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Myro Whisky: Hingehört …

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  1. 3 Myro Whisky: Hingehört …

Es ist ja Usus bei fairaudio, dass jedes Gerät, das als möglicher Testkandidat bei uns aufläuft, erst mal einem Vorabcheck in unseren Hörräumen unterzogen wird beziehungsweise durch sowas wie eine Qualifikation muss. Mitunter ist’s so, dass der zuständige Vertrieb oder Hersteller die Anlieferung persönlich besorgt und sich’s zudem einige Probehörrunden lang bei uns bequem macht. Einerseits ist dies völlig okay – die Test-Hörbedingungen sollen ja schließlich kein Geheimnis sein -, andererseits vor allen Dingen dann nervig, wenn sich neben den obligatorischen zwei Boxen im Raum, nun plötzlich eine dritte Schallquelle auftut, und es im Verlauf des Probehörens nicht allein um Musikalisches, sondern gleichsam um Suggestives geht. Na ja, wir haben uns da über die Zeit ein dickes Fell antrainiert …

myro whisky

Auch Michael Weidlich ließ es sich nicht nehmen, zusammen mit seinem Baby anzurauschen – hierzu sind zwei Dinge erwähnenswert: Die gemeinsamen ersten Probehörrunden gestalteten sich angenehm sachlich und konzentriert – nein, zu keiner Zeit tönten mehr als zwei Schallquellen zugleich in meinen Hörraum (-: Überraschend fand ich zudem, dass das Probehören an diesem Tag kein Ende nehmen wollte. Was aber nun in keiner Weise an der besonderen Ausdauer Herrn Weidlichs lag, der sich vielmehr nach angemessener Zeit wieder auf die Socken machte:

Nach dem Myro-Termin wollte ich eigentlich noch einiges an administrativer Schreibtischarbeit vom Tisch bekommen und trotz des schwül-heißen Wetters, es war Anfang Juli, noch eine obligatorische Runde joggen. Tja, stattdessen – und sowas kommt wirklich nicht allzu häufig vor – ließ ich alles andere sein und blieb doch tatsächlich an unserem Neuankömmling kleben – die Whiskys hatten bereits zu diesem Zeitpunkt eine besondere Neugier in mir geweckt.

Softwareseitig begleitete dies unter anderem ein Album der Chicagoer Formation Shellac (Album: 1000 Hurts, 2000): Durchaus „anstrengende“, fordernde, weil sperrig komponierte Musik, die nicht zuletzt mit vielen eckigen Rhythmuswechseln aufwartet und zudem bewusst in einem etwas direkterem, rauerem Sound aufgenommen wurde – vielleicht shellac 1000 hurtssagt dem einen oder anderen ja der Produzent Steve Albini (und dessen Aufnahme-Philosophie) etwas, der beim Shellac-Projekt gleichzeitig die Gitarre verantwortet.

Sperrige Musik plus sperrige Aufnahmequalität – das geht mit vielerlei unausgewogenem HiFi schnell in die Hose. Doch die Whisky leistete bei diesem Album – welches eigentlich nicht zu meinen typischen Testscheiben gehört – wahrlich Erstaunliches, so dass ich schlussendlich einfach mal zum Notizblock griff. Nun, es klang, um Missverständnissen vorzubeugen, kein bisschen weichgespülter oder weniger rau als gewohnt – dies würde den gewollten Charakter der Musik wohl auch verfremden.

Nein, als eine von der „ehrlichen“ Linie abweichende Sounddesignerin gibt sich Myros Whisky nicht die Bohne. Das Gegenteil ist der Fall. „Neutral, rhythmisch-konturiert, außergewöhnlich feinsinnig-transparent“ – so beginnen bereits meine ersten, spontan festgehaltenen Notizen. „Hervorragende Sprach- beziehungsweise Stimmwiedergabe“ hat’s da zudem zu stehen – aufgefallen war mir dies bereits bei der etwas ungewöhnlichen, gesprochenen Einleitung zum ersten Track, bei der im nüchternen Tonfall einige Bemerkungen zum Aufnahmemodus fallen gelassen werden.

myro whisky

Bei aller Akkuratesse und Ehrlichkeit – und dies war einer der weiteren Gründe, warum ich an der Myro an diesem Nachmittag hängen blieb – gerieten die Shellac-Songs dennoch außergewöhnlich leicht verdaulich. Es klang irgendwie natürlich und angenehm rau-direkt und eben nicht einfach nach zweifelhafter Aufnahmegüte – als ob die Handschrift und eigentliche Intention des genannten Produzenten in höherem Maße offenbar wurde, auch wenn das jetzt ein bisschen geschwurbelt klingen mag.

Soweit zu meinen bereits am ersten Hörtag eingefangenen Eindrücken, die 1. schon Einiges über den Charakter der Myro Whisky verraten und auch in weiteren Hörrunden Bestätigung fanden sowie aber 2. im Folgenden noch etwas konkretisiert, präzisiert und ergänzt werden sollen:

Test: Myro Whisky | Kompaktlautsprecher

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