Bassreflexöffnungen versehene und aus einer Alu-Magnesium Legierung bestehende Schallwand, die beim eh schon mit einer recht hohen Wandstärke (25mm) daherkommenden Gehäuse für zusätzliche Steifigkeit sorgen soll. Davon, dass gleich ein Duo an Bassreflexrohren zum Einsatz gelangt, verspricht man sich bei Thiel ebenfalls Vorteile: Klar, zum einen ist dergestalt ein vergleichsweise großer Querschnitt erzielbar (minimiert Strömungsgeschwindigkeit bzw. –geräusche). Zum zweiten lassen sich so unerwünscht durchs Rohr huschende Mitteltonanteile besser im Zaum halten als mit nur einem einzelnen, großen Rohr.

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Test: Thiel SCS4 | Kompaktlautsprecher

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