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Zweiter Teil: Dynaudio gibt den Reporter

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  1. 4 Zweiter Teil: Dynaudio gibt den Reporter

Dynaudio Special Twenty-FiveDie Special Twenty-Five gibt also auch in den oberen Lagen den Reporter und reicht die Faktenlage ungeschminkt weiter. Das Auflösungsvermögen dieser Hochtonkalotte ist ganz erheblich – und Härten, Körnigkeiten, metallische Noten etc. sind löblicherweise nicht auszumachen. Bei aller Detailverliebtheit spielt die Special Twenty-Five aber, wie gesagt, aus einem Guss und nicht wie bisweilen manche Boxen, die (nur) im Hochton Flächenstrahler einsetzen, „obenrum abgesetzt“, sprich mit einem auditiven Bruch versehen, der – unabhängig von balancierten Pegelverhältnissen im Frequenzband – aus Asymmetrien in Sachen Impulsverarbeitung und Auflösungsvermögen zwischen Mitteltöner und Hochtontreiber resultieren kann.

Françoiz BreutApropos Mittelton und auf die Gefahr hin, zu langweilen: Auch hier kann ich der Dänin keine tonalen Präferenzen unterstellen, auch hier tönt es neutral. Tatsächlich schrieb ich zum Gesang auf Françoiz Breuts Debutalbum „leicht hellere Ansprache“ ins Notizenheft, nur um bei Howe Gelbs Stimme auf ‘SNo Angel Like You ein „durchaus sonorer“ hinterherzusetzen – und war ob dessen ein wenig verwirrt, fragte ich mich doch: Was denn nun? Dass beides wahr sein kann, hatte ich anfänglich gar nicht auf der Uhr.

Dynaudio Special Twenty-Five - bass-/Mitteltöner

Wie eine Aufnahme in Wahrheit klingt wird sich natürlich nie 100%ig feststellen lassen, und insofern ist das Etikett „neutral“ auch nicht ganz wörtlich zu nehmen. Aber wenn man eine ganze Reihe unterschiedlicher Aufnahmen hört und sich diese über ein Paar Lautsprecher „unterschiedlicher“ voneinander anhören als über ein anderes Paar – dann ist das für mich schon ein Hinweis auf, relativ gesehen, höhere Durchlässigkeit und Neutralität. Die Dynaudio Special Twenty-Five gehört in dieses Lager, sie ist mehr Informationsvermittler denn Charakterdarsteller.

Der Charme eines solchen Monitors liegt für mich zum guten Teil darin, dieses diffuse „Irgendwie-so-Wölkchen“ im Klangbild wegzupusten und damit auch die unterschwellig im Kopf des Hörers arbeitende Frage „Wie denn nun genau?“. Es ist alles so klar, eindeutig, transparent, offensichtlich – Fragen und Zweifel erübrigen sich, was durchaus entspannungsfördernd sein kann. Zudem klingt ein guter Monitor meiner Meinung nach nicht „streng“, sondern durchaus „bereichernd“ – nämlich reicher an Zwischenwerten, Nuancen und Tonmöglichkeiten. Man könnte auch sagen: Es wird ein farbenprächtiger Strauß Blumen überreicht, kein „themenorientiert monochromer“. Genug gesponnen, ich denke, der Punkt ist klar geworden. Und wer meint, er brauche mehr tonales Kolorit in die eine oder andere Richtung, soll sich bloß nicht einreden lassen, ein neutraler Monitor müsse auch ihm schmecken.

Dynaudio Special Twenty-Five

Dynaudios Special Twenty-Five ist übrigens ein sehr impulsives Kistchen. Um dies zu erfahren, muss nicht groß nach Drum & Perkussion in der Plattensammlung gefahndet werden, nuanciert gespieltes Klavier, Akustikgitarre, Bläser – wenn deren Einsätze denn plötzlich und nicht anschwellend kommen – reichen vollauf. Anschlag-, Anreiß-, Anblasmomente geraten unmittelbar, nötigenfalls auch hart. Folglich ist der Vortragsstil ein sehr lebendiger, mit den rechten Aufnahmen stellt sich ein „Ohne-Filter“-Gefühl ein, als wäre die Luft elektrisch aufgeladen. Verbummelt wird hier nix, manchen wird es vielleicht sogar eine Spur zu knackig vorkommen.

Hinsichtlich der „gefühlten Bühnengröße“ die die Dynaudios vermitteln, darf man sich nicht beschweren. Die Special Twenty-Five stellt die Klänge sehr frei in einen Raum auf, der breit und tief ist. Aber dies ist auch nichts so Besonderes für Kompaktlautsprecher, die doch eigentlich recht häufig einen schön freien Bühnenentwurf hinkriegen – zumal in dieser Preisklasse.

Besonders sind vielmehr die Durchsichtigkeit der virtuellen Bühne und die Präzision der Abbildung. Stimmen und Instrumente werden sicher und unverzittert projiziert und zwischen ihnen gibt‘s fast schon auffällig viel leeren Platz – durch diese Leerstellen kann man sich quasi „nach hinten durchhören“. Transparenz par excellence. Und ich muss zugeben, dass es mir bisweilen bei sparsam instrumentierten Studioproduktionen mittlerer Güte einen Hauch zu gespenstisch, reißbrettartig vorkommt – etwas üppigere, leicht verrundetere Einzelklänge und ein etwas organischerer statt blitzsauberer Grundansatz kämen wohl verzeihender/gefälliger rüber. Andererseits wäre es dann mit dem Vermögen, leise Nebenstimmen im hinteren Bühnenabteil sauber weiterzuverfolgen und räumlich dort zu belassen, wo sie saßen, bevor andere, lautere Akteure die Bühne betraten, vermutlich weniger gut bestellt. Das kann die kleine Dynaudio nämlich außerordentlich gut: Das Muster des Klangteppichs kann ruhig kleinteilig und kompliziert gewebt worden sein, die Special Twenty-Five steigt da durch.

s#chostakovisch / Symphonieen 1 und 15Was sie ebenfalls beherrscht: Bühnentechnisch auch dann noch sauber strukturiert zu bleiben, wenn Dynamiksprünge fast schon perfiden Ausmaßes daherkommen, ich denke da gerade an Schostakowitschs erste Symphonie, eingespielt vom Mariinsky Orchestra in St. Petersburg – diese SACD bietet dynamisch und räumlich Einiges, bei dem manch andere Box ins Schwimmen gerät. Die Special Twenty-Five zieht stattdessen souverän ihre Bahnen. Okay, grobdynamisch fehlen mir spätestens mit Einsetzen der Kesselpauken natürlich immer noch anderthalb Oktaven Unterausbau, aber das ist eine andere Diskussion …

Test: Dynaudio Special Twenty-Five | Kompaktlautsprecher

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