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Klang Exposure S 2010 Vollverstärker

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Exposure S 2010 Vollverstärker

Mein Interesse gilt zunächst dem S 2010 Vollverstärker. Und der macht schnell klar, dass er es ernst meint. Von Beginn an spielt er ungemein dynamisch auf, und obwohl ich solche Klischees eigentlich gar nicht mag, ist mein erster Gedanke: „Hört, hört, ein Transistor“. Was sicherlich mit daran liegt, dass Exposures Amp im kalten Zustand zwar dynamisch gleich auf der Höhe zu sein scheint – aber doch noch einiges an Feinzeichnung vermissen lässt. Nach einer knappen halben Stunde zum Aufwärmen widmet sich der Verstärker aber auch gebührend allen Feinheiten der Musik. Zu meinem Erstaunen! Der S 2010 zeichnet nämlich ein unglaublich exaktes Klangbild.

Ofrin / On Shore Remain

Nicht nur, dass er jede Nuance der Stimme von Ofri Brin (Ofrin, „On Shore Remain“) zur Geltung bringt, nein, selbst die hauchfeinen Geräusche, die Zunge und Gaumen beim Singen hervorrufen, sind zu vernehmen. Man meint fast, die Mund- und Zungenbewegungen, ja sogar die des Kehldeckels und des Gaumensegels nachvollziehen zu können. Normalerweise bin ich kein Fan von Aufnahmen, bei denen ich das Gefühl habe, der Toningenieur hätte Tonabnehmer auf den Stimmbändern einer Sängerin montiert. Solch detailierte Aufnahmen kommen mir nicht selten fast pornographisch vor. Beim Titel „Tango“ passt die Sache aber, weil die sparsame Instrumentierung förmlich zum genauen Hinhören zwingt.

Bei den folgenden Streifzügen durch meine Musiksammlung bestätigt sich mein erster Eindruck: Der Exposure S 2010 Vollverstärker ist ein extrem exaktes und neutrales Gerät. Neben der klanglichen Genauigkeit beeindruckt mich vor allem die präzise räumliche Darstellung. Bei Dee Dee Bridgewaters „Live at Yoshis“ bleibt kein Zweifel, wo auf der Bühne Dee Dee Bridgewater denn nun gerade steht beziehungsweise wen sie ansingt oder anspricht. Auch die Instrumente sind klar auf der Bühne verteilt und werden in Größe und Körper richtig wiedergegeben.

Da der Kollege Jörg so freundlich war, mir eine Auswahl an Lautsprecherkabeln zur Verfügung zu stellen, missbrauche ich Exposures Integrierten gleich für einen kleinen Kabeltest. Und siehe da, er enttäuscht mich in keiner Weise. Er lässt die Charakteristika der verschiedenen Kabel klar hervortreten und macht deutlich, dass „lahme“ Kabel seine Qualitäten limitieren. Mein Favorit ist jedenfalls eindeutig das „schnellste“ Kabel der Runde. Etwas bedauere ich, dass der Vertrieb nicht gleich mal einen Satz Nordost-Kabel dazugelegt hat – die hat Connect Audio nämlich auch im Programm -, aber wie auch immer: Dass ich einen Verstärker, der knapp über 1.000 Euro kostet, für einen Kabeltest heranziehen kann, sagt eigentlich schon einiges über die Qualität des Geräts aus, wie ich meine.

Catharina Valente in LondonSo bleibe ich ziemlich häufig bei dynamischem Material hängen. Auf der CD „Catherina Valente in London“ ist das Stück Lullaby of Broadway einer meiner Lieblings-Tracks. Die Aufnahme ist für ihre Zeit ziemlich gut, man hört aber auch, wo die Tonmeister ein wenig „nachgebessert“ haben. Der Exposure S 2010 zeigt diese Eingriffe sehr klar auf. Aber nicht in der Art des Besserwissers, der pingelig auf solche Tricks deutet. Eher scheint er mit den Schulter zu zucken und zu sagen: „Ok, da hat einer ein wenig am Hall gedreht, hier und da gäbe es auch noch ein paar Kleinigkeiten anzumerken, naja, macht nix, die Musik fetzt, hey – let’s swing!“ Die Mischung aus Neutralität, Präzision und Spielfreude, die die Darstellung des Amps kennzeichnet, ist wirklich beeindruckend.

Ein kleiner Szenenwechsel: Der S 2010 Amplifier ist in meine „Zweitanlage“ integriert. Hier darf er meine altehrwürdigen Expolinear 120 T antreiben. Als Quelle dient der Thorens TD 160 HD. Da der S 2010 ohne optionales Phonoboard gekommen ist, verstärkt ein Lehmann Black Cube II SE die Signale des Benz Micro Gold MC Tonabnehmers vor. Und auch in dieser Umgebung fühlt sich der Verstärker sofort pudelwohl. An den sehr schnellen Lautsprechern kann der Verstärker seine diesbezüglichen Talente bestens zur Geltung bringen. Und seine Neutralität zeigt der Exposure S 2010 in Verbindung mit der analogen Quelle dadurch, dass er keinen Zweifel daran lässt, wo die analoge Musikaufzeichnung der digitalen (zumindest der CD) meiner Meinung nach immer noch überlegen ist – in den mittleren Lagen. Die tonalen Nuancen, die Miles Davis seiner Trompete zu entlocken vermag, klingen noch feiner und detaillierter (Miles Davis, „Somethin‘ Else“, Blue Note 1595), die Stimme von Sarah Vaughan noch sinnlicher (Sarah Vaughen, „Sarah Vauvhen“, EmArcy 36004) als bei vergleichbaren Aufnahmen von CD. Es ist wirklich beeindruckend, wie der Verstärker die Charakteristika der jeweiligen Quelle transportiert – große Klasse.

Exposure S 2010 Vollverstärker

Wo der Haken bei der Geschichte ist? Naja – es gibt Dinge, die können andere Verstärker besser. Mein Jadies Orchestra (um die 2.500 Euro) hat ein noch feineres „Gespür für Musik“. Wo der Exposure einzelne Instrumente präzise in den Raum stellt, besitzt der Orchestra noch ein wenig mehr Sinn für das Zusammenspiel; er scheint mit Harmonien und Dissonanzen noch ein wenig mehr anfangen zu können. Was mich allerdings erstaunt ist, dass sich der S 2010 im Bass leicht zurückhält.Exposure-Cap75 Transistorwatt sollten doch ausreichen, um den Geithains bei gehobener Zimmerlautstärke ordentliche Bassgewitter zu entlocken, aber irgendwie übt er lieber dezente Zurückhaltung. Bässe kommen zwar zackig, der letzte Druck und die tiefste „Schwärze“ fehlen aber. In dem Stück „No Wow“ auf der gleichnamigen CD von The Kills schält sich die Stimme von Alison Mosshart zwischen gewaltigen, tieffrequenten Drumcomputer-Beats heraus. Über den Exposure klingen die Basstiraden eher wie die Begleitung zur Stimme. Oder Strawinskys „Le Sacre Du Printemps“: Die Trommeln, die der ersten Ekstase Einhalt gebieten, vermögen nicht ganz so autoritär die Mächte der Erde zu verkörpern, wie ich es von meiner Jadies-Röhre her kenne. Die andere Seite der eher schlanken Basswiedergabe des Exposures ist, das er nie Gefahr läuft, behäbig zu wirken, Töne in mulmigen Tiefen versumpfen zu lassen. Das Motto scheint zu sein: Lieber ein bisschen weniger, dafür auf den Punkt gebracht, als zu viel und diffus.

Ich möchte betonen, dass ich hier Kritik auf sehr hohem Niveau übe. Da der Exposure S 2010 aber in so vielen Bereichen Qualitäten zeigt, die deutlich überm Schnitt liegen, muss sich der Verstärker eben auch etwas oberlehrerhafte Kritik gefallen lassen. Ja, klanglich geht noch mehr, preislich aber auch – und wie! Alles in allem ist der Exposure S 2010 ein neutrales Gerät.

Neutral heißt ja nicht, in allen Punkten perfekt, zumindest für mich nicht. Jedes Gerät in einer Hi-Fi-Kette nimmt ein wenig von dem auf dem Tonträger gespeicherten Klang weg. Am besten ist es dabei, wenn jede Stufe dies in einer minimalen und möglichst ausgewogenen Weise tut. Einige sehen ihr hifideles Glück freilich gerade darin, Geräte so geschickt zu kombinieren, dass sich die individuellen Mängel gegenseitig kompensieren. Am Schluss soll dann ein ausgeglichener Klang herauskommen. Man kombiniert einen höhenarmen Verstärker mit etwas bassschwach abgestimmten Lautsprechern, damit die Balance zwischen Höhen und Bässen stimmt; das Quellgerät soll dann in den mittleren Lagen besonders zurückhaltend sein, damit diese mit Bass und Höhen gleichauf liegen. Ich halte das für ein gewagtes Spiel. Um auf ein Beispiel aus der Fotografie zurückzugreifen: Versuchen Sie mal, durch die Kombination verschiedener Farbfilter ein in der Farbwiedergabe neutrales Bild zu erhalten. Da fahren Sie mit einem Neutral-Grau-Filter deutlich besser, das alle Farben im gleichen Maße schluckt und so ein zwar etwas dunkleres, aber alles in allem farbtreues Bild liefert.

Test: Exposure S 2010 | CD-Player

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