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Technik Diapason Adamantes

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Technik Diapason Adamantes

Die Chassis dieses südländischen Lautsprechers stammen aus Nordeuropa: Seas (Norwegen) liefert den Bass-/Mitteltonwoofer mit Polymer-Membran, Scan Speak (Dänemark) die 19 mm-Kalotte aus beschichteter Seide.

Diapason Adamantes - Bass-/Mitten-Treiber

Hochtonkalotte aus beschichteter Seide

Beide Treiber werden nach eigenen Vorgaben gefertigt und anschließend paarweise mit einer Toleranz von < 1% selektiert, so Diapason. Die Übergabefrequenz liegt ungewöhnlich weit oben: bei 4.600 Hz werden die Chassis getrennt. Ungewöhnlich puristisch ist zudem die dafür verantwortliche Frequenzweiche, denn sie besteht aus einem LC-Glied vorm Hochtöner – und das war’s.

Diapason Adamantes - Frequenzweiche

Dahinter steht eine Überlegung, die sich abgekürzt DDDT nennt und ausgeschrieben sehr marketinggerecht klingt: Diapason Direct Drive Technology. Der Begriff kennzeichnet den Umstand, dass zwischen den unteren Lautsprecherklemmen (die Diapason besitzt ein Bi-Wiring-Terminal) und dem Anschluss des Tief-/Mitteltöners lediglich ein Kabel liegt – ein aus sauerstoffarmen, versilberten Kupfer gefertigtes von van den Hul, wie betont wird – und eben keine Weiche.

Diapason Adamantes - Konus
Bekommt das Signal direkt geliefert – der Bass-/Mitten-Treiber

Drei Dinge verspricht sich Herr Schiavi hiervon: einen hörbaren Vorteil bei der Wiedergabe von Transienten, deutlich geringere Verluste beim Wirkungsgrad des Lautsprechers sowie das Ausbleiben von Frequenzweichen-induzierten Phasenverschiebungen. DDDT sei mit einem Chassis von der Stange so leicht nicht möglich, in enger Zusammenarbeit mit den Seas-Ingenieuren wäre es aber geglückt, einen den eigenen Anforderungen genügenden „filterlosen“ Treiber zu konstruieren. Fragt man weiter, was denn nun genau geglückt sei, erfährt man, dass das ein Betriebsgeheimnis ist … Nun denn, jedenfalls habe die Konstruktion des Chassis im Zusammenspiel mit dem Volumen, auf das es arbeitet, zur Folge, dass es sich bei genannter Trennfrequenz akustisch mit 6 dB/Oktave aus dem Verkehr zieht. Der Hochtöner hingegen kommt steilflankiger ins Spiel: mit 12 dB/Oktave.

Aus welchem Holz die Diapason Adamantes geschnitzt ist, wird hingegen alles andere geheim gehalten: aus Walnussholz. Und zwar, wie schon gesagt und entgegen manch gängiger Lehre im Lautsprecherbau, aus massivem Walnussholz:

Walnussholz - das Ausgangsmaterial der Diapason-Gehäuse

Herr Schiavi spricht von „musikalischen Eigenschaften“ dieses Materials, was ehrlich gesagt natürlich alles und nichts bedeuten kann. Letztlich geht es dabei um Resonanzen-Minimierung und um Resonanzen-Steuerung, denn die unvermeidlichen Restschwingungen des Gehäuses sollen in ein möglichst „harmonisches“ Spektrum gelenkt werden. (Eine Analogie zur Theorie harmonischer Klirrspektren bei Verstärkern und deren „musikalischen Einflüssen“ liegt nahe, wird von Diapason aber nicht expressis verbis angeführt.) Und hierzu sei das Walnussholz eben ein Mittel der Wahl – neben der bewussten Verwendung unterschiedlicher Wandstärken (von 2-4 cm) an bestimmten Stellen des Lautsprecherkabinetts sowie der besonderen Form des Gehäuses, die sich übrigens – wichtig – im Innern wiederholt und dank der vielen schrägen Flächen stehenden Wellen im Lautsprecherinnern das Leben schwermacht. Wer sich von der Schreinerarbeit und dem Gehäusebau ein Bild machen möchte, findet in diesem Exkurs ein paar Impressionen.

Jenseits von Resonanzüberlegungen sei ein weiterer Vorteil des Walnussholzes ganz praktischer Natur: Es behalte – eine sorgfältige, lange andauernde Trocknungszeit vorausgesetzt – weniger Restfeuchtigkeit als andere Hölzer bei sich. Bekanntlich „lebt Holz“, soll heißen, es kann sich auch nach der Verarbeitung noch verformen. Genau dies gilt es natürlich zu vermeiden, denn anderenfalls könnte es zur Folge haben, dass der Lautsprecher durch Spannungen im Material nach einigen Jahren regelrecht aufbricht. Es sei sichergestellt, dass Derartiges mit Diapason-Wandler nicht passiere: Man kaufe nur zwanzig Jahre lang abgelagertes Holz, welches dann nochmal im eigenen Lager zwei Jahre verbringe, um absolut sicherzugehen, dass es vollkommen trocken ist.

Diapason AdamantesEin normaler Quader besitzt sechs Flächen – die Diapason Adamantes hingegen sechzehn. Neben den schon erwähnten resonanzminimierenden und -steuernden Gründen dieses „Facettenschliffs“ sieht man bei Diapason hierin auch das Mittel der Wahl, Kantenreflexionen am Kabinett zu vermeiden und für ein sehr gutes Rundstrahlverhalten des Lautsprecher zu sorgen. Das akustische Ideal sei immer noch die Punktschallquelle, so Herr Schiavi, und man habe sich dem nicht zuletzt durch die spezielle Gehäuseform stark genähert.

Apropos Punktschallquelle: Auch aus anderer Perspektive gibt es hierfür Indizien – denn eigentlich gehört doch nicht allzu viel Phantasie dazu, diese holzige 2-WegeBassreflex-Kompakte als filterloses Breitbandkonzept mit Hochtonunterstützung zu interpretieren, oder etwa nicht? Schließlich werden knapp acht (!) Oktaven vom Bass-/Mitteltöner alleine verantwortet. Und auch, wenn man die angegebene untere Grenzfrequenz von 40 Hz als nicht allzu pessimistisch abgeschätzt ansieht … das ist schon ein verdammt großer Übertragungsbereich.

Test: Diapason Adamantes | Kompaktlautsprecher

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