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Klang Electrocompaniet ECI-5 MKII, Teil 1

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Klang Electrocompaniet ECI-5 MKII, Teil 1

Klanglich hat der ECI 5 MK II einen durchaus wahrnehmbaren Charakter, der sich sehr homogen über das gesamte Frequenzspektrum zeigt und in sich absolut schlüssig ist. In meinen Hörnotizen tauchen immer wieder Begriffe wie voluminös, kräftig, großzügig, gelassen, unaufgeregt auf. Wenn mich ein Freund fragte, wie der Electrocompaniet ECI 5 MK II abgestimmt sei, würde ich antworten: „Englisch, mit leichtem amerikanischen Akzent“. Englisch deshalb, weil der ECI 5 in bester britischer Tradition auf Langzeit-Hörbarkeit ausgelegt ist. Der amerikanische Akzent kommt von einem wunderbar vollmundigen Bass.

Electrocompaniet Verstärker ECI-5 MKII

Aber bei fairaudio ist es gute Tradition, sich nicht mit ein paar Schlagworten zum Klang zu begnügen, sondern diesen einigermaßen ausführlich zu sezieren. Fangen wir mit dem Sezieren mal in den Mitten an. Da kann man die Auslegung des Nitin Sawhney / ProphesyECI 5 MK II nämlich schon prima exemplifizieren. Männer- wie Frauenstimmen werden mit einem ganz leicht dunkleren Timbre als bei manch anderem Verstärker wiedergegeben. Natacha Atlas (Nitin Sawhney/Prophesy, das Stück „Sunset“) klingt vielleicht ein paar Jahre älter, als sie bei der Aufnahme war. Die zusätzliche Reife bekommt ihrer Ausdruckskraft gut, sie singt mit viel Leidenschaft und Gespür für Tempo und Betonung. Sie wird auch sehr schön abgebildet und steht sauber in der Mitte der Bühne. Der letzte Hauch Auflösung des ihrer Stimme beigemischten Halls fehlt, aber der Verführungskraft schadet das nicht im Geringsten.

Eingänge des Electrocompaniets - vin innen betrachtet

Das gleiche Bild zeigt sich beim Stück „On coming from a broken home pt. 1“ des Albums I’m new here von Gil Scott-Heron. Seine Stimme wird klar abgesetzt von der Instrumentalbegleitung (nicht fürchterlich spannendes Synthi-Gedudel, auf das ich ohne weiteres zu verzichten bereit gewesen wäre), jedoch habe ich über andere Verstärker die Konsonanten im Text schon einen Tick klarer und schärfer gehört (was die Aufnahme gut gebrauchen kann, weil man ihr leider auch anhört, dass Scott-Heron zum Schluss seines von Drogen beeinflussten Lebens nicht mehr über alle Zähne verfügte).

Gil Scott-Heron, I’m new here

Der Octave V70 SE beispielsweise war in Sachen Textverständlichkeit besser. Die hypnotische Wirkung von Scott-Herons Stimme bleibt über den ECI 5 MK II davon aber unbeeindruckt. Die musikalische und textliche Botschaft kommt mit voller Wucht auf den Zuhörer rüber.

Das ist eine Erfahrung, die ich beim Hören immer wieder machte. Der ECI 5 MK II folgt gewissermaßen dem hippokratischen Eid der Mediziner. Eine der Grundregeln der medizinischen Ethik wird klassisch definiert: „Primum non nocere“ – vor allem nicht schaden. So hält es auch der Electrocompaniet: Er verkneift sich das letzte bisschen Transparenz, um den Zuhörer nicht mit Schärfe, Verzerrungen oder ähnlichem zu belästigen. Das macht er aber unglaublich souverän, denn wenn man sich eine Zeit lang eingehört hat, stellt man fest, dass nichts wirklich fehlt. Der ECI 5 scheint es irgendwie fertig zu bringen, musikalischen Ausdruck ungeschmälert passieren zu lassen, selbst wenn den buchhalterischen Naturen unter den Hörern wohlmöglich das eine oder andere Fitzelchen Nachhall, Luft, Beckenschimmern etc. fehlen könnte.

Electrocompaniet ECI-5 MKII - Deckel ab!

Das setzt sich bei der Betrachtung der oberen Frequenzgefilde fort. Becken klingen glaubwürdig metallisch, Klaviersaiten (z.B. bei Frédéric Chius Aufnahme der Klaviertranskription der Lt. Kijé-Suite) sind straff gespannt. Tonal hält sich der Verstärker aber ein klein wenig zurück. Das Funkeln, das andere Verstärker einem Becken manchmal auch dann aufsetzen, wenn es die Aufnahme eigentlich nicht hergibt, ist etwas zurückgenommen.

Test: Electrocompaniet ECI 5 MK II | Vollverstärker

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