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Technik B.M.C. Audio DAC 1

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Technik B.M.C. Audio DAC 1

Die B.M.C.-Audio-Mannen gehen in mancherlei Hinsicht etwas andere Wege, und die Pegelregelung ist so eine Stelle. „Discrete Intelligent Gain Management“, kurz DIGM heißt sie, und die Grundidee dazu ist so elegant-einfach, dass man sich fragen kann, warum andere das nicht auch so machen.

DIGM-Buchsen für den linken und rechten Kanal
DIGM-Buchsen für den linken und rechten Kanal

Statt das Ausgangssignal zu verstärken – oder richtiger: abzuschwächen, das ist’s ja, was Vorverstärker mit Quellsignalen in der Regel tun –, verlässt es den DAC1 mit fixem Pegel, über Lichtleiter wird dabei aber gleichzeitig ein Steuersignal an die BMC-Endstufe gesendet, welches den Verstärkungsfaktor ebendieser triggert. Mit der so erreichten Reduzierung unnötiger Verstärkung sollen Verzerrungen und Rauschen reduziert und der Signalweg deutlich kürzer gehalten werden können, was sich klanglich sehr bezahlt mache, so B.M.C. Theoretisch hört sich das gut an – praktisch wird es von uns vielleicht einmal später getestet werden, hier und heute soll es um den DAC als solchen und seine „konventionelle“ Vorverstärkerfähigkeit gehen. Doch erwähnen wollte ich die DIGM-Funktion, sie ist ein zentraler technischer Gedanke jeder „ganzheitlichen“ BMC-Anlage. (Wer sich für den Vollverstärker interessiert – hier ein Test des B.M.C. Amp C1.)

Schaut man sich weiter auf der Rückseite des B.M.C. Audio DAC1 um, tauchen die nächsten Fragezeichen auf: „Wow, neun Digitaleingänge! Aber warum sind davon gleich fünf mit BNC-Buchsen versehen worden?“

BMC DAC1 - Rückseite

Nun, der B.M.C. DAC1 Pre HiRes USBII, so heißt das Gerät in Vollausstattung, besitzt genau genommen gar nicht neun, sondern sechs Digitaleingänge: Da sind zum einen drei S/PDIF-Inputs (Cinch, BNC und Toslink), ein AES/EBU-Eingang und eine USB-Buchse. Und zum anderen noch einmal vier BNC-Buchsen, die in Summe den „Superlink“ bilden.

Superlink-Verbindung bei BMC
Gleich vier separate Digitalkabel braucht es, um das B.M.C. Laufwerk mit dem Wandler zu verbinden

Hierbei handelt es sich um eine Art I²S-Schnittstelle mit externer Clock zur Verbindungsaufnahme mit dem (separat zu erwerbenden) B.M.C. Audio CD-Laufwerk. Deren wesentlicher Unterschied zum gängigen S/PDIF- und auch AES/EBU-Standard ist, dass die Clocksignale nicht zusammen mit den Audiodaten über eine Leitung geschickt werden, wozu beim Sender eine Kodierung und beim Empfänger entsprechend eine Dekodierung nötig ist, sondern separate Leitungen für die Taktsignale (Bit-, Left/Right- und Master-Clock) und die eigentlichen Audiodaten existieren, was laut B.M.C. ein großer Vorteil sei:

Superlink BMC

Nicht nur entfielen der Kodierungs/Dekodierungs-Aufwand und damit einhergehende Probleme, auch das Rekonstruieren der Samplingfrequenz durch die PLL-Regelschleife des empfangenden DACs, wie es bei der S/PDIF-Übertragung üblich ist, sei ein Einfallstor für Jitter. Die Idee, die I²S-Schnittstellenspezifikation, die eigentlich für die Kommunikation innerhalb eines Digitalgerätes (Inter-IC Sound Interface) entwickelt wurde, auch für jene zwischen separaten Komponenten zu verwenden, ist nicht ganz neu, allerdings derzeit wenig gebräuchlich. Mir fallen auf die Schnelle nebst B.M.C. Audio nur noch zwei Hersteller ein, nämlich North Star Design und PS Audio. Schade eigentlich. Schade auch, dass es – in alter HiFi-Branchen-Tradition – mal wieder keinen Verkabelungsstandard gibt. Drei Anbieter, drei Kabel: HDMI bei PS Audio, RJ45 bei North Star, vier Koaxkabel mit BNC-Kupplung schließlich bei B.M.C. Seufz!

Superlink

Die Rückseite und damit die Anschlussmöglichkeiten unseres Testkandidaten wären also schon fast geklärt: das analoge Signal verlässt den Wandler mit fixem Pegel über Cinch oder symmetrisch via XLR; mit variablem Pegel geht’s aus dem Preamp-Modul (ausschließlich) symmetrisch nach draußen. So, dann schrauben wir einmal den Deckel ab und riskieren einen Blick ins Innere. Von links nach rechts sehen wir hier vier Platinen:

B.M.C. Audio DAC1 - Innenansicht

Zunächst die Stromversorgung mit einer ganzen Armada kleiner, gelber Männchen, 31 Kondensatoren hab‘ ich gezählt, das entspricht in Summe circa 70.000 µF Siebung. Nur mal als Vergleich: Meine Monoendstufe kommt auf 60.000 µF. Okay, pro Kanal, aber trotzdem ist das für einen DAC eine ganz schön heftige Nummer, was B.M.C. hier macht; auch in Relation zum eher normal dimensionierten 50-VA-Ringkerntrafo.

Kondensatorbank des BMC-Wandlers

Die Kondensatoren sind übrigens eine eigene Entwicklung. „Balanced-Current“ werden sie genannt, was auf den Umstand hinweisen soll, dass ihre Lade- und Entlade-Kennlinien einen ganz ähnlichen (spiegelbildlichen) Verlauf besitzen und parasitäre Induktivitäten deutlich geringer ausfallen als bei normalen Elkos. „Im Netzteil erweisen sie sich einerseits als erheblich besser in jeder Art von Störungs-Unterdrückung von mittel- und hochfrequenten Netzeinflüssen, was zu mehr Hintergrund-Ruhe führt, andererseits wird durch eine schnellere Energieabgabe eine lebendigere Dynamik ermöglicht“, sagt Michael Conrad von B.M.C. dazu.

Decoder/Logic-Platine

Platine Nummer 2 ist das Decoder/Logic-Modul, zu dessen Funktionen B.M.C. aufzählt: „S/PDIF-Decodierung, I²S-Routing, optionaler Sample Rate Converter, USB Interface, Superlink Interface, I²C-Bus zur Kontrolle praktisch aller Chips, Mikrocontroller, der den ganzen DAC verwaltet, Bedien-Interfaces und eine Armee von Spannungs-Reglern nebst Gyratoren zur Minimierung von Störungen (jede kleine Funktionseinheit hat ein eigenes Set).“

Zwei Wandlerchips von BurrBrown

Die eigentliche Wandlung erfolgt allerdings auf Platine Nummer 3 durch zwei (kanalgetrennte) Burr-Brown-PCM1792-Wandlerchips, deren Ausgangsstrom mittels sogenannter „Current Injection“-Module (diskret aufgebaute Strom/Spannung-Wandler, eine Spezialität von Carlos Candeias, Chef und Entwickler von B.M.C. Audio) in eine symmetrische Ausgangsspannung übertragen wird, welche schließlich in die ebenfalls symmetrisch ausgeführte „LEF“-Ausgangsstufe mündet, einer weiteren Candeias-Entwicklung: Die lasteffektfreie Ausgangsstufe beschreibt er als „kaskodierte Single-Ended Class-A-Schaltung mit Stromentlastung“. Der LEF-Transistor soll in ihr möglichst wenig „arbeiten“ und im linearsten Bereich seiner Kennlinie bleiben, weshalb „Assistenz“-Transistoren im Verbund mit einer Servo-Schaltung ihm quasi den schweißtreibensten Job abnehmen, also vor allem die Stromlieferung Richtung Lautsprecher besorgen.

Current-Injection-Module
Current-Injection-Module

Ganz rechts finden wir schließlich Platine Nummer 4 – das Preamp-Board. Auf ihm befindet sich die „normale“, also „nicht-DIGM“-Lautstärkeregelung in Form einer digital gesteuerten Widerstandsdekade, realisiert in einem Chip des Herstellers Maxim.

Schauen wir uns die Frontseite des Geräts an. Gibt es hier weitere Auffälligkeiten? Nun, die Knöpfchen rechts vom Lautstärkerad – Eingangswahl, Mute, Dim – bedürfen wohl keiner weiteren Erklärung, doch mit den vieren auf der linken Seite lassen sich noch ein paar „unüblichere“ Einstellungen vornehmen:

Einstell-Optionen am BMC-Wandler

1) Zwei Digitalfilter – „Flat“ und „Pulse“ – stehen zur Auswahl. Zuerst genanntes ist das gängige „Linear Phase“-, das zweite hingegen ein „Apodizing“-Filter, welches für minimale Vorschwinger bei Impulsen sorge tragen soll, aber einen leichten Pegelabfall im Superhochtonbereich nach sich ziehe. Etwas, das bei dieser Filtercharakteristik ja üblich ist. Manfred Penning von B.M.C. Audio ist überzeugter „Pulse“-Hörer, konzediert aber, dass das letztlich auch Geschmacksache und kettenabhängig sei.

2) Je nach Gusto kann zwischen 32fachem und 128fachen Oversampling hin und her geschaltet werden.

3) Ein Upsampler lässt sich aktivieren, was je nach Quelle und deren Jitterlevel sinnvoll sein kann, so Penning. Wird das B.M.C.-eigene CD-Laufwerk verwandt, steht diese Option allerdings nicht zur Verfügung – weil dies die beste Möglichkeit sei, den DAC auf direkten Weg mit Daten zu versorgen und ein Hochrechnen deshalb obsolet sei.

4) Zudem kann man den Ausgangspegel um +3 dB anheben, was je nach Verstärkung klanglich überzeugender sein könne.

Test: B.M.C. Audio DAC1 | D/A-Wandler

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