Billboard
Orbid Sound Next Generation

Klang Krell S300i: Unprätentiöse Potenz …

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Klang Krell S300i: Unprätentiöse Potenz …

Natürlich war ich gespannt, wie sich der potente Krell S-300i (300 Watt Leistung an 4 Ohm) an meinen Geithain ME 150 macht. Die werden sonst leistungsmäßig weniger verwöhnt, auch wenn mein Jadies Orchestra blacksilver mit seinen 45 Watt nicht unbedingt als ausgemachter Hungerhaken durchgeht. Aber Röhrenverstärker sind ja per se nicht gerade für Dämpfungsfaktor und Kontrolle bekannt.

krell s300i

Ich gebe zu, ich hatte mich eigentlich auf den Auftritt eines Kraftmeiers eingestellt. Umso mehr war ich vom ersten klanglichen Eindruck überrascht, den der Krell S-300i auf mich machte: „Geschmeidig“ ging mir nach ein paar Takten (Indigo Swing: „Indigo Swing“) durch den Kopf. Überhaupt nichts von dem breitbeinigen, großspurigen Auftritt, mit dem ich unter Einbeziehung all meiner Vorurteile gegen amerikanisches HiFi gerechnet hatte. Vielmehr nahm mich der Krell sofort mittels seines Sinn für Feinheiten gefangen. Er liefert kein Klangbild, das einen anspringt, sondern eines, das einen förmlich hinein saugt. Zum Vergleich fällt mir sofort der Astin Trew AT 2000 ein. Auch wenn dieser nicht unbedingt meinem persönlichen Klangideal entsprach, hat er mit seiner unprätentiösen, hochmusikalischen Wiedergabe einen bleibenden Eindruck beiastintrew mir hinterlassen. Der Krell S-300i geht klanglich in eine ähnliche Richtung. Wirkte der AT2000 allerdings teilweise nicht gerade wie ein Ausbund an Kraft, lässt der Krell zu keiner Zeit Zweifel daran aufkommen, dass er ausreichend Leistung bereithält, um jederzeit einen souveränen Auftritt hinzulegen. Machte man sich beim Astin Trew gelegentlich Sorgen, dass die Pianistin ihren bezaubernden Vortag nicht zu Ende bringen könnte, weil das nächste Fortissimo ihre Kräfte übersteigt, hat man beim Krell eher den Eindruck, dass sie nach ihrem um nichts weniger beeindruckenden Klavierpart aufspringt und eine dreistündige Bühnenshow hinlegt – mit der Option auf die eine oder andere Zugabe.

Nachdem sich der Verstärker noch ein paar Tage einspielen durfte wurde es Zeit, mich eingehender mit der klanglichen Performance des Kress S-300i zu beschäftigen. Ich habe übrigens den Eindruck, dass der Verstärker noch etwas ruhiger und tiefgründiger wird, wenn er eingespielt ist und zudem Betriebstemperatur erreicht hat.

Ich beginne mit meiner bevorzugten Musikrichtung: Jazz. Die Stimme von Holly Cole („Romantically Helpless“) steht zweifelsfrei im Zentrum des Geschehens und ich bin von der nuancierten Wiedergabe beeindruckt.cd holley cole Dennoch kann ich problemlos meine Aufmerksamkeit auf das Schlagzeug richten und bekomme alle Feinheiten mit. Die Hi-Hat habe ich selten so akkurat und differenziert gehört wie über den Krell. Der Bass des Krell S-300i ist dabei schnell und nicht ganz staubtrocken. Dafür fügt er sich harmonisch, unaufdringlich ins Musikgeschehen ein. Effekthascherei durch tumbe Gewalt ist ihm fremd. Wer Bassorgien erwartet, wird enttäuscht – zumindest, wenn diese Bassorgien musikalisch nicht vorgesehen sind. Was aber an Bass auf dem Musikträger drauf ist, wird unmissverständlich in Schub umgesetzt. Wenn Dee Dee Bridgewater auf „Live at Yoshis“ mit verschiedener Percussion hantiert und dann das Schlagzeug einsetzt, hat man überhaupt keinen Zweifel daran, dass der Krell an den 4 Ohm der Geithains 300 Watt mobilisieren kann. Hier bedeutet mehr Lautstärke unmissverständlich mehr Spaß.

Der Wechsel zu Klavier bringt ebenfalls Beeindruckendes zu Gehör. Chihiro YamanakaChihiro Yamanaka, „Abyss“: Was diese junge Dame an Jazz aus dem Piano holt ist irre! Unter dem Eindruck derartig virtuoser Perfektion muss ich akut an meinen „Giftschrank“ gehen und mir einen japanischen Single Malt einschenken (Karuizawa Pure Single Malt, 12 Jahre). Okay, offensichtlich treibt man in Japan neben Musik auch andere importierte kulturelle Errungenschaften zur Perfektion … Der Gedanke, jetzt auch auf einen japanischen Edelverstärker umsteigen zu wollen, blitzt sogar ganz kurz auf. Die Zufriedenheit und Behaglichkeit, die sich angesichts der krellunglaublich guten Performance der amerikanisch-chinesischen Koproduktion (und des japanischen Whiskys) bei mir breit macht, lässt den Gedanken sofort verlöschen. Es ist schier unglaublich, wie plastisch der Krell den über das Fell der Trommeln streichenden Besen darstellt. Wohin ich meine Aufmerksamkeit auch richte, immer kriege ich Details in Hülle und Fülle zu hören. Dennoch steht das musikalische Gesamtbild ganz klar im Vordergrund. Was die Darstellung musikalischer Zusammenhänge betrifft, kann es der Krell beinahe mit meinem geliebten Jadies aufnehmen. Was die Detailzeichnung betrifft, ist der Krell dem Jadies deutlich überlegen.

Pop. Bei „Human“ auf der CD „Felt Mountain“ von Goldfrapp grollt der Bass tief und untermalt eindrucksvoll die Abgründe des menschlichen Daseins. Beeindruckend das Arrangement aus synthetischen Klängen und der eigentümlichen Stimmedoldfrapp von Alison Goldfrapp. Und wieder neige ich zuerst dazu, in der Musik zu schwelgen, bevor ich kritisch die Ohren spitze und – nichts zu meckern finde. Okay, bevor Sie mich jetzt für unglaubwürdig halten: Es gibt Verstärker in dieser Preisklasse, die einen noch strafferen, trockeneren und brachialeren Bass produzieren. Andere haben in den Höhen noch einen Hauch mehr Glanz und Luftigkeit zu bieten. Aber ich fürchte, für wenige Prozent mehr in Sachen Bass oder Höhen laufen Sie dann Gefahr, einen empfindlichen Verlust an Musikgenuss insgesamt hinzunehmen.

Fragen Sie mich nicht warum, aber beim Zappen durch meine Musiksammlung bleibe ich bei einigen Party-Samplern aus den 1990er Jahren hängen. Als ich seinerzeit meine CD-Sammlung auf Festplatte gerippt hatte, war ich wohl nicht gerade wählerisch – Hauptsache, die Festplatte wird voll. Die für die Wiedergabe auf einem Brüllwürfel optimierten und folglich dynamikkomprimierten Tracks machen im Normalfall wenig Spaß, wenn man sie über eine hochwertige Anlage hört. Meist klingt es flach, kraftlos und langweilig. Nicht über den Krell S-300i. Der „macht“ zwar keinen Sound, und Informationen oder Dynamik, die auf dem Quellmaterial nicht drauf sind, kann (und soll) auch er nicht hinzufügen. Aber er bringt diesen 70er, 80er, 90er Jahre Pop, Rock, Funk und Soul irgendwie zum Swingen. Ich kann nicht erklären, wie das geht, aber es macht Spaß!

krell s300i

Einzig einen Bassregler vermisse ich, um noch stilechten 80er-Jahre Wummer-Bass durch meine Wohnung wabern zu lassen. Bei allen Qualitäten ist sich der Krell S-300i offensichtlich nicht zu schade, um auch mal auf der einen oder anderen Party für Stimmung zu sorgen. Und ich verspreche Ihnen – es wird getanzt!

Test: Krell S-300i | Vollverstärker

  1. 3 Klang Krell S300i: Unprätentiöse Potenz …
Billboard
AudioQuest