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Isem Elixis Testbericht Thiel CS 3.7 fairaudio

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  1. 4 Isem Elixis Testbericht Thiel CS 3.7 fairaudio

can ege bamyasiAuch das Rhythmusverhalten des Isem empfinde ich persönlich als angenehm. Zunächst: Ich hatte es eingangs bereits angedeutet – der Isem liefert kein betont zackig-schnelles, auf die Attackphase von Tönen ausgerichtetes Klangbild. Einen guten Gradmesser für derlei liefert beispielsweise Cans krautrockiger Meilenstein Ege Bamyasi ab (die 2007er Remastered Edition liefert eine durchweg akzeptable, bisweilen eventuell etwas hart geratene Aufnahmequalität), auf dem Jaki Liebezeit ebenso metronomartig präzise wie rhythmisch vielschichtig am Schlagwerk begeistert.

Und keine Sorge, Isems Elixis steht mit Jaki Liebezeit nun keinesfalls auf Kriegsfuß, die Percussion gerät aber einen Tick weichgezeichneter als Normalnull – nein, zum Verwischen neigt der ansonsten sehr feinsinnig nachzeichnende Isem wirklich in keiner Weise, aber es perlt eben auch nicht gerade ein dynamisches Feuerwerk aus den Boxen (Letztere sollten, gerade bei solcher Musik, dann eher der zackig-anspringenden Art sein; mit meinen feinansprechenden Thiel CS 3.7 klappte dies beispielsweise recht gut).

Dafür fließt es sehr angenehm: Der Franzose hat in dieser Hinsicht etwas sehr unangestrengtes, müheloses an sich – ja, irgendwie fällt es mir fast etwas schwer, dies in Worte zu kleiden: Der Isem weist einerseits eine als geschmeidig zu bezeichnende Spielweise auf, die aber andererseits keinesfalls so glatt poliert gerät, dass es schon wieder langweilig und damit von hinten durch die kalte Küche während längerer Hörrunden eben doch anstrengend wäre.

Dafür sorgen wohl nicht zuletzt seine für Markanz und Realismus sorgende luftige Darstellungsweise beziehungsweise sein ausgeprägter Sinn für feinstdynmische Prozesse: Mögen sich Becken- und Hi-Hat-Anschläge auf den ersten Blick auch einen Deut weniger aggressiv oder prononciert ins Klangbild integrieren als man das von manch anderem Verstärker gewöhnt sein mag, so achten Sie beim Probehören aber einfach mal auf deren Ausschwingverläufe – und Sie werden sofort verstehen, was ich meine.

isem

Der Reinheitsgrad (keine artifiziellen Härten oder Silbrigkeiten), die Körperhaftigkeit und die Akkuratesse beim Nachzeichnen solcher Verläufe – sowie generell von klanglichen Texturen und Körpern – sind für einen Verstärker dieser Preisklasse jedenfalls zweifelsohne außergewöhnlich. Dazu passt zum Beispiel auch eine solche Kleinigkeit, dass das Aneinanderschlagen von Drumsticks in Get Weel Sooons Titel We Are Free (Album: Vexations, 2010) in Sachen Explosivität, Zackigkeit zwar etwas abgemildert erscheint, man aber dafür eben auch mehr als ein bloßes schnelles Klack gereicht bekommt. Der Isem macht sich nämlich vielmehr die Mühe, auch die Klangfarbe des Holzes – den Transienten-Körper, wenn man so will – richtig einzufangen.

Ja, der Isem ist – das sollte bis hierhin deutlich geworden sein – eher ein natürlich-emotional-kultviert zu get well soonWerke gehender Feingeist als ein hemdsärmeliger Haudrauf: Auch mit Blick auf die Basswiedergabe sollte man logischerweise nicht erwarten, sich mit unserem Probanden und seinen zwomal sechzig Watt den letzten grobdynamischen Kick ins Haus holen zu können. Einen den Hörer in den Sessel drückenden knackigen Wumms vermag der kleine Franzose unten rum nicht zu liefern – aus quantitativer beziehungsweise tonaler Sicht überzeugt der Elixis auch aufgrund seines durchaus erwachsenen Tiefgangs aber zweifelsohne.

Pegelorgien gehen mit dem Isem nur bedingt: Den nachbarschaftlichen Frieden störendes Lauthören in Mietwohnungen sollte problemlos klappen, aber für richtige Partypegel – wenn hierfür freilich nicht zuletzt der Wirkungsgrad der Lautsprecher maßgeblich sein wird – existieren sicherlich geeignetere Vertreter seiner Zunft, verlor das Klangbild bei in meinem Hörraum mal probeweise durchgeführten infernaleren Kraftakten doch merklich an akustischer Contenance.

Zum Abschluss noch ein paar Worte zum dreihundert Euro Aufpreis kostenden internen DAC: Im Vergleich zur analogen gerät die digitale Verbindung zwischen meinem Fonel Simplicitè und dem Elixis tonal etwas heller: Die oberen Lagen erhalten etwas mehr Präsenz und vermitteln noch ein kleines Bisschen mehr an Feininformation, dafür verliert des Bass tonal ein wenig an Gewicht. Kurzum: Via Analogübertragung ging es bei meinen Versuchen etwas wärmer zur Sache als per Digitaleinspeisung, was mir persönlich – und in meiner Kette – besser gefiel, zum einen aber letztlich wohl als Geschmacksache durchgehen wird und zum anderen an den anderen beschriebenen Tugenden Isem nicht grundsätzlich rüttelt.

isem elixis

Wer plant, mit dem Isem Elixis etwas in Sachen Computer- beziehungsweise Netzwerk-HiFi zu unternehmen oder versuchen möchte, seinem alten CD-Player mittels eines externen DACs auf die Sprünge zu verhelfen, sollte den internen Wandler beim Probehören auf jeden Fall einbeziehen – die dreihundert Euro könnten da als recht effizient eingesetzter Betrag durchgehen.

Test: Isem Elixis | Vollverstärker

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