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Hornmanufaktur Aurora – Klangliches, Teil 1

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Nach so viel Technik nun aber endlich zum Wesentlichen: Wie klingen die Aurora? Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt? Ich will Ihnen meine Meinung nicht vorenthalten: JA! Im Einzelnen:

Fatfreddys Drop The Kills No Wow

Im Bass macht sich der beschriebene „Cut off“ klar bemerkbar. Bei Fatfreddys Album Drop sind die untersten Frequenzen schlicht nicht da. Nicht leise, nicht angedeutet, sondern weg. Das Ganze ist immerhin so konsequent, dass ich sie gar nicht vermissen würde, wenn ich nicht wüsste, dass sie eigentlich da sein müssten. Genauso geht es mir mit The Kills, No Wow. Tiefbasswunder sind und werden die Aurora nicht. Allerdings: Es gibt ein Leben auch ohne die allertiefsten Lagen. Denn sooo viel spielt sich dort bei normaler Musik auch gar nicht ab. Und darüber punkten die Aurora mit einem wunderbar schnellen, kontrollierten und schlanken Bass.

Am besten ist es, die Aurora einfach mit normalem Musikmaterial zu hören und nicht absichtlich irgendwelche tieftonlastigen „Teststücke“ einzulegen. Wenn man nämlich nicht gezielt darauf Eva Cassidy Live at Blues Alley achtet, fällt einem eher nebenbei auf, was sich da unten (nicht) abspielt. Ich höre Eva Cassidy, Live at Blues Alley, und bin sofort davon beeindruckt, mit welchem Drive die kompakten Lautsprecher zur Sache gehen. Und neben einer präzisen Räumlichkeit, einer wunderbaren Zeichnung der Stimme Cassidys, dem Feuerwerk im Hochtonbereich – alles Aspekte, auf die ich noch ausführlicher zu sprechen kommen werde –, nehme ich die Wiedergabe als überraschend vollständig war. Das Klavier lässt nichts an Volumen vermissen, auch nicht bei den weiter links sitzenden Tasten. Das Schlagzeug treibt swingend voran oder setzt bei den melancholischeren Stücken getragene Akzente, und all das mit großer Selbstverständlichkeit. Wobei auffällt, wie spannend die Wiedergabe über die Aurora gerät. Okay, Live-Aufnahmen gehen mit den Aurora schon mal in Ordnung. Und knallen darf es also auch mal gerne?

ee Dee Bridgewater Live at YoshisIch wechsele zu Dee Dee Bridgewater, Live at Yoshi‘s. Die Aufnahme ist nicht der Weisheit letzter Schluss, hat aber viel „Atmosphäre“ eingefangen und überzeugt durch eindrucksvolle Perkussion. Und wie das fetzt! So lebendig und direkt habe ich die Aufnahme selten gehört. Rhythmus und Timing gehören mit Sicherheit zu den absoluten Stärken der Hornmanufaktur Aurora.

Wenn ich ganz ehrlich bin, kommt mir die Zurückhaltung in den untersten Lagen hin und wieder sogar entgegen. Zum einen mag ich es eh nicht, von Bassorgien erschlagen zu werden. Zum anderen höre ich mit weniger Bass entspannter Musik. Warum? Weil ich in einem Mehrfamilienhaus wohne. Und wenn es etwas lauter wird, bekomme ich schnell ein schlechtes Gewissen meinen Nachbarn gegenüber. Bässe dringen erfahrungsgemäß gut durch Berliner Altbauböden. Aber das nur am Rande.

Hornmanufaktur Aurore

Die Mitten setzen fort, was der Bass vorgibt. Schnell, schlank, schlacken-, aber nicht substanzlos. Wie oben erwähnt, geraten Stimmen sehr eindringlich. Besonders Frauenstimmen wie die von Bridgewater und Cassidy kommen mit viel Ausdruck rüber, gehen unter die Haut. Irgendwie klingt Gesang sehr realistisch, was vermutlich an den authentischen Klangfarben liegt, die die Aurora zu reproduzieren wissen. Mit Sicherheit trägt aber auch die hervorragende Räumlichkeit einen Teil zum überzeugenden Gesamteindruck bei der Stimmwiedergabe bei. Die Damen scheinen jeweils konkret fassbar vor mir zu stehen.

Zum Thema Männerstimmen greife ich auf das Album I’m Your Man von Leonhard Cohen zurück. Und Herr Cohen gefällt mir über die Aurora gar nicht schlecht, klingt das Ganze doch frischer und weniger warm-schwülstig als ich es gewohnt bin. Der I'm Your Man Leonhard Coheneigentümliche Sprechgesang des Altmeisters tönt nun etwas rauer, kommt mir dafür aber nicht ganz so sonor vor. Fast möchte ich sagen, dass es so richtiger klingt. Ich brauche eine Zeit, bis ich dahinter komme: das Bassgewaber, das den Hinter- oder besser Untergrund nahezu aller Stücke auf dem Album bildet, ist über die Aurora stark zurückgenommen. So werden die übrigen Lagen nicht „zugekleistert“ und gewinnen an Ausdruck und Klarheit. Dem Album verleihen die Aurora regelrecht ein wenig Frische. Sogar die sonst so arg klebrig-süßlichen Streicher klingen ein wenig harzig und entwickeln Temperament.

Test: Hornmanufaktur Aurora | Kompaktlautsprecher

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