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Burmester B10 – Naim NAP155 XS – Bryston Endstufe – Testbericht fairaudio

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  1. 4 Burmester B10 - Naim NAP155 XS - Bryston Endstufe - Testbericht fairaudio

Was hatte Berndt Stark über den kleinen Schalltrichter vor dem Hochtöner gesagt? Dass die etwas engere Abstrahlung für HiFi-Zwecke nicht hundertprozentig ideal sein könnte? Da springen wir doch noch mal zurück zu „Kiss“. Der Titel eignet sich prima als Illustration dessen, worüber Berndt Stark in Sachen Hochtonabstrahlung sprach.

burmester b10

Peter Walker, Gründer der englischen Firma Quad, schrieb dem Lautsprecher die Rolle eines „Fensters zum Aufnahmeraum“ zu. Die Verfechter dieses Klangideals tendieren also dazu, möglichst viel von der Akustik des Aufnahmeraums und möglichst wenig von der des Hörraums – die ja nie mehr tun kann, als das Ausgangssignal zu verfälschen – hörbar zu machen. Genau dasselbe will man bei einem Studio-Monitor: Genau hören, was auf der Aufnahme drauf ist. Gebündelt abstrahlende Lautsprecher regen die Akustik des Hörraums weniger an und erlauben deshalb häufig ein stärkeres Eintauchen in die Akustik des Aufnahmeraums als breit abstrahlende Lautsprecher. Letztere tendieren dazu, den Künstler im Hörraum zu positionieren, es klingt also so, als würde der Künstler im heimischen Hörraum und nicht in einem Studio auf der anderen Seite des Erdballs spielen.

Wer das „Fenster zum Aufnahmeraum“ will, nimmt dafür in Kauf, dass er im richtigen Abstand – bei der Burmester B10 ein bis zwei Meter – und genau auf der Achse des Lautsprechers zu hören hat, ohne den Kopf dabei übermäßig hin und her zu bewegen, um im gemäßigten Nahfeld einen möglichst unverfälschten Eindruck des Originals zu bekommen. In der Situation zuhause gefällt es vielen Zuhörern dagegen besser, wenn sich das Klangbild in die Akustik des Hörraums einbindet und mit veränderter Hörposition nicht zu stark wechselt.

burmester b10

Die Prince-Aufnahme macht deutlich, dass die B10 eigentlich beiden Anforderungen gerecht wird. In anderthalb Meter Abstand, Basisbreite gut zwei Meter und exakt auf den Hörer eingewinkelt, hört man von dem Raum, in dem des Prinzen Stimme aufgenommen wurde – nichts. Genau so muss es sein, weil die Stimme offensichtlich in einer sehr stark schallabsorbierenden Kiste aufgenommen wurde. Die B10 macht das sehr deutlich, da gibt es keinerlei Aura um die Stimme herum.

Ändert man die Aufstellung, stellt die Burmester B10 „geradeaus“ auf beziehungsweise winkelt sie nur wenig ein und hört aus größerer Entfernung, dann bemerkt man, dass sie zwar offenbar etwas weniger Höhen seitlich abstrahlt als viele andere Lautsprecher und der Raumklang dadurch etwas dunkler ausfällt, dabei die Richtwirkung aber nicht so stark ist wie zum Beispiel bei manchen Hornhochtönern – die B10 regt den Raum locker so an, dass man jetzt meint, Prince würde im eigenen Wohnzimmer stehen und nach seiner Liebsten schmachten. In „modernen“ Wohnungen mit vielen nackten, schallharten Flächen, wo die Seitenwandreflektionen breit abstrahlender Lautsprecher das Klangbild gern mal zu hell oder gar scharf klingen lassen können, kann die etwas geringere Raumanregung der Burmester sogar sehr hilfreich sein.

Dazu passt ein weiterer Aspekt: Wo man bei normalen Lautsprechern den für die vorgegebene Bassabstimmung passenden Standort im Raum finden muss, kann man bei der Burmester in gewissen Grenzen den Lautsprecher dahin stellen, wo er optisch am besten hinpasst, und dann die Bass-Einstellungen (Plus oder Minus, mit oder ohne Stopfen) den Anforderungen der Positionierung entsprechend wählen. Jedoch stellte sich für mich schnell heraus, dass ich in Sachen Bassschalter eine klare Präferenz hatte: Minus. In der Stellung Plus klang es für mich weniger klar, sauber und rhythmisch durchstrukturiert, außerdem lag über Mittel- und Hochton der Hauch eines Schleiers, den ich in der Minus-Position nicht hören konnte. Schon allein die bessere rhythmische Differenzierung spricht aus meiner Sicht eindeutig für die Minus-Stellung.

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Genauso klar war meine Präferenz in Sachen Schaumstoffzylinder: Drin, bitte. Plus und Bassreflex-Kanal offen klang bei mir zwar mächtig, aber auch ein bisschen bollerig. Bei Reggae-Sound-System-Platten vielleicht angemessen, ansonsten aber nicht mein Fall. Im Ergebnis spielte die Burmester bei mir also quasi als geschlossene Box. Da sie in der gefundenen Abstimmung recht nah an der Rückwand stehen konnte, mit nur zirka 35 Zentimetern Abstand, war dennoch kein übermäßiger Verlust an Bassvolumen zu verzeichnen, und das obwohl mein Wohnzimmer mit 42 m² über der Empfehlung des Herstellers liegt, der die B10 in Räumen bis zirca 30 m² sieht.

Ein Nebeneffekt dieser Entscheidungen war, dass die Burmester B10 eine gewisse Lautstärke brauchte, um tonal ausgewogen zu klingen. Das ist nicht der B10 vorzuwerfen, sondern ist eine notwendige Folge der Physiologie des Hörens und der unterschiedlichen Empfindlichkeiten des Ohrs für verschiedene Frequenzen (vgl. beispielsweise Wikipedia). Bei der B10 lag diese „tonal richtige“ Lautstärke jedoch etwas höher als zum Beispiel bei der preislich ganz ähnlich positionierten KEF R900, die kürzlich bei mir gastierte. Wenn ich abends bei Flüsterlautstärken hören wollte, habe ich dann halt den Bassschalter doch auf Plus gestellt und den Schaumstoffzylinder herausgenommen, das war dann schon fast so etwas wie ein Loudnessschalter an der Box.

burmester b10

Eine der angenehmen Seiten der Tätigkeit für fairaudio (dass es sehr, sehr viele angenehme Seiten gibt, möchte ich hier auf besonderen Wunsch der Chefredaktion betonen (-:) ist, dass man regelmäßig mit den Entwicklern der Testgeräte sprechen kann. Was aber natürlich auch eine gute Gelegenheit für den Redakteur darstellt, sich zu blamieren, wenn man entweder Blödsinn zur Technik von sich gibt oder sonst daneben liegt.

Zur Verdeutlichung ein Zitat aus einer E-Mail, die ich an Berndt Stark richtete: „Offen und Plus habe ich für mich als ‚für das viele Geld muss man doch auch ordentlich Bass kriegen‘ abgehakt.“ Seine Antwort? „Welche Variante besser klingt, hängt von der Stehwellenverteilung im Hörraum ab, und damit auch von der Hörer- und der LS-Position.“ Das klingt doch sehr nach gerunzelter Stirn und freundlicher Ermahnung, es mal nicht zu übertreiben mit den flott formulierten Schnellschüssen. Im späteren Telefonat meinte er, dass die Hörgewohnheiten und -erwartungen, gerade was die Basswiedergabe angehe, von Hörer zu Hörer stark variierten, und die Anpassungsmöglichkeiten im Bass auch dem Bemühen geschuldet seien, den Wünschen unterschiedlicher Nutzer entgegenzukommen.

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Also habe ich die Boxen eingepackt (kann man bei Kompaktmonitoren ja mal machen) und bin zu meinem Freund Tom gefahren, dem geneigten Leser schon aus dem Naim Dac-Bericht bekannt. Dessen Hörraum ist viel kleiner als meiner, dafür muss er nicht auch als Familienwohn- und Kinderspielzimmer herhalten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, weil Toms Endstufe sich nicht mit der Burmester B10 vertrug (mit seinen Lautsprechern spielt sie prima, aber mit der B10 klang’s regelrecht kaputt; den Grund konnten wir nicht finden, wahrscheinlich haben wir irgendwo einen Bock geschossen), haben wir dann eine kleine Naim-Endstufe (NAP155 XS) benutzt. Das passte wunderbar.

Tatsächlich veränderte sich meine Präferenz. In Toms Raum gefiel mir immer noch die Minus-Stellung des Frequenzweichenschalters besser, allerdings mochte ich den Schaumstoff-Pfropfen im Bassreflexkanal nicht ganz, sondern nur ein oder zwei Zentimeter hineingeschoben, so dass der Bassreflexkanal noch ein bisschen mitspielen konnte. Das war der für meinen Geschmack beste Kompromiss zwischen Präzision und Tonalität. Tom dagegen mochte die Minus-Stellung und den Kanal ganz offen. Okay, der Entwickler hat mal wieder recht, man darf als Tester die eigenen Vorlieben nicht verabsolutieren, sondern muss anderen Hörern ihren eigenen Geschmack zugestehen. Zähneknirschend natürlich.

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Test: Burmester B10 | Kompaktlautsprecher

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