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Hingehört: Audioplan Kontrast V

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  1. 3 Hingehört: Audioplan Kontrast V

Sie haben’s bei dem einen oder anderen Bericht sicherlich schon bemerkt: Meine CD-Sammlung rekrutiert sich beileibe nicht ausschließlich aus, ähem, „audiophil wertvollen“ musikScheiben und mitunter lass ich’s musikalisch gerne mal ein wenig heftiger, ab und an auch elektronischer werden. Und klar geht das als subjektiv-willkürlich durch, aber Audioplans Kontrast gehört zu der Sorte von HiFi-Komponenten, die mich zuallererst neugierig werden ließ, wie‘s denn wohl klingt, wenn gut aufgenommene akustische Musik eingelegt wird. Wie das Album The River (1997) zum Beispiel – auf welchem der nordische Pianist Ketil Bjørnstad und der aus Indiana stammende Cellist David Darling klangmalerisch die Topographie eines Flusslaufs beschreiben. Musik übrigens, die ihre volle Intensität – so ging’s mir zumindest – wohl erst mach mehrmaligem Hören so richtig zu offenbaren vermag.

audioplan

Und passend zum Albumtitel weiß die Kontrast V mit dem Wörtchen „Fluss“ in jedem Fall eine ganze Menge anzufangen. Wenn das berühmte Kriterium „musikalischer Fluss“ auch immer ein bisschen abgehoben-metaphysisch anmuten mag, sprich nicht so handfest-konkret wie andere Klangmerkmale erscheint – beim Hören mit einem Lautsprecher wie der Kontrast dürfte dieses Thema wohl auch an auf äußerste Bodenständigkeit bedachten Hörern nicht vorbeigehen:

Leichtfüßig und fließend wirkt Ketil Bjørnstads Piano, dabei aber, um Missverständnissen vorzubeugen, keinesfalls aufgeweicht oder unscharf, sondern gleichzeitig sehr akzentuiert, perlend und auf den Punkt spielend. Ja, der Audioplan’sche Wandler richtet bei aller Agilität, die er vermittelt, sein Augenmerk nicht nur auf eine zackige Attackphase, das Anstiegsmoment von Tönen, sondern widmet sich gleichsam auch deren Sustain, also quasi deren „Körper“: Die Energie von Pianoanschlägen wird ebenso involvierend vermittelt, wie sich Zeit genommen wird, die zugehörigen Ausschwingvorgänge nachzuverfolgen.

Dieses Nichtvernachlässigen des Sustains von Tönen ist für weitere akustische Annehmlichkeiten der Kontrast V mitverantwortlich: Zum einen ist da der angenehm farbige, natürlich klingende Mittenbereich – auch der Kollege Ralph führte als einen seiner ersten Höreindrücke die audioplanüberaus gelungene Stimmwiedergabe ins Feld. Wofür nun aber weniger eine besonders geartete Grundtonfülle – die ja nicht selten mit farbigen Mitten assoziiert wird – oder andere tonale Besonderheiten verantwortlich sind. Nein, tonale Trickserei ist die Sache der Audioplan nun gar nicht. Entscheidend ist vielmehr, dass sie es versteht, einzelne Töne nicht nur mit einer angenehm definierten Trenn- oder Randschärfe zu versehen (gut für die Unverwaschenheit, die Transparenz der Wiedergabe), sondern – Stichwort Körper – diese auch deckkräftig „ausmalt“, sprich für die notwendige Substanz im Klangbild sorgt.

Nach alledem können Sie sich’s wahrscheinlich bereits denken: Die Audioplan Kontrast V ist bei allem Hang zur Unverwaschenheit, zur akkuraten Darstellung einzelner Töne kein Wandler, der es in irgendeiner Weise unangenehm seziererisch oder analytisch angehen ließe – dafür sorgen letztlich auch die Hochtonfähigkeiten unseres Probanden:

Der Song Arcane (Narcosis Sampler, 1997) ist ein tadellos aufgenommener, „angejazzter“ Song des sich aus den Australiern David Thrussell und Pieter Bourke zusammensetzenden Ambient-Duos Soma, musikwelcher im Hochton unter anderem mit einem recht dominant, aber angenehm körperhaft-weich, durchsichtig spielenden Becken aufwartet. Nun, wohlmöglich mag zum Beispiel bei einigen Bändchen-bewehrten Spezialisten in dieser Preisklasse noch ein Tick mehr an Transparenz drin sein und auch meine mehr als doppelt so teure Thiel CS 3.7 lässt das Becken noch ein bisschen eindrucksvoller funkeln, aber insgesamt ist die Balance zwischen Präzision, tonaler Integriertheit und Geschmeidigkeit – und eben nicht Vorwitzigkeit, Härte oder artifizieller Silbrigkeit – nach meinem Geschmack außerordentlich gut gelungen.

Ja, in Sachen Konturiertheit, der pointierten, unverschmierten Darstellung von Klangereignissen im Hochton hat sie bei alledem zum Beispiel gegenüber meiner in den oberen Lagen ebenfalls absolut stressfrei aufspielenden und in etwa gleichteuren Sehring 703 die Nase vorn, welche allerdings – die ganz, ganz oberen Etagen betreffend – luftiger, mit mehr Air zu Werke geht und nicht zuletzt dadurch eine größere und offenere Bühnenillusion erzeugt.

audioplan kontrast

Die Kontrast V kommt mit einem Bi-Wiring-Terminal daher – die mitgelieferten Brücken (nicht im Bild) für den Single-Wiring Betrieb vor dem ersten Probehören und auch sonst ab und an mal lockern/bewegen, um die Kontaktflächen von erhöhten Übergangswiderständen zu befreien, bisweilen ist das (freilich auch bei anderen Lautsprechern) deutlich hörbar …

Test: Audioplan Kontrast V | Standlautsprecher

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