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Diapason Adamantes – weitere Meriten

Inhaltsverzeichnis

  1. 4 Diapason Adamantes - weitere Meriten

Die Diapason-Manschaft

Mittellagen und Hochton der Adamantes sind nahtlos miteinander verknüpft; sie sind von äußerst transparenter Machart und kommen dabei gleichzeitig – und dies ist ein (zumindest mir) sehr wichtiger Punkt – immer völlig selbstverständlich und natürlich rüber. Das ist das eigentliche Kunststück bei der Diapason Adamantes und da ich dies zunächst nicht glauben mochte, erging ich mich weiter in fleißigen Boxen-wechselt-euch-Übungen:

Diapason im HörraumDie Diapason-Wandler sind aufgestellt und ausgerichtet, im Player liegt Cakes Album Prolonging The Magic, Track 5: „You Turn The Screws“ – und mit den ersten Tönen setzt reine Freude ein. Die anfänglichen Klaviernoten rechter Hand, die sind einfach … nun: da.
Unmissverständlich, auf den Punkt, alle Feinheiten des Anschlags werden präsentiert. Aber nicht nassforsch, nicht mit wild wedelndem Zeigerfinger „hey, schaut mal alle her“, also etwas übereifrig, sondern fast schon lapidar mit ausgebreiteten Armen: „Jungs, so schaut es nun mal aus, ich halt‘ mich da raus.“ Gar nicht übel! Wie auch die Trompete: Leicht links von der Mitte des Bühnenpanoramas geradezu eindeutig festgeschraubt, wird sie mit viel Struktur und Finesse dargeboten – so lässt sich das genießen; und generös sehen wir darüber hinweg, dass die Bassbegleitung, wenn der Song so nach 20 Sekunden richtig beginnt, schon mal druckvoller gereicht wurde.

Cake / Prolonging The Magic

Kleines Umbauprozedere, die ebenfalls kompakte Thiel muss wieder ran. Tatsächlich wird das Klavierspiel über die Amerikanerin eine Spur wärmer und voller ausgehändigt. Überrascht bin ich im Nachgang allerdings darüber, was ich mir als Ergebnis des Direktvergleichs über die SCS4 notierte – wie bitte: leichter Grauschleier, etwas weniger differenziert, schon ein bisschen flacher, räumlich ungenauer, etwas fuzzy? Hatte ich die kleine Thiel nicht gerade aufgrund ihrer transparenten, feindynamischen, sehr akkuraten und dabei härtefreien Gangart als Kompaktmonitor-Benchmark gekauft? Spielt sie in diesen Belangen nicht zumeist klar auf Augenhöhe mit Wettbewerbern aus höheren Preisklassen, wenn nicht sogar (bisweilen deutlich) darüber hinaus? Kleines Umbauprozedere, die Diapason muss ran, das kann doch alles gar nicht sein …

Hm, kann dann aber wohl doch – zumindest in Relation zu dieser Italienerin. Der Diapason Adamantes lässt sich beim schlechtesten Willen nicht nachsagen, dass sie durch gläserne, metallische, überpronouncierte, präsente, harte oder was auch immer für „Charakterbeiträge“ ein besonders klares, transparentes Bild lediglich vorgaukeln würde, im schnellen A/B-Vergleich also ein „Schau an, schau an!“ hervorruft, nach drei Stunden jedoch nur ein Gähnen. Nein, hier ist überhaupt nichts Anstrengendes dabei – das ist echt, zumindest tönt es so. Ja, ich gehe sogar so weit, die Diapason einen entspannungsfördernden Monitor zu nennen: Gerade weil die Musik so klar und transparent ausgerollt wird, entsteht überhaupt kein (wenn auch unbewusster) Zweifel am Präsentierten – es tönt zu realitätsgetreu und eindeutig, um sich Sorgen darüber zu machen, ob man vielleicht doch höherwertige Cinchstrippen benötigt, wenn Sie wissen, was ich meine … Eher überlegt man, wo verdammt noch mal die neue Platte von Sade rumliegt, der titelgebende Song „Soldier Of Love“ hat was …

Sade / Soldier of Love

Okay, gefunden. Und jetzt muss ich doch noch etwas zur Art der Basswiedergabe dieser kleinen Holzbox schreiben, denn da gibt es eine Sache, die mir sehr gefällt. Zur Wiederholung: Tiefbass gibt es prinzipbedingt nicht, auf Mittel-/Oberbass-Betonung wurde verzichtet. Die Adamantes klingt nicht voll, aber für ihre Größe – und in den Räumen, in denen sie sinnigerweise eingesetzt wird – auch keinesfalls zu schlank. So viel zum Level. Zur Qualität: Das gängige trocken/nicht so trocken-Schema greift hier zu kurz. Klar, man könnte es halbtrocken nennen …

Es ist eine Timingsache: Die Adamantes folgt Impulsen unmittelbar und bremst den Abklang nicht zu schnell aus, gibt ihm seine Zeit. Dieser charakteristische Beat bei „Soldier Of Love“ jedenfalls, der schwingt deutlich länger und freier aus als über viele andere Wandler – fast könnte man es von der Wirkung her schon cool nennen, so selbstverständlich locker swingt das hier; dabei ist das eigentlich doch nur die Folge akkurater Darstellung. Einer Trockenheit jedenfalls, die ein natürliches Nachschwingen ausbremst, kann ich so viel nicht abgewinnen – weshalb es mir die Diapason in diesem Punkt sehr angetan hat.

Diapason Adamantes

Überhaupt scheint mir das neben der hohen Transparenz und den exzellenten räumlichen Fähigkeiten eine weitere zentrale Tugend zu sein: dieses genaue Timing, welches sie an den Tag legt. Vielleicht ist‘s tatsächlich nicht die schlechteste Idee gewesen, den Tief-/Mitteltöner ohne Filter, lediglich über einen kurzen Draht verbunden, direkt an den Amp zu hängen. Jedenfalls tönt das Ergebnis sehr unmittelbar. Dies ließ sich schon bei den ersten Klavieranschlägen beim oben genannten Cake-Stück feststellen, wie auch ganz allgemein bei Drums und Percussion – oder, noch allgemeiner, bei transienten Klängen aller Art:

Calexico / Hot Rail

Eines Abends lief Calexicos Hot Rail durch, ich hatte anderes zu tun, als groß darauf zu achten. Als dann aber gen Schluss der Presslufthammer (die vertonte Gleisbau-Szene des titelgebenden Stückes „Hot Rail“) in meinem Zimmer stand, musste ich doch unwillkürlich gucken, ob sich da nicht ein Bauarbeiter verlaufen hatte. Haben Sie schon mal Presslufthammer-A/B-Vergleiche gemacht? Nun, müssen Sie auch nicht, dafür bin ich ja zuständig … und ohne Flachs: Es ist faszinierend, wie realitätsnah die Diapason mit Geräuschen umgeht. Ein Hammer ohne Filter, wenn man so will.

Test: Diapason Adamantes | Kompaktlautsprecher

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Adam Audio / Hoerzone