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Heed Obelisk: Klangliches …

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  1. 3 Heed Obelisk: Klangliches ...

heed obelisk DT

Möglicherweise interessiert es jetzt sogar den einen oder anderen Leser, wie das alles klingt. Knipsen wir also die drei Geräte ein. Je nach Anknipsreihenfolge der Komponenten ist übrigens ein sanftes „Pock“-Geräusch aus den Lautsprechern zu vernehmen; vielleicht wäre eine Lautsprecher-Einschaltverzögerungsschaltung doch nicht so schlecht gewesen. Das CD-Laufwerk braucht auffällig viel Zeit, nach dem Einschalten in die Realität zu finden, es dürfen hier durchaus bis zu zehn Sekunden vergehen, bis die Lade sich erstmals öffnet. CD eingelegt, Start gedrückt und die Lauscherchen gespitzt. Auch hier ist etwas Geduld vonnöten, offenbar schreibt das Laufwerk nach dem Loslaufen erst mal gemütlich den oben erwähnten Pufferspeicher voll, bevor es etwas auf die Ohren gibt.

Zu Beginn höre ich den rein akustisch gehaltenen Song „Spirit“ von den Go-Betweens, später noch „He lives my life“ gobetweensvom selben Album – und das klingt auf Anhieb sehr, sehr schön. „Kristallklar“, „weiter Raum“, „offen“, „ausgesprochen sauber durchgezeichnet“ steht im Notizbuch. Die akustischen Gitarren perlen rein, frisch, crisp aus den Lautsprechern. Jedes Saitennebengeräusch ist da, jedes versehentliche Flageolett hörbar. Stimmen werden absolut lupenrein und ungemein detailreich wiedergegeben. Die Raumaufteilung des Ganzen gerät großzügig und ausgewogen mit ordentlich Luft um die einzelnen Instrumente, damit schaffen die Heeds ein erstaunliches Amalgam aus Präzision und Hörvergnügen.

Weiter! Das Album „Nowhere“ aus dem Frühwerk der Band Ride, eine im Grunde undurchdringliche, turmhohe Wall of Sound. Anspieltipp „Dreams Burn Down“, ein Song, der nur so von Breitwandgitarren, rirdemassivem nach vorne gemischten Crashbecken und tiefem, tiefem Hall auf Drums und der Gesangsstimme strotzt. Das kann schnell in Klangbrei ausarten, wird von der Heed Obelisk-Kombi aber sauber seziert und mit solcher Wucht in den Raum geblasen, dass es schlicht und einfach fasziniert. Eigentlich wollte ich nur in diesen Song reinhören, aber ich skippe noch weiter in Track Nummer 7, „Paralysed“, der schlafmützig anfängt, zum Ende hin aber ein mit unglaublicher Wut gedroschenes und gleichzeitig extrem verhalltes Schlagzeug bereithält. Auch hier machen die Heeds – in Anbetracht der nicht gerade monumentalen zwomal fünfzig Watt der PS-Endstufe – richtig Druck im Zusammenspiel mit der bei diesen Stücken angeleinten System Audio Mantra 60. Präzisen, mühelosen Druck.

echo an the bunnymenMich erstaunt beim Testen immer wieder, wie man beim Hören einer Komponente von Song zu Song geleitet wird und quasi schlafwandlerisch die „richtige“ Kost für die entsprechende Aufstellung heraussucht. Es muss jetzt einfach „Higher Hell“ von Echo & The Bunnymen sein. Ein Song, der zu Beginn recht sperrig ist und beim ersten unachtsamen Hören schnell den Finger auf die „Skip“-Taste drängt, sich aber schon nach ein-zwei Minuten in eine faszinierende Welt aus Raum und wildem Gitarrengefritzel hinein öffnet. Die Familie Heed spannt – das manifestiert sich langsam – eine interessante Art des stereofonen Raums auf. Ist dieser üblicherweise rechteckig oder quadratisch, so erscheint er mit bei den Heeds trapezförmig, wobei die längereecho and the bunnymen Seite des Trapezes hinter den Lautsprechern zu liegen scheint. Das ist ungewohnt, aber spannend – und dieser Höreindruck wird vom Song „All my colours“ der Bunnymen, nun vom Album „Heaven up here“, deutlich bestätigt. Die den Song dominierenden Schlagzeugtoms werden trotz ihrer massiver Hallfahnen vom ersten Attack bis zum letzten Ausschwingen mit Präzision dargeboten, sie scheinen gegenüber einem dunklen Hintergrund geradezu aufzuleuchten und zu verglimmen. Ian McCullochs Stimme wehklagt, eine einsame Flöte steht auf den Zentimeter ortbar im Raum – wunderbar.

monolandDas Stück „McCann“ von der Berliner Formation Monoland, für mich die einzigen würdigen Nachfolger von My Bloody Valentine, ist auch so ein Fall. Synthetische Drums, viele Schichten von Samples und Gitarrenspuren, komplett nach hinten gemischter Gesang. Wiederum scheint es der Heed-Kombi geradezu Freude zu machen, diesen im Grunde völlig homogenen Klangcluster feinsäuberlich aufzuteilen und dem Hörer als appetitlich angerichtetes Büffet darzubieten.

pet shop boysEin bisschen Pop! „Love etc.“ in der Dub Version von den Pet Shop Boys. Ein Sägezahn-Synthesizer-Riff, eiskalt dargeboten, dazu pluckernde Beatbox. Macht großen Spaß, die Heeds können ganz sicher auch Disco. Federnde und flinke Bassimpulse mit ordentlich Punch, ein auch in tiefsten Lagen fetter Synthesizersound. Justus Köhnckes hypnotisches „Timecode“ kommt ebenfalls geschmeidig, vital, bassstark und einfach nur „fett“ in den Raum. Und zwar vor einer auffallend – wie sagt man gemeinhin? – „schwarzen Wand“, also mit reichlich Kontrast.

wagner rienziIch wechsele ins klassische Fach und höre mich durch einige Mahler-Sinfoniekantaten, aber auch Wagners „Rienzi“. Was hier als erstes auffällt, ist die unglaubliche Präzision der Darbietung. Gerade bei großen Chören habe ich – abgesehen von Livekonzerten natürlich – selten die einzelnen Stimmen so trennscharf voneinander unterscheiden und einzelnen „Menschen“ zuordnen können. Jede Stimme hat ordentlich Raum und „Luft“, das Gesamtbild wirkt ungemein wohlsortiert.

Test: Heed Obelisk DT, Obelisk Pre, Obelisk PS | CD-Player

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