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Norddeutsche HiFi-Tage

Klischee 6: Britische Verstärker klingen musikalisch und warm.

Inhaltsverzeichnis

  1. 4 Klischee 6: Britische Verstärker klingen musikalisch und warm.

Kommen wir zum Wesentlichen: Wie klingt der Astintrew At2000? Um dem trüben Wetter in Berlin zu trotzen, beginne ich den Hörtest mit ein wenig Swing. Caterina Valente: Lullaby of Broadway, einer meiner all time favorites von der CD “Caterina Valente in London”.valente Normalerweise hat der Track bei mir einen hohen Mittwippfaktor. Der fällt bei der Wiedergabe über den At2000 etwas zurückhaltender aus. Dafür steht der Sound der Bigband souverän im Raum. Der Astintrew At2000 entwirft ein komplexes Klanggeschehen und lässt trotzdem jedem Instrument seine Charakteristika. Auch die Stimme von Frau Valente kommt gut rüber und vermittelt Spaß. Alles in allem zeigt der At2000 hier aber eher Understatement als Strahlkraft.

Diesen Charakter behält der At2000 auch bei anderen Musikrichtungen bei. Ruhiger Jazz ist ganz sein Metier. Auf der vorzüglich aufgenommenen „A Sigh, a Song“ des Lisa Bassenge Trios kommt jeder Klavieranschlag in allen Details zur Geltung, die Stimme Lisa Bessenges besitzt einen unglaublichen Ausdruck, der AT2000 würdigt jede Nuance. Lediglich das tiefe Schnalzen der Seiten habe ich schon konturierter und eindringlicher gehört.

bassengeBassgewalt und -attacke sind nicht die Sache des Astintrew At2000. Dafür auch keine Showeffekte. Ehrlichkeit und ein ausgeprägter Sinn für Feinheiten, über die temperamentvollere Verstärker-Kollegen mitunter auch gern einfach mal so hinwegbügeln, kennzeichnen seine Wiedergabe. Damit will ich nicht sagen, dass der At2000 ein Langweiler ist. Im Gegenteil: Die guter Musik innewohnende Spannung bringt er hinreißend und mitreißend zu Gehör. Als Zuhörer neige ich dabei eher zum Dahinschmelzen als zum Mitwippen. Jetzt besteht die Gefahr, dass Sie denken, der At2000 klänge schmalzig. Nein, im Gegenteil, er klingt klar und schlackenlos, Impulse bringt er – wenn man mal ein klein wenig vom Bassbereich absieht – grundsätzlich präzise und ohne Weichspüler rüber.

Glauben Sie nicht? Ich jedenfalls habe beispielsweise mit dem Titel Tango von Ofrins CD „On Shore Remain“ viel Spaß ofrindamit gehabt, wie schnell und detailliert der At2000 sein kann, wenn es darauf ankommt. Und falls Sie es lieber ein wenig konservativer mögen: Ich habe ein ziemliches Faible für das Vibraphon in dem Stück Summer Samba auf der CD „Lyambiko“ von Lyambiko – auch gut gegen trübe Stimmung bei trübem Wetter. Über den At2000 wird dieses Faible beinahe zur Sucht.

Oder mögen Sie es klassisch? Beethovens Konzert Nr. 5 „Empereor“, diesmal von der Schallplatte. Für die Einspielung der Wiener Philharmoniker mit Clifford Curzon am Flügel wurde extra ein von Curzon bevorzugter Steinway nach Wien geflogen. Und wenn Sie die Aufnahme über den At2000 hören, kommt Ihnen zu keiner Zeit der Gedanke, dieser Aufwand könnte auch nur im Entferntesten übertrieben gewesen sein …

So sehr der At2000 Feinheiten aufzulösen vermag, steht doch der musikalische Zusammenhang immer im Vordergrund der Wiedergabe. Jedes Detail scheint eingebunden in ein Ganzes. Daher ist der Klang des Astintrew nie analytisch sondern bleibt immer auf der musikalischen Seite. Ähnliches gilt auch für die räumliche Darstellung. Hier stellt der At2000 eher das Gesamtgeschehen in den Raum, anstatt akribisch zu sezieren, wo jedes einzelne Instrument angeordnet ist.

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Test: Astintrew At2000 | Vollverstärker

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