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Fonel Emotion: Technik & Konzept

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Fonel Emotion: Technik & Konzept

fonel emotion

Zu schwer für die Stange wäre der Fonel Emotion sowieso: Knapp dreißig Kilo bringt er auf die Waage – neun Kilo gehen davon allein auf das Konto des 2 x 360VA leistenden Ringkerntrafos, der zwei getrennte Wicklungen aufweist und beide Stereokanäle jeweils über einen eigenen Abgriff mit Energie versorgt. Nennenswerten Anteil am Gewicht hat sicherlich auch das Gehäuse, dass nun nicht, wie häufig anzutreffen, mit einer besonders dicken Frontplatte um Aufmerksamkeit buhlt und es ansonsten bei mehr oder weniger dünnem Blech belässt, sondern rundherum mit fünf Millimeter dicker Stahlplatte sowie aufgesetzten Massivholzapplikationen aufwartet, was laut Fonel nicht zuletzt dem Ziel der Resonanzarmut geschuldet sein soll.

fonel emotion

Die Holzapplikationen gibt’s in mehreren Ausführungen: Die dunkleren Sorten sind sicherlich mehrheitsfähiger, wenngleich mir persönlich das helle Holz gut gefiel …

Fonel proklamiert für seinen Emotion einen Doppelmonoaufbau, was angesichts nur eines einzelnen Trafos – trotz zweier Wicklungen – strenggenommen auch anders definiert werden könnte. Aber letztendlich soll’s ja bei unserer Kritik auch nicht ums Kaprizieren auf bestimmte Begriffe gehen – zumal Fonels Emotion in der Tat zwei lupenrein getrennte Kanalzüge aufweist (was u.a. der Kanaltrennung fonel emotionund damit einem akkuraten Bühnenbild zugute kommt), welche zudem vollsymmetrisch ausgelegt sind. Somit werden die an den XLR-Eingängen anliegenden Signale im Inneren des Verstärkers auch tatsächlich in symmetrischer Form weitergeführt beziehungsweise verarbeitet. Nicht zuletzt aufgrund des damit verbundenden ungleich höheren Bauteileaufwands ist dies keinesfalls als Selbstverständlichkeit anzusehen – nicht wenige HiFi-Komponenten, die äußerlich mit XLR-Buchsen daherkommen, weisen innerlich ein asymmetrisch geführtes Schaltungsdesign auf.

fonel verstärker

In puncto Kraft & Kontrolle gibt sich das Datenblatt des Fonel Emotion recht „bärig“: Eine Ausgangsleistung von 2 x 300 Watt an 4 Ohm (ca. 2 x 200 Watt/8 Ohm) und 10 Milliohm Ausgangswiderstand (entspricht einem Dämpfungsfaktor von 800 an 8 Ohm) sollten auch anspruchsvolle Schallwandler gut im Zaum halten – zumal laut Fonel selbst bis 1 Ohm hinunterreichende Impedanzminima keine unlösbaren Aufgaben darstellen. Eingangsseitig hat’s drei Cinch-Buchsen der robusten Sorte sowie eine XLR-Schnittstelle. Gegen 100 Euro Aufpreis ist der Emotion im Übrigen als auftrennbare Variante zu haben – kann also unter Umgehung der Eingangsstufe als reine Endstufe Verwendung finden. Das Besondere dabei: Jeder der vier Eingänge (auch der symmetrische) kann – mittels einiger Knopfdrücke programmiert – als Schnittstelle für die externe Vorstufe dienen.

fonel emotion

Neben einem Kopfhörer (6,3mm Klinke) sind zudem zwei Lautsprecherpaare mittels frontseitiger A/B-Schalter unabhängig voneinander ansteuerbar: Die dazu vorhandenen acht Buchsen nehmen sowohl Bananas als auch Kabelschuhe auf und sind so weit auf Abstand gehalten, dass auch dickere Strippen bequem angeleint werden können.

Bevor ich’s vergesse: Ich betonte bereits oben, dass wir es hier mit der (reinen) Transistorvariante des Emotion zu tun haben. Ergo müsste es auch eine Röhrenvariante haben bei Fonel. Und richtig, diese sieht äußerlich identisch aus, weist grundsätzlich die gleichen Ausstattungsmerkmale auf, leistet aber nur 2 x 25 Watt. Fonel macht generell keinen Hehl daraus, dass man sich klangphilosophisch eher der Röhrenfraktion zugehörig fühlt. Dass die ausschließliche Verwendung von Transistoren nicht zwangsläufig im krassen Widerspruch zu dieser Neigung stehen muss, erklärt sich neben einem entsprechenden Schaltungsdesign auch durch den gezielten Einsatz von MOSFET-Transistoren (Metal Oxide Semiconductor Field-Effect Transistor), deren Vorteilhaftigkeit im Verstärkerbau, auch dies sei gesagt, nicht unumstritten ist.

Im Gegensatz zu den häufiger vorzufindenden und partiell freilich auch im Fonel Emotion zum Zuge kommenden bipolaren Transistoren (siehe dazu auch weiter unten), arbeiten MOSFETs (und FETs allgemein) fonellediglich mit einer Steuerspannung und einem elektrischen Feld. Ein tatsächlicher Steuerstrom – wie bei der bipolaren Spezies – fließt dabei nicht. Das physikalische Wirkprinzip der Ansteuerung ähnelt also dem von Röhren – die zu steuernden Elektronen haben aber letztendlich kein Vakuum, sondern einen Halbleiter zu durchqueren (eine wohlige Wärme spendende Heizung braucht’s bei der FET-Familie daher natürlich auch nicht …). Deswegen mag es auch nicht verwundern, dass Röhren und MOSFETs in Teilbereichen ähnliche Verhaltensweisen an den Tag legen respektive recht ähnliche Kennlinienverläufe aufs Papier legen. Wen das Thema näher interessiert, dem sei neben Wikipedia zum Beispiel www.elektronikinfo.de empfohlen.

Aufgrund des beschriebenen Wirkprinzips von MOSFET-Transistoren haben die Elektronen auf ihrem Weg durch den Halbleiter zudem keine Sperrschichten zu überwinden, wie das bei bipolaren Exemplaren der Fall ist. Dies wirke, so Fonel, zusätzlich verzerrungsminimierend beziehungsweise halte THD und Klirr im Zaum. Dagegen verbuchen bipolare Transistoren auf der Habenseite gemeinhin einen höheren Verstärkungskoeffizienten. Bei Fonel ist man denn auch der Meinung, dass es eben auf den „richtigen Mix“ ankäme: Deswegen gelangen in der Eingangs- sowie Vorausgangsstufe des dreistufig aufgebauten Fonel Emotion auch beide Transistorvarianten zum Einsatz – lediglich die Ausgangstufe des Emotion agiert „bipolarfrei“.

MOSFETs weisen gegenüber ihren bipolaren Pendants eine höhere Exemplarstreuung auf – ein Grund, warum in der Ausgangsstufe des Emotion die acht MOSFETs, welche sich auf beide Verstärker-Kanäle aufteilen, laut Fonel ausschließlich selektiert beziehungsweise gematcht zum Einsatz gebracht werden. Bis knapp 15 Watt arbeiten diese dann in reinem Class A, danach wechselt der Emotion automatisch in den energieeffizienteren Class-B-Betrieb …

… was, um höhere Lautstärken zu erreichen, im Übrigen ein recht weites „Aufreißen“ der Volume-Regelung, angezeigt durch einen gut ablesbaren Leuchtring, erfordert. Zumindest für den asymmetrischen Betrieb gilt dies. In praxi sollten daraus aber eigentlich keine besonderen Probleme folgen. Es sei denn, man gehört zu den Pegelfetischisten, die die PS des Emotion auch mal zu hundert Prozent auf die Straße bringen wollen und auch bei vollends nach rechts gedrehter Lautstärkeregelung das Gefühl nicht loswerden, dass da eigentlich noch mehr ginge …

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Die Lautstärkeregelung wird durch ein Alps-Potentiometer umgesetzt.

Test: Fonel Emotion | Vollverstärker

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