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Blumenhofer – klanglich Eindrücke

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Blumenhofer - klanglich Eindrücke

Blumenhofer (und Ascendo) im Hörraum

Natürlich lässt sich für knapp 9.000 Euro mehr Tiefgang einkaufen und auch schlicht mehr Basspegel – wenn Sie das denn wollen und/oder brauchen. In meinem 100-Kubikmeter-Zimmer bewegte die Genuin FS 3 hinreichend viel Luft im Untergeschoss, um balanciert zu klingen, da kippte tonal nichts um, wenngleich sie mit einem Fuß auf der leichteren Seite steht. Aber für alle Tieftonschweinereien ist sie nicht zu haben. Zur Wiederholung: Die Blumenhofer misst keinen Meter in der Höhe, hat ungefähr 35 Liter im Bassdepartment zu bieten und setzt dort ein 8-Zoll-Chassis ein. Physis und Physik korrelieren bisweilen.

In den allertiefsten Lagen werden also keine Bäume ausgerissen; was aber die Bassregion darüber anbelangt, so darf man die mit Recht neutral nennen, was insbesondere auch heißt: Ein Oberbassbäuchlein kann ich nicht entdecken und damit einhergehende Verdeckungseffekte ober- und unterhalb dieses Frequenzbereichs ebenso wenig. Das Untergeschoss der Blumenhofer Genuin FS 3 gibt sich Cake / Prolonging the Magickonturiert, sehr trocken und differenziert. Das ist beispielsweise beim Cake-Song „Hem Of Your Garment“ klar auszumachen: Drums und E-Bass werden anstrengungslos und trocken kredenzt, vor allem aber auch sauber voneinander getrennt, wo’s mit weniger differenziert spielenden Lautsprechern schon mal gleichgemacht klingt. Zwar bringen meine Ascendo System F hier mehr Gesamtmasse ins Spiel und tönen insofern kompletter bei gleich gutem Differenzierungsvermögen – aber dafür spielt die Blumenhofer insgesamt straffer/schneller und „knallt einfach mehr“ bei den Drumschlägen. Ein wenig so, als stände man statt acht vier Meter von der Bühne im Club entfernt, ein Stick, der das Fell trifft hat dort mehr Würze – sehr angenehm unmittelbar ist das!

Blumenhofer Genuin FS 3

Überhaupt ist das der Punkt, der mich an der Bassperformance der Blumenhofer neben ihrer trocken-differenzierten Gangart am meisten anspricht: Eine recht selten zu hörende, unmittelbare und leichtfüßige Note ist hier im Spiel. Federnd, frei und völlig anstrengungslos werden Synthibässe, Bassdrums und Ähnliches ausgeteilt, nie tönt es nach Arbeit, nach Kraftakt und Hauruck, sondern spielerisch, locker-flockig – „das machen wir mal mit links“ – und eben drum ungewöhnlich … unmittelbar. Na klar können Lautsprecher, die mehr Treiberfläche einsetzen – wie eine Naim Ovator oder eine ZU Presence oder auch Basshorn-Konzepte – jenseits der Frage des schieren Impacts noch mal leichtfüßiger, luftiger im Bass tönen. Gleichwohl besitzt die Blumenhofer Genuin FS 3 dieses seltene Gen. Positive Nebenwirkung dabei: Von der Leichtigkeit und dem Tempo im Frequenzuntergeschoss profitiert das Rhythmusgefühl insgesamt – die Blumenhofer ist ein sehr lebendiger Lautsprecher.

Was natürlich auch eine Folge dessen ist, dass einem das Initialmoment von Klängen mit der Genuin FS 3 sehr direkt ans Ohr geliefert wird. Gemütlich oder gar gemächlich passt zur Charakterisierung nun überhaupt nicht. Hart aber auch nicht, zumindest dann nicht, wenn „artifiziell“ beziehungsweise „in die Musik von außen hineingetragen“ mitgedacht werden. Wenn’s aber hart sein muss, weil’s so auf der Platte draufsteht, kommt bei der Blumenhofer kein Weichzeichner zum Einsatz, sowas klingt dann einen Tick näher dran, und je nach Gusto kann das ein recht entscheidender Tick sein.

Genuin FS 3 - Hochtonhorn von der Seite

Die Blumenhofer agiert also sehr impulsfreudig – wohl auch kein Wunder bei der straffen Bassabstimmung und einem Horn für den Hochtonbereich. Der sich hieraus ergebende unverschleierte Direktkontakt mit der Musik ist die eine Seite der klanglichen Medaille – die ausgeglichene, aber tendenziell ins Leichtere neigende tonale Balance die andere. Doch muss ich Letzteres vielleicht noch mal präzisieren, damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich bin nämlich nicht der Meinung, dass es im Bereich zwischen Grundton und den obersten Lagen eine Schlagseite zum Hochton gibt, wie der überinterpretierende Leser mutmaßen könnte.

horn der Blumenhofer Genuin FS 3

Meine Beobachtung ist vielmehr die, dass es mit der Blumenhofer bei relativ stetigen, gehaltenen Klängen – Bläser, Streicher, Gesang, auch Synthetisches – nicht wirklich heller (oder dunkler) tönt als das, was man landläufig mit „neutral“ bezeichnen würde. Wenn es gleichwohl doch leichter klingt, dann resultiert das aus der Kombination eines für ihre Größe respektabel druckvollen, insbesondere verdammt schnellen Basses, dem maximale Tiefgründigkeit abgeht, mit einem außergewöhnlichen Talent, transiente Klänge in Echtzeit zu servieren – und die sind nun mal per se steilflankiger, ergo hochtonlastiger.

Ja, das Hämmerchen eines Klaviers kann eine Saite ganz schön hart treffen und eine trocken gedroschene Snare kann ab einem gewissen Pegel auch mal wehtun – und man darf der Meinung sein, dass das bitte daheim auch so rüberkommen soll. Eine sonore Männerstimme bleibt mit der Genuin FS 3 aber sonor, wird nicht ausgehöhlt oder mit einer heiseren Rauchigkeit überzogen, die nicht da sein sollte. Dieser Lautsprecher tönt neutral und ausnehmen flott bei Impulsen, fürs Prädikat „Full-Range“ fehlt ganz unten was – summarisch gehört und tonal über alles betrachtet, nenn‘ ich das dann „leicht“.

Okay, was hatten wir bisher? Federnd-trockener Bass, impulsschnell, etwas leichter … das passt auf jeden Fall schon mal zur Genuin FS 3, und natürlich gewinnt die Wiedergabe rhythmuslastiger Musik von solchen Tugenden. Nur sollte man jetzt nicht den Fehler machen und den Lautsprecher in die Rock ‘n‘ Roll-Ecke schieben. Na klar kann die Blumenhofer auch rotzig zulangen, vor allem ist sie aber ein (fein)dynamisches Talent sondergleichen, der Gourmet-Stoff geht also durchaus, es muss nicht immer Electropunk sein. Wobei …

PVT / Church with no MAgic

„Math-Rock“, „Art-Noise“ oder womit auch immer Rezensenten die Musik von PVT (die früher Pivot hießen) zu beschreiben suchen, geht ziemlich gut, ehrlich gesagt. So gut, dass ich unwillkürlich lachen musste ob des Willens der australischen Band, allzu übliche Hör-Erwartungen immer ein wenig enttäuschen zu wollen, sei’s, dass an sich eingängige Melodiebögen mit so viel Elektrogefrickel garniert werden, dass sie sich im Hirn verhaken, sei’s, dass das vermeintlich kopfige Elektrogefrickel durch saftige, rockige E-Gitarrenriffs konterkariert wird, die dann aber sperriger als eine rechtschaffene Haudrauf-Rockerattitüde es erlauben würde nachbearbeitet und arrangiert werden … Das alles präsentiert mir die Blumenhofer ganz unmittelbar und transparent, sie zieht mich in diese Musik rein – auch wenn das Album Church with no Magic bewusst auf „kratzbürstig“ und etwas unzugänglicher getrimmt wurde. Aber das nur nebenbei, eigentlich wollte ich ja zum dynamischen Verhalten der Blumenhofer und dessen Beitrag zum Klangbild kommen. Ein durchaus vielschichtiges Thema …

Test: Blumenhofer Genuin FS 3 | Standlautsprecher

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