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Klangliches zum B.M.C DAC1

Inhaltsverzeichnis

  1. 4 Klangliches zum B.M.C DAC1

Wie es klingt? Nun, Kollege Jörg meinte neulich in einem ganz anderen Zusammenhang „wie der Umstieg von Lego Duplo auf die normalen Klötzchen“ – und das trifft es hier auch ganz gut.

BMC D/A-Wandler mit Notebook

Die Differenzierung unterschiedlicher Klänge gelingt ja durchaus schon in deutlich preisfreundlicheren Gegenden gut. Auf der (ewigen) Jagd nach den letzten Klangperformancepünktchen spielt dann – zumindest für mich – immer mehr die Frage nach der Differenzierung des einen Tons/Klangs eine Rolle, also: Wie gut gelingt es, den zeitlichen Verlauf (Attack – Sustain – Decay) fein abgestuft nachzuzeichnen? Und wie sehr wird vermeintlich Akzidentielles – die leichte Rauheit einer Stimme beispielsweise, versehentliches Schnarren einer Saite, leise „Windgeräusche“ während eines Saxophontons etc. – nicht nur hörbar, sondern akkurat durchgelassen, also weder überspitzt noch aggregiert dargestellt?

BMC DAC1Was soll denn nun „aggregiert“ heißen? Tori Amos‘ wurde auf verschiedenen Alben das Mikro offenbar recht nah an die Lippen platziert. Über mittelprächtiges Equipment kann das auch zischlig klingen. Besseres Gerät bringt dann zum Vorschein, dass da nichts zischt, oder besser gesagt: dröselt das, was vorher ein Zischeln war, in einen detailreicheren, „kleinteiliger“ nachgezeichneten Gesangsvortrag auf. Beim B.M.C.-Wandler hab‘ ich nun glatt den Eindruck, zu wissen, wo sich Ober- und Unterlippe der Sängerin gerade befinden – leicht übertrieben formuliert. Der zu Vergleichszwecken herangezogene Benchmark-DAC bringt die kleinen, nebensächlichen Details gefühlt lauter zum Vorschein – lauter, aber eben auch gröber. Hierdurch spielt er diese „Nebensächlichkeiten“ etwas mehr in den Vordergrund. Vordergründigkeit ist beim B.M.C. nun keinesfalls auszumachen. Er gliedert Akzidentielles natürlich ein, wirkt feinteiliger und im positiven Sinne dezenter, weil durchlässig und sehr feindynamisch im Vortrag. Ja, es ist wirklich mein Eindruck, dass er gerade deshalb so natürlich wirkt, weil er so hoch auflösen kann.

Es geht hier also nicht um etwas Tonales/Klangfarbliches (heller, dunkler, leuchtend, matt …), sondern um die Texturen der Töne, die sehr exakt freigelegt werden; oder, um im Bild zu bleiben, um die Frage, worauf denn die Klangfarbe „gemalt“ wurde. Eine Leinwand mag aus fünf Metern Distanz „uni“ ausschauen, tritt man näher heran, wird man der Materialstruktur gewahr. Diese Strukturen weder zu unterschlagen/zu verwischen, noch sie vergröbernd, holzschnittartig-überdeutlich zusammenzubasteln (zu „aggregieren“), sondern, naja: durchzulassen – das ist eine Kernkompetenz dieses D/A-Wandlers. Eine im wahren Sinne des Wortes feine Sache.

Doch nicht nur hinsichtlich der Darstellung der einzelnen Klänge lautet die Devise: „Pack‘ die Duplo-Steine weg“, auch was den Bühnenaufbau angeht, wird sehr kleinteilig-genau vorgegangen.

Im Vergleich zum erwähnten Benchmark lässt sich feststellen, dass der B.M.C. die Töne einfach weniger breit-flach sowie kleiner und präziser abbildet und deutlich plastischer gestaltet, was sich auch auf den Raumeindruck insgesamt auswirkt, einfach deshalb, weil es da nun mehr Platz und tiefe Ruhe zwischen den einzelnen Klang-Bausteinen gibt. Es wirkt aufgeräumt und transparent, das Arrangement der Musiker ist jetzt deutlich leichter nachvollziehbar. Sowas ist schön bei kleiner Besetzung, einem Jazztrio beispielsweise, aber wohl noch wichtiger bei dichterem Getümmel, welches nämlich weniger zusammengepappt/komprimiert dargeboten wird.

Nicolas Jaar/Space Is Only Noise

Nun kenne ich durchaus noch Dichteres als Nicolas Jaars Album Space Is Only Noise, aber auch in diesen mit viel Software und Samples künstlich generierten sphärischen Klangraum tauche ich viel leichter und tiefer ein, wenn der B.M.C. wandelt:

Meersrauschen, Pianosprengsel, entferntes Kinderlachen, Vinylknistern, herumvagabundierende Vocals, fette Slowmotionbeats – das Ganze wird mir nicht, übertrieben formuliert, als Gesamtsoundbatzen vor die Füße gekippt, sondern hat eine offene, klare und liquide Qualität. So lässt sich angenehm darin versinken. Doch das ist nur der eine Grund, warum diese Art der Bühnenillusion einen gefangen nehmen kann. Den anderen entdecke ich, als ich den B.M.C. DAC1 mit meinem Luxman SACD/CD-Spieler vergleiche, der ebenfalls als ausnehmendes Raumtalent durchgehen darf. Plastisch, präzise und transparent geht auch der vor, und was die Tiefenstaffelung angeht, sehe ich da sogar noch ein paar Handbreit mehr Ausleuchtung am Werk. Allerdings agiert der Japaner im Direktvergleich etwas distanzierter, mit dem B.M.C. spielt die Musik weiter vorne. Ob man das schätzt, ist natürlich Geschmackssache, aber tendenziell trägt es schon dazu bei, dass ich den B.M.C. als involvierender und zupackender wahrnehme.

CC Tech
CC wie Carlos Candeias

Wie schaut es tonal aus? Das ist leicht zu sagen: sehr neutral. Eventuell mit eine Nuance weniger Volumen im Oberbass/Grundtonbereich, je nachdem, womit verglichen wird. Ein Benchmark DAC1 USB spielt hier definitiv eine Spur üppiger, dabei gleichzeitig aber auch ungenauer, wolliger im Bass. Ein North Star USB dac32 tönt ebenfalls straight-neutral, dabei sogar noch ein klein wenig schlanker im Mittenband – der B.M.C. ist auf jeden Fall näher bei ihm als beim Benchmark. Nehme ich den Luxman-Player als Referenz, wirkt der Testkandidat schon drahtiger/heller im Stimmbereich. Der Japaner entwickelt zudem mehr Schub im oberen Bass, agiert allerdings nicht so radikal durchgezeichnet im Subbass wie der B.M.C. Und auch ganz oben, in den höchsten Lagen, scheint mir der Wandler noch eine Spur strahlender vorzugehen.

EverlastSchönfärben funktioniert mit dem B.M.C. Audio DAC1 also nicht. Mittelmäßige Aufnahmen klingen genau so. Sind die außerdem noch ein wenig karg und hart geraten, kommt wenig Freude auf. Ich hatte Everlasts „Black Jesus“ laufen: Die anfängliche Akustikgitarre flirrt wunderbar, die Stimme ist schon nicht mehr ganz so wunderbar – und die E-Gitarren säbeln sich dann schließlich ins Ohr, zumindest bei dem Pegel, den ich drauf hatte. So ist das mit gradlinigen Geräten, die akustische Rendite fällt bei guten Aufnahmequalitäten dafür umso höher aus.

USB-Receiver-Board
USB-Receiver-Board

Nun will ich nicht jeden Frequenzbereich durchdeklinieren, das Relevanteste scheint mir oben schon gesagt worden zu sein: hochaufgelöst, feingliedrig, reich an Texturen und feindynamischen Schwebeteilchen ertönt es – quer übers Frequenzband hinweg. Allerdings sei noch mal extra betont, dass die unteren Lagen sehr trocken und konturiert, richtig bissfest und hart/strukturiert bis in den tiefsten Keller hinab ausgegeben werden. Der Bass gehört qualitativ mit zum Besten, was mir Digitalquellen bisher geboten haben – auch wenn ich manchmal noch etwas mehr Schub vertragen könnte.

So weit, so gut. Bleiben noch zwei Dinge zu ergänzen …

Test: B.M.C. Audio DAC1 | D/A-Wandler

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